# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1853 08 31_S173 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) node von Buffalo Fug und Recht haben, uns das Colloquium zu verweigern?, Die Synode von Buffalo behauptet dies und ſtützt ſich dabei auf 2. Theſſ. 3, 14. 15., Nöm. 16, 17. 18., 2. Tim. 3, 5., 1. Cor. 5, 13. Die erſte dieſer Schriftſtellen lautet ſo: „So aber Jemand nicht gehorſam iſt unſerm Wort, den zeiget an durch einen Brief, und habt nichts mit ihm zu ſchaffen, auf daß er ſchamroth werde. Doch haltet ihn nicht als einen Feind, ſondern vermahnt ihn als einen Bruder.“ Da wird geboten, daß chriſtliche Gemeinden diejenigen, welche dem Wort Gottes ungehorſam ſind, von ſich ausſchließen, mit. d enſelben. fen haben ſollen. Es wird' ihnen aber nicht geboten, daß ſie mit ihnen nicht reden ſollen. „Vermahnet ihn,“ heißt es vielmehr in dem Spruch, „als einen Bruder!“ Das beweiſt zur Genüge, wie wenig ſich Jemand auf dieſe Stelle berufen kann, der ſolchen, die er für die verfluchteſten Sünder anſieht und mit ihm die ganze Kirche von aller Glaubensge— meinſchaft ausſchließt, eine abſchlägliche Ant— wort gibt, wenn ſie ihn zu einer Unterredung auffordern. „Und ſo dich Jemand nö⸗ thiget eine Meile, ſo gehe mit ihm zwo,“ ſpricht der HErr (Matth. 5, 41.). Das Wort leidet keine Ausnahme: denn mit Jemand gehen und reden iſt keine Abendmahlsgemein— ſchaft. Der zweite der angezogenen Sprüche, Röm. 16, 17. 18. heißt: „Ich ermahne aber euch, lieben Brüder, daß ihr aufſehet auf die, die da Zertrennung u. Aergerniß anrichten, neben der Lehre, die ihr gelernet habt, und weichet von denſelbigen. Denn ſolche dienen nicht dem HErrn IEſu Chriſto, ſondern iyrem Bauche, und durch ſüße Worte und prächtige Riede ver führen ſie die unſchuldigen Herzen.“ Nach die— ſem Spruche ſollen Chriſten von denen weichen, welche neben der apoſtoliſchen Lehre des Evan— gelii neue Irrthümer in die Kirche ein— führen und dadurch Zertrennung und Aerger— niß anrichten. Der gehört alſo gar nicht daher. Die Synode von Buffalo will deßwegen nichts mit uns zu thun haben, weil wir ihre Excom⸗ municirten nicht aus unſerm Verbande entlaſ— ſen wollen. Diieſe aber, das ſagi ſie ausdrück— lich, ſind nicht um der Lehre willen, ſondern weil ſie ein unreines Gewiſſen hatten, zu uns geflohen; die Lehre haben ſie nur zum Vor-— wande genommen. Der Streit in der Lehre dagegen, der uns von der Synode in Buffalo trennt, ſoll das Colloquium nicht hindern. So ungereimt es auch ſein würde, ſo wäre es doch dem un gehörig auf unſern Fall bezogenen Schriftwort weit angemeſſener, wenn wir unſe⸗ rer Seits nicht eher auf ein Colloquium mit der Synode von Buffalo eingingen, bis der Zweck des Colloguiums, nämlich eine Vereini-— gung in der Lehre ſchon vorher erreicht worden wäre. Der dritte Spruch 2. Tim. 3, 5. lantet ſo: „Die da baben den Schein eines gottſeligen Weſens, aber ſeine Kraft verlengnen ſie, und ſolche meide.“ Hier dürfen wir doch dreiſt alle nichts zu ſchaf⸗ —172— Paſtoren der ehrw. Sonode von Buffalo fra— gen: Können Sie es vermeiden, mit ſolchen, die den Schein eines gottſeligen Weſens haben aber ſeine Kraft verleugnen, ich will nicht ſa— gen zu reden, ſondern ſie zu abſolviren und zum Tiſch des HErrn zuzulaſſen? Sie werden nicht mit Ja! antworten mögen. Denn aus denſelbigen ſind, die es freilich die Länge nicht, aber doch eine Zeitlang treiben, deren Thorheit⸗ wohl Jedermann offenbar werden wir d,' aber doch nicht immer offenbar i ſt, wenn ſie ſich zum heiligen Abendmahl melden. Dennoch kann man ſie meiden und ob ſie auch alle- Tage beieinem würen und ein über das andere Mal den Mund aufthäten, auch Antwort bekämen. Denn die Zucht des Geiſtes, in wel— cher der Chriſt ſteht, ſcheidet ihn, wie von ſei— nem eigenen Fleiſch, ſo auch von allen fleiſchlich geſinnten Heuchlern innerlich. Die Ercommu— nication iſt im Heerlager der Chriſten nur ein Zeugniß dafür, daß dieſe innere Zucht zum We ſen der Kirche gehört, gleichſam die Fahne, die Einer hält, während Alle das Schwert an der Seite haben und ſich täglich damit wehren. Ohne dieſe innere Zucht iſt auch die noch ſo große Strenge in Aufrechterhaltung des äuße— ren Kirchenbanns nur der Schein eines goit— ſeligen Weſens, deſſen Kraft verleugnet wird. Der Heuchler fühlt es ſehr wohl, daß ibn der Geiſtliche, d. h. der Chriſt meidet, wenn dieſer ihn für den allerbeſten Chriſten hält. Da näm— lich ſeine Reden mit Salz gewürzet ſind, ſo ſpuckt er, ohne es zu wiſſen, daß einer von ih— nen in ſeiner Nähe iſt, alle Angenblicke vor de— nen aus, kehrt denen den Rücken, ſchneidet den Verkehr mit denen ab, welche nur den Schein des gottſeligen Weſens haben, aber ſeine Kraft verleugnen. Das iſt das „Meiden“ u. „Nichts zu ſchaffen haben.“ Das zieht nicht eine äußere, ſichtbare, ſondern eine innere mit dem Glau ben ins Herz gepflanzte unſichtbare Schutzmaner um Gottes Heilige und Geliebte, die gar nicht in ihrer Willkühr ſteht, wie die Abhaltung eines Colloquii, ſondern, wie von der Einwohnung des hl. Geiſtes, der einen neuen Menſchen aus uns macht, abhängig, ſo mit ihr unzertrennlich verbunden iſt. Es iſt daber nur ein Mißbrauch der Lehre von der ſichtbaren Kirche, wenn die Synode von Buffalo das zu dem 2. Tim. 3, 5. gebotenen Meiden rechnet, daß ſie ſich wei— gert, vor Entlaſſung der von ihren Paſtoren ex⸗ communieirten Glieder unſerer Gemeinden mit uns ein Colloquium zu halten. Alles Ande re bei Seite geſetzt, verb ietet hier der Apoſtel ſo we— nig wie in der erſten Stelle, 2. Theſſ. 3, 14. 15. mit Excommunicirten zu reden und ſie zu ermahnen, weil es daſſelbe iſt, Jemand meiden, als nichts mit ihm zu ſchaffen haben, und dies das Ermahnen, alſo Unterredung und folglich auch Colloquium nicht nur nicht ausſchließt, ſondern nach 2. Theſſ. J, 15. erfordert. Nun iſt noch 1. Cor. 5, 13. übrig. Da heißt es: „Gott aber wird die draußen ſind richten. Thut von euch ſelbſt hinaus, wer da böſe iſt.“ Daß hier die Gemeine Gottes den Befehl be— kommt, offenbare unbußfertige Sünder zu er— communiciren, iſt richtig. Daß man aber mit denen, die ſolche Ercommunieirte in der auf Thatſachen gegründeten Vorausſetzung, ſie ſeien unrechtmäßig gebannt worden, in ihren Kir— chenverband aufgenommen haben, nicht colo— quiren dürfe, folgt daraus nicht. Aus Ver— gleichung mit 2. Theſſ. 3, 15. erhellt vielmehr, daß dies Gebot der Ercommunication, das we— der eine Anweiſung enthält, wie man beimn Bannen verfahren, noch eine Vorſchrift, was man nach vollzogenem Bann gegen die Ercom— municirten beobachten ſoll, nicht einmal Zu— ſammenkünfte und Unterredungen mit ſolchen, rie rechtmäßiger Weiſe aus der Kirchengemein— ſchaft aus geſchloſſen worden ſind, verbictet. Somit beweiſen alle vier Sprüche trotz ihres gewaltigen Inhalts nichts für den gegenwärti— gen Fall, als den horrenden Unverſtand der Synode von Buffalo: denn daß ſie uns arg— liſtiger Weiſe damit habe ſchrecken wollen und alſo wider beſſeres Wiſſen das Wort Gottes ver— drehe, wäre zu gottlos, als daß wir es anneh— men können. Wir haben aber ſo viel daraus gelernt, daß es in der That keine geringe Auf— gabe ſein muß, mit einer ſolchen Synode, ſei es als Hirt oder als Schaf einer Heerde, in Ver— bindung zu ſtehen und doch in aller Geduld zu warten, bis Gott drein ſehen wird. Jetzt ſind wir noch weit ruhiger über die ganze Sache. Wir müßten im Gegentheil die Vorwürfe unſers Gewiſſens fürchten, wollten wir auf die Forde— rung der Synode von Buffalo eingehen. Wie könnten wir einem kirchlichen Körper, der ſeine Unkenntniß des Wories Gottes und ſonſt nur tollen Schwärmern eigene Erhebung der Zucht über die Lehre öffentlich doeumentirt hat, ohne Weiteres Glieder nuuſeres Synodalverbandes überantworten? Grenzjäger wären wir und keine Hirten! K. Röbbelen. (Bricf an Herrn Paſtor Hattſlädt.) Aus Oſtindien. Trankebar, den 4. September 1852. Gnade, Barmherzigkeit und Friede von Gott, dem Vater, und von Jeſu Chriſto, unſerem Herrn und Heilande, ſei mit Dir! * * * Die Nachrichten, die Du mir aus Eu⸗— rem Nordamerika von Euren Erfahrungen, Eu⸗ rer Freude und Leid mitgetheilt haſt, haben mei— ne Secle höchlich erfreut, da ſie ſo deutlich zei— en und bezeugen, es habe der Herr Seinen hei— ligen Geiſt in reichem Maaße über Seine noch vor wenigen Jahrzehnten faſt gänzlich danieder— liegende Kirche ausgegoſſen und einen Lebens⸗ odem über die Todtengebeine hin von Seinem Angeſichte aufs Neue wehen laſſen. Wie er— götzt es doch ein Herz, das Zion liebt und wünſcht, daß deſſen Mauern gebaut würden, das Jeruſa⸗ lem Glück wünſcht und deſſen Beſtes ſucht, wenn es hört, daß der Herr ſich aufgemacht habe, Sei— nem Volke zu helfen, die Mauern Seiner Stadt wieder zu bauen und den Seinen Frieden zu ſchenken. Und wahrlich, wohin wir unſre Au⸗