# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1853 07 19_S183 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Geſchwinern die Härte ihrer eben ſo unmütter— lichen als ungläubigen Mutter fühlen. Eines Tages ſchickte dieſe ſie in das nächſte Dorf, um einige Kleinigkeiten zu holen. Unterwegs be— gegnete ihr ein ehrwürdiger ſchriſtlicher Prediger. Dieſer, ver in den Augen des Mädchens Tränen erblickte, fragte ſie: „Worüber weineſt du, meen Kind? — Das Mädchen: Ich weine über mich, daß ich meinen HErrn Jeſus, den ich ſo gerne mehr als Alles in der Welt lieben möchte, noch viel zu wenig lieb habe, und dann weine ich über meine gute Muteer, daß ſe den SErrn⸗ Jeſus gar nicht lieb hat. — „Du ſchienſt ja— auch zu beten, was beteſt du.?“ — Ich betete für mich, und auch für meine liebe Mutter, daß ſich der HErr Jeſus ihr offenbaren wolle, und ſie freundlich anſehen, damit ſie Ihn auch lieb bekommen möge. — Der Prediger verließ ſie mit den Worten: Fahre fort ſo zu beten, dein Gebet wird erhört werden! Das Kind kam nach verrichtetem Auftrage zur Mutter zurück. Die Mutter empfing ſie iebreich, küßte ſie, und ſagte: „Haſt du unter⸗ lwegs an mich gedacht, mein Kind?“ Ja, Mut⸗ ter — Haſt du für mich zu Gott gebetet? Ja Mutter, — „Und was? — Daß der SErr Jeſus dir recht freundlich und gnädig ſeyn wolle und daß wir einmal Beide au Ihm in den Himmel kommen mnögen. — „Ich habe es gefühlt, meine Tochter, daß du für mich geb etet haſt. Bete du alle Tage für mich und für dei⸗ ne Geſchwiſter! Ich werde es von jetzt an auch thun, und auch deinen Bruder und deine Schwe— ſter dazu anhalten.“ — Das Kind hüpfte vor Freude über die unerwartete und ungewohnte Aufnahme und Aeußerung der Mutter. Wirk— lich hatte der HErr dieſer Lydia das Herz auf— gethan, ein Strahl ſeiner erbarmenden Liebe war in ihre Seele gedrungen, und hatte in ihrem kalten Herzen gezündet; auch fing ſie nun an, das Wort Gottes lleißig zu hören und zu leſen. 1. Tim. 2, 1 Folgen davon, daß man ſich in der Uömiſchen Kirche bei den gottes⸗ dienſtlichen Handlungen der latei⸗ niſchen Sprache bedient. Johann Warnefried, zu Anfanvorigen Jahr⸗ zunderts Prediger zu Ulm, erzählt in ſeiner Er⸗ zrterung der Frage: Os zwiſchen der Augsb. Lonfeſſion und der römiſchen Religion kein ſon⸗ derlicher Unterſchied ſei? — „daß er einen Mann ekannt und geſprochen habe, welchen ein romi⸗ niſcher Prieſter aus Mith vitlen im Namen d'es Teufels lateiniſch getauft habe. Später habe der Prieſter ſelbſt, von der Angſt eines Gewiſſens gedrungen, dies eingeſtanden, aher jener Mann ſich noch einmal habe taufen aſſen müſſen, nachdem er bereits über dreißig Jahre alt geweſen ſei. — Wie viele mögen in der öniſchen Kirche von muthwilligen Pfaffen la⸗ einiſch ſo auf den Teufel oder doch unrichtig ge⸗ auft worden ſein! Bekannt iſt, was unter Andern auch Luther in dieſer Beziehung erfahren. Sache ſelbſt alſo: „Ich bin zu Rom geweſen nicht lange, habe daſelbſt viele Meſſen gehalten und auch ſehen viele Meſſen halten, daß mir grauet, wenn ich daran denke. Da hörte ich un— ter andern guten groben. Grumpen über Tiſch. Curtiſanen (Päbſtliche Hofleute) la hen und rüh⸗ men, wie etliche Meſſe hielten und über dem Brod und Wein ſprächen dieſe Worte: Panis es et pa- nis manebis, vinum es et vinum manebis (d. h. du biſt Brod und wirſt Brodbleiben, du biſt Wein, undwirſt Weinbleiben) und alſo aufgehoben. Nun, ich war ein junger und recht ernſter frommer Mönch, dem ſolche Worte wehe thäten, was ſollt' ich doch denken? Was konnte mir anders einfallen, denn ſolche Gedanken: Redet man hier zu Rom frei öffent— lich über Tiſch alſo, wie? wenn ſie allzumal, beide, Pabſt, Cardinäle ſammt den Curtiſanen, alſo Meſſe hielten? Wie fein wäre ich betrogen, der ich von ihnen ſo viel Meſſe gehört hätte!“ — Wie viele römiſche Prieſter, die un Perzen Spöt— ter ſind, mögen noch immerz wie jene zu Luther's Zeit, Brod und Wein nicht nur zum Affenſpiel der Meſſe, ſondern auch zur Feier des heiligen Abendmahls lateiniſch ſo conſecriren, und Tau— ſende hinzugehen, in dem Wahue, Chriſti Leib zu entpfangen, während ihnen eine ungeſegnete Hoſtie, ein wenig Mehl und Waſſer, zum Eſſen und Anbeten gereicht wird! Endlich erzählt J. Gaͤſt in ſeinen Merkwür— digkeiten, daß ein römmiſcher Prieſter einen Adeli— gen, der der lateiniſchen Sprache unkundig und weil er offenbar unbußfertig war, zwar abfoldirt habe, um das ihm dafür angebotene Goldoſtäck zu bekommen, aber mit folgenden Worten: „Un— ſer Herr Irſus Chriſtus aoſolvire dich, wenn er will, und erlaſſe dir deine Händen, was ich nicht glaube, und fuͤhre dich zum ewigen Leben, was unmöglich iſt.“ — Wie mancher papiſtiſche Beicht— vater mag aus eben ſo großer Gewiſſenhaftigkeit und zugleich in eben ſo großer Gelduoth ſeinen böſen Beichtkindern ähnliche tröſtliche lateiniſche Abſolutionen ſprechen! Die Sünden, welche der jetzigen römiſchen Kirche leid thun. Die römiſche Kirche hat ſo viel Blut unſchul⸗ diger Ehriſten und heiliger Märtyrer vergoſſen, daß ſie wohl Urſache hätte, dieſe ihre zum Him— mel ſchreiende Blutſchuld mit einem Meere blu⸗ tiger Thränen zu beweinen. Aber wie ſollte ſie das? Wäre ſie doch dann nicht jenes Weib, das trunken werden ſollte von dem Blute der Heiligen, und von dem Blute der Zeugen Jeſu! Offenbarung Stk⸗Joh. 17, 6. Welche Buße die jetzigen Papiſten hingegen für jene Sünden ih⸗ rer Väter thun, zeigt unter Anderen der Heraus⸗ geber des „Uaivers,“ einer hochangeſehenen fran⸗ zöſiſchen katholiſchen Zuſchrift, an, die gegenwär⸗ tig in der beſondern Gunſt des derzeitgen Pab⸗ ſtes ſteht. So ſchreibt nämlich der genannte Her⸗ ausgeber, ohne Zweifel im Namen und Sinn aller ſtrengen römiſchen Katholiken: Er erzuͤhlt dir „Es iſt mir leid, daß Jobannes Huß nich! eher verbrannt worden iſt, als es geſchehen iſt.“ „Es iſt mir gleichfalls leid, das Luther micht auf dieſelbe Weiſe geſtraft worden iſt.“ „Und es iſt mir leid, daß ſich zu dieſer Zeit kein König gefunden hat, der weiſe genug, fromm genug und politiſch genuß war, gegen den Pro⸗ teſtantismus einen Kreuzzug zu unternehmen.“, Wundere ſich alſo niemand, wenn den Katho⸗ liken die blutigen Gräuel, welche die römiſche Kir— che in der Vergangenheit begangen hat, noch im⸗ mer vorgehalten und dteſelben als ein thatſäch⸗ liches Zeugniß dafär erklärt werden, daß das Pabſtthum das Reich des Antichriſts iſt. Denn ſtrenge Katholiken, weit entferut, ſich jetzt jener Gräuel zu ſchimen und ſih von denſelben loszu⸗ ſagen, laſſen ſich nur das leid ſein, daß nicht noch mehr BIint der Wahrheitszeugen vergoſſen und die ganze proteſtantiſche Welt nicht in ihrem ei⸗ genen Blute erſäuft worden iſt. Die Art und Weiſe, wie die römiſch⸗ katholiſchen Miſſionäre unter den Heiden miſſioniren. Dr. Preſſel ſchreibt in ſeiner Schrift: Zuſtände des Proteſtantismus in Frankreich: Es dürfte vielleicht Manchen unſerer Leſer nicht unintereſſant ſein zu hören, auf welche Weiſe die Propaganda franzöſiſcher Miſſionäre ihr Werk unter den Heiden betreibt. Sie hat der proteſtantiſchen Miſſionsthätigkeit den Fehde⸗ handſchuh hingeworfen, indem ſie ſich der 3 Mil— lionen Franken rühmt, welche die ganze katholi⸗ ſche Chriſtenheit jährlich zum Miſſionswerke bei— ſteuert, ohne nachzählen zu wollen, daß die drei⸗ mal kleinere proteſtantiſche Kirche jährlich nicht weniger als 26 Millionen und 783,474 Fran⸗ ken zu gleichem Werke beträgt. Wenn aber die franzöſiſche katholiſche Meſſſonsgefellſchaft von ihren glänzenden Erfolgen redet, hinter welchen die proteſtantiſche Wirkſamkeit weit zurückbleibe! ſo bedenke man: es iſt wahr, die katholiſchen Miſſionäre, zumeiſt die Biſchöfe, welche ſie lei⸗ ten, hekehren überall, wo ſie gehen, zu Tauſen— den, aber warum ?—Weil es bei ihnen weder des Unterrichts, noch der Prüfung, noch der Buße und Bekehrung bedarf. Die katholiſchen „Jahr⸗ bücher der Verbreitung des Glaubens“ berichten dies ſelbſt. Wir überſetzen wörtlich einige die⸗ ſer Berichte. Wie der Vater Bataillon auf der Inſel Wallis tauft. „Um keinen Widerſtand zu erfahren, ſagt er, wenn ich Kinder ſelbſt vor den Augen ihrer Müt⸗ ter taufe, befolge ich folgende Methode. Ich habe immer in meiner Taſche ein wohlriechendes Fläſchchen und daneben ein anderes mit gewöhn⸗ lichem Waſſer: zuerſt gieße ich einige Tropfen von dem erſten auf das Haupt des Kindes, un⸗ ter dem Vorwande, es zu ſtärken, und während die Muner dieſe Tropfen auf dem Haupte ih⸗ res Kindes ausbreitet, wechſele ich die Flaßche