# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1853 06 07_S142 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) bührenden W Geſpraͤch zwiſchen zwei Frennden im Fruhlinge. „Herr, mein Gott, Du biſt ſehr herrlich, Du biſt ſchön und prächtig geſchmrückt.“ Pſ. 104, 1 Leopold ſaß mit ſeinem Freunde Wilibald vor der Thür ſeines Hauſes. Schweigend ſchauten beide in die Landſchaft hinaus, welche in der Herrlichkeit eines friſchen Frühlings ſich vor ihnen ausb'eitete. Wie ſich doch der Menſch rerändert, begann endlich Wilibald. Als ich noch ein Kind war, hatte ich keine größere Freude, als wenn der Frühling kam. Ich konnte ihn kaum erwarten, und wenn er da war, ein namenloſes Entzücken trieb mich hinaus in die Wieſen und Wälder. Die Schmetterlinge, Blumen, Bäume — alles war mir ſo neu, ſo groß und wunderbar! ſtun⸗ denlang konnte ich ſo elwas betrachten und mei⸗ ne Luſt daran haben. Aber je älter, je kälter. Ich frage jetzſt nichts mehr darnach.“ „Das iſt ein recht trauriges Zeichen,“ ent⸗ gegnete Leopold ernſt. W. Warum? L. Weil es beweißt, daß du keinen Sinn für das Schöne haſt, daß dein Ohr taub iſt gegen das tauſendſtimmige Lob, welches der Frühling mit ſeinen Gräschen, Blumen und Blättern dem Herrn darbringt, daß dein Auge blind iſt gegen die Wunder Gottes in der Schöpfung, mit einem Worte, daß dir das Buch der Natur noch mit ſieben Siegeln verſchloſſen iſt. Kehre um und werde wie ein Kind, ſo wirſt du dich auch an Gottes Werken wieder freuen. W. Es heißt aber doch in Gottes Wort: Habe deine Luſt an dem Herrn. Wenn ich nur Dich habe, ſo frage ich nichts nach Himmel und Erde. Ja, der poſtel ſpricht: Ich habe alles für Schaden gerechnet, und achte es für Dreck, auf daß ich Chriſtum gewinne. Kann ich denn nun nicht mit Necht ſagen, ich frage nichts nach der Welt, nichts nach der Herrlichkeit des Früblings, oder anderen irdiſchen Dingen? L. Es heißt aber dech auch Pſ. 111, 2.: Groß ſind die Werke des Herrn, wer ihrer achtet, der hat eitel Luſt daran. Und Pſ. 104, 31. der Herr hat Wohlgefallen an ſeinen Werken. Wenn Gott ſelbſt ſein Wohlgefallenhat, auch an den ſichtbaren Dingen, die er geſchafſen hat, ſo können, ja ſollen auch wir unſere Freude da⸗ ran haben. W. Aber ſteht das nicht in Widerſpruch mit den Sprüchen, welche ich ſo eben angeführt habe 7 L. Keinesweges. Gott iſt unſer Schöpfer, Herr und höchſtes Gut; ihn ſollen wir über alles lielen, im Vergleich mit ihm ſollen vi alles Irdiſche verachten, ja haſſen und gerne dahin geben. Aber an ſich betrachtet, ſollen wir die Geſchöpfe Gottes durchaus nicht ver— achten, noch verwerfen, ſondern ihnen den ge⸗ Werth beilegen. W. Ich fürchte du ſteckſt noch in ſündlicher Creaturliebe. L. Ich wüßte nicht. Golt ſelbſt bezeugt vor allem, was er geſchaffen hatte: ſiehe da, es Gott. N. Teflamente mit den Worten:, Alle Creatur: Gottes iſt gut und nichts verwerflich, das mit Dankſagung empfangen wird, 1 Tim. 4, 4. Denn es wird geheiliget durch das Wort Gottes u. Gebet, V. 5. Wenn ich alſo an der Schön⸗ heit und an der zweckmäßigen Einrichtung der Geſchöpfe in der Weiſe mich freue, daß ich Got⸗ tes Allmacht, Weisheit und Güte daraus er⸗ kenne u. Gott dafür preiſe: eine ſolche Freude iſt dem Herrn durchaus nicht mißfällig. W. Ein wahrer Chriſt freuet ſich doch nur an dem Errn IEſu. L. Gewiß, und fluchwürdig iſt alle Freude, welche die Freude an dem Herrn Jeſu ſchmälert und hindert. Aber gerade die Freude an dem Herrn Jeſu öffnet uns auch das Verſtänd niß der Natur und führt uns zu einer kindlichen, unſchuldigen Freude an Gottes Geſchöpfen. Nur wer den Artikel von der Erlöſung an ſich erfahren hat, kann auch den Artikel von der Schöpfung verſtehen. W. Wie weißt du das? L. Wenn ein Menſch durch den Glauben an den HErrn IEſum ein wiedergebornes liebts Gotteskind wird, dann wird die Liebe Gottts in ſein Herz ausgegoſſen. Dann erkennt er nicht bloß Gottes Gnade in Chriſto Jeſu, ſon⸗ dern auch alle die unzählichen unverdienten Wohlthaten, welche Gott ihm durch die Schöp— fung mitgetheilt hat und noch mittheilt, els Wohnung, Kiridung, Beſchirmung, u. ſ. w. W. Das iſt recht, ein unbekehrter Menſch dankt dem Herrn dafür nicht. L. Ein gläubiger Chriſt weiß, mein durch Chriſtum verſöhnter, himmliſcher Vater erhält, regiert, beſchirmt, behütet und bewahrt auch mich. Darum bleibt er getroſt in Feuers⸗ und Waſſers⸗Gefahr, bei Hungersnoth und Erd⸗ beben; ja, er ſchaut die Sturmwinde und die Blitze „als Gottes Werke, in kindlich ſichrer Glaubensſtärke.“ Dennmer hat die kindliche Zuverſicht, Gott wird mir nur das zuſchicken, was zu meinem Beſten dient. W. Ich erinnere mich eines Freundes, der bei einem furchtbaren Sturmwinde, ſtatt zu zit tern, ſich über die Allmacht Gottes freute. L. Du ſagſt ganz recht, ein Chriſt freuet ſich nur an Itſu, aber eben darum freuet er ſich auch an der Natur. Denn wer iſt es, der jetzt durch ſein ſchöpferſches Wort die Geſtalt der Erde verneuert und das Füllhorn des Se⸗ gens über die Länder ausſchüttet? Wer läßt vieſe Blumen ſo lieblich blühen, wer kleidet jene Wieſen mit grünem Graſe, wer ſchmückt jene Wälder mit friſchem Laub? Wer erquickt uns mit all' dem Blüthenduft, dem reichen Farben⸗ ſchmelz und der milden Frühlingsluft? Wer ſchafft das linde Wehen dieſes Lenzeswindes und das nanfte Plätſchern jenes Baches? Wer läßt die Sonne dort ſo freundlich leuchten? W. Der dreieinige Gott. L. Alſo auch Gott der Sohn, unſer lieber Herr Jeſus Chriſtus, unſer Bruder und unſer Denn durch ihn ſind alle Dinge gemacht, Joh. 1, 3. und es beſtehet alles in ihm, Col. 1, war ſehr gut, und wiederholt dieſes Urthell im 17. Dein Jeſus, der als ein Kindlein in der Krippe lag, und als ein Fluch für uns am Kreuze hing, unſer Bruder, der jetzt mit dem Vater und dem heiligen Geſiſte in gleicher Majeſtät und Herrlichkeit herrſcht und regiert, er ſchenkt uns jetzt, als ſeinen lieben Brüdern u. Freunden in jedem Blümchen einen Beweis ſeiner Allmacht und ein Andenken ſeiner Liebe. W. Eine tröſtliche Wahrheit. Fahre fort, ich höre dir gerne zu. L. Und weßhalb hat denn unſer Herr Gon überhaupt die Welt erhalten? Sie hatte um der Sünve willen den Untergang verdient. Weil Gott aber beſchloſſen hatte, die gefallene Welt durch Chriſtum zu erlöſen, ſo ſchenkte er ihr nur aus dieſem Grunde auch ein längeres Beſtehen. Dies bezeugt der ſelige Luther in einem ſchönen Oſterliede mit den Worten: „Wär Chriſtus nicht erſtanden, ſo wär die Welt vergangen.“ Und ich bitte dich, für wen erhält unſer Herr Gott die Welt noch ietzt? W. Gewiß nicht für die Gottesleugner. L. Ein Gärtner pflegt ſeines Gartens doch gewiß nicht um des Unkrauts willen, fondern um edle Pflanzen und Früchte darin zu ziehen. So erhält unſer Herr Gott auch den Acker der Welt, um durch den Samen ſeines göttlichen Wortes den edlen Weizen der Chriſtenheit da⸗ rauf zu ziehen. Wird die Welt aber ſo böſe, daß ſie das öffentliche Predigamt nicht mehr leiden will, dann iſt auch ihr Ende nicht mehr fern. W. Nun, dieſe Zeit iſt ſchon da. L. Du ſiehſt alſo, wie auch die Schöpfung in ihrer Weiſe dem großen Zwecke Gottes, räm⸗ lich der Erlöſung dienen muß, und damit der Verherrlichung Gottes und dem Heile der Men⸗ ſchen. W. Mir wird die Schöpfung nun immer lieber, weil ich meinen Jeſum darin finde. L. Hat doch die ganze Schöpfung unſtrem Heilande gehuldigt und ihn feierlich als ihren Herrn und Schöpfer anerkannt. Bei ſeiner Geburt erſchienen alle heiligen Engel und be⸗ teten ihn an; ein leuchtender Stern mußte die „Weiſen des Morgenlandes zu ihm führen. Auf ſein Gebot trug ihn das Meer, daß er darauf, wie auf feſtem Lande, dahin ſchritt. Vor ſei⸗ nem Drohen verſtummte der Sturmwind, und es legten ſich die Wogen des empörten Sees, daß eine große Stille ward. Auf ſein Wort mußte der Fiſch von dem Grunde des Meeres herauffahren und in ſeinem Munde einen Sta⸗ ter tragen; ſeine Allmacht füllte Petri Netz mit einer ſo großen Menge Fiſche, daß es zerriß. Sein Segen vermehrte den geringen Vorrath von wenig Broden und Fiſchen und ſpeiste da⸗ mit viele Tauſende ;. auf ſeinen Fluch verdor⸗ rete der Feigenbaum alſobald. Auf ſelnen Be⸗ fehl fuhren die Teufel aus, wichen die ſchreck⸗ lichſten Krankheiten und Gebrechen, und ſtan⸗ den die Todten auf. W. Und als er am Kreuze hing, da weh⸗ klagte die ganze Natur Über ſein Leiden und Sterben. Die Soune verlor ihren Scheln, und alles Land hällte ſich in den Trauerflpr nächt⸗ licher Finſterniß und jommernd zerriſſen die Fel⸗