# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 01 24_S44 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Etliche europäische Brüder haben dieses versucht, indem sie eine deutsche Zeitschrift, welche wir anfangs unterstützten, „Die Kirchenzeitung" dazu benutzten. Aber die americanischen Deutschen ziehen sich zurück, und die Zeitschrift wird wahrscheinlich untergehen. Das Columbus Seminar, in dessen Verwaltung einige neulich angekommene Theologen die Oberhand erhielten, und es fast ausschließlich Deutsch und Altlutherisch machen wollten, wurde bald von den Americanern verlassen, und ist nun suspendirt. Gettysburg, Pa., den 10. Nov. 1845. Dr. S. S. Schmucker, Prof. der Theologie an dem Seminar der General-Synode der Lutherischen Kirche zu Gettysburg, Pennsylvanien. Dr. B. Kurtz, Herausgeber des "Lutheran Observer," zu Baltimore, Maryland. Dr. H. N. Pohlmann, Pastor der Lutherischen Kirche, zu Albany, New York. Dr. J. G. Morris, Pastor der Ersten Luth. Kirche, zu Baltimore, Maryland. Ehrw. H. J. Schmidt, Professor am Seminar zu Hartwig, im Staat New York. (Eingesandt von Pastor Löber.) Briefliche Mittheilungen über den gegenwärtigen kirchlichen Zustand in Deutschland. *) *) Diese Mittheilungen sind uns erst zugekommen, nachdem der Aufsatz über Ronge bereits gesetzt war. D. H. Herr Professor Dr. Guerike aus Halle schreibt unter dem 10. Sept. v. J. unter Andern Folgendes an mich: „Je schneller die Zeit jetzt vorwärts stürmt, und je reicher sie an Ereignissen ist, desto schwerer ist die Correspondenz zu Ihnen hinüber, mir namentlich, der ich mit vielfacher Arbeit beladen, kaum meinen hiesigen Obliegenheiten einigermaßen zu genügen vermag. Ihrer Nachsicht empfehle ich daher im Voraus theils mein langes Schreiben, theils meine Kürze in der Mittheilung. Allenthalben treten jetzt hier innerhalb des Protestantismus Theologen und Prediger hervor, die aufs Unverhohlenste allen Zusammenhang mit dem Christenthum zerreißen, und in ungezählten Haufen pflegt sich das Volk um sie her zu schaaren. Sogenannte „Lichtfreunde" haben seit Jahren in diesem Geiste Convente gehalten, besonders in unsern Gegenden: und da ich im vorigen Jahre einem solchen Convent beigewohnt und einen einfach geschichtlichen Bericht darüber in der Evangelischen Kirchenzeitung abgestattet hatte, so ist dies gleichsam der Funke geworden, der in ein Pulverfaß fiel. — Die ganze deutsche Christenheit und Welt ist aufs tiefste erregt und in zwei Heerlager, ein großes und ein kleines, gespalten, zwischen denen neuerdings eine Mittelpartei mit Glück ihre seichten Machinationen treibt. Ein Hallescher Prediger, Wislicenus, von mir in jenem Bericht besonders genannt, hat offen die heilige Schrift verworfen, die übernatürliche Geburt unseres HErrn Christi und alles Wunderbare frech geleugnet und das apostolische Glaubensbekenntniß bei der Taufe und allenthalben abgethan. Als nun endlich nach Jahr und Tag das Kirchenregiment sich wider ihn regte und ihn seines Amtes entsetzte, so hat nicht nur seine ganze Gemeinde, sondern auch die ganze hiesige Stadtverordnetenversammlung sich dazwischen gelegt und für diesen Verführer sich verwendet. Dazu kommt nun die große Aufregung innerhalb der katholischen Kirche, da das seicht ungläubige Wort eines Priesters, Ronge, Hunderte sogenannter „christkatholischer" Gemeinden ins Leben gerufen hat, die im nackten Unglauben meist noch die protestantischen Lichtfreunde übertreffen und eine einigermaßen christliche Minderzahl zu verschlingen drohen. Die Ungläubigen in der katholischen und jene in der protestantischen Kirche machen wesentlich durchaus gemeinsame Sache und verfolgen mit glühendem Hasse Alle, die noch an christlich-kirchlicher Wahrheit halten wollen. An vielen Orten sind schon Tumulte gewesen, auch Blut ist bereits geflossen, und Niemand, der im Rufe der Frömmigkeit steht, ist seiner Habe, man möchte bald sagen—seines Lebens sicher. Das sind die Folgen der Union, deren man nicht mehr Meister werden kann! Ueber dieses Alles, und über die—Haltung, welche die vaterländische Regierung zu diesem Wirrwarr annimmt, wäre unendlich viel zu sagen und zu schreiben; doch wo anfangen und wo enden? — Wer irgend noch fest an Gottes Wort hält, beginnet in dieser Zeit den Fluch der Union zu durchschauen, und das Häuflein derer, die nun zum luth. Bekenntniß zurückkehren, mehrt sich zusehends. Viele freilich stehen innerhalb des Evangelisch-Landeskirchlichen Verbandes, wie z. B. die sechszehn Prediger bei Neuhaldensleben, welche eine treffliche gedruckte Erklärung, durchaus auf lutherischem Grund und Bekenntniß, den in ihrer Gegend stattfindenden Umtrieben der Lichtfreunde entgegengesetzt haben. Ebenso stehen Viele und noch viel Mehrere in der Mark, in Pommern zc. Ich zweifle aber nicht daß die Zeit bald da sein wird, wo alle diese theuren Bekenner ganz aus dem unirten Kirchenverband herausgedrängt sein und sich auch äußerlich mit den, von der Union ganz getrennten Lutheranern Preußens vereinigen werden. Letztere, die sogenannten schlesischen Lutheraner, haben eben jetzt in Preußen vollkommene Duldung erlangt. Ihr Oberkirchencollegium ist anerkannt, alle lutherischen Gemeinden unter ihm sind vollkommen (?) frei, alle von einem ordinirten Geistlichen ordinirte Prediger derselben dürfen vollkommen ungestört in Taufen, Trauungen zc. ihr Amt verwalten. Kirchen dürfen gebaut werden, so viel, als sie wollen—, nur sollen sie offiziell nicht „Kirchen," sondern Gottes- oder Bethäuser heißen (!); das Kirchenregiment der Staatskirche aber soll übrigens nicht im Mindesten mit jenen Lutheranern zu schaffen haben" zc. Indem wir hier die obige Mittheilung des Herrn Prof. Guerike abbrechen und die von ihm ausgesprochenen Hoffnungen, sammt aller Noth und Trübsal unsrer theuern vaterländischen Kirche dem gnädigen und allmächtigen HErrn und Heiland JEsu Christo aufs Neue befehlen, fügen wir nur zum Schluß aus einem andern Briefe, nämlich von dem Ev.-Luth. Hrn. Pastor Zeidler aus Comstädt im Königreich. Hannover, d. d. 13. Sept. 1845, einige Worte hinzu: Nachdem derselbe sich zu Einem und demselben Glauben, den er mit uns habe, gar herzlich bekannt und unter andrem auch versichert hatte, wie in Gottes Hand die Theilnahme für unsere theure lutherische Kirche in Nordamerica dort in Deutschland fortwährend im Wachsen sei und auch jemehr und mehr ein Weckungsmittel und Einigungsband für die vaterländische Kirche werde, fährt er also fort: „Sie kennen den Zustand Zions hier im Vaterlande. Uns will oft das Herz brechen über dem Elende der Stadt Gottes, und wir sitzen dann weinend neben ihren zerrissenen Mauern. Uns ist sehr bange, aber wir verzagen nicht, wenn auch oft das ungläubige Herz nahe daran ist. Fließen doch die Brünnlein Gottes wieder hie und da in der Kirche Gottes und erschallt das theure Wort Christi aus so manchem Munde. Möge bald die Zeit kommen, wo der Herr, welcher einst der Lydia das Herz aufthat, auch die Herzen unserer Gemeinden aufthue, daß sie nicht mehr an den klarfließenden Wasserbächen vorübergehen, ohne das dürre Herz zu laben!" Ueble Ausflucht. Es ist eine sehr gewöhnliche Ausflucht derjenigen, die irgend eine Lehre des göttlichen Wortes nicht annehmen wollen, daß sie dieselbe erst einem Menschen zuschreiben und sie dann unter dem Namen desselben als eine Menschenlehre verwerfen. Sie geberden sich nicht anders, als glaubten sie freilich auch den Worten der Schrift und als protestirten sie nur laut dagegen, sich der Autorität eines irrthumsfähigen Menschen unterwerfen und eine menschliche, ungewisse Auslegung annehmen zu müssen. Durch ein solches Manöver hoffen sie andere wieder irre zu machen, welche es merken sollten, daß sie sich dem Worte Gottes nicht unbedingt unterwerfen. So sagen es z. B. jetzt viele nicht etwa ehrlich heraus, daß sie im Herzen Christum für einen Lügner oder doch für einen unbedachtsamen Schwätzer halten, wenn er spreche: „Das ist mein Leib, das ist mein Blut;" sondern um Christo nicht glauben zu dürfen, und doch unter den Christen bei Ehren bleiben zu können, sprechen sie: „Ey, wir gehören nicht zu den Altlutheranern! Wir halten uns an die Bibel! Die symbolischen Bücher haben auch Menschen geschrieben!" Wenn sie das gesagt haben, dann meinen sie, seien sie vor jedermann entschuldigt, daß sie Christi Worte nicht nehmen, wie sie lauten. Ob diese Entschuldigung wohl einst auch vor Gott gelten wird: „Ey, ich war kein Altlutheraner"? Falscher Glaube. In allem falschen Glauben ist die Wirkung des Satans. Sobald ein falscher Glaube und Lehre entsteht, mengen sich die Kräfte des Satans mit ein und bestätigen es in den Gemüthern der Menschen, daß sie sich auch darauf brennen lassen, daher die falschen Märtyrer kommen, und das nennt St. Paulus „kräftige Irrthümer."—Johann Arndt. Iconographia. p. 53. Bezahlt: 1. Jahrgang Hr. H. Schmidt; 1. Hälfte des 2. Jahrgangs Hr. Lich, S. Koch, Ch. Heise; „ „ „ Hr. P. Krantz, Steinbrück. Gedruckt bei Weber und Olshausen.