# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1853 07 19_S181 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) — 180— Vorgeſetzten erhalten haben. Was ſollen nun /„dazu auch einen ſolchen Ausleger ſenden, wie er die armen Laien anfangen? Im Hebräiſchen und Griechiſchen Originale und in der Lateini— ſchen Vulgata, die übrigens auch verfälſcht iſt, können ſie die Bibel nicht leſen, weil ſie dieſe Sprachen nicht verſtehen, rechte Ueverſetzungen ihrer Mutterſprache dürfen ſie nicht leſen, weil ſie ja dann den Unterſchied zwiſchen Gottes Wort und Menſchen Wort verſtehen lernen könnten, römiſch -katholiſche Ueberſetzungen, wie die von van Eß, die auch das Original nicht treu wiedergiebt, oder die von Allioli, deſſen Anmerkungen den Tert mehr verfälſchen als erläutern, wollen ſie nicht leſen und ſo müſſen ſie endlich die Bibel ganz ungeleſen laſſen. Hätte der Papſt geboten, es ſolle Niemand ſeinen leiblichen Vater in ſeiner Mutterſprache reden hören, ſo würde ſich alle Welt darüber entſetzen; iſt es aber nicht noch weit entſetzlicher, einem Chriſten zu verbieten, die Stimme ſeines himmliſchen Vaters zu hören? — Darum ſollte uns jene Verfolgung bibelleſender Chriſten aufs Neue erwecken, Gott für die unausſprechliche Wohlthat zu danken, daß wir die Bibel nicht allein leſen dürfen, ſondern daß wir ſie auch in der unübertroffenen Ueberſetzung Dr. Luther's leſen können, die doch ſelbſt alle roͤmiſch- ka⸗ tholiſchen Ueberſetzer ſtillſchweigend benutzt, ja oft wörtlich abgeſchrieben haben, obgleich ſol⸗ ches offenbar wider des Papſtes Geſetz iſt, da ja Luther's Ueberſetzung auch mit in dem Ver— zeichniß der verbotenen Bücher ſteht. Aber ach, wie gar wenige danken Gott für ſolche Wohl⸗ that, die hl. Schrift ungehindert leſen zu dür⸗ fen? Wie gar wenige brauchen ihrer treulich und fleißig! Wie noch weit weniger werden dem geleſenen Gottes Wort von Herzen uns in allen Dingen gehorſam und wie würden endlich nur die Allerwenigſten bereit ſein, darüber, wie die Familie Madiai, Bande und Tor zu lei— den? Wenn man die Maſſenverſammlungen be⸗ denkt, welche in mehreren Städten Amerika's gehalten worden ſind, um die Theilnahme für das Schickſal dieſer Familie kund zu geben, ſo möchte man beinahe glauben, daß hier ein un⸗ gemeiner Efer für die Bibel und namentlich für das Leſen derſelben herrſche; allein genau beſehen iſt das alles nichts weiter geweſen, als ein Ausbruch des Unwillens gegen die katho⸗ liſche Geiſtlichkeit, denn der bei weitem größte Theil jener Volksmaſſen fragt nichts nach der Bibel, und noch weit weniger nach dem Leſen derſelben, ſondern verwirft das alles als alten Aberglauben und Ueberbleibſel von Pfaffenty⸗ rannei, ja bewirft die Bibel und alle, die daran glauben, mit allerlei Läſterungen. Wenn aber die, welche wider das päpftliche Verbot die Bibel leſen, mit hartem Gefängniß geſtraft werden, welche weit ärgere Strafen ver⸗ dienen die, welche ſie wider das Gebot des großen Gottes nicht leſen? Der gnädige und barmherzige Gott, der jene Chriſten zur Bibel geführt und ſie in aller Be⸗ rräugniß dabei erhalten hat, der wolle ihnen einſt dem Kämmerer der Königin Candaces in der Perſon des heil. Philippus zugeſendet wur⸗ de (Apoſtelgeſch. 8, 26. ff.), damit ſie nicht, aus päpſtlichen Irrthümern errettet, in andere ebenfalls ſeelengefährliche verwickelt werden, ſon— dern zur Erkenntniß der vollen Bibelwahrheit gelangen und Gott mit fröhlichem Munde prei— ſen mögen für alles, was er an ihrer Seele ge— than hat! K. — — Wer kann und will uns Aufſchluß geben? In der vom 3.-7. April d. J. gehaltenen Verſammlung des deutſchen ev.-Uuth. Mi⸗ niſteriums von Pennſylvanien und den benachbarten Staaten hat dieſer Körper auf Vorſchlag Herrn Paſtor Mann's folgenden Be— ſchluß gefaßt: „In Betracht: a. Daß unſere evang.⸗luth. Kirche in den letzteren Zeiten zu einer klareren Erkenntniß ih— rer doctrinellen und ſonſtigen Eigenthümlich— keiten gekommen iſt; b. Daß wir hiervon weſentliche Vortheile für das innere und äußere Wohlergehen unſerer Kirche zu erwarten uns berechtigt fühlen; o. Daß wir die Wichtigkett einer hiſtoriſchen confeſſionellen Grundlage unſerer Kirche erken— nen; Daher beſchloſſen: A. Daß wir mit der ev.-luth. Kirche un⸗ ſerer Väter die ſämmilichen ſomboliſchen Bücher derſelben als die hiſtoriſchen confeſ⸗ ſioͤnellen Documente der evang.⸗luth Kirche anerkennen, und daß auch wir mit der ev.⸗-luth. Kirche der Vergangenheit der unge⸗ änderten Augsb. Confeſſion und Luther's kleiz nem Catechismus ein beſonderes Gewicht unter den übrigen ſymboliſchen Büchern zugeſtehen; B. Daß wir allen Predigern und Candi⸗ daten unſerer Kirche es zur Pflicht machen, ſich mit dieſen ehrwürdigen Documenten des Glau⸗ bens unſerer Väter mehr und gründlicher be— kannt zu machen, als dieſes bisher bei Vielen der Fall war; C. Daß dadurch das abſolute Anſehen der hl. Schrift unter uns keinesweges vermindert, ſondern vielmehr in ſein hellſtes Licht geſtellt werden ſoll, und daß wir durch die Symbole den Gewiſſen keineswegs einen Zwang aufle— gen, ſondern ſie vielmehr durch dieſelben an die heil. Schrift als an die göttliche Quelle der Wahrheit binden wollen.“ — Was will das ev.⸗luth. Miniſte⸗ rium damit ſagen, wenn es erklärt, daß es die ſämmtlichen ſymboliſchen Bücher „als die hiſtoriſchen confeſſionellen Doenmente der ev.⸗luth. Kirche anerkenne?“ Will dieſer Kör⸗ per damit nur ſo viel ſagen (wie denn die Worte zunächſt ſich ſo auslegen laſſen): daß man die ſymbol. Bücher als geſchichtliche Urkunden anerkenne von dem, was die luthe⸗ riſche Kirche geglaubt und bekannt hat? Oder will die Synode damit ſo viel ſagen, daß ſie das Concordienbuch als die ſchriftliche Urkunde von dem anerkenne, was ein jeder glauben und bekennen muß, der ein Lutheraner ſein will, als die abgeleitete Lehrnorm, auf welche alle Lehrer der luth. Kirche zu verpflichten ſeien? Daß die ſymboliſchen Bücher der ev.-luth. Kirche hiſtoriſche oder geſchichtliche confeſ⸗ ſionelle Documente derſelben ſind, in dem Sin⸗ ne, daß darin erzählt und niedergelegt iſt, was unſere Väter geglaubt haben und was un— ſere Kirche bekennt, das erkennt auch der Refor⸗ mirte, der Methodiſt, der Papiſt ꝛc. an. Ganz anders haben aber unſere Väter die ſymboliſchen Bücher angeſehen. In der Con⸗ cordienformel heißen ſie: „Die einhellige, ge⸗ wiſſe Form der Lehre, darzu ſich unſert Evan⸗ geliſche Kirchen ſämmtlich und ingemein beken⸗ nen, aus nach welcher, weil“) ſie aus Gottes Wort genommen, alle andere Schriften, wiefern ſie zu probiren und anzunehmen, geurtheilet und regulirt ſollen werden.“ Schon zwei Jahre nach Uebergabe der Augs⸗ burg. Confeſſion, 1532, wurde in Wittenberg auf Vorſchlag Luther's, Melanchthon's, Jonas und Bugenhagen's den in's Am zu Setzenden die feierliche Erklärung ab⸗ gefordert: „Daß ſie die unverfälſchte Lehre des Evangeliums von Herzen annehmen und dieſelbe ſo verſtehen, wie in dem Apoſtoliſchen, Nicäniſchen und Athanaſianiſchen Symbolum vorgeſtellt wird und wie es in der Con⸗ feſſionn lautet, welche unſere Kirchen dem Kaiſer Carl auf dem Reichstage zu Auzsburg im Jahre 1530 übergeben haben, und daß ſie geloben, in dieſem Verſtande mit Gottes Hülfe beſtändig zu verharren und ihr Amt in der Kir⸗ che treulich auszurichten. Desgleichen, wenn neue Streitigkeiten einfallen, über welche noch keine klare Entſcheidungen vorhanden ſind, daß ſie mit anderen Aelteren in unſerer und den ver⸗ bundenen Kirchen ſich darüber beſprechen wol⸗ len.“ (Siehe: Melanchthon's „Rede, in welcher die Verleumdung Oſiander's widerleat wird, welcher tadelt, daß diejenigen, denen ein Lehrzeugniß ertheilt wird, ein Verſprechen thun.“ (Vom Jahre 1533. Corp. Ref. XII, 6.) Als die ſämmtlichen ſymboliſchen Bücher end⸗ lich 1580 in die Concordia oder in das Con⸗ cordienbuch geſammelt waren, lautete dann der darauf zu leiſtende Eid folgendermaßen: „Ihr ſollt geloben und ſchwören, daß Ihr bei der rei⸗ nen Lehre und chriſtlichem Bekenntniß dieſer Lande, wie dieſelbe in der erſten ungeänderten Augsburgiſchen Confeſſion begriffen und in dem echriſtlichen Concordienbuche repetirt, erklärt und wider alle Verfälſchung verwahret iſt, b.⸗ ſtändig ohne einigen Falſch verbleiben und ver⸗ harren, darwider nichts heimliches oder öffent⸗ liches practiciren, auch wo Ihr vermerktet, daß *) Es iſt wohl zu merken, daß es nicht heiht, in wie fern, ſondern weil ſie mit Gottes Wort ſtimmen, nich! quatenus, ſondern quia.