# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1853 04 26_S116 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) aus im Weſen der lutheriſchen Kirche zwiſchen Myſtik und Moſticismus ſcharf zu unterſchei⸗ ren, und jene, ſofern ſie weſentlich auf Gottes geoffenbartem Worte ruhet und der Lehre der Kirche nicht widerſpricht, liebend anzuerkennen, rieſen dagegen, der in geiſtlichem Hochmuth und boffärtiger Selbſtbeſpiegelung die Quelle der Wahrheit und die Ergründung der göttlichen Geheimniſſe im Menſchengeiſte ſucht und zu finden wähnt, eben ſo ſcharf zu verwerfen. Demgemäß unirte ſich in der That die luthe— riſche Kirche in ihrer ſchriftgemäßen Anſchau— ungsweiſe in all den genannten Erſcheinungen mit alle dem, was ihnen näher oder ferner aus Gottes Wort zum Grunde liegt; worin ſie aber dieſem widerſprechen, das zeigt ſie als krankhaft an und ſcheidet es als fremdartig aus; es lag und liegt ihr ebenſo fern, dem menſchlich Ge— waltigen und Großartigen wider das 1. Gebot abgöttiſche Huldigung und Verehrung darzu— bringen und ſich in ſolcher feinen Selbſtvergöt— terung von Gottes Wort zu trennen, was viel eher den Unioniſten paſſirt, als dem göttlichen Kerne oder doch Keime darin deshalb die lie— bende Anerkennung zu verfagen, weil er etwa in der ſyſtematiſchen lutheriſchen Kirchenlehre keinen beſondern Ort hat; dieſe kleinliche eng⸗ herzige, richtende u. vernichtende und dem We— ſen nach durchaus unlutheriſche Anſchauungs⸗ weiſe überläßt ſie gern älteren und neueren Or⸗ thodoriſten, welche die lutheriſche Kirche als ei— ne ſichtbare Lehr- und Zuchtanſtalt mit einer beſtimmten Ordnung und mit Verfaſſung und mit beſondern Ceremonieen gar eng umſchrän⸗ ken, indeß die wahre lutheriſche Kirche weſent— lich da iſt, wo das göttliche Wort in heiliger Schrift irgend waltet und geſtaltet, das inner⸗ halb der Chriſtenheit gleich als die geiſtliche Le— bensluft Alles umfängt und durchdringt, das 1 nicht wider daſſelbe in feindlichen Gegenſatz tellt. Deshalb ſind denn die geſunden Söhne der lutheriſchen Kirche bei allen „Ergebniſſen der neueren Forſchungen“ auch in Hinſicht auf oben⸗ genannte „Erſcheinungen des Mittelalters“ ganz getroſten Muthes; und da ſie zudem gar nicht dem Weſen und der Wahrheit nach zu den „bi⸗ gotten Ultraproteſtanten“ gehören und ihre herr⸗ ſchende Anſchauungsweiſe einen feſten unerſchüt⸗ terlichen Grund hat, ſo haben ſie keine beſon— dere Kümmerniß hinſichts „des tödtlichen Schla— ges“, der ſie in Folge dieſer Ergebniſſe etwa tref⸗ fen könnte. Doch ſind ſie ſicherlich nicht ſo hoch— müthig, Berichtigungen ihres Urtheils im Ein⸗ zelnen nicht daraus dankbarlich anzunehmen, ohne deshalb zu befürchten, daß dadurch „dem Katholicismus ein enormes Zugeſtändniß“ er⸗ wachſen möchte; denn der Katholicismus, als ſolcher, möge er dem evangeliſch unerleuchteten Auge in ſeiner ſcheinbaren Einheit, Größe, Um⸗ fang und Geſchloſſenheit noch ſo gewaltig nnd großartig erſcheinen — er iſt und bleibt doch eine unlautere Miſchung von göttlicher Wahr⸗ heit und menſchlichem Irrthum von Geſetz unt Evangelium und ſonderlich mit dem Verderbnifß des geſetztreiberiſchen werkheiligen Weſens ſchwer — 115— behaftet; die wahre Katholicität dagegen iſt nach Lehre und Praxis mit der evangeliſch ge⸗ ſunden Geſtalt der lutheriſchen Kirche, die in der That beſtändig bleibt in der Apoſtel Lehre, weſentlich eins. — LUTHER ONTHE SACRAMENTS, or the distinctive doctrines of the ev. luth. chureh respecting Baptism and the Lord's Supper. Translated from the German. New Market, Va. Unter dieſem Titel iſt vor kurzem eine eng⸗ liſche Ueberſetzung dreier wichtiger Schriften unſeres tbeuren Vaters Luther erſchienen. Es ſind folgende: 1. Predigt von der hl. Taufe über Matth. 3, 13—17., vom Jahre 1535. Dieſe Predigt, wahrſcheinlich von Luther aus drei verſchiedenen Predigten in Eine zuſammenge⸗ ſchmolzen, handelt erſtlich von dem Weſen, zwei— tens von dem Nutzen und drittens von dem Gebrauch der hl. Taufe. So gründlich, wie hier, und ſo troſtvoll und ſo gewaltig iſt ohne Zweifel weder vor noch nach Luther über das Sacrament der Taufe geſchrieben worden. 2. Brief an zwei Pfarrherrn von der Wiedertaufe, vom Jahre 1528. Die⸗ ſe koſtbare Schrift kennen die Leſer des „Luthe⸗ raner“ bereits, da wir dieſelbe in dieſem unſe⸗ rem Blatte bereits im 6. u. 7. Jahrg. Wort für Wort mitgetheilt haben. 3. (Großes) Bekenntniß vom Abend⸗ mahl Chriſti, vom Jahre 1528. Daß die⸗ ſe Schrift ebenſo was Schriftauslegung als was Widerlegung der gemachten Einwürfe be⸗ trifft ein wahres Meiſterſtück iſt, ſo daß der Le⸗ ſer dadurch ebenſo tief in das Weſen des hl. Abendmahls eingeführt wie gegen jegliche, äl⸗ tere und neuere, Angriffe gewaffnet wird, iſt allen bekannt, welche dieſes herrliche Bekenntniß geleſen haben. Die Ueberſetzer ſind die HH. Joſeph Sa— lyards, Prinzipal der New Market Academie, welcher die erſtere und letztere, und Ehrw. So— crates Henkel, welcher die andere der oben genannten Schriften aus dem Deutſchen in das Engliſche übertragen hat. Die letzte Feile hat der Ehrw. Ambroſius Henkel angelegt. Wir ſelbſt haben zwar bis jetzt das Werk nur zum Theil mit dem deutſchen Original zu ver— gleichen Zeit gewonnen, wir glauben jedoch ſchon auf Grund dieſer Vergleichung die Leſer verſichern zu können, daß die Ueberſetzung mit eben ſo großer Gewiſſenhaftigkeit, als Einſicht in die Eigenthümlichkeit der Lutherſchen Spra— che geliefert iſt. Wir preiſen Gott, daß er die⸗ ſes herrliche Werk hat gelingen laſſen. Von welcher Wichtigkeit das Erſcheinen dieſes Wer— kes hier iſt, wo die große Mehrzahl der engliſch redenden Lutheraner in den Artikeln von den hl. Sacramenten in den Irrglauben der Refor⸗ mirten gefallen iſt und den guten Grund, wo⸗ rauf die Lehre unſerer Kirche über die Sacra⸗ mente gebaut iſt, nicht kennt, ja nicht ahnt — iſt nicht zu berechnen. Nachdem das Concor⸗ dienbuch den engliſch redenden Lutheranern in ihrer Sprache geſchenkt waͤr, konnte nun für dieſelben gewiß keine glücklichere Auswahl ge— troffen werden, als die der obigen drei Schrii⸗ ten des großen Rüſtzeuges, deſſen ſich Gott zur Reformation ſeiner Kirche bedient hat. Das nunmehrige Vorhandenſein dieſer beiden Werle in engliſcher Sprache iſt eine wahre Gnaden⸗ heimſuchung für die engliſch-lutheriſche Kirche dieſes Landes. Möchte dieſelbe doch auch die Zeit erkennen, darinnen ſie jetzt wieder heimge⸗ ſucht iſt! Möge Er, der gute Hirt, der auch den verirrten Schafen nachgeht, verhüten, doß die Stimme der Wahrheit, welche nun immer lauter in die engliſch-lutheriſche Kirche hinein— tönt, nicht „zu einem Zeugniß über ſie“ werde (Matth. 24, 14.), ſondern ſie zurückrufe und unter die alte Heerfahne des Königs verſammie, der dazu geboren war und in die Welt gekom⸗ men iſt, daß er die Wahrheit zeugen ſollte, damit, wer aus der Wahrheit iſt, Seine Stim⸗ me höre. Die wahrhaft Ehrwürdige Tenneſ⸗ ſee⸗Synode, aus deren Schooß beide Werke, das Concordienbuchk) und „Luther über die Sacramente“ in engliſcher Sprache, hervorge⸗ gangen iſt, und die theuren Männer, die die unſägliche Mühe und die bedeutenden Koſten, die mit dieſem Unternehmen verbunden waren, aus Liebe zur Wahrheit und zu der Kirche ihrer Väter nicht geſcheut haben, wolle Gott dafür mit der Fülle ſeiner Segnungen überſchütten. Doch, lieber Leſer, laß es nicht bei ſolchem Wunſche bewenden; nimm dich nun auch ſo viel du in deinem Kreiſe vermagſt, der Verbrei⸗ tung jener köſtlichen Gabe an. Diejenigen, welche die Wahrheit und den unausſprechlichen Werth derſelben bereits erkannt haben, ſollten daher nun, wo ſie auch immer Gelegenheit ſin⸗ den, oben genannte Werke in die Hände der engliſch-redenden Lutheraner zu bringen ſu⸗ chen. Inſonderheit ſollten die Herrn Prediger dafür möglichſt thätig ſein, ſich zunächſt ſelbſt ein Exemplar jener Schriften zur Anſicht be⸗ ſchaffen und den Betreffenden den Ankauf an⸗ preiſen. Das Werk „Luther on the Sacraments“ iſt 423 Seiten in Octav ſtark und koſtet in gefälligem Einbande im Einzelnen 1.00, im Großverkauf 663 Cts. Wer das Buch zu ha— ben wünſcht, wende ſich mit Beiſchluß eines Dollars und mit genauer Angabe der eigenen Addreſſe an die Herrn Verleger unter folgender Addreſſe: Solomon D. Henkel, Newmarket, Shenandoah, Va. —— *) Aus guter Quelle erfahren wir, daß die erſte Auflane des engliſchen Concordienbuchs bald vergriffen ſein unt eine mit größtem Fltiße revidirte ztotite Ausgabe die ſes Normal⸗ buchs unſerer Kirche bercits vorbereitet wird.