# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1853 07 05_S155 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Lehren Paſtor Grabau's. Lehren der römiſchen Kirche. ſon in's Werk gerichtet werde, da übertrage das Häuflein ſein geiſtliches gemeinſames Prieſter⸗ thum einem Collectiv⸗Prieſter (wie wir's fuͤg⸗ lich nennen müſſen), der's an ſeiner Statt prie⸗ ſtert und ausrichtet. Dieſer rohe miſſouriſche Irrthum ſtützt ſich auf falſche Auslegung von Matth. 18, 20., wo der HErr ſagt: Denn wo zwei oͤder drei in meinem Namen verſammelt ſind, da bin ich mitten unter ihnen.“ (Infor⸗ matorium I., 74.) — Paſtor Grabau ſucht aus unſerer Lehre, daß das Amt und ſeine Ge⸗ walt urſprünglich nicht in einem beſonderen Stand in der Kirche, ſondern in der Kir⸗ che ſelbſt, d. h. in allen Gläubigen liege, freilich zu erweiſen, daß wir alle göttliche und menſchliche Ordnung umkehren. aus der gegenüber ſtehenden Columne und dem darin aus Chemnitz Citirten zu erſehen iſt, machten einſt die Papiſten Luthern denſelben Vorwurf und mißdeuteten ſeine Lehre ebenſo. Wie aber Luther einſt nur darum lehrtet daß das Amt urſprünglich in den Gläubigen ſei, damit die ſtolzen Pfaffen wüßten, daß ſie in keinem beſonderen geiſtlichen bevorzugten Stande ſich befünden und vor den Kindern Gottes nichts voraushätten, was dieſe nur durch ihre Gnade erlangen könnten, ſondern daß das Amt nur eine göttliche Ordenung ſei, zur Verwaltung von Rechten, die alle Gläu— bige urſprünglich beſitzen: ſo auch wir. mm----Y-Y--------- — Aber wie verhaßt zu machen, gleich als ob ſie alle gött⸗ liche und menſchliche Ordnung in der Kirche zerſtörte. Aber Luther hat nie gemeint, daß jeder Chriſt ohne Unterſchied oͤhne rechtmäßigen Beruf das Amt des Wortes und die Verwal⸗ tung der Sacramente in der Kirche ſich an— maßen oder gebrauchen könne oder ſolle .. Die Laien ſahen ſie (die Papiſten) gegen ſich wie Schweine und Hunde verächtlich an . . . Die Vollkommenheit u. Wirkſamkeit der Sacramente ſetzten ſie zum Theil in den Character, welcher ihnen nach ihrem Vorgeben bei der Ordina— tion eingedrückt werde. — Gegen dieſe tyranniſchen Grundſätze hat Lu⸗ ther aus Gottes Wort gelehrt, daß Chriſtus die Schlüſſel, das iſt, das Amt des Wortes und der Sa⸗ mente der ganzen Kirche überge⸗ ben habe; nicht aber ſo, daß jeder das Amt nach ſeinem Belieben u. aus eigener An⸗ maßung ohne rechtmäßigen Beruf an ſich an— reißen und gebrauchen möge, ſondern ſo, daß Gott, nachdem die unmittelbare Bernfung auf— gehört hat, die Diener des Wortes u. der Sa— cramente durch die Berufung und Wahl der Kirche, wenn ſie nach Vorſchrift ſeines Wortes geſchieht, ſende: ſo daß die höch ſte Gewalt des Wortes und der Sacramente bei Gott iſt; daß zum anderen das Amt bei der Kirche iſt, als durch welche Gott die Diener mittelbar beruft, wählt und ſendet; drittens darnach bei denen, welche von Gott durch die Kirche rechtmäßig erwählt und berufen ſind, als bei den Dienern, welchen der Gebrauch und die Verwaltung des Amtes des Wortes u. der Sacramente befohlen iſt. Durch dieſe Unterſcheidung, welche wahr jund klar iſt, wollte Luther den Stolz der Meß⸗ pfaffeu zurückweiſen, welche von dem ſtolzen Wahne erfüllt waren, gleich als ob ſie allein die ganze Gewalt am Wort und an den Sacramenten hätten, ſo daß die Sacramente wegen des ihnen, ich weiß nicht was für einen, eingedrückten Charak⸗ ers eines Standes kräftig wären; und da⸗ mit die übrige Kirche gar keine Macht am Wort und an den Sacramenten habe.“ (Exam. Con- cil. Trid. fol. 222- 223.) 2.2—. demſelben die Republik regiere: ſo rhun auch die Bür⸗ meiaſchaft aller Heiligen und alles iſt ihr, es ſei Pan⸗ Lehren der intheriſ. ch en Kirche. u. dieſen einen Bürgermeiſter vorſetzen, dem ſie die Schlüſ⸗ ſel und Statute der Stadt übergeben, damit er dieſelben im gemeinen Namen Aller handhabe und nach ö ger der Stadt Gottes. Sie haben zwar eine Ge⸗ lus, oder Petrus ꝛc. 1. Cor. , 21.; ſie beſi tzen Alles un⸗ ter dem Einen Haupte, Chriſto, welcher alles zur Seligkeit Nöthige ſeiner Kirche und in derſelben inſenderheit ei⸗ nem jeden Gliede, auch dem geringſten, durch ſein blutiges Verdienſt erworben hat: und doch wählen ſie um der Ordnung willen gewiſſe Perſo⸗ nen, denen ſie die Verwaltung der Schlüſſel des Himmel⸗ reichs übertragen, als da bei uns ſind Diafonen, Paſtoren, Doctoren, Biſchöſe oder Superintendenten u. dgl., dami ſo bei uns alles uach Pauli Vehre ordentlich und ehrlich zu⸗ gebe, 1. Cor. 14.“ (Siebe: Fortietzung der Evangeliſchen Harmonie von Chemnitz, über Matth. .16, 19. So ſchreibt ſerner Luther in ſeiner letzten größeren Schriſt: „Gott will unverbunden ſein an der Menge, röße, Höhe, Macht und was perſönlich iſt bei den Menſchen, ſondern: will allein bei denen ſein, die ſein Wort lieben und halten, und ſollten's eitel Stallbuben ſein. Was fragt er nach hohen, großen, mächtigen Herren? Er iſt der Größeſte, Höchſte und Mächtigſte allein „. Wir haben lit (Matto. 18, 19, 20.) den HErru ſelb über alle Engel u. Creaturen: der ſagt, ſie ſollen ſalle gleiches Gewalt, Schlüſſel und „Amt haben, auch zween ſchlechte Chriſſen allein in ſeinem Ramen verſammelt. Dieſen HErrn ſoll uns Pabſt und alle Teufel nicht zum Narren, Lügner und Trunenbold nrachen, ſondern wir wollen den Pabſtemit Füßen treten und ſagen, er ſei ein verzweifelter Lügner, (Gottesläſterer und abgöttiſcher Teufel, der die Schlüſſel zu ſich allein geriſſen hat unter St. Peter's Namen, ſo Chriſius dieſelben Allen gleich inegemein gegeben bat, und will den HErrn Matth. 16. zum Lügner machen.“ (Aus der Sckrift: Wider dab Pabüthum zu Rom, vom Teufel geſtift. Anno 1515.) So heißt es endlich in den Schmalkaldiſchen Artikeln: „Ueber das muß mam ja berennen, daß die Schhii ſſel nicht Ei⸗ nem Menſchen allein, ſondern der ganzen Kirchen gebören und gegeben ſind, wie denn ſoiches mit heilen und gewiſſen Urſachen genugſam kann erwieſen werden. Denn gleichwie die Verheißung des Evangelii gewiß und ohne Mittel““ (unmittelbar) „der ganzen Kirchen zuge⸗ höret, alſo gehören de Schhüſſel ohne Mittel“ (un⸗ mittelbar, das heißt, nicht vermittelſt einer Perſon oder ei⸗ nes Standes in der Kirchr) „der ganzen Kirche, dieweil die Schlüſſel nichts anderes ſind, denn das Amt,' dadurch ſolche Verbeihung jedermann, wer es be⸗ gehret, wird mitgetheilet, wie es deun im Werk vor Augen iſt, daß die Kirche Macht hat, Jirchendiener zu ordiniren. und Cbriſtus ſpricht bei dieſen Worten: Was ihr biuden werdet ꝛc., und deutet, wem er die Schlüſſel gegeben, nehmlich der Rirchen: Wo zween oder drei ver⸗ ſammelt ſnd in meinem Namen.“ (I. Anbang.) Im latei⸗ niſchen Texte peißt es: „Ehriſtus gikt der Kirche die Schläs⸗ ſel urſprünglich und unmittelbar.“ Ferner heißt es im 2. Anhaug der Schmalk. Artikel: „Hieber ge⸗ hören die Sprüche Chriſti, welche zeugen, daß die Schlüſel der ganzen Kirche und nicht etlichen ſondern Perſonen gege⸗ pen ſind, wie der Tert ſagt; Wo zwern oder drei ꝛe. Zum letzten wird ſolches auch durch den Spruch Petri bekräf⸗ tigt, da er ſpricht: Ihr ſeid das königliche Prie⸗ ſterthum. Dieſe Worte betreffen eigentlich die rechte Kirche, weiche weil ſie allein das Prieſtertbum hat, muß ſie auch die Macht haben, Kirchendiener zu wählen und ordi⸗ niren.“ — Hier erklären unſere ſomboliſchen Bücher, auf welche auch Paſtor Graban geſchworen hat, daß die ganze Kirche, d. h. die (täukigen, und wenn deren auch nur zwei oder drei irgendwo verſammelt wären, die Schlitſſel, d. i. die ganze Amisgewalt, unmittelbar und urſprünglich und zaben mge ihres geiſtlichen Prieſerthums haben. (Eingeſandt von Dr. Sibler.) [nicäniſchen Kirche ſei. Am Auffalleudſten ſei die Chriſtus iſt bei ihnen nach 1. Joh. 4. das ſichere Unioniſtiſch⸗kirchliche Anſchauungen des Hrn. Profeſſors Ph. Schaff. Dritter Artikel. Im Verlaufe ſeiner Abhandlung behauptete dann Prof. Schaff ferner, es ſei ans den For⸗ ſchungen der neueren Zeit, vorzüglich aus den werthvollen kirchengeſchichtlichen Lebensbeſchreib⸗ ungen berühmter Kirchenlehrer der erſten Jahr⸗ hunderte, desgleichen aus mehreren der wichtig⸗ ſten Ereigniſſe des chriſtlichen Alterthums ſo Ziemlich gewiß, daß das kirchliche Alterthum dem herrſchenden Geiſte und der Tendenz nach weit mehr katholiſch, als proteſtantiſch, und das Mit⸗ telalter nur eine uaturgemäße Fortſetzung der Differenz der Urkirche und des Proteſtantismus in der Lehre von der Glaubensregel, vom Ver⸗ hältuiß der Schrift zu der Tradition, von der Kirche, ihrer Einheit, Allgemeinheit und Aus⸗ ſchließlichkeit und von den Sacramenten. Auch vom materialen Princip des Proteſtantismus, von einer Rechtfertigung ans dem Glauben allein, im Sinne Luthers, wüßten die Väter, ſelbſt Auguſtinus Nichts, und ſtatt dieſe in den Mittelpunkt des ganzen Chriſtenthums zu ſtellen, nehme bei ihnen vielmehr die Lehre von der Menſchwerdung Gottes, — das Myſterium (Ge⸗ heimniß) der Incarnation (der Fleiſchwerdung des Wortes, das iſt des Sohnes Gottes) und der Trinität (der Dreieinigkeit) dieſe centrale (mittel⸗ punktartige) Stellung ein und das Bekenntniß oder die Läungnung des ins Fleiſch gekommenen Kennzeichen der Orthodorie oder Heterodorie (Andersgläubigkeit). — Angenommen nun, es ſei ſo, wie Prof. Schaff ſagt, daß das kirchliche Alterthum und das Mittelalter mehr katholiſch, als proteſtantiſch ſeien, ſo iſt erſt die Frage, ob dies, an das Richtſcheit der Schrift gehalten, eher ein Lob, als ein Tadel ſei; denn da Profeſ⸗ ſor Schaff das ſchriftwidrige Papſtthum und den Haufen aus ihm hervorgegangener Menſchen⸗ gebote und Anfſätze nicht von dem Begriff des Katholiſchen ausſchließt, ſondern vielmehr darin einſchließt, ſo iſt ſchwer zu begreifen, welch ein Ruhm für die mittelalterliche Kirche darin ent⸗ halten ſei, daß ſie bereits unter der papiſtiſchen Tyrannei gefangen liege und in den Stricken der Menſchenſatzungen und Gewiſſen verſtrickenden Machtgebote gebunden geführt worden ſei, und