# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1853 07 19_S164 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Durch dieſe Anzeige möchie ich die lieben Leſer des Lutheraners reizen, das Buch ſelbſt zu ſtu⸗ diren. Die Sache, um welche es ſich handelt, iſt von höchſter Wichtigkeit, eine brennende Fra— ge, wie man jetzt zu ſagen pflegt, d. h. eine ſol— che Frage, deren richtige Beantwortung höchſt nöthig iſt, weil die Leute überall nicht mehr wiſſen, was Kirche und Predigtamt iſt, und doch Kirche und Predigtamt haben müſſen und wol⸗ len. Was in den letzten Jahien faͤſt zur ge⸗ meinen Rede worden iſt, daß unſere Bekenntniſſe und die Sckriften der Kirchenlehrer die Lehre von Kirche und Amt nur unvollſtändig enthiel⸗ ten, das wird in dieſem Buche ſiegreich wider— legt; wir haben in unſeren Bekenntniſſen all rie Grundſätze, nach welchen wir unſere Ge— meinden auch hier zu Lande getroſt und ſicher aufbauen können. Uebrigens verſpreche ich noch allen Leſern des Buches, daß ſie in den Aus— zügen aus den Schriften der Väter wahre Gold⸗ förner an klarer und tiefer Schriftauslegung ſinden werden, z. B. Lyſers treffliche Ausle⸗ jung von Matthäi 16, 18 ff. auf Seite 42 ff. Das Buch wird durch die Herren Barthel in St. Louis, J. H. Bergmann in New-⸗York und Schäfer und Koradi in Philadelphia zum Preis ven 13 10Cts. das Exemplar zu beziehen ſein, und wird wird mit der Poſt portofrei verſandt zu 15 25Cts. Unſerm lieben Profeſſor Walther, der nicht blos die Bearbeitung und Herausgabe des Bu⸗ ches übernommen und ſo trefflich ausgeführt har, der auch vor uns Allen ſo viel Schmach und Hohn um unſerer guten Sache willen er— rulden muß, wollen wir viel herzlichen Dank ſagen und Gottes Segen, Frieden, Freude, Kraft zum Lohn wünſchen. A. Hover. — —— Ob denn die Wechſelgeſänge in unſerem Evangeliſch⸗Lutheriſchen Gottesdienſte wirklich rͤmiſch-katholiſch ſeien? Ueberall, wo der Gottesdienſt wiederum nach den alten Evangeliſch-Lutheriſchen Agenden oder Kirchenbüchern gehalten wird, haben viele Leute ein großes Geſchrei erhoben, daß es römiſch— katholiſch ſei, wenn da der Prediger etwa an⸗ ſtimmt: der Herr ſei mit euch! und die Gemeinde antwortet: Und mit deinem Geiſte! oder, wenn ver Prediger die Collecte und den Segen ſingt und die Gemeinde am Schluß mit „Amen!“ antwortet. Ein einfältiger Chriſt freilich würde ſolchen Schreiern antworten: Beweist, daß der⸗ gleichen Wechſelgeſänge wider Gottes Wort ſind, dann will auch ich ſie roͤmiſch nennen und nichts davon wiſſen; das aber eben könnt ihr nicht be— weiſen: wenn ihr aber behauptet, daß jene gottesdienſtliche Weiſe römiſch ſei, weil ſie in römiſch-⸗katholiſchen Kirchen vorkommt, ſo würde daraus folgen, daß die Vorleſungen der Epiſteln und Evangelien auch römiſch ſeien, ja es ſei Unrecht, in den Kirchen zu ſingen und zu pre⸗ digen, weil doch die Römiſchen das auch thun. Allein die alſo antworten ſollten, laſſen ſich mei⸗ — 163— ſteus durch das Geſchrei der Leute erſchrecken u. gerathen ſelbſt darüber in Anfechtung. Die ſollen nun bedenken, daß die römiſch-katholiſche Kirche jene herrlichen Geſänge aus der alten rechtgläu— bigen Kirche hat, daß namentlich die Wechſel— geſänge, Antiphonien und Reſponſorien ſchon längſt in derſchriſtlichen Kirche gebraucht wur— den, ehe die römiſch-katholiſche Irrlehre ein— drang. Die chriſtliche Kirche nemlich, die von Anfang herein, auch ſchon unterm Alten Teſta⸗ ment, ſo viel Freude am Singen hatte, behielt auch als der größte Theil der Juden ſich von dem Volke Gottes trennte, den Pſalmengeſang bei, wie man ihn in den Indenſchulen geübt hatte: da wurde ein Theil eines Pſalmverſes etwa von den Männern, der andere etwa von den Weibern und Kindern geſungen; da ſtimmte der Vorſänger oder Prediger je nach den Um— ſtänden einen Vers an, z. B.: Danket dem Herrn, denn er iſt freundlich, und die Gemeinde ſang den Vers hinaus, alſo etwa: Und ſeine Güte wöhret ewiglich; da ſang der Vorſänger oder Prediger ein Gebet und die Gemeinde ſang zum Schluß: „Amen!“ wie das ſelbſt der Apo— ſtel Paulus ſchon als bekannt und gewöhnlich vorausſetzt 1. Corinther 14, 16. Ein heidniſcher Römer, Namens Plinius, den der Kaiſer Tra— janus zum Statthalter über Bithynien in Klein— Aſien gemacht hatte, ſchrieb im Jahre 110 jenem Kaiſer, daß die Chriſten ihrem Chriſto wechſel— weis oder gegen einander Lieber ſängen; ja, es wird erzählt, der Biſchof Ignatius zu Anti— ochien, der um's Jahr 116 zu Rom von Löwen zerriſſen wurde, habe in einem Traumgeſicht En⸗ gel geſehen, welche in Wechſelgeſängen die heilige Dreieinigkeit prieſen, und habe daher dieſe Art des Gottesdienſtes zuerſt in die ſyriſche Kirche eingeführt. Mehr denn 1700 Jahre lang haben denn auch die rechigläubigen Chriſtenleute an ſolcher Geſtalt des Gottesdienſtes ihre Freude gehabt, und wir ſollten uns jetzt einreden laſſen, das ſei römiſch-katholiſch? Gott verhüte das. Dadurch, daß wir dieſe wunderſchönen Gottes— dienſte behalten und wiederum einführen, wo ſie verloren gegangen ſind, bekennen wir vielmehr, daß wir weder mit den neumodiſchen Sectirern noch mit der römiſchen Kirche zuſammenhalten, ſondern mit der Einen hl. chriſtlichen Kirche, die ſo alt iſt wie die Welt und erbauet auf dem Grund der Apoſtel und Propheten. IIII Paſtor Grabau's neueſte Antwort auf das wiederholte Auerbieten, mit ihm mündlich zu unterhandeln. Obgleich Paſtor Grabau die reine evan⸗ geliſche Lehre, welche erſt wir, eine Anzahl ſächſiſcher Prediger, und ſodann die ganze deut⸗ ſche evangeliſch-lutheriſche Synode von Miſ— ſouri, Ohio u. a. St. öffentlich bekannt hat, eine Reihe von Jahren auf das greulichſte ver— dammt und verläſtert, uns als Ketzer behan⸗ delt und auf die unchriſtlichſte und in der ge⸗ meinſten Weiſe mit ſeinen Schimpfreden vor aller Welt zu beſchmutzen und herabzuſetzen ge⸗ ſucht hatte, ſo haben wir dennoch ſchon vor einem Jahre mit Freuden in den Beſchluß unſerer Synode eingeſtimmt, Paſtor Grabau ein Collo— quium anzubieten, damit, ob Gott wollte, viel⸗ leicht noch auf dieſem Wege eine Einigung zu Stande gebracht und der verderblichen Zwie— tracht ein Ende gemacht würde. Die lieben Le⸗ ſer wiſſen ſchon, daß leider! Pſt. Grabau nicht zu bewegen geweſen iſt, einen ſolchen offenen, ehrlichen, bei entſtandenen Streitigkeiten ſchon oft, u. zum Theil zu großem Nutzen der Kirche von rechtgläubigen Chriſten eingeſchlagenen Weg, mit ans n gehen. Paſtor Grabau ſah voraus/ daß auf dieſem Wege ſeiner Sache die augen⸗ ſcheinlichſte Gefahr drohe. Er wußte recht gut, vaß ein öffentliches Geſpräch über die unter uns ſtreitig gewordenen Lehren es vor ſeinen Ge⸗ meinden und vor aller Welt offenbar machen würde, daß die Ueber einſtimmung mit dem Be⸗ kenntniß unſerer evangeliſch-lutheriſchen Kirche auf unſerer Seite ſei, daß wir dieſes Bekennt⸗ niß gegen ihn zu wahren geſucht und daß er bis— her in uns daſſelbe bekämpft und die Kirche, nach der er ſich ſelbſt nennt, in uns verfolgt habe. P. Grabau hat ſich durch das Abſchlagen des ihm angetragenen Colloquiums ſelbſt vor der ganzen Kirche in den dringendſten Verdacht ge⸗ ſetzt, daß ihn dasVertrauen zu ſeiner Sache ver⸗ laſſen habe. Er hat zwar, um ſich den Schein zu geben, als ob er eine öffentliche Prüfung ſei⸗ ner Lehre nicht unbedingt zurückweiſe, erklärt, er wolle ja dann ſich zu einer Disputation über⸗ die Lehre verſtehen, wenn wir erſt das ihm an⸗ gethane Unrecht eingeſtehen, wenn wir nehm⸗ lich die von ihm Ausgegangenen und von uns Angenommenen wieder zu ihm zurückſenden, und. daß wir dieſelben angenommen, öffentlich als ein Unrecht bußfertig eingeſtehen würden: allein damit hat P. Grabau niemanden, als ſich ſelbſt und ſeine Partheileute täuſchen können, denn kein Menſch bei geſundem Verſtande, geſchweige ein Menſch von chriſtlicher Erkenntniß, kann das für eine gerechte Forderung erkennen, daß von zwei Partheien, zwiſchen denen zum Zwecke der Vereinigung ein Colloquium abgehalten werden ſoll, die eine erſt ihr Unrecht gegen die andere ein geſtehen müſſe! Jeder Menſch von geſunden Sinnen ſieht ein, daß die Stellung einer ſolchen Bedingung von Seiten einer Parthei nur eine Kriegsliſt iſt, die dieſelbe anwendet, um einer offenen ehrlichen Schlacht auszuweichen, und daß, wer eine ſolche Bedingung ſtellt, damit offenbart, er fühle die Ungerechtigkeit ſeiner Sa⸗ ſche ſelbſt und gebe ſie verloren. Ohne Zweifel war die Schaam wegen des abgeſchlagenen Colloquiums bei den andern Gliedern der Synode von Buffalo noch größer, als bei Herrn Paſtor Grabau ſelbſt. So hat denn dieſe Synode in ihrer letzten Sitzung im Mai und Juni d. J. noch einmal die Sache aufgenommen und unſerer um dieſelbe Zeit in Cleveland verſammelten Synode ein Schreiben zugehen laſſen. Leider! hat aber die Synode von Buffalo das Verfahren ihres Seniors Mi⸗ niſterii darin nicht nur beſtätigt, ſondern auch