# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1853 04 26_S136 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) zu ſuchen. Von einem, der ſich erhängt haben ſollte, und von einem anderen, der tief geſunken ſein ſoll. Von Gellert wird erzählt, daß ſeine Fein⸗ de einſt das Gerücht verbreiteten, er habe ſich erhängt. Dies ſchrieb ihm ein Freund. Gellert antwortete, ſeine Widerſacher hätten ſo weit recht, daß er allerdings mit jenem Liede ſagen müſſe: Ich haug' und bleib auch hangen An Chriſto, als ein Glied; Wo mein Hanpt durch iſt gangeu, Da nim mt es mich auch mit. An dieſe Geſchichte wurden wir erinnert, als wir die letzte Nummer des „Informatorium“ des Paſtor Grabau laſen. Dieſes Blatt fährt nehmlich fort, unſere Hauptgründe beiſeite lie— gend laſſend, vor allem unſere Perſon und un— ſern Charakter ſo viel als nur wöglich herunter— zuſetzen. Wir werden auf dergleichen Ausfälle nichts mehr erwiedern (auch alle leere Wort— ſtreitereien vermeiden, bereits Nachgewieſenes mretz der wiederholten kecken Behauptungen un— ſerer Gegner nicht noch einmal zum Gegenſtand des Streites machen und nur auf die eigent— liche Sache, um die es ſich zwiſchen uns han— delt, Rückſicht nehmen.) den wir in jener Nummer des „Informakori— um“ ein „tief geſunkener“ Mann ge⸗ nannt. Hierauf müſſen wir dem „Informato⸗ rium“ ähnlich wie Gellert antworten. Aller— dings ſinken wir als ein armer Sünder im— mer tiefer und wünſchen immer tiefer zu ſinken — nehmlich in das Meer der Gnade, nund je mehr uns das „Informatorium“ herunterſetzt, deſto mehr hilſt es uus dazu, immer tiefer da— hinabzuſteigen und da unſere Freude und Ehre Das wird uns hoffentlich unſer Herr Gegner laſſen? In Weinſteck Eſu ſiehen wir Gepfropft und ganz mit Gott vereinet; Dies iſt die höchſte Woun' und Zier (Obſchen der Unglanb' es virneinet), Dad urch der Geiſt den Lebensgquell ſtets trinkt, Die Seel in Geites Liebesmeer verſinkt. Noch einmal: Es bleibt dabei, wir werden künftig nichts thun, als den Beweis liefern, daß unſere Trennung von Pſt. Grabau und den Seinen lediglich ihren Grund in deſſen fal— ſchen Lehren und romaniſirender Richtung habe, fend, laſſen wir das „Informatorium“ rubig l mer des „luth. und daß wir um der Wahrheit und unſeres Ge⸗ wiſſens willen genöthigt waren und ſind, wider ihn Zeugniß abzulegen. Alles Andere betref— gewähren, mag es nun des Scheltens enrlich müde werden oder nicht. Wir können nicht umhin, bei dieſer Gelegen⸗ heit unſeren Dank dem lieben Bruder auszu⸗ prechen, welcher unſere Sönede in der Num-⸗ Herold“ vom 15ten April ſo freundlich angeredet hat. Möge der wehlmei— nende Mann überzeugt ſein, daß wir ſelbſt rech wohl wiſſen, wie wir den Schatz in gebrechli⸗ chen Gefäßen tragen, und daher jede brüderliche Ermahnung und Zurechtweiſung mit Freuden büren und, wo ſie mit der Wahrheit überein— —135— ſtimmt, anzunehmen bereit ſind. Was die be— regten Lehrpunkte und deren Verhältniß zu Lu⸗ ther betrifft, ſo können wir mit dem freundli⸗ hen Cenſor jedoch nicht übereinſtimmen. Wa— rum? das zu zeigen, behalten wir uns für andere Gelegenheit vor. ——..—————— Aus tiefer Noth ſchrei ich zu Dir. Dies Lied hat Dr. Luther im Jahr 1524 ge— dichtet nach dem Muſter von Pſalm 130; es iſt eins der acht Lieder, aus welchem das erſte evangeliſche Geſangbuch, Luthers Enchiridion, beſtand. Noch im Jahr 1524, am 6ten May, trug dies Lied ein alter armer Mann in Magde— burg feil und ſang es den Leuten auf der Straße Unter anderem wer⸗ Gefängniß werfen ließ, begaben ſich 200 Bürger auf das Rathhaus und foderten ſeine Freilaſ— ſung. Luther ſelbſt hielt große Stücke auf dies Lied, wie er denn im Jahr 1530 auf der Veſte Coburg während des Reichstags zu Augsburg, als er eben aus einer Ohnmacht erwacht war, ſeinem Diener zurief: „Kommt! wir wollen dem Teufel zu Trutz den Pſalm: Aus tiefer Nothe. . . .auf vier Stmmen ſingen und Gott damit loben und preiſen.“ Beim Begräbniß des Churfürſten Friedrichs des Weiſen im J. 1523 erſcholl das Lied in der Schloßkirche zu Wit— tenberg, und als man Luthers Leichnam am 20 Februar 1546 von Eisleben nach Witten— berg führte und auf dem Durchweg in Halle zur RNachtzeit in die Liebfrauenkirche trug, ſo wurde vom Volk, das ſich um den Sarg drängte, dieſer Pſalm mit kläglich gebrochener Stimme, mehr heraus geweint als geſungen. Im großen Münſter zu Straßburg im Elſas wurde wäh— rend der ſchweren Belagerung der Stadt durch die Franzoſen am 15 Jannar 1687 „aus tieſer Noth . . . . geſungen, das letzte evangeliſche Lied, das in jener herrlichen deutſchen Kirch erklang, da ſie gleich darnach von den Frazoſen den Papiſten übergeben wurde und jetzt noch in denſelben Händen iſt. Ums 1704 ging ein Jude in Frané- furt a. M. mit ſeiner' Schweſter bei der St. Peterskirche vorüber und hörte dies Lied fingen. Da ſpricht er zu ſeiner Schweſter, das Lied er— greife ihn ſo, er könne nicht laſſen, daran zu den— ken. Jene ſtrafte ihn deshalb, er ſolle doch an ſo lchen Narrenpoſſen der Gohim (Heiden) kei— nen Gefallen haben. Allein er konnte nicht mehr wider den Stachel lecken, nach kurzer ließ er ſich taufen. Mattheſius der Pfarrer in Joachimsthal er— zählt alſo: Nicht weit von ö eine adeliche Frau zur Zeit ibrer ſchweren Ge⸗ burt und etliche Tage anhaltenden Roth und Gefahr, da faͤſt alle Anweſenden den Muth fallen ließen, des Abends ein armes Schülerkrin vor dem Hauſe den Vers: „Und ob es währ— tbis in die Nacht . . . . ſingen. Solche St me ließ Gett rer betrübten Frau in ihre Obren ans Herz ſchallen und wirkte dadurch der beilige Halh daß ſie aus des Knaben Geſang wirder Herz, Muth und Treſt faßte und ſagte: „Laßt we ei u — tim⸗ vor. Als ihn deshalb der Bürgermeiſter Rubin ins Joachimsthal hörte uns nicht verzweifeln noch ſorgen, Gott ſchickt uns ſein getauftes Schülerlein zu und ver— mahnt uns, wir ſollen nicht ablaſſen, auf Gott zu warten, ob er ſchon jetzt verzieht. Laßt uns noch einmal anklopfen und auf ſein Wort, Blut und theuren Eid zu ihm ſchreien; er wird helfen, „das wollen wir in der Kürze erfahren.“ Darauf fielen die Weiber auf ihre Knie und ſprachen ihr Vaterunſer in ſtarker Hoffnung und tröſtlicher Andacht, und ehe ihr Gebet ganz aus war, half Gott gnädiglich, und die Mutter wurde mit einem geſunden Sohn erfreut, daß Jedermann den Nothhelfer lobte und preiſte. Der Churfürſt Johann Georg Ivon Sachſen, der 45 Jahre lang ſein Land im Segen regierte und 1631 — 1635 den Kampf gegen die Katho— liſche Liqne führte, hatte dies Lied, ſonderlich den Aten u. öten Vers zu Hauſe, ſowie im Feld— lager oft geſungen. Darum betete ihin auch ein Oberhofprediger Dr. Weller an ſeinem Sterbebette noch dieſe zwei Verſe, wobei er ganz andächtig mitbetete und nach Vollendung der— ſelben am Sten October 1656 ſeinen Heh in Gottes'treue Hände befahl. Die ſchöne Melodie „Aus tiefer Noth . . . . wurde vor Alters ſo fleißig und eifrig in den Häuſern ſelbſt geſungen, daß ſogar ein Zeiſig, der einer Wirthin auf dem Ziegenſchacht im Meißniſchen Obererzgebürg gehörte, auch alſo ingen lernte. Als nun da im dreißigjährigen Krieg die Soldaten einmal Alles ausplünderten, warf die Wirthin, indem ſie ihre beſten Habſe- ligkeiten zuſammenrafte, den Käfig ſammt dem Zeiſig unter die Bank. Dort mußte der arme kleine Vogel ſtecken und Hunger leiden. End⸗ li⸗wals die Soldaten fort waren und die Wir— thin wieder zurückkam, ſteht ſie ſo in der Stube und blickt betrübt in die Verwüſtung hinein— Fängt plötzlich mein Zeiſig unter der Bank ſein Liedlein an: Aus tiefer Noth ſchrei ich zu dir. . . . „daß der armen Frau die Thränen in die Augen dran; Hat denn der Vogel in Angſt und Noth alſo geſungen, wie viel mehr ſollten wir es doch thun! 8i* „Es wird nimmer ein Concilium, da die Leute zuſammen ſtimmen ſollten, aus dem heiligen Geiſt. Das läßt auch Gott eben darum geſche— hen, daß Er ſelbſt will Richter ſein. und nicht leiden der Menſchen Richten. Da— rum beſiehlt er Jevermann, daß er wifſe, was erglaube, es wird nicht helfen, daß In ſaͤgeſt: du haſt's ſo gehört und gepredigt, da fragt der Teufel nichts nach. Aber wenn en Gottes Wart haſt, kannſt du ſagen: da hab ich das Wort, was darf ich weiter fra⸗ gen, was die Concilia ſagen; ſo muß er zurück. — — Glaube iſt nicht eine Qualitas, Geſchicklich— teit, das iſt, ein menſchlicher Gedanke, nach der Vernunft, derſelbige taugt an ihm ſelbſt nichts, ſondern das iſt Glaube, der Chrißum im Wort orgetragen und verwickelt, ergreif ftidurch A Wir⸗ kung des heiligen Geiſtes. Luth. Werke. S. 105. Cisl. A⸗ *