# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1853 06 07_S141 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) 7. Auf dieſen ſtarken Grund, daß Jeſus un— ſere Kinderlein, die wir ihm zutragen, ſegnen will, beten wir das Vater Unſer. 8. Nachdem ſpricht der Diener Chriſti: „Der 5Err behüte deinen Ausgang“ aus deinem alten Sündenſtande, in welchem du em⸗ pfangen und geboren, und „deinen Ein⸗ gang“ zur Geſellſchaft der lieben gläubigen Chriſtenheit. Ja er behüte nun deinen Aus⸗ gang aus der Welt und Eingang in's ewige Leben. Hilf Gott, wie tröſtlich iſt das! 9. Nun geht man fort zum hei⸗ ligen Taufwaſſer. Da ſollſt du denken: Der HErr Jeſus wird durch ſeine Fürbitie dem Kindlein den Himmel aufſchließen, der heilige Geiſt wird herabfahren, obſchon nicht ſichtbar, voch fruchtbar und kräftig, er wird das Kind— lein erneuern und zu einem Tempel Gottes wei⸗ hen, der himmliſche Vater wird den jungen Täufling zu ſeinem lieben Kinde annehmen. 10. Anfänglich aber muß das Kind dem Teufel und all ſeinem Weſen entſagen, denn niemand kann zweien Her⸗ ren dienen (Matth. 6.) Das ſollt ihr eure Lebtaze bedenken. 11. Darauf muß es zum Blutfähnlein Jeſu Chriſti ſchwören und ſich deutlich zu den drei Artikeln des apoſtoliſchen Glaubens bekennen.“) ö 12. Das Kindlein wird dreimal mit Waſſer beſprengt. Vor Zeiten hat man die erwachſenen Leute, die ſich zum Chri— ſtenthum bekehrt haben, gar in's Waſſer hinein— getaucht, zu Ehren der hochgelobten Dreieinig— keit, die gewiß allda gegenwärtig iſt, und zur Erinnerung der drei Stücke, die zu wahrer Buße gehören, welche durch das Waſſertaufen bedeu— tet wird, wie es St. Paulus erklärt Nöm. 6. *) Buße nad Glauben ſind nach der Schriſt zum Ein⸗ gang in das Himmelreich unbedingt notywendig. Marc. 1, 15., Luc. 24, 46. 47. Ueber deren Vorhandenſelr bel dem Täuſiing muß die Kirche mit ibren beruſenen Dienern eine menſchliche Gewißheit erlangen, ebe ſie die Tauſe er⸗ theilen darf. Dieſe wird aber, weil Menſchen nicht in das Herz ſeben tönnen, zunächſt und vornehmiſch durch das mundllche Bekenntniß des Täuflings erlangt. Belenntuiß der Buße iſ die Entſagung, Beenntniz des Glaubens das apoſtoliſche Symbolum. Beide nd uralt. Ob man ſchon zur Zeit der Apeſiel ſich gerade dieſer For⸗ meln bediente, iſt freiſich nicht zu erweiſen, daß man aber von dem Täufling dies doppelte Bekenndniß verlangte, iſt gewid. Als die Tauſende am Pfingſiſeſt durch die herz⸗ durchdringende Predigt Peiri ſich mit der Frage an die Apo⸗ Ret wandten: „Ihr Männer, lieben Brüder, was ſollen wir teun?“ antwortett Petrus: Thut Buße und laſſe ſich ein Jeglicher taufen auf den Ramen Jeſu Chriſi zur Bergebung der Sünde, ſo werdet ihr emprangen die Gabe des heiligen Geiſtes. Denn euer und cuer Kinder iſt die Verbeißung —140— 13. Es werden deutlich die Worte dazu geſprochen: „Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Soh⸗ nes und des heil. Geiſtes. Denn der Prediger iſt nur Chriſti Diener und verrich— tet das äußerliche Werk nach Chriſti Ordnung, Gett aber iſt ſelber der Täufer, und wenn der Prediger äußerlich die Leute mit Waſſer tauft, ſo tauft Gott durch dieſen Dienſt aus ſeiner göttlichen Kraft die Menſchen innerlich im Her— zen. Gott der himmliſche Vater rei⸗ nigt ſich durch dies ſelige Himmelsbad ſeine lieben Himmelskinder. Der HErr Jeſus wäſcht ſie durch die Kraft ſeiner heiligen Bluts— tröpflei. Das Aug' allein das Waſſer ſieht, Wie Menſchen Waſſer gießen, Der Glaub' im Geiſt die Kraſt verſteht Des Blutes Jeſu Chriſtt, Vor Goit iſt es ein rothe Fluth Durch Chriſti Blut geſärbet, Die allen Schaden beüen thut Von Adam her geerbet, ‚ Auch von uns ſelbſt begangen. Der heil. Geiſt erneuert das liebe Herzlein und heiligt es, daß es Gottes Kind und liebe Wohnung ſein ſoll. Drum iſt's fein, daß auch nicht mehr als drei Pathen erbeten wer— den ... 14. Nach verrichteter Taufe wird das Kindlein mit einem weißen Häublein und mit dem Weſterhemd⸗ lein gekleidet zur Erinnerung, daß es in die ſchöne reine weiße Seide der Gerechtigkeit und in die Lämmleinsfelle der Unſchuld Jeſu Chriſti von Fuß auf ſei gekleidet worden, denn Paulus ſagt Gal. 6.: „Wie viel euer getauft ſind, die haben Chriſtum angezogen;“ und auch zur Erinnerung, daß es ſchuldig ſei, ſich der Reinigkeit Leibes und der Serle mit Ernſt zu befleißen.) 15. Die Patben legen die Hand auf das Kindiein und thun gleich einen Handſchlag an des Kindleins Statt, daß es bei dem neuen geſtifteten Bunde des guten Gewiſ— ſens ſoll bleiben. Die Pathen geben ſich auch hiermit an, daß fie der geſchehenen Taufe künf⸗ tiger Zeit wollen Zeugniß geben, und wo (da E 8 *) Und auch nicht wentger, auf daß es den drei Zeu⸗ gen im Himmel entpreche: dem Vater, dem Worte und dem heil. Geiße. Und zwar werden nach altem Brauch bei ei⸗ nem Knäblein zuel Perſenen männlchen und eine Perſon weiblichen Geſchlechts genommen, bei einem Mägdlein aber zwei Perſonen weiblichen und eine Perſon männlichen Ge⸗ ſchlechts. 1) Auch dleſer aus dem chriſllhen Ällenthum ſammende Gebeauch findet ſich in Lutver's Taut büch ein und iſi hie und aller, die ſerne ſind, welche Gott unſer HErr herzuru⸗ ſen wird.“ Ebenſo ermahnt er ſie: „Laſſet euch helſen von dieſen uuartigen Leuten“ (was iſt dies lettere anders als eine Ermahnurg zur Entſagung des Teufels und alles gott⸗ loſen Weſens?). Darauf fährt Lucas fort: „Die nun ſein Wort geru annahmen (alſo zu dieſer Forderung des Apoſtels öffentlich ſich beiannten) lleßen ſich taufen““ Apo⸗ gelgeſch. 2. 37 -— 4l. Noch deuklicher erhellt dies aus Apo⸗ Helgeſch. 8, 36. 37. In Folge der Predigt Pbilippi ſprlcht rer Kämmerer: „Siehe, da iſt Waſſer, was hindert's, daß ich mich tauſen laſe?“ Der Crangeliſt aber richtet zuerſt an chu die Frage: „Glaubeſt du von ganzem Herzen, ſoe mag's wohl ſein,“ worauf der Kämmerer dess Berenntniß und da noch in Uebung. Mit einer Krone au dem Haupte zum Zeichen des Sieges über de Welt und be leicet mit dem Weſterhemdt, das ſeinen Namen von Veſiis, Kleid, Weſt, Freude, und dem deutſchen Wort Hemde bhertedet, zum Zeichen der Uuſchuld und Reinig'eit kehrten eiuſt die Reugetauten in izre Wohnungen zurück und legten das Wö Kleid erß am; dar auf folgenden Sonntag wi der ab. Da nun gewöhntich die Tauſe der erwachſenen Catechumenen an Oßern vollzogen wurde — es ſchlieht ſich nun auch um dieſe Zeit das Catechumenat ber ſpäteren Zeit, der Coufir- mandenunterricht — ſo trugen dieſelben thr weißes Kleid bis zum Sonntag Quaſmodogeniti, der deshalb auch heute noch der „weiße Sonntag“ genannt wird. Der In- troitus dieſes Tages aus 1. Petr. 2, 2. und die Epiſiel ateet: „Ich laube, dan Jeſus Chriſtus Goites Sohn iſt.“ Gott für ſei!) der junge Pathe wollte der wahren Neligion untreu wer⸗ den, ſo wollen ſie ihn treulich war⸗ nen, daß er ſich bekehre. 16. Darauf wünſcht der Diener Chriſti dem getauften Kindlein, daß es Gott ſelber, welcher es durch's Waſſer und den heil. Geiſt bat wiedergeboren, erhalten wolle zum ewigen Leben.“) Endlich fallen alle Ge⸗ vdatter fammt dem Täufer auf ihre Kniee und danken Gott von Her⸗ zen, daß er das junge Herzlein zu ſeinem Kind angenommen, die Eltern mit ſeinem Segen ge⸗ krönt, und die kiebe Chriſtenheit abermals mit einem jungen Kirchpflänzlein gemehrt hat..) 17. Wenn das geſchehen, ſo gehen die Ge⸗ vatter mit den Kindlein vor das hohe Altar ſten eine freudige Macht haben, ihr Lebtage vor Gottes Angeſicht zu treten. 18. Die Gevatterin ſetzt ſich allda ein wenig nieder und hak das Kindlein in ihrem Schooß. Da bedenken wir: Nun liegt das liebe, fromme, junge Herzlein in dem Gnadenſchooße des himm⸗ liichen Vaters, jetzt liegt's in den Armen Jeſu Chriſti, jetzt ruhet's unter den Gluckhennen-⸗ Flügeln ſeines Verdienſtes. 19. Nun folgen die Pathengroſchen. Da ha⸗ ben die Gevatter ſolche Gedanken: Liebes Path⸗ lein, du haſt drei Pathen und Zeugen deiner Taufe auf Erden, du haſt auch drei Pathen vom Himmel, die von deiner Taufe und Selig⸗ keit zeugen, den Vater, das Wort und den heil. Geiſt. Die Pathen vom Himmel haben ſich jetzund ſehr löblich und milde erzeigt, Gott hat dir das Herz mit Troſt gefüllt, wir wollen dir das Täſchlein mit einem guten Pfennig füllen: Gott laſſe aus wenigem viel werden. Alsdann gibt ein Jeder nach ſeinem Vermögen und ge⸗ wöhnlicher Landart. 20. Endlich knieen die Gevatter mit dem jungen Pathlein nieder, und beſchließen mit. herzlichem Gebet, wie ſie ernſtlich hatten ange— fangen. Da lauft das Taufringelein wieder zuſammen. *) In Luter's Taufbſichlein heißt es: „Dann ſollen die Patizen das Kindlein ha ten in der Taufe und der Pne⸗ ſter ſprechen, die weit er das Weſcrrhemde anzeucht: Der all⸗ mächtige Golt und Vater unſeres HErrn Jeſu Chriſi, der dich anderweit geboren hat durch das Waſſer und den keil. Geiſt und hat dir alle del e Sünden vergeten, der ſtärle dich mit ſeiner Gnade zum ewigen Leben. Amen. Friede mit Dir. Amen.“ 1) Das Dankgebet nach ber Taufe, auf das ſich bler Her⸗ berger berieht, findet ſich in vielen Agenden und lautet alfo; „Allmächeiger, barmherziger Gett und Vater, wir ſagen der Lob und Dan, daß du deine Kirche gnädiglich erhä.tſt und mehreſt und dieſem Kinde vereirlten haſt, daz es durch dit heil. Taufe wiedergeboren und deinem lieken Sobye, unſerm: einigen HErrn und Heiland Jeſu Cbriſßo, eingeleilt, dein Kind und Erbe deiner himmiiſchen Güter geworden iſt. Wit bitten dich ganz demüthiglich, daß du dies Kind, welches nun. mehr dein Kind gewordeu iß, bei der empfangenen Gutthat gnädiglich bewahren wolleſl, damit es nach all veinem Wohl⸗ gefallen zu Lob und Preis deines heil. Namens auf das treulichſte und goltſelizſte auferzogen werde und endlich das verſprochene Erbtheil im Himmel mit allen Helligen empfahe, durch Jeſum Chriſtum. Amen.“ — Was nun von Nro. 17. an folgt, iſt in der Welſe wohl mehr nur in Frauſtadt üblich geweſen. Um der ſchä⸗ nen Dentung willen, die Herderger auch dleſen Sehlnöge⸗ aue 1. Joh. 5. 4-12. deuten darauf hin. kränchrn zu geken weiß, wird es jedoch mitgetheili, und bedenken, daß ihr Pathlein und alle Chri⸗