# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 01 24_S42 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) nach meinem Tode würde sagen: Wo der Luther jetzt lebte, würde er diesen oder diesen Artikel anders lehren und halten, denn er hat ihn nicht genugsam bedacht u. dergl. Darüber sage ich jetzt als denn, und denn als jetzt, daß ich von Gottes Gnaden alle diese Artikel habe aufs fleißigste bedacht, durch die Schrift und wieder hierdurch oftmals gezogen, und so gewiß dieselbigen wollte verfechten, als ich jetzt habe das Sacrament des Altars verfochten. Ich bin jetzt nicht trunken, noch unbedacht, ich weiß was ich rede, fühle auch wohl, was mir's gilt auf des HErrn JEsu Christi Zukunft am jüngsten Gericht. Darum soll mir niemand Scherz oder lose Theiding daraus machen, es ist mir Ernst. Denn ich kenne den Satan, von Gottes Gnaden, ein groß Theil; kann er Gottes Wort und Schrift verkehren und verwirren, was sollte er nicht thun aus meinen oder eines andern Worten!" (Siehe: Luthers großes Bekenntniß vom heil. Abendmahl. Werke: Hall. XX, 1373.) Hier hörst du, l. Leser, daß diejenigen, welche vorgeben, Luther habe selbst geglaubt, daß seine Lehre, (welche er doch aus dem ewigen Worte Gottes genommen,) nach seinem Tode immer mehr „verbessert" werden könne und solle, nicht nur keine zweiten Luther, sondern auch entweder höchst unwissend sind oder trotz ihrer sonstigen Freimüthigkeit in diesem Puncte heucheln. Kirchliche Nachricht. In der 21. Nummer der „Luth. Kirchenzeitung" vom 18. Decbr. v. J. findet sich ein von 8 luth. Pastoren und 1 Schullehrer an den Präsidenten der allgemeinen ev.-luth. Synode von Ohio gerichtetes Schreiben, in welchem dieselben die Gründe anzeigen, warum sie sich von der genannten Synode trennen mußten. Es heißt darin: „Der erste dieser Gründe ist ein rein kirchlicher und confessioneller und beruht auf folgenden Thatsachen, durch welche uns die Lauterkeit und Entscheidung der Synode in Bezug auf kirchliche Gesinnung und Richtung und auf die bestimmte Verwahrung gegen die falsche Union unserer Zeit zweifelhaft erscheint. Diese Thatsachen aber sind folgende: 1.) die Frage: „„Welche Synoden sind lutherisch?"" von einem Conferenz-Distrikt Ost-Ohio's im v. J. an die Synode gebracht, und mit ihrer Erledigung auf dieses Jahr verschoben, wurde auf den Tisch gelegt, indeß die Stimmführer der sogenannten luth. Generalsynode, die sich erst neuerdings die amerikanisch-lutherische Kirche genannt hat, die reine Sacramentslehre unserer Kirche muthwillig unter die Füße tritt, und anti-lutherische, die widerkirchliche methodistische Praxis aufrichtet. 2.) die von einigen der Unterzeichneten erbetene Abthuung der jetzigen unirten Spendungsformel beim heil. Abendmahl: „„Christus spricht"" ꝛc. wurde verweigert und im Gegentheil der Gebrauch der 1842 eingeführten Agende, die in allen Absolutionsformeln unkirchlich und calvinistisch und bei der Ertheilung der Ordination nicht auf die Bekenntnisse der luth. Kirche verpflichtet, den Gliedern der Synode als pflichtgemäß empfohlen. 3.) eine wichtige Bittschrift von Einigen der Unterzeichneten in Bezug a, auf das Sich-Bekennen der Synode zu sämmtlichen Symbolen der lutherischen Kirche; b, auf ein Synodal-Zeugniß wider die falsche Sacramentslehre der sogenannten luth. General-Synode; c, auf gründliche Reform des Examinationswesens; d, auf Verpflichtung auf sämmtliche Symbole der luther. Kirche bei Ertheilung der Ordination; e, auf das Nicht-Bedienen reformirt-lutherischer Gemeinden und eine darin liegende Billigung der falschen Union unserer Zeit — wurde hingehalten, und wegen geringer formeller Verstöße der berichtenden Committee derselben zurückgegeben. Und endlich nachdem die Bittsteller ihr Gesuch zurückzogen und nur den kurzen Vorschlag stellten: „„Daß sich die Synode von jetzt an zu sämmtlichen Symbolen der ev.-lutherischen Kirche bekenne und bei Ertheilung der Ordination feierlich darauf verpflichte"" ... so wurde im Ministerium diese Sache wieder auf drei Jahre hinausgeschoben. Und daraus wurde uns offenbar, daß die Synode in der Majorität ihrer Glieder keine aufrichtige Willigkeit habe, unsere Kirche in dem Kampfe gegen die falsche Union unserer Zeit entschieden zu vertreten." Als zweiten Grund ihrer Trennung geben die Unterzeichneten an, daß die Synode dem, unter den hiesigen vier luth. Seminarien bisher einzigen constitutionsmäßigen deutschen, Seminar zu Columbus seinen deutschen Charakter treulos und widerrechtlich genommen habe. „Da nun — heißt es am Schlusse, — die Synode nicht nur die ursprüngliche Constitution des Seminars entschieden verletzt hat und da sie — was allerdings der Hauptgrund unserer Trennung ist — den schreienden Nothstand unserer Kirche und ihre Bedrängung durch die falsche Union so wenig zu Herzen nimmt, daß sie auch nicht die gerechtesten Bitten um Abhülfe der dringendsten Bedürfnisse gewähren will, und da sie für mündliche und schriftliche Erläuterungen dieser Bitten kein Ohr und Auge hat, und schwerlich jetzt in bloßer Unwissenheit befangen ist, so ist es uns Herzens- und Gewissenssache, aus dem bisherigen Synodalverbande zu scheiden. Doch erlauben wir uns schließlich die dringende und herzliche Bitte, daß die Synode nicht in diesem Zustand verharre, und bitten sie aufs Inständigste um Christi und der theuer erkauften Seelen und des reinen und lauteren Bekenntnisses unserer Kirche und um ihrer eignen schweren Verantwortung willen, daß sie hinfüro nicht länger den guten Kampf und das rechte Zeugniß wider die falsche Unionisterei und Kirchenmengerei unserer Tage aus Menschenfurcht und Menschengefälligkeit fliehen und scheuen möge." Cleveland, Ohio, 18. Sept. A. D. 1845. Fried. Winkler, luth. Pastor in Detroit, Mich. D. W. Sihler, luth. Pastor in Fort Wayne. A. Schmidt, Pastor in Cleveland. J. G. Bürger, Pastor in Hancock Co. J. A. Ernst, Prediger der deutsch-ev.-luth. St. Johannes Gemeinde zu Neudettelsau, Union Co., Ohio. Wilh. Richmann, luth. Pastor in Bern-Township, Fairfield Co., O. Andr. Saupert, luth. Pastor in Evansville, Vanderburgh Co., Indiana. Aug. Selle, deutsch ev.-luth. Pastor in Columbiana Co., O. E. A. Schürmann, Schullehrer der 1. deutsch ev.-luth. Gem. in Pittsburgh." Mit tiefer Betrübniß theilen wir unseren Lesern diese Verhandlungen mit. Dieselben zeigen uns, daß leider! auch in America keine Benennung in einen so tiefen Verfall gerathen ist, als gerade die Gemeinschaft der sich „lutherisch" Nennenden. Alle Secten dieses Landes sind eifriger, die falschen Lehren, auf welche sie gegründet sind und die ihnen ihr eigenthümliches Gepräge geben, zu bewahren, als die hiesigen sogenannten Lutheraner darauf bedacht sind, die auf das klare Wort Gottes gegründete heilige und reine Lehre festzuhalten, die ihnen durch Gottes unaussprechliche Gnade vertrauet war. Ja, wir sehen, die americanisch-luth. Kirche wird nicht nur von Fahrlässigkeit und Gleichgültigkeit, sondern selbst von Feindschaft gegen die wahre luth. Kirche beherrscht; sie hat nichts als den Namen behalten; die alte Wahrheit und den alten Zeugengeist hat sie verloren. Doch sehen wir auch aus dem Obigen, daß wir nicht Ursache haben, an dem Bestand der luth. Kirche in America gar zu verzagen. Gott ergreift wieder offenbar die Wurfschaufel, seine Tenne zu fegen und seinen Weizen zu sichten. Gott hat offenbar beschlossen, dem heimlichen Mausen der falschen Heiligen und ihrem Fischen im getrübten Wasser nicht länger zuzusehen. Gott fängt wieder an, hie und da Augen aufzuthun, die den Abfall, dessen sich die Lutheraner schuldig gemacht haben, mit Schrecken erkennen. Gott erweckt wieder hie und da Männer, die zur verlassenen ersten Liebe zurückzukehren laut auffordern. Gott sei gelobt! nach langem Winter läßt sich die Turteltaube wieder hören in unserem Lande. (Hohelied 2, 11—13.) Auf, auf, darum, l. Brüder! laßt uns nicht ruhig zusehen, wie die falschen Brüder sich immer fester zusammenschließen, den Grund unserer Kirche zu untergraben und beiseite zu schaffen. Diese, weil sie trüglich unter unserem Namen fechten, sind gefährlicher als unsere erklärten Feinde; sie sind ihre Bundesgenossen und doch mitten in unsern Lagern. Der im Himmel wohnet, lachet freilich ihrer, und der HErr spottet ihrer, denn „wenn gleich das Meer wüthete und wallete, und von seinem Ungestüm die Berge einfielen. Sela. Dennoch soll die Stadt Gottes fein lustig bleiben mit ihren Brünnlein, da die heiligen Wohnungen des Höchsten sind. Gott ist bei ihr darinnen, darum wird sie wohl bleiben; Gott hilft ihr frühe." Aber, so unmöglich es ist, Luthers Lehre, das ist, Gottes Wort aus der Welt zu verdrängen, so leicht ist es möglich, daß wir,