# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 01 10_S37 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Der Lutheraner. „Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von C. F. W. Walther. Jahrgang 2. St. Louis, Mo., den 10. Januar 1846. No. 10. Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den Subscriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterschreiber, welche davon die Hälfte vorauszubezahlen und das Postgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. (Eingesandt von Pastor Keyl.) Die Gedächtniß-Feier des Todestages Dr. M. Luthers. Der 18. Februar dieses neuangetretenen Jahres ist ein heiliger Gedächtnißtag für die ganze lutherische Kirche; denn dieser Tag war es, an welchem einst vor 300 Jahren Dr. M. Luther selig in dem HErrn starb. Bei seinem Tode erkannten Viele noch weit mehr als bei seinem Leben, welch ein auserwähltes Rüstzeug Gottes er vor allen andern gewesen sei, welche große Hülfe Gott durch ihn seiner Kirche in großen Nöthen erzeigt, welche hohe Verdienste er um die Wiederherstellung der ganzen heilsamen Lehre gehabt habe, wie unersetzlich sein Verlust sei, mit welchen bangen Erwartungen man der Zukunft entgegen sehen müsse und daß um sein Andenken im Segen und die Früchte seiner großen Arbeit in ihrer vollen Kraft zu bewahren, nichts nöthiger sei, als in Lehre, Glauben und Bekenntniß auf dem Wege zu wandeln, den er uns in seinen zahlreichen Schriften so umfassend und gründlich aus Gottes Wort gezeigt hat; wie dies Alles damals bei seinem Tode erkannt wurde, davon geben besonders die ihm gehaltenen Leichenpredigten reichliches und unverwerfliches Zeugniß. Allein auch nach der Zeit ist durch besondere Predigten und Schriften, so wie durch Veranstaltung angemessener Trauergottesdienste das Andenken an den Todestag Luthers an vielen Orten je und je erneuert worden. Einer der ersten, der dies gethan hat, war Johann Mathesius, Pfarrer in Joachimsthal, ein langjähriger Schüler Luthers; er hielt am 18. Februar 1564 seinem theuern Lehrer eine besondere Leichenpredigt, die er seinen 14 Predigten über das Leben dieses Mannes Gottes beifügte. Schon damals, 18 Jahre nach Luthers Tode, mußte Mathesius klagen, „daß viele Leute, die heute leben, nicht wissen, wie es vor 50 Jahren in der unterdrückten und gefangenen Kirche gestanden, und mancher Undankbare dieses großen Mannes und seines getreuen Fleißes und Arbeit schier vergessen will.“ In den Jahren 1566—68 hielt Cyriacus Spangenberg in der Schloßkirche zu Mansfeld zehn Predigten an dem Geburts- und Todestage Luthers. Leider gerieth dieser eifrige Vertheidiger der luth. Lehre später selbst in Irrthümer. In Wittenberg wurden besonders in der Zeit von 1576—1610 mehrere Predigten und lateinische Reden zum Andenken an den Tod Luthers gehalten, z. B. von den berühmten Theologen Friedrich Balduin, Aegidius Hunnius und andern. Im Jahre 1646, also 100 Jahre nach Luthers Tode, wurde auf churfürstlichen Befehl in Wittenberg eine besondere Todtenfeier veranstaltet. Am 18. Feb. hielt der Gen.-Superint. Dr. Röber in dem großen Hörsale, wo einst Luther seine Vorlesungen gehalten hatte, eine lateinische Rede von den Wohlthaten, welche Gott seiner Kirche durch den Dienst des sel. Luthers erwiesen habe. Von eben diesem Gegenstande handelten die am 22. Februar, als am Begräbnißtage Luthers, gehaltenen Vormittagspredigten. Nachmittags hielt Dr. Hülsemann in der Schloßkirche am Grabe Luthers eine Gedächtnißrede. Außerdem wurden bei dieser Gelegenheit noch mehrere academische Reden über einzelne wichtige Gegenstände gehalten, z. B. über die bewunderungswürdige Beredtsamkeit Luthers, so wie über seinen Heldenmuth und außerordentliche Geistesstärke. Besonders merkwürdig ist auch die Gedächtnißpredigt, welche ein muthiger Kämpfer für die Bewahrung der reinen Lehre, Dr. J. Fr. Maier am 18. Februar 1698 in Hamburg gehalten hat. Im Eingange legt er den Zuruf: „Er lebt!“ zum Grunde, er zeigt mit kraftvoller Beredtsamkeit die vielfache Bedeutung dieses Wortes und wie es auf Luthern anzuwenden sei, zufolge seines Lieblingsspruches: Ich werde nicht sterben, sondern leben und des HErrn Werk verkündigen. Ps. 118, 17. In der Predigt selbst stellt er aus den Textesworten Hebr. 13, 7.: Gedenket an eure Lehrer ꝛc. „den unsterblichen Lutherus“ vor und zwar wie er nicht sterbe, sondern lebe, 1) so lange eine wahre Kirche auf Erden sei, 2) so lange Gottes Wort Gottes Wort bleibe und 3) so lange man von seinem Tode in der Kirche reden werde. Im J. 1746, also 200 Jahre nach Luthers Tode, wurde die Gedächtnißfeier desselben noch an weit mehreren Orten, als es bis dahin geschehen war, begangen. Es wurden viele Predigten in den Kirchen, viele Reden auf Universitäten und Gelehrtenschulen unter mancherlei Feierlichkeiten gehalten. Namentlich geschah dies in Wittenberg an vier dazu bestimmten Tagen. Am 17. Februar wurde in der Schloßkirche eine Vorbereitungspredigt von dem Rector der Universität, Dr. Weickhmann über Hebr. 13, 7. gehalten. Der Gegenstand derselben war: das in den Herzen aller redlichen Lutheraner wohlaufbehaltene Gedächtniß Lutheri, wenn man sich nämlich ernstlich befleißige, 1) lutherisch zu glauben, 2) lutherisch zu leben und auch 3) lutherisch zu sterben. Am 18. Februar begann der Gottesdienst mit dem bekannten Sterbeliede: O JEsu Christ, mein's Lebens Licht ꝛc., worauf Luthers Lied: Mit Fried und Freud ich fahr dahin ꝛc. angestimmt wurde. Die Gedächtnißpredigt hielt der General-Superintendent Dr. J. G. Hoffmann über Hebr. 13, 7. von dem erbaulichen Andenken des Sterbetages Lutheri, sowohl hinsichtlich seiner großen Verdienste, als seines seligen Endes. Nach der Predigt wurde die gewöhnliche Litanei und unter der Communion das Sterbelied: HErr JEsu Christ, wahr Mensch und Gott ꝛc. gesungen. Nachmittags zogen die sämmtlichen Glieder der Universität, der Geistlichkeit und des Stadtraths in Procession und unter Glockengeläute in den großen akademischen Hörsal, der mit schwarzem Stoff ausgeschlagen und mit Kron- und Wandleuchtern erhellt war. Der hocherhabene Lehrstuhl, auf welchem Luther so viele Jahre hindurch die heil. Schrift erklärt hatte, glänzte von dem Lichte einer Menge Kerzen. Nach der Aufführung einer Trauermusik hielt der Rector der Universität, Dr. Weickhmann, auf jenem denkwürdigen Lehrstuhl eine Gedächtnißrede von den preiswürdigen Heldentugenden Lutheri, deren Reihe er durch seinen heldenmüthigen Tod geschlossen habe. Zuletzt wurde noch eine Trauer-Cantate gesungen. Am 20. Feb., als am Sonntage Estomihi, predigte der Probst Dr. Zeibich über das gewöhnliche Evangelium von dem letzten Hingange Luthers und zeigte, wie er uns den Weg zum Leben gewiesen und uns die Augen geöffnet habe, daß wir denselben sehen. Am 22. Februar endlich wurde in der Schloßkirche an Luthers Grabe eine Rede und in dessen vormaligem Hörsale eine lateinische Abhandlung über sein Leichenbegängniß und Begräbniß gehalten. Auf solche und ähnliche Weise ist die Ermah-