# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 01 10_S39 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 39 Eck; er befand sich da mitten unter seinen Feinden und die Aufregung des Volkes durch Verhetzung der Papisten mußte das Schlimmste fürchten lassen, da er an Spalatin schrieb: „Wenn ich umkomme, geht doch die Welt nicht unter und einmal muß ich doch sterben.“ Namentlich war Luther auf seinem Heldenzuge nach Worms i. J. 1521 fortwährend in Gefahr, auf irgend eine Weise durch die Hände seiner Feinde umzukommen, da sie sein persönliches Erscheinen auf dem Reichstage fürchteten und Alles aufboten, dasselbe zu verhindern. Zwar reiste Luther unter Vorritt eines kaiserlichen Heroldes zum sichern Geleit, allein der Fürst der Finsterniß würde trotzdem Luther umgebracht haben, wenn Gott nicht seinen treuen Diener durch das Geleit der heiligen Engel beschützt hätte. In Worms selbst hätten es Luthers Feinde gern dahin gebracht, daß er, wie einst Huß, als ein Ketzer lebendig verbrannt würde. Endlich war Luther in Orlamünde im Jahre 1524 unter Carlstadt's Anhängern, sowie im folgenden Jahre unter den aufrührerischen Bauern, während er seines Amtes mit Ermahnen wartete, mehr als einmal in großer Lebensgefahr. Dreimal wüthete die Pest in Wittenberg und selbst in Luthers Hause. Viele flohen vor dem Sterben, nur Luther nicht; er fuhr unerschrocken fort, die Kranken und Sterbenden mit Zuspruch aus Gottes Wort zu erquicken, und siehe da, Gott schützte ihn nach seiner Verheißung „vor der Pestilenz, die im Finstern schleichet, vor der Seuche, die im Mittage verderbet.“ Ps. 91, 6. Auch wurde der theure Luther in seinem Leben von vielen und zum Theil sehr schweren Krankheiten heimgesucht, so daß er von sich sagen konnte: „ich bin ein rechter Lazarus, in den Krankheiten wohl versucht.“ Namentlich lag er im Jahre 1527 sehr hart darnieder, und mußte dabei noch an seiner Seele die heftigsten Faustschläge des Satans empfinden; er sank in eine tiefe Ohnmacht und vor Menschenaugen war nichts anderes, als sein baldiges Ende zu erwarten. Auch bei der Zusammenkunft in Schmalkalden im Jahre 1537 wurde er zum Tode krank und er glaubte fest, daß die Zeit seines Abschieds vorhanden sei. Aehnliches geschah im Jahre 1542. In diesen beiden Krankheiten beschickte er sein Haus und machte sein Testament. Doch auch bei ihm wurde das Wort erfüllt: „Der HErr wird ihn erquicken auf seinem Siechbette; du hilfst ihm von aller seiner Krankheit.“ Ps. 41, 4. So droheten der Satan und seine Werkzeuge Luthern oft mit dem Tode, Luther aber verachtete im festen Glauben alle ihre Drohungen, wie er dies in einem öffentlichen Briefe an Hartmuth von Cronberg im Jahre 1522 bezeugt, worin er schreibt: „Sie drohen uns mit dem Tode; wenn sie so klug wären, als thöricht sie sind, so sollten sie uns mit dem Leben drohen. Es ist ein spöttlich, schimpfliches Drohen, daß man Christum und seine Christen mit dem Tode schreckt, so sie doch Herren und Siegmänner des Todes sind.“ (Luthers Werke XV. 1983. In einer besondern Schrift über die beiden kaiserlichen Edicte wider ihn und seine Anhänger vom Jahre 1521 und 1524 fordert er mit beispiellosem Heldenmuthe alle seine Feinde auf, ihre Macht an ihm zu beweisen, er bezeugt ihnen aber auch, daß solches nicht in ihrer, sondern in Gottes Hand stünde und daß Gott sein Blut rächen werde. Er schreibt also: „Nun, meine lieben Fürsten und Herren, ihr eilet fast mit mir zum Tode; und wenn das geschehen ist, so werdet ihr gewonnen haben. Wenn ihr aber Ohren hättet, die da höreten, ich wollte euch etwas seltsames sagen. Wie, wenn des Luthers Leben vor Gott so viel gülte, daß, wo er nicht lebete, euer keiner seines Lebens oder Herrschaft sicher wäre, und daß sein Tod euer aller Unglück sein würde? Es ist nicht zu scherzen mit Gott. Fahret nur frisch fort, würget und brennet. Ich will nicht weichen, ob Gott will. Hie bin ich! und ich bitte euch gar freundlich, wenn ihr mich getödtet habt, daß ihr mich ja nicht wieder aufwecket, und noch einmal tödtet. Gott hat mir (wie ich sehe) nicht mit vernünftigen Leuten zu schaffen gegeben, sondern deutsche Bestien sollen mich tödten, (bin ichs würdig,) gerade als wenn euch Wölfe oder Säue zerrissen. Doch rathe ich jedermann, der da gläubt, daß ein Gott sei, daß er sich solches Gebots enthalte. Denn wiewohl mir Gott die Gnade gegeben hat, daß ich den Tod nicht so fürchte, wie ich vor Zeiten thate, und mir auch helfen wird, daß ich willig und gerne sterbe: so sollen sie es doch nicht ehe thun, mein Stündlein sey denn da, und mein Gott rufe mir, und sollen sie noch so sehr toben und wüten. Denn der mich nun ins dritte Jahr hat wider ihren Willen und über alle meine Hoffnung lebendig behalten, kann mich auch länger fristen, wiewohl ichs nicht hoch begehre. Und wenn sie auch nun tödten, sollen sie ein solch Tödten thun, das weder sie noch ihre Kinder überwinden sollen. Davor ich sie lieber wollte gewarnt haben, und ihnen wahrlich nicht gönne. Aber es hilft nicht, Gott hat sie verblendet und verstockt.“ (Luthers Werke XV. 2713 fl. Wie bereit Luther war, auch selbst den Märtyrertod zu erdulden, wenn es Gott wollte, dies erhellet aus einem seiner Briefe an Dr. Staupitz, den er im Jahre 1518 mitten in den heißesten Kämpfen wider den Ablaß schrieb und worin es also heißt: „Ich habe weder Gut (noch Geld), begehre auch der keins. Habe ich gut Gerücht und Ehre gehabt, der mache es nun zunicht ohn Unterlaß, der es angefangen hat. Der einige nichtige Leib, durch viel und stete Gefahr und Unglück geschwächt, ist noch übrig; richten sie denselben hin, durch List oder Gewalt (Gott zu Dienst), thun sie mir wahrlich sehr einen großen Schaden, verkürzen mir die Zeit meines Lebens irgend eine Stunde oder zwo (und helfen mir desto eher gen Himmel). Ich lasse mir gnügen, daß ich an meinem lieben HErrn JEsu Christo einen süßen Erlöser und treuen Hohenpriester habe, den will ich loben und preisen, so lange ich lebe. (Luthers Werke XV. 511.) Demnach waren es keine leeren Floskeln, sondern eine durch den heil. Geist gewirkte Glaubensfreudigkeit selbst im Angesicht des Todes, wenn Luther sein Lied: Eine feste Burg ist unser Gott ꝛc. mit den heldenmüthigen Worten schloß: Nehmen sie uns den Leib, Gut, Ehr, Kind und Weib, Laß fahren dahin, sie habens kein Gewinn, Das Reich Gott's muß uns bleiben. Ach wie viele meinen gute Lutheraner zu sein, wenn sie nur Luther diese Worte nachsingen, während sie doch in ihrem Leben nach nichts mehr als nach jenen sichtbaren Dingen und nach nichts weniger als nach dem Reiche Gottes trachten, und um dieses zu gewinnen, nicht das geringste von jenen verlieren wollen! Obgleich sich aber Luther den Märtyrertod wünschte, so hielt er sich doch einer so hohen Ehre für ganz unwürdig. Er bezeugt dies in seiner Antwort auf die Lästerschrift des Königs von England im Jahre 1527 mit folgenden Worten: „Es sind nun drei Päbste gewesen, so viel Cardinäle, Könige, Fürsten, Bischöfe, Pfaffen, Mönche, große Haufen Gelehrte und die ganze Welt, die allzumal an des Luthers Blut Verräther, Mörder und Henker sind, oder je gern wollten seyn; und der Teufel auch mit den Seinen. Pfui dich, ich bin meinem Blut selbst feind, wenn ich daran denke, daß ich solche herrliche, köstliche Henker und Mörder haben soll. Dem türkischen Kaiser sollte solche Ehre widerfahren, nicht solchem armen Bettler, als ich bin. Aber weil sie es ja seyn wollen, muß ich solche Ehre leiden und aus ihrem Zorn und Wüten meines Herzens Freude und Spiel machen.“ L. W. XIX. 508.) Und in der Beschreibung des seligen Märtyrertodes Leonhard Kaisers im Jahre 1527, ruft Luther aus: „Ach HErr Gott! daß ich so würdig wäre gewesen, oder noch sein möchte, solches Bekenntnisses und Todes. Was bin ich? Was thue ich? Wie schäme ich mich, wenn ich diese Geschichte lese, daß ich desgleichen nicht längst (wiewol zehenmal mehr vor der Welt verdient,) auch zu leiden bin würdig worden. Wolan mein Gott, solls so seyn, so sei es also, dein Wille geschehe.“ (L. W. XXI. 213.) Ob es gleich nun Gott nicht geschehen ließ, daß Luther den Märtyrertod starb, so verdient er doch mit allem Recht unter die Zahl der Märtyrer und zwar unter den lutherischen obenan gesetzt zu werden, wie dies auch C. Rabus in seinem berühmten Märtyrerbuche gethan hat. Denn Luther hat namentlich in den letzten 30 Jahren seines Lebens nicht weniger, ja weit mehr und Schwereres an Leib und Seele um Christi willen zu leiden gehabt, als viele Märtyrer vor und nach ihm. Er konnte mit allen Heiligen des Alten und Neuen Testamentes bekennen: um deinetwillen werden wir getödtet den ganzen Tag; wir sind geachtet wie Schlachtschafe. Aber in dem allen überwinden wir weit, um deßwillen, der uns geliebet hat. Ps. 44, 23., Röm. 8, 36. 37. Von seinem 33. Lebensjahre an bis zu seinem 63. schwebte Luther bewußt und unbewußt in immerwährender Todesgefahr; bei seinen vielen Reisen, bei seinem Aufenthalt an fremden Orten mitten unter seinen Feinden, in der Kirche, im academischen Hörsaale, bei Gastmählern, auf seinen Gängen in und bei Wittenberg, in seinem eigenen Hause, bei dem großen, unausgesetzten Andrang von besuchenden Fremden aus fast allen Ländern, denen er sich immer mit der größten Leutseligkeit hingab: wie leicht konnte bei einer solchen Gelegenheit seinem theuren Leben in einem Augenblick ein gewaltsames Ende bereitet werden, wenn Gott ihn nicht immer so wunderbar wie einen Augapfel behütet hätte! Bei den vielfältigen Warnungen seiner besorgten Freunde in der Nähe und Ferne, doch ja mehr auf seiner Hut zu sein, bewies er einen unerschrockenen Muth, sein Leben selbst nicht theuer zu achten, und traute weit mehr dem Schutze Gottes, als seiner eigenen Vorsicht. Dennoch aber begab er sich auch nicht muthwillig in Gefahr, sondern gebrauchte die von Gott ihm dargebotenen Mittel zur Beschützung seines Lebens. So nahm er nicht