# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1853 03 29_S108 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) gen Einzelheiten nicht beiſtimmen. Dieſer ſind beſonders zwei. Erſtlich die Annahme, daß d. hl. Abendmahl vom HErrn und den Apoſteln, in der Nacht. da er verrathen ward, gefeiert, nicht geweſen ſei, was es ſeit ſeinem wirklich er⸗ ſen und Trinken des Leibes und Blutes Chriſti Statt findet, nämlich ein geiſtliches und ein ſa⸗ cramentliches, und es natürlich iſt, daß das geiſiliche als das wichtigere — es iſt zur Se⸗ folgten Tode am Kreuze ſei, nämlich ein Spea⸗ den und Empfangen des Leibes und Blutes Chriſti, ſondern nur ein Vorbild (normal type) wie es nachher gefeiert werden ſollte. Denn dagegen empört ſich das chriſtliche Gefühl, was ſein vollkommenes Recht hat, wiefern es auf eine Menge Wahrheiten, von denen ein Chriſt nicht laſſen kann und will, gegründet iſt. Fer⸗ ner iſt der Grund, den der Verfaſſer für ſeine Meinung anführt, nämlich daß die Apoſtel da⸗ mals noch nicht geſchickt geweſen ſeien, das hl. Abendmahl zu empfangen, nichtig, indem die⸗ ſelben gewiß im Stande der Buße u. des Glau⸗ bens ſich befanden, (wenn ihnen gleich die Art, wie Chriſtus ſie erlöſen würde, noch nicht deut⸗ lich war), und auch an der Wahrheit der Worte „dies iſt mein Leib ꝛc.“ nicht zweifelten. Dann beweiſen die Schriftſtellen, auf die der Verfaſſer zur Beſtätigung ſeiner Anſicht ſich beruft, nichts; 2. Moſ. 12, 27. u. 13, 14 u. 15. wird näm⸗ lich nicht etwa erzählt, daß das Paſſahlamm und beſchrieben, wie es genoſſen ſei, ſondern beſtimmt, was die Juden in Zukunft dabei ſprechen ſollten, nachdem zuvor angegeben iſt, was ſie dabei thun ſollten; während in un⸗ ſerm Fall erzählt wird, daß das hl. Abendmahl und beſchrieben, wie es gehalten worden. Und was die andere Stelle Joh. 29, 22. betrifft, ſo hat der geehrte Verfaſſer ſich wohl übereilt, wenn er ſagt, die Apoſtel hätien auch nicht da⸗ zumal, ſondern erſt zu Pfingſten den hl. Geiſt empfangen. Denn den hl. Geiſt mußten ſie zu der Zeit ſchon haben; wie hätten ſie ſouſt Je⸗ ſum einen HErrn heißen, und Ihm nachfolgen können? Den Geiſt in dem Maße und zu dem ligkeit unbedingt nöthig und die Bedingung, unter der das ſacramentliche erſt ſegensreich wird — zuerſt und in einer ſolchen Form vor⸗ getragen werde, die auf das ſakramentliche ab⸗ zielt, als durch welches das geiſtliche im höchſten Grade geſchieht. In figürlichem Sinn aber muß die Rede genommen werden beſonders um der Berſe 53. u. 54. willen. In B. 53. wird das Eſſen des Leibes u. das Trinken des Blu⸗ tes Chriſti zur Bedingung der Seligkeit gemacht; die einzige Bedingung aber iſt der Glaube; nach Marc. 16, 16 u. 54. wird dem Eſſen u. Trin⸗ ken des Leibes und Blutes Chriſti unbedingt die Seligkeit verheißen, was von dem ſacrament⸗ lichen Genuß nicht gilt nach 1. Cor. 11, 29; felglich koͤnnen beide Stellen und mithin die innig mit denſelben zuſammenhängende Rede nur von dem geiſtlichen Eſſen und in figürli⸗ chem Sinne zu nehmen ſein. Uebrigens können wir nur wünſchen, daß der geehrte Verfaſſer ſeine Kenntniſſe und Gaben ferner der Vertretung der reinen Lehre bei dem Engliſch revenden Publicum widmen, und dem⸗ ſelben Gelegenheit, in die herrlichen Schätze der luth. Kirche Deutſchlands einzuſchauen, geben möge. B. —— Für und über Miſſion. „Nicht viel Weiſe nach dem Fleiſch, nicht viel Gewaltige, nicht viel Edle ſind berufen; ſon⸗ dern was thöricht iſt vor der Welt, das hat Gott erwählet, daß er die Weiſen zu Schanden Ende, in welchem und wozu ſit ihn am Pfingſt⸗ feſte erhielten, hatten ſie freilich nicht zuvor, u. empfingen ſie auch Joh. 20, 22. nicht; aber von dem redet der HErr da auch nicht, ſondern vielmehr von dem, den Er ihnen da ohne Zwei⸗ fel auch wirklich gegeben hat und vermöge deſ⸗ mache; und was ſchwach iſt vor der Welt, das hat Gott erwählet, daß er zu Schanden mache, was ſtark iſt; und das Unedle vor der Welt, u. das Verachtete hat Gott erwählet, und das da nichts iſt, auf daß er zu nichte mache, was et⸗ was iſt. Auf daß ſich vor Ihm kein Fleiſch ſen ſie ermächtigt wurden, Sünden zu behalten und zu vergeben. Endlich, wenn das heilige Abendmahl damals nicht geweſen wäre, ſeildem geweſen iſt, ſo würden die Einſetzungs⸗ worte auch damals den Sinn nicht gehabt ha⸗ ben, den ſie ſeiidem haben, eine Conſequenz, die dem ſonſt ſo ſcharfſinnigen Verfaſſer entgangen zu ſein ſcheint, und die er um keinen Preis zu⸗ geben würde.“) Der andere Punkt, in wel⸗ chem wir ihm nicht beiſtimmen können, iſt der, daß er die Nede des HErrn Joh. 6. vom Eſſen Seines Fleiſches und Trinken Seines Blutes nicht für figürlich will gelten laſſen. Daß, wie er ſagt, jene Rede Bezug auf die ſpätere Ein⸗ ſetzung des hl. Abendmahls habe, wird wol kein Unbefangener leugnen. Dies beweiſt aber nicht, daß ſie in eigentlichem Sinne zu nehmen ſti, ——— *) Uebrigens ſigt Dr. Schmidt im Verlauf, daß er ſich zu der andern (richtigen) Anficht vom erſien hl. Abendmahl nark hingezogen füble. rühme.“ — So zeugt der Apoſtel vor der Ge⸗ meinde zu Korinth (Br. 1. Cap. 1, 26— 29), was es und ſo finden wir es bis auf dieſen Tag überall in der Chriſtenheit, weil eben die geiſtige Ar— muth eine Hauptbedingung iſt für den Eintritt in das Reich Gottes, und weil weltlicher Reich— chum u. Größe der geiſtigen Armuth ein mäch⸗ tiges Hinderniß iſt. Ein ſolches ſchwaches, thö⸗ richtes und unedles Häuflein vor der Welt wa⸗ ren auch die treuen lutheriſchen Glaubensge⸗ noſſen in Preußen, die da nicht willigten in die ſündliche Verkuppelung der Wahrheit mit der Lüge, des Glaubens mit dem Unglauben, des Lichtes mit der Finſterniß, Chriſti mit Belial in einer von Menſchen gemachten Union, ſon⸗ dern viel lieber Ungemach erwählten, u. Schmach u. Verfolgung der Welt. Und dieſe iſt ihnen auch in reichem Maaße zu Theil geworden; denn die Welt iſt ſehr eifrig und ſehr freigebig, wenn es gilt Chriſti Glieder zu unterdrücken und ſie indem beim bl. Abendmahl ein zweifachts Eſ⸗ mit Schmach und Verfolgung zu belegen. So verloren unſre theuren Glaubensgenoſſen nicht nur ihre ſchönen Gotteshäuſer mit den Fonds für Pfarrer ꝛc., ſondern ſie mußten ſich auch noch Geldſtrafen auflegen und ſelbſt Auspfän⸗ dungen u. Einkerkerungen gefallen laſſen. Un⸗ ter allem Drucke aber wuchs die Zahl der Treu⸗ en immer mehr; denn gerade die helle Flamme des Feuers der Verfolgung leuchtete vielen trä⸗ gen Schläfern ſo hell in die Augen, daß ſie auf⸗ ſchraken, der trägen Unionsruhe entſagten und frendig die Zahl des verachteten Häufleins ver⸗ mehrten. So wuchſen die Gemeinden an Zahl wie an Freudigkeit in dem HErrn, nicht aber an den Gütern dieſer Welt. Und da ſie hin und her zerſtreut waren, ſo mußten ſich Gliever aus 30 -—40 u. mehr Ortſchaften, oft Tagerei⸗ ſen von einander entfernt, zuſammenthun, um einen Seelſorger zu erhalten und die Koſten für ein Verſammlungslocal beſtreiten zu können. Und dennoch wurden ſie noch immer von der Laſt der Ausgaben faſt erdrückt. So umfaßte der Pfarrbezirk Stettin im J. 1848 11 Pre⸗ digtorte, zu welchen ſich Glieder aus 80 Ort⸗ ſchaften zu ſammeln hatten, die alleſammt den⸗ noch kaum den nöthigen Predigergehalt aufzu⸗ bringen im Stande waren. Die Gemeinde in Breslau hatte eine jährliche Ausgabe zu be⸗ ſtreiten, die auf jeden Kopf 2 Thaler betrug. Die Ausgaben der Gemeinde zu Berlin betru⸗ gen ſogar 3 Thaler auf den Kepf, und noch mehr hatte die Gemeinde zu Thorn zu leiſten. Wer nun die Zuſtände Deutſchlands nur eini⸗ germaßen kennt und weiß, wie ſchwer es dort Handwerkern und Tagelöhnern wird, nur das Nothdürftigſte zu erwerben, der wird wiſſen, daß bei den vielen obrigkeitlichen Abgaben dieſe kirchlichen Bedürfniſſe kaum zu erſchwingen ſein mußten. Und ſo war es auch, und iſt es noch zum Theil. Die Prediger, mit Wenigem zufrie⸗ den, ricben ſich auf durch vieles Umherreiſen ꝛr., während die Gemeinden, in ſo vielen Orten zer⸗ ſtreut, nach der ſo entfernten Seelſorge ſchmach⸗ teten. In dieſer Noth nun wandte ſich die Ge⸗ neralſynode von 1848 in einem „Nothruf“ an das glaubensverwandte Deutſchland um Hilfe, und hat dafür in 4. Jahren die Summe von 7192 Thalern an milden Gaben erhalten. In derſelben Zeit aber opferten dieſe armen, bedrückten, auswärtiger Hilfe ſo bedürftigen Gemeinden die Summe von 4734 Thalern für die evang. luth. Miſſion unter den Heiden. — „Dieſe Thatſachen lehren uns,“ ſagt der Berichterſtatter, „daß auch diejenigen, welche in Wahrheit der Unterſtützung bedürftig ſind, noch immer durch Gottes Gnade werden geben können, wenn nur die Liebe da iſt. . Denn der HErr will nur unſern Glauben und unſre Liebe prüfen, wenn er uns auffordert zu geben. Er will nicht, daß wir darben, wenr wir ſeiner Stimme gehorſam ſind.“ — Auch uns lehren dieſe Thalſachen etwas mein lieber Leſer! Möchten wir es recht zu Her— zen faſſen. Es lehren uns dieſe Thatſachen vor Allen