# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1853 05 10_S127 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) vorſtande in Schwelm unangenehm geweſen ſein, und dem, der die Predigt gehört oder geleſen hat, kann das auch gerade ſo unglaublich nicht. ſcheinen. Beſagter Kirchenvorſtand ſoll in je— ner lichtvollen Aufklärung eine Anregung zum Haſſe, zur Beleidigung und Verſpottung der römiſch⸗katholiſchen Kirche entdeckt und bei der hieſigen Königlichen Staatsanwaltſchaft die Un— terſuchung gegen den Paſtor Heinrich und, warum es wohl am meiſten zu thun geweſen ſeyn wird, die Beſchlagnahme und Vernichtung der gedruckten Eremplare beantragt haben. Das Krrisgericht hatte in Folge deſſen die Anklage beſchloſſen und den Verfaſſer ſammt dem Dru⸗ zker det Predigt auf Grund des Artikels 135 des Strafgeſetzbuches vor ſeine Schranken ge— laden. Dieſer Artikel lautet: „Wer öffentlich in Werien, Schriften oder andern Darſtellun⸗ gen Gott läſtert, oder eine dertchriſtlichen Kir— chen oder eine andere mit Corporationsrechten im Saate beſtehende Religionsgeſellſchaft oder die Gegenſtände ihrer Verehrung, ihre Lehren, Cinrichtungen oder Gebräuche verſpottet, oder in einer Weiſe darſtellt, welche dieſelben dem Haſſe oder der Verachtung ausſetzt, wird mit Gefäng— niß bis zu drei Jahren geſtraft.“ Herr Paſtor Oeinrich erſchien perſönlich vor Gericht, ohne einen andern Rechtsbeiſtand, aufer ſeinem theuern Gottesworte. Die An⸗ klageſchriſt enthielt 14 incriminirte Stellen jener Refermationspredigt, die alle jenem Paragra⸗ phen des Strafgeſetzbuches zuwider ſeyn ſollten, alſo 14fache Beleidigung und Verſpottung au. Auregung des Haſſes gegen die römiſch-katho— liſche Kirche. Mit großer Ruhe trat der An⸗ geklagte vor ſeine Richter und entwickelte in einer zweiſtündigen, durch und durch klaren, lo⸗ giſch ſcharfen und ſchlagenden Vertheidigung ſeine vollſtändige Berechtigung als evangeliſcher Prediger zu einer ſolchen Reformationspredigt in ihrem Ganzen ſowohl, als in ihren ein— zelnen Ausdrücken. Er wies darauf hin, wie fern ihm die Abſicht gelegen habe und wie die Predigt nicht geſchaffen ſey, Haß ꝛc. gegen die römiſch-katholiſche Kirche, ſondern vielmehr Mitleiden zu erregen, wie dieſelbe ja, nach den ausdrücklichen Worten der Einleitung, Dank— barkeit für den Segen der Reformation und Liebe zu dem evangeliſchen Bekenntniſſe wirken ſolle. Er machte auf den gewaltigen Unter— ſchied zwiſchen der Bibelſprache und darum der evangeliſchen Predigtſprache und zwiſchen der Sprache des gewöhnlichen Lebens aufmerkſam. Er wies Punkt für Punkt nach, wie ſeine Pre⸗ digt nicht von einem ſubjektiven, ſondern von einem objektiven Standpunkte aus beurtheilt werden müſſe, wie keine einzige von den An⸗ ſichten und Lehren, die er vorgetragen, ihm eigenthümlich ſey, ſondern die Auffaſſungsweiſe der heiligen Schrift und der heiligen Kirche, die ihn zum Prediger berufen habe. Er wies nach, daß nicht allein dieſe Lehren, ſondern auch die ſcharfen, richtenden Ausdrücke ſich auf Got— tes Wort, ſo wie auf die ſymboliſchen Bücher gründeten, daß dieſer Rechtsboten der evangel. Kirche keinem Prediger derſelben genommen — 126— oder verkümmert werden dürfe und daß er von ſeiner vorgeſetzten Behörde gerade auf dieſen Rechtsboden verpflichtet worden ſey. Zum Schluſſe bemerkte er, daß ihm durchaus nicht entgegengeſtellt werden könne, der Standpunkt ſey jetzt ein anderer, als vor 300 Jahren, wo die ſymboliſchen Bücher verfaßt wurden; der Standpaunkt ſey vielmehr noch immer derſelbe, von römiſch-katholiſcher Seite ein unaufhör— liches Anfeinden, ein mit allen möglichen Mit— teln geführter Bernichtungskampf, der ja gerade in der jetzigen Zeit mit neuer Heftigkeit aufge— nommen ſey und in dem der Jeſuitismus ſein ſchweres Geſchütz gegen die evangtliſche Kirche aufgefahren habe, — darum von evangeliſcher Seite ein fortwährendes Proteſtieren gegen Alles, was nicht in dem lebeudigen Worte Gottes ge— gründet iſt. — Mit geſpannter Aufmerkſamkeit und athemloſer Stille folgten die Anweſenden dem ganzen Vortrage und ſichtbar mächtig war der Eindruck auf ihr Herz. Die Königliche Staatsanwaltſchaft gab zwar in der Beant⸗ wortung zu, daß darin dem Angeklagten nicht die Abſicht, Haß ꝛc zu erregen, nachgewieſen werden könne, fand dies auch durch die Her— ausgabe der Predigt beſtätigt, und deßhalb in dieſer Veröffentlichung einen Milderungsgrund; allein ſie machte doch geltend, daß ein ſolches Vergehen gegen den 9. 135 in der Wirklichkeit! doch in der Predigt zu finden ſey und trug auf Beſtrafung des Angeklagten an. Nachdem der Gerichtshof die Publikation des Urtheils einige Stunden ausgeſetzt hatte, wurde um 5 Uhr Abends daſſelbe dahin publicirt, daß der Pfarrer Heinrich, ſchuldig ſich gegen §. 135. des Strafgeſetzes vergangen zu haben, zu einer 14 tägigen und der Drucker zu einer 8 tägigen Gefängnißſtrafe verurtheilt und die Vernichtung der gedruckten Ereuplare ſeiner Predigt für Recht erkannt ſei. In ſeinen Grün⸗ den ſprach ſich das Erkenntniß hauptſächlich da⸗ hin aus, daß die in der Predigt gebrauchten Ausdrücke allerdings geeignet wären, „Haß ꝛc.“ hervorzurufen, daß der objektive Standpunkt der Kirche und Kirchenlehre bei der Beurthei— lung über das einfache Geſetz nicht feſtgehalten werden könnte, ſondern daß dem Geſetz gegen— über der Angeklagte als Perſon ſich vergangen habe, daß auch ſein Zurückweiſen auf die ſym— boliſchen Bücher ihn nicht rechtfertigen könne, indem zu der Zeit ihrer Entſtehung die jetzt vor dem Geſetze beſtehende Parität beider Kirchen noch nicht feſtgeſetzt geweſen ſei. Das iſt der einfache Verlauf dieſes merkwürdigen Proceſſes geweſen. durch den ſich die traurige Wahrheit herausgeſtellt hat, daß ein evangeliſcher Predi⸗ ger, wenn er ſich ſtrenge auf dem Glaubensbo— ven ſeiner Kirche hält, wenn er aus dem In— halte ſeiner ſymboliſchen Bücher heraus, die ihm heilig ſind und worauf er feierlich verpflichtet iſt, lehrt und zeugt, durch dieſes Lehren und Zeugen ein Vergehen gegen das Strafgeſetz. buch vom 14. April 1851 ſich zu Schulden kommen laſſen kann und dem bürgerlichen Ge⸗ ſetze verfällt. Nach dem Urtheile des Gerichtshofes iſt kein Geiſtlicher mehr im Stande, ſeinem Ordinan⸗ onsgelübde nachzukommen, ohne dem Gefänz⸗ niß ausgeſetzt zu ſein. Und wie es in Preußen3 geht, wird es auch in andern Staaten Deutſch— lands gehen, wenn man nicht energiſch auftritt. Ich fühle mich auch deßhalb zur Mittheilung um ſo mehr verpflichtet, da die Verbreitung von größeren und kleineren Schriften zur Vertheidi⸗ gung der reformatoriſchen Wahrheiten gegen⸗4 über der römiſchen Kirche nach ſolchen Vorgaͤn⸗ gen zur Unmöglichkrit in Preußen wird, ohne ſich einer ſchweren Strafe auszuſetzen. Mit Hochachtung und chriſtlicher Ergebenheit Dr. Marrſot. Baſel, den 16. März 1853. (Apologeit.) (Eingeſandt.) Klage und Troſt · Klage. Meine Tage entfliehn, Wie die Wolken hinziehn Von den Stürmen des Himmels geſagt, Wie ein Pfeil dahin ſauſt, Wie ein Strom dahin brauſt, Wie ein Traum, der vergeht, wenn es tagt. So auch eile ich zu Meinem Tode ohn' Ruh, Und bald deckt mich das dunkele Grab. Ach, die Menſchen vergehn, Wie die Blumen verwehn: Kaum erblühet ſo fall'n ſie ſchon ab. Nichts als Sorge und Müh Iſt das vVeben von früh, Bis am Abend die Sonne ſich neigt; Doch die bitterſle Noth Iſt der ſchaurige Tod, Der als König des Schreckens ſich zeigt. Und ſo fahr ich umher Auf dem wogenden Meer Dieſes Lebens im ſchwankenden Kahn. Rings von Stürmen bewegt Und von Wellen erregt Iſn müh ſelig und troſilos die Bahn. Denn von Außen nur Streit Und von Innen nur Leid; Denn die Weltluſt vergeht wie ein Sturm. Und im Inneren klagt Das Gewiſſen, es nagt Mich ver Sünde nie ſterbender Wurm. Ich bin ſelbſt mir verhaßt, Bin mir ſelbſt eine Laſt; Ach, ich ſühle nur ewiges Graun. Denn von Rene und Schmerz Wird verzehret mein Herz, Und kein Sternlein des Troſt's iſ zu ſchann. Wo der Friede nur thront? Ob auf Erden er wohut? Ach, wie jagt ich ſo gerne ihm nach! Hin durch Länder und Seen, Ueber Berge und Höh'n Wollt' ich tilen bei Nacht und bei Tag. * * Troſt. Doch das Wort iſt dir nah, Der OErr IEſus iſt da, Der den Frieden vom Himmel gebracht. Darum ſuch iln nicht fern, Da ini Worte des HErrn Dich dit Sonne der Licbe anlacht. Was du ſchmerzlich enibehrt, Was du ſehnlich begehrt, *