# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1853 07 05_S157 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ſtus, erweckte, dieſe angegriffenen Grundlehren der Wahrheit zur Seligkeit, je nach der Seite des Angriffes, aus Gottes Wort um ſo genauer ent⸗ wickelte, und gegenüber den entgegengeſetzten Irrlehren — die immer die Lichtputzen des Lich⸗ tes der reinen Kirchenlehre geweſen ſind, — in um ſo klareres Licht ſtellte. Und dies geſchah und geſchieht immer alſo, daß die rechtgläubige Kirche, die allezeit in der Liebe der Wahrheit und in der Wahrheit der Liebe gegründet iſt, zweier⸗ lei thut; einmal, daß ſie das Falſche und Schriftwidrige, das der dünkelweiſe Hochmuth der Irrlehrer durch des Teufels Verblendung in die reine Lehre meiſt von entgegengeſetzter Seite her hineinträgt, und ſie damit trübt und fälſcht, auf das Schärfſte und Strengſte ausſcheidet und verwirft; ſodann aber auch, daß ſie die durch ſolche Ausſcheidung des angehängten Irrthums um ſo klarer und gegliederter wie von Neuem hervorleuchtende alte ſeligmachende Wahrheit von den meiſt gegenüberſtehenden Seiten des Angriffs her gleichſam wiederum ſammelte und vereinigte; und gerade in dieſem bekämpfenden, das Fremdartige, die Irrthümer ausſcheidenden, das Gleichartige aber, d. i. die verſchiedenen Seiten der Wahrheit vereinigenden Verfahren, iſt die rechtgläubige Kirche von Alters die wahre Un ion geweſen, außer welcher es keine andere gab, gibt und geben wird. Man vergleiche z. B. das Nicäniſche und noch mehr das Athana ſianiſche Symbolum mit dem ſogenannten Apoſtoliſchen, und man wird daraus erſehen, wie jene beiden nur die bereits in dieſem, als Antwort auf Gottes Wort, enthaltene Wahrheit wider die entgegengeſetzten Irrlehren der Antitrinitarier von mancherlei Art und Far⸗ be genauer entwickeln und näher beſtimmen. Es war alſo ganz natürlich, daß damals, in den erſten Jahrhunderten der chriſtlichen Kirche, die Grundlehren von dem dreieinigen Gott und von der Perſon Chriſti wegen der Angriffe der Irrlehrer vorzüglich in den Vordergrund traten; und daß die lutheriſche Kirche, als die rechtgläu⸗ bige Kirche unſerer Zeit, dieſen edlen reichen Lehrſchatz hoch und werth achtete, beweist ſie, wie geſagt, eben dadurch, daß ſie das Apoſto⸗ liſche, Nicäniſche und Athanaſianiſche Sym⸗ bolum der Augsburgiſchen Confeſſion voranſetzt und ſich zu ihnen bekennt. Ich frage aber, iſt ſie deßhalb minder kirchlich u. weniger wahrhaft katholiſch, weil Luther u. ſeine Mitarbeiter u. Nachzeugen durch die ſemi⸗ pelagianiſch⸗papiſtiſchen Irrlehren jener Zeit, die ſpäter im Tridentiner Concil noch kirchlich feſtgeſtellt u. beſtätigt wurden, genöthigt waren, jene zwei nicht minder wichtige Grundlehren von der heiligen Schrift und vom rechtfertigenden „Glauben um ſo entſchiedener in den Vordergrund zu ſtellen? Zudem iſt auch dieſer letztere Glaubensartikel von der Rechtfertigung des Sünders vor Gott eine eben ſo weſentliche Grundlehre, als jene bei⸗ den von dem dreieinigen Gotte und von der Per⸗ ſon Chriſti; denn was hülfe uns die Reinheit dieſer beiden Lehrſtücke, wenn das von der An⸗ eignung des Heils in Chriſto zur Vergebung der Sunden und zur Seelen Seligkeit aus dem Evangelium, al lein mittelſt des Glaubens in ſeiner evangeliſchen Reinheit und Lauterkeit durch die verderbliche Einmiſchung des göttlichen Ge⸗ ſetzes und ſeiner Werke oder gar menſchlicher —656 Gebote und deren Erfüllung als mitwirkend zur Seligkeit auf das Schädlichſte und Gefährlichſte verunreinigt und gefälſcht wird, wie es von den Papiſten und Schwärmern gleichmäßig geſchieht? Endlich aber iſt auch gewiß dieſes nicht in Ab⸗ rede zu ſtellen, daß, ſofern die in der lutheriſchen Kirche ſo gründlich und allſeitig durchgearbeitete und im rechten Zuſammenhange mit den ver⸗ wandten Lehrſtücken dargeſtellte Lehre vom recht⸗ fertigenden Glauben auch innerlich erlebt und erfahren wird — wie denn ein geſunder Luthe⸗ raner mit Recht darin lebt und webt — daß da⸗ mit durch die Gnade des heiligen Geiſtes auch eine ſonderliche Erlenuchtung über den Sinn und Zuſammenhang der heiligen Schrift zuſammen⸗ hängt. Daher kömint denn z. B. in Luthers Schriften, als vornähmlich in ſeiner größern Auslegung der Epiſtel St. Pauli an die Galater, in ſeiner Erklärung des 14., 15. und 16ten Ca⸗ pitels des Evangeliums St. Johannis und eines ſeiner Lieblingsbücher der heiligen Schrift, näm⸗ lich des 1. Buchs Moſis der geſunde und gründ⸗ liche Schriftverſtand, vorzüglich in Hinſicht auf die väterliche Geſinnung Gottes gegen die Men⸗ ſchenkinder und beſonders ſeine Gläubigen, auf die völlige Verderbtheit und Ohnmacht der menſchlichen Natur, in Folge von Adams Fall, auf den Unterſchied zwiſchen Geſetz und Evan⸗ gelium, auf die Kraft und Herrlichkeit des Glau⸗ bens, der ſich Gottes gnädige Verheißung in Chriſto durch das Evangelium aneignet, auf die Bethätigung dieſes Glaubens durch die Liebe, auf den Troſt in dieſem Glauben unter allerlei Kreuz und Anfechtung, auf die Kindſchaft Got⸗ tes und die zukunftige Herrlichkeit aus dieſem Glauben, durch den allein ſchon hienieden die wahren Chriſten in Gott ſind und Gott in ihnen. Und denſelben durch und durch evangeliſchen Geiſt fiudet man auch in den lutheriſchen Pre— digt⸗, Geſang⸗, Erbauungs⸗ und Gebetbüchern des 16. und 17. Jahrhunderts — einen Geiſt, den man in ſeiner Reinheit, Kraft und Salbung, in ſeiner geſunden Anwendung auf Herz und Leben, auf Thun und Leiden, ſchwerlich ſo durch⸗ gehends, ſelbſt in den reinen Lehrern der erſten Jahrhunderte finden möchte, in denen hin und her eine, wie es ſcheint, halbgeſetzliche Heiligung, die klare und grundliche Erkenntniß und Erfah⸗ rung des rechtfertigenden Glaubens und des da⸗ her rührenden fröhlichen und ſeligen Gnaden⸗ ſtandes der Kinder Gottes hemmte und trübte. —..—— Die öſtliche evang ˖⸗luther. Diſtrikts⸗ Synode von Ohio. Herr Paſtor Bierdemann, Secretär der in der Ueberſchrift genannten Synode, hat die Güte gehabt, den unten folgenden Auszug aus den Verhandlungen derſelben während deren letzter Jahresverſammlung uns für den „Luthe⸗ raner“ mitzutheilen. Wir theilen dieſen Aus⸗ zug nicht allein darum mit beſonderer Freude unſeren Leſern mit, weil dieſelben daraus er⸗ ſehen, daß die Synode den „Lutheraner“ ihren Gemeinden zu empfehlen beſchloſſen hat, ſondern vor allem wegen mehrerer anderer vortrefflicher Beſchlüſſe, durch welche die Spnode ihren Eifer ſchluſſes und No. 7 betrifft, ſo geſtehen wir frei⸗ lich offen, daß wir Einwendungen dagegen haben; wir hoffen aber, unſere Ueberzeugung betreffs beider Punkte bei einer geeigneteren Ge⸗ legenheit ausſprechen zu können. Wir laſſen nun den Auszug folgen. Die Synode begann ihre diesjährigen Sitz⸗ ungen am Donnerſtag den 19. Mai, Morgens 9 Uhr. und es waren außer Schweizerbarth 12 Prediger und 9 Gemeinde-Abgeordnete gegen⸗ wärtig. Dieſe Sitzung war eine ungewöhnlich Glieder aus unſerer Mitte auszuſchließen, und wir Alle fühlten tief, wie bald der Menſch ſinkt, wenn die mächtige Hand des Herrn ihn nicht hält. quickend durch die brüderliche Stimmung aller Glieder gegen einander, und die Bekenntniß⸗ treue, welche ſich in Aller Reden und Handeln offenbarte. In den Sitzungen der Synode wurden vor⸗ züglich folgende 10 Punkte verhandelt: 1. Schismatiſche Gemeinde. Es wurde der Grundſatz ausgeſprochen, daß wir Gemeinden, welche ſich ohne Grund von be⸗ ſtehenden Gemeinden trennen, nicht anerkennen können. Dieſer Grundſatz wurde angewandt auf die „erſte freie evangel.⸗lutheriſche St. Ste⸗ phans⸗Gemeinde zu Zelienopel.“ 2. Engliſches Luther. Geſangbuch und Liturgie. Es wurde eine Committee ernannt, um mit Committeen des weſtlichen und nördlichen Diſtriktes zuſammen zu wirken, um ein echt Lutheriſches Engl. Geſangbuch heraus⸗ zugeben, dem eine Engl. Liturgie mit Reſpon⸗ ſorien angehängt werden ſoll. 3. Mißbilligung dergeheimen Ge⸗ ſellſchaften. Es wurde beſchloſſen: Daß die Synode es nicht allein bedau⸗ ert, ſondern es als unrecht erkennt, wenn lutheriſche Prediger Glieder ſolcher Geſell⸗ ſchaften werden, oder ſie unterſtützen. Hierüber wurde beſchloſſen: Daß die öſtliche evangeliſch-lutheriſche Diſtriktsſynode von Ohio nie ſich mit der dieſelbe den anti⸗ſymboliſchen Standpunkt einnimmt, den ſie bisher eingenommen hat. 5. Mißbilligung derer, welche chriſtliche, bekenntnißtreue Pre⸗ diger läſtern, wurde ausgeſprochen in Be⸗ zug auf einen Angriff im »Missionary“ auf Paſtor Hölſche. 6. In Bezug auf das Verdrängen bekenninißtreuer Prediger beſchloß die Synode folgendes: Beſchloſſen: Daß unſere Synode es durchaus nicht billigen kann, daß, wenn ein bekenntnißtreuer Prediger um der rei⸗ verdrängt wird, ein anderes Glied unſeres Körpers ſolche Gemeinden dadurch in ihrer ebenſowohl in Sachen der Lehre als des Lebens bezeugt. Was den zweiten Theil des 6. Be⸗ ernſte, indem es unſere traurige Pflicht war, drei Dagegen war ſie aber wieder ſehr er⸗ — — — — 4. Anſchluß an die Generalſynode Generalſynode verbinden kann, ſo lange nen Lehre willen von ſeinen Gemeinden