# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1853 07 19_S192 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) dem Bann wiederum in das knechtiſche Joch fangen ließen. Wir ſind nur zu feſt überzeugt, daß die Uebrigen nicht aus Liebe zu dieſer Sache nachgegeben haben, ſondern weil man ihre Ge⸗ wiſſen verwirrte, Cindem man z. B. vorgab: die⸗ ſe „chriſtliche Ordnung“ ſei bei einer ordentlichen Gemeineverſammlung geſtellt worden und zwar mit Gebet; weil man aber bei einer jeden chriſt⸗ lichen Gemein everſammlung zuvor bete und Gott anrufe, ſo ſei man auch ſchuldig, das zu halten, was man be ſſchließe). Doch zum dritten Grund. III. Weil ſie ſich auch nicht erboten, eine andere, etwa beſſereſchriſtli⸗ che Ordnung vorzuſchlagen und aufzurichten, ſon dern frei ſein wollten von aller Ordnung. Antwort: Man kann auch ſeine Gaben frei⸗ willig darreichen, ohne eine beſtimmte Ord— nung aufzurichten. Dieſe erſte „chriſtliche Ord- nung“ hatte uns ſcheu gemacht vor allen ähnli⸗ chen Ordnungen. Daß man aber auch ſeine Gaben freiwillig darreichen kann, ja darf, und dieſe Art bibliſch und neuteſtament⸗ lich ſei; das kann man von dem heiligen Apo⸗ ſtel Paulus ſelbſt hören, der an die Corinther im zweiten Brief, im neunten Capitel und ſiebenten Vers alſo ſchreibt: „Ein Jeglicher nach ſeinem Willkühr, nicht mit Unwillen oder Zwang, denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.“ Gleichwohl aber halten wir auch, daß man in einer gewiſſen Ordnung geben könne, wenn man ſolche beſtimmte Ordnung nicht als Gewiſ⸗ ſensſache behandelt, wie es bei uns geſchehen und darüber Abendmahl und Seelſorge verſagt. Gegen die Ordnung waren wir nie, ſondern gegen die Art, wie man ſie uns aufzudringen ſuchte. Hr. P. Gr. konnte in ſeinem Berichte doch nicht ſagen, daß wir „frei ſein wollten von allem Geben;“ ſonſt hätten wir ihn erinnern müſſen, daß auch ohne ſeine Ordnung und zwar mit aller Willigkeit gegen 600 Thaler von uns zum Bau einer neuen Kirche geſchrieben wurden. Wir erboten uns, die Kirche aus ei⸗ genen Mitteln zu bauen, was ſie auch koſten würde; wir wollten keine auswärtige Gemeine um Hülfe anſprechen. Wir hätten ja Alles ger⸗ ne gethan, denn P. Gr. war uns lieb und werth. Allein man wollte, wie geſagt, unſere freiwilligen Gaben nicht annehmen. Man verglich uns mit den Samaritern und führte die Stelle aus dem Buche Eſra, Kap. 4, 1—3 gegen uns an! Wel⸗ che untreue Anwendung des Wortes Gottes! Wir waren doch keine Samariter, die dem Got⸗ tesdienſt hinderlich ſein wollten, ſondern gerade das Gegentheil; wir wollten ihn fördern, darum auch freiwillig und gerne ſolche Opfer bringen. Wenn wir weiter kein Zeugniß gegen die Un⸗ treue des Hrn. P. Gr. hätten, als die falſche An⸗ wendung des Wortes Gottes, ſo wäre es ſchon genug. Was haben wir denn im neuen Teſta⸗ mente Urſache, uns an das jüdiſche Geſetz bin⸗ den zu laſſen und nach der von P. Gr. ange⸗ führten Stelle gleiche Steuer (reich oder arm) zum Tempelbau zu geben? Von dem Allem ſchweigt aber P. Gr. wohlweislich in ſeinem Be⸗ richt. —.— Weiterer Ausſchließungsgrund. IV. „Weil ſie diechriſtliche Ordnung ein Pfaffenjoch nannten und ſol⸗ ches nicht widerriefen.“ Antwort: Wir können es heute noch nicht wi⸗ derrufen! Dünkt's dem Leſer aber zu hart, ſo wollen wir ihm ein Beiſpiel geben, welches ſol— cher Beſchuldigung alle Härte nehmen wird. Als nämlich einmal in einer Verſammlung über dieſe Schillingsgeſchichte gehandelt wurde und P. Gr. keine rechte Einigkeit merkte, ſo nahm er Zuflucht zu ſeiner, in ſolchen Fällen ihm eige— nen Weiſe, und frug um, Mann für Mann, wer den Schilling geben wolle. Da kam auch die Frage an Egel jun. Ehe dieſer aber ſeine Antwort abgeben wollte, frug er den P. Gr. um Erlaubniß, erſt ein Wort fragen zu dürfen. P. Gr. erlaubte es ihm nicht. Egel bat nochmals um Erlaubniß zu fragen. P. Gr. verweigerte es abermals und ſetzte hinzu: „Es ſei nichts zu fragen, ſondern er ſolle Ja oder Nein ſagen, ob er den Schilling geben wolle, nicht.“ Egel ſagte darauf: „Nein!“ Egel aber wollte fragen, wie lange dieſe Ordnung ſte⸗ hen ſolle? Iſt es da Bauern zu verargen, wenn ſie vom Pfaffenjoch reden? Den Ochſen legt man ein Joch auf ob ſie wollen, oder nicht wollen, und Hr. P. Gr. hat es mit uns nicht an⸗ ders machen wollen, wie aus dem Geſagten deutlich genug zu erſehen iſt. Zum nächſten Ausſchließungsgrund. V. „Weil ſie, um ihren böſen Willen durchzuſetzen, eine heimliche rot⸗ tiſche Verſammlung nach der an⸗ dern hielten, ſich gegen Paſtor, Kirchenvorſtand und Gemeine zu⸗ ſammenkoppelten, ohne auf Er⸗ mahnung zu hören.“ Unſere Antwort: Es iſt hierbei zu erinnern, daß P. Grabau der Schillingsſache wegen viele Verſammlungen mit uns hielt. Weil aber auch niemals Einigkeit hergeſtellt werden konnte, da Hr. P. Gr. die Sache auf verkehrte Weiſe mit uns trieb und wir ſolches nicht leiden durften; auch weiter auf keinem Wege Abhülfe erlangten, ſo kam die Gemeine zur Zeit, da die Synode in Buffalo gehalten werden ſollte, zuſammen. Bei dieſer Gemeineverſammlung wa⸗ ren Alle zugegen, bis auf etwa drei Glie⸗ der, die aus gewiſſen Gründen nicht kommen wollten. Dieſe Verſammlung wurde gehalten im Hauſe des C. F. Schröder, welcher bis heute zur Grabauiſchen Synode gehört. Es war alſo dieſes keine Verſammlung, da man ſich gegen den Kirchenvorſtand und die Gemeine zuſam— menkoppelte; denn der Kirchenvorſtand und die Gemeine waren beiſammen. Auch galt ſie noch nicht gegen den Paſtor, ſondern es wurde einſtimmig beſchloſſen, dem De⸗ putirten Schweickhardt aufzutragen, daß er b ei der Synode Rath und Hülfe ſuchen ſollte. Wenn ſolches erlangt worden wäre, ſo hätten wir ja mit unſerem Paſtor wieder im Frieden leben können! Auch hatte jene Verſammlung noch einen andern Zweck: Weil es trotz aller Streitigkeit ſo weit gediehen war, daß der Kirchenbau mit dem Maurer accordirt war, aber man uns nicht mitbauen laſſen wollte, ſo mußte man berathen, was in ſolchem Falle zu thun ſei. Es wurde deßhalb beſchloſſen, den Maurer gegen einige Vergütung abzubeſtellen, welches auch geſchah. Denn wir wollten keine Trennung, und deshalb erſt die Spnode abwarten. Was konnten wir da anders thun, als zuſammen kommen? Hr. P. Gr. thut ſehr unrecht, daß er uns darin der Ror⸗ tirerei beſchuldigt. VI. Weil ſie in ſolcher Rottenver⸗ ſammlung am 30. Juli ſich will⸗ kührlich vom Amt und Dienſt ih⸗ res Paſtors losſagten und ihnab⸗ ſetzten.“ Antwort: Hr. P. Gr. hat ſich ſelbſt zuvor von uns losgeſagt, weil wir den Schilling nicht un⸗ terſchreiben wollten. Er hat uns Abend⸗ mahl und Seelſorge verweigert. Bei der Sy⸗ node fanden wir weder Rath noch Hülfe. Denn als ſpäter eine Anzahl dieſer Herren zu uns her⸗ auskamen, um uns nochmals zu vermahnen, das heißt den Schilling aufzudringen, (pag. 6 da marterten ſie unſer Gewiſſen noch mehr, wir man klar aus der Erklärung ſchließen kann, dit von Jakob Bauer abgegeben wurde (Pag- 65). Man ſchalt uns da Böcke, Lügner, u. U. w. Wie konnten wir uns dem P. Grabau län⸗ ger anvertrauen, der uns ſo lange offenbar un⸗ gerecht behandelt und unſere Gewiſſen gemarten hatte? Wie konnten wir endlich zur ganzen Sy⸗ node noch ferneres Zutrauen haben und ihrrr Ermahnung Folge leiſten, da dieſe ganz wie P. Gr. geſinnet war? Erſtaunlich iſt es, zu hörez. daß einmal ein Buffaloer Gemeindeglied, den unſere Noth zu Herzen ging, einen der jüngeren Paſtoren bat, er möchte doch bei der Synodt da⸗ hin wirken, daß uns geholfen würde, zur Anz⸗ wort bekam: er wolle thun, was er könne; allein Hr. P. Grabau ſei eben der Aelteſte, und nach ihm müſſe man ſich richten. Hier geht es alſe nach dem Alter, nicht nach dem Recht! Kein Wunder, daß alle Urtheile dieſer Synode ſe „einmüthiglich“ abgefaßt werden; denn wenn ſir Einer, der Aelteſte abgefaßt hat, ſo haben ſie ſie alle abgefaßt. Ob aber „tre ue, chriſtliche und treugewohnte Paſtoren“ ſo thun. müſſen wir faſt bezweifeln. Wer die ganzt Handlungsweiſe, wie ſie P. Gr. an uns geübt hat, mit unbefangenem Herzen beurtheilt, kann gewiß nicht anders bekennen, als daß wir Urſa⸗ che genug hatten, uns vor ſolcher „Treue“ ferr er zu verwahren. Wir haben P. Gr. nicht Args den Abſchied gegeben. Wir haben uns Trei Jahre lang um der Sache willen »ait ihm geſtritten. Wir haben ihn öfter, als in zählen können, gebeten, er möchte um des Fr zdens wil⸗ len nachgeben. Eine Frau boe ſogar ihre Klri⸗ nodien an, die ſie gerne pfern würde, wenn P. Gr. nachgeben und vie Gemeine verſchonen wůr⸗ de. Sie bekam. von ihm zur Antwort: „Ein Ha c Paſor banne inte v ge . Wir meinen gerade das Gegentheil. Wir haben insgeſammt P. Gr. zum: Nachgeben ermahnt; wir haben bei der Sy⸗ node Rath und Hülfe geſucht (nicht ihn ver⸗ 4