# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1853 05 11_S111 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Und immer tiefer trüt uud trüt Des Maulthiers ſchwerer Fuß im Schnee. Und immer träger Schritt vor Schritt Schwankt hin der Zug auf ſleiler Höb, Schwankt an dem Abgrund nur vorbei, Als ob es eine Wiege ſei. I Majeſtät erheben ſich Der Berge Häupter nah und ſern, Wie Rieſenleiber fürchterlich. Es iſt die Majeſtät des HErrn! Die Alp' iſt hoch, die Alp' iſt ſteil, Gott gebe euren Führern Htil. Gedankenvoll und eingehüllt, Mit weißen Streifen angethan, Beweget wie ein Schattenbild Der ſtumme Zug ſich bergesan. O gute Führer, ſagt uns doch, Wer wird die Lie ben ſehen noch? Was rauſcht himmter da in's Thal? Sind meine Wandrer eingewiegt? Was ſitzt im Schnee dort grau und fahl, In weichen Flaum ſanft eingeſchmitgt? Ich denke, es find Schläfer wohl, Sie ſind ſo ſtill gedan kenvoll. Doch nein, es war nur Todsgeſtalt. Das Kreuz, das Kreuzl ein Führer ruft. „Das Kreuz, das Kreuzl' ein Echo ſchallt Mit lautem Jubel durch die Luft. Sie haben wieder ihren Pfad Und finden bald die ſichre Statt. Sind wir nicht Wandrer alle gleich Auf ſchwindelnd hoher Berg esbahn 2 Zur Ewigkeit, zu Gottes Reich Ohn Straucheln kein Fuß gehen kann. Das Kreuz am Weg der Ewig keit Gibt Hoffnung, Friede, Sicherheit. — G. Sch. Warum iſt das Bekenntniß: Ich glaube an die Bibel! nicht hinreichend? Wir haben, wie du weißt, lieber Leſer, (du erlaubſt es ja, daß ich ſo zutraulich rede, — es ſpricht ſich da viel beſſer und offener) — wir haben alſo in unſrer theueren lutheriſchen Kirche unſre beſonderen Bekenninißſchriften (ſymboli⸗ ſche Bücher), das heißt Bücher, darin unſer hei⸗ liger Glaube feſt und klar zuſammengeſtellt iſt, wie er von unſren Vätern aus Gottes Wort ge⸗ zogen und von Anfang angenommen worden iſt. Eine dieſer Bekenntnißſchriften haſt du und ich und haben wir Lutheraner wohl alle von Ju⸗ gend auf in Händen gehabt, — das iſt unſer lieber kleiner Katechismus mit ſeinen fünf gro⸗ ßen Hauptſtücken, mit ſeinem köſtlichen: Was iſt das? — und mit den ſtarken Glaubenswor⸗ ten. Das iſt die kürzeſte Bekenntnißſchrift, da⸗ rin gar fein und kindlich die Summe unſres theuren Glaubens zuſammengefaßt iſt. Will einer wiſſen, was die luth. Kirche als Gottes gnädige Offenbarung annimmt u. auf welchem Glauben ein treu lutherſches Kind lebt und ſtirbt, —ſo mag er nur den kleinen Katechis— mus aufſchlagen, — da hat er's kurz beiſam⸗ men. Außerdem haben wir aber noch fünf gar berrliche Bücher, die alle unſren Glauben dar— ſtellen, und die leider nicht ſo allgemein verbrei⸗ tet ſind, wie ſie es verdienen. Im Vertrauen ge⸗ ſagt, lieber Leſer, — ich kenne viele Pfarrer, die haben noch niemals die Bekenntnißſchrif⸗ —110— ten unſrer luth. Kirche gründlich durchſtudirt, ja nicht einmal flüchtig geleſen; iſt das nicht eine Schande? Die Namen der Herrn will ich zwar nicht nennen, — aber vielleicht kennſt du auch einen oder den andern der Art. Zu unſren Bekenutnißſchriften gehört weiter die Augsburgiſche Confeſſion, die anno 1530 zu Augsburg vor dem Reichstage iſt vor⸗ geleſen worden, darin die Evangeliſchen gar herr— lich ihren Glauben darſtellten. Dann die ſoge⸗ nannte Apologie, die der wackere Philipp Melanchihon zur Vertheidigung der Augsbur— giſchen Confeſſion geſchrieben hat. Dann die Schmalkaldiſchen Artikel, die von dem Gottesmanne Luther verfaßt und 1537 bei ei⸗ ner Verſammlung ev. Fürſten und Theologen zu Schmalkalden vorgelegt und unterſchrieben worden ſind; man wollte ſie urſprünglich einem Concile, einer Verſammlung von Biſchöfen und hohen Prälaten, die der Papſt nach Mantua berufen wollte, vorlegen. Das geſchah zwar nicht, doch hat man die Artikel beibehalten, weil ſie den reinen Glauben gar herrlich lehren. Dann kommt der große Katechismus Luthers, für die Pfarrherrn zum Unterrichte geſchrieben, — und eudlich die Concordien-— formel (Eintrachtsformel), darin ausführlich über einzelne hochwichtige Lehren unſrer luth. Kirche gehandelt wird, darüber Streit entſtan⸗ den war; es ſollte durch dieſe gar herrliche und grundbibliſche Auseinanderſetzung Eintracht un⸗ ter den Evangeliſchen geſtiftet werden, daher der Name: Eintrachtsformel. Dieſe 5 nebſt dem kleinen Katechismus, — alſo 6 zuſammen, ſind die Bekenntißſchriften oder die ſym⸗ boliſchen Bücher unſrer luth. Kirche und wer wiſſen will, was von Alters her bei uns gelehrt und geglaubt worden iſt, der muß dort nachſehen. Wir reden wohl ſpäter noch einmal genauer darüber, denn leider iſt die reine luth. Lehre und das Bekenntniß unſrer Kirche gar wenig bekannt. Ein treuer Paſtor hat zwar die heilige Pflicht in Kirche und Confirmandenſtunde da⸗ von zu reden und außer dem kleinen Katechis⸗ mus doch mindeſtens noch die Auagsburgiſche Confeſſion mit den Confirmanden zu beſprechen, — aber leider geſchieht es nicht. Ja dieſe Bekenntnißſchriften ſollen in unſren Tagen gar nichts mehr gelten. Nicht einmal die fünf Hauptſtücke werden noch in gebührenden Ehren gehalten. Da kommen die hochweiſen Menſchen her und ſprechen: das ſind Bücher von Menſchen ge— macht für eine alte Zeit, die nun längſt vergan⸗ gen iſt; wir ſind klüger als unſre Vorfahren heut zu Tage will bekanntlich das Ei immer klüger ſein als die Henne), — wir bedürfen ſolcher Bücher nicht mehr, — ſondern wir glauben an die Bibel, das iſtgenug. Solch Wort hört man gar oftz ſelbſt recht from⸗ me Leute ſagen's: wir glauben an die Bibel, — und ſo iſt's genug. Vielleicht lieber Leſer, haſt du auch manchmal ſchon ſo geſagt und gedacht, und dein Pfarrer hat's wohl auch ſchon auf der Kanzel und in der Confirmandenſtunde fürge⸗ 4 bracht. Aber laß uns einmal genauer zuſehen: Iſt's denn wirklich genug? — Ich ſage rund weg: Nein. Das iſt freilich bald geſagt; ich denk's aber auch zu beweiſen und habe drei ſchwere und gewaltige Gründe dafür. Nun lautets freilich faſt gottesläſterlich, daß es nicht ſoll genug ſein, wenn man ſich zum Glauben an die Bibel bekennt, — aber, lieber Leſer, fah⸗ re nicht gleich mit ſolchem Urtheil zu, ſondern ö höre erſt, wie meine drei ſchweren Gründe lau⸗ ten, — dann ſag mir's beſſer und anders, wenn du's beſſer und anders weißt. Zum erſten: Es iſt nicht genug, zu ſagen: ich glaube an die Bibel, weil alleenchriſtliche Kirchen und Secten alſo ſprechen. men die Katholiken her, und gründen ſich auf die Bibel, — daneben freilich noch auf das Wort des Papſtes, auf mündliche Ueberliefer⸗ ungen, die Chriſtus ſeinen Apoſteln mitgetheilt haben ſoll und die von denen nun fort und fort geerbt ſein, bis der Mann zu Rom, der ſich den heiligen Vater nennen läßt, dieſe ungeſchriebe⸗ nen Worte Chriſti allein im Beſitz haben will. Da ſtellen ſich weiter hin die Reformir⸗ ten und ſprechen: wir gründen uns einzig auf die Bibel. und doch iſt ihr Glauben ein ander, als der lutheriſche in manchen hochwichtign Punkten. Weiter treten auf die Mennoniten, die Herrnhuter, die Baptiſten, dazu die Deutſchkatholiken und Lichtfreunde, und alle ſprechen: wir glauben an die Bibel! dieſe alle ſich auf die eine Bibel beziehen. Fni— lich iſt das oft ein gar ſonderbarer Glaube, wit namentlich bei den Deutſchkatholiken und Licht⸗ freunden, die nehmen ſich aus der heiligen Schrift was ihnen grade gefällt. Sie machen ſich zu Richtern über Gottes Wort und werfen weg, was ihnen zu ſchwer, zu groß iſt und be⸗ halten nur die Sprüchlein, die ihnen grade in ihren Kram paſſen und die ihnen ſüß ſchmecken, ſo wie die böſen, ſchnippiſchen Kinder, aus der Neujahrsbrezel die Roſinen herauspicken. Wenn da in der Bibel ſteht: „Niemand kommit zum Vater, denn durch mich!“ oder: „Wer nicht glaubet, der ſoll verdammet werden,“ — oder et⸗ was vom jüngſten Gerichte und von Hölle und Teufel, — das werfen ſie weit weg, denn das brennt, das ſoll nichts gelten. — Das koͤnnen wir nicht verſtehen, alſo glauben wir's nicht, — ſprechen ſie da und machen unſer liebes Gottes⸗ wort zurecht, daß es zun Erbarmen iſt. Dabei aber ſagen ſie immer: wir glauben an die Bibel! Nun prüfe einmal, — was weißt du von dem Glauben eines Menſchen, der nur ſagt: ich glaube an die Bibel? — Da weißt du noch gar nichts, nicht ob er Katholik, Reformirter, Luthe⸗ raner, Baptiſt, Herrnh uter, Lichtfreund u. ſ. w. iſt. Wenn mich aber einer fragt: weß Glau— bens biſt du? — da will er eine Antwort haben, daran er auch merken kann, was ich eigentlich bin und da iſt's nicht genug, nur zu bekennen: ich glaube an die Bibel, ſondern ich muß auch Da kom⸗ Dabei wirds einem ja ganz wirr im Kopf, daß ö 1