# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1853 03 29_S107 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Lehren Paſtor Grabau's — 106— Lehren der römiſchen Kirche. Lehren der lutheriſchen Kirche. rum iſt es dem großen Gott eine Unehre, ſeines heiligen Wortes Anwendung zweifelhaft zu ma⸗ chen, und dann die Hebung des Zweifels nicht bei Gott, ſeinem Wort und Predigtamt, ſondern bei einer Gemeindeverſammlung zu ſu— chen.“ (Derſtb. S. 16.9 Anmerkung. Offenbar mit Unrecht beſchuldigt Pſt. Grabau uns hier, daß wir mit jenem Grundſatz der Kraft und Autorität des Wortes zu nahe treten, da es ſich hier nicht um eine angebliche Zweideutigkeit des Wortes, ſondern darum handelt, ob, enn z. B. der Prediger etwas für Sünde oder Irrlehre erklärt und der Angeſchuldigte von ihm aus Gottes Wort davon nicht überzeugt werden kann, der⸗ ſelbe dennoch in der Entſcheidung ſeines Paſtors beruhen müſſe, oder ob dann nicht die Sache an die ganze Gemeinde zu bringen iſt, welcher dann natürlich mit ihrem Paſtor l(oder Paſtoren) die letzte Entſcheidung zukomme, die natür⸗ lich auch nur dann das Gewiſſen binden kann, wenn ſie aus Gottes Wort genommen iſt. Auch verſteht ſich von ſelbſt, daß die Gemeinde die Sache auch noch anderen rechtgläubi⸗ gen Körperſchaften vorrulegen ſchuldig iſt, wenn ſie ſich ſelbſt uicht auf Grund göttlichen Wortes daͤrüber einigen kann. 21. „Es iſt irrig, da ſie lehren, die Gemeine mit ihrem Prediger habe das Necht, öffentliche Glaubensbekenntniſſe zu ſtellen.“ (Derſelbe S. 16.9 22. Pſt. Grabau verwirft den Satz: „Die Prediger der unirten Kirche haben ein falſches Bekenntniß, falſches Abendmahl, aber — doch ſind ſie noch imrechten Amt, ſind noch Diener Chriſti, ſo lange ſie nur nicht ſagen, wir ſind im Namen des preußiſchen Königs verſam⸗ melt.“ (Zweiter Synodalbrief S. 124.) 23. „Die Gewalt aber des Predigens, Bin⸗ dens und Löſens geht durch ordentliche Mittel aus dem Evangelio des Mundes Chriſti in den Mund der Apoſtel, Propheten, Hirten und Leh⸗ rer über. Und ſo tritt essals ein Amt oder Kirchen gewalt hervor in die tägliche Ausü— bung, und wird dann der Name „Kirchen⸗ gewalt“ in keinem andern Verſtande gebraucht, denn als ein Amtsname gewiſſer Per⸗ ſonen in' der Kirche.“ (Inform. I, 85.) — — — —. — ε—— Kirchenprälaten.“ (Bellarminus Lib. 4. de Rom. Pont. c. 1.) „Matth. 18. heißt es: „Hört er die Kirche nicht, ſo ſei er dir ein Heide und Zöllner.“ Unter dem Namen der Kirche muß aber ein Prälat oder eine Verſammlung von Prälaten verſtanden werden. Alſo iſt das letzte Urtheil Sache der Paſtoren.“ (Der⸗ ſelbe J. C.) „Es iſt nicht für gut angeſehen worden, daß ein Laie Macht habe in der Kirche etwas zu entſcheiden, indem ihm die Nothwen⸗ digkeit zu gehorchen verbleibt.“ (Päbſtlich. Recht. Cap. Non placuit caus. 16. . 7.) 21. Der Jeſuit Laurentins Forer von Dillingen chreibt in ſeiner Compositio pacis: „Dit Angsb. Conſeſ⸗ ion kann kein Symbolum oder Glaubensbekenminiß ſein; denn ein Symbolum muß ein öffentlich Glaubensbekeuntniß rin, dadurch, als ein gewiſſes Merkzeichen, alle wahre Chri⸗ ſen an allen Orten der Weit eriennet werden: die Augsb. Confeſſion aber iſt zu Augsburg von etlich wenig Per ſonen übergeben worden.“ (S. R).) Hierauf antwortet der alte lutheriſche Hoe von Hoenegg in der „Vertheidigung des Ev. Augapfels:“ „Allhier wird nicht in Acht genommen der Unterſchied zwiſchen den Symbolis oeenmenicis oder all⸗ gemeinen Glaubensbekenutniſſen und zwiſchen den Syunbo- lis partienlaribus oder ſonderlichen Bekenntniſſen, welche auf gewiſſe Lande und Perſonen gerichtet und doch alſo be⸗ wandt ſein, daß jedem frei ſtehet, ſolche anzunehmen und ſich dazu zu bekennen.“ (S. 42.) 22. Der Benediktiner Virveſius ruft den Lutberanern zu: „Da ihr die (wahre) Kirche ohne uns nicht haben kön⸗ net, wie könnt ihr die rechte Berufung und Ordination der Kirchendiener haben?“ (S. Menzeri Exeg. A. C. p. 637.) In den Beſchlüſſen des Tridentiniſchen Coneils heißt es: „Wenn jemand ſagt, diejenigen, welche weder dem ein⸗ geführten Gebrauch gemäß von der kirchlichen und canoni⸗ ſchen Gewalt ordinirt, noch geſendet ſind, ſondern anders⸗ woher kommen, ſeien rechtmäßige Diener des Wortes nund der Sacramente: der ſei verflucht.“ (23. Sitz.) 23. Der Cardinal Bellarmin ſchreibt: „Die ganze Vollmacht der Kirche iſt formali- ter nur in den Kirchenprälaten, ſowie das Geſicht des ganzen Körpers kormaliter nur in dem Haupte iſt“ (Lib. 2. de Concil. c. 2.) Mit dem Wort formaliter ſoll nach ſcholaſti— ſcher Redeweiſe angezeigt werden: daß die Kir⸗ chenprälaten es ſind, durch deren Vollmacht die Kirche die Herrlichkeit der Gewalt beſitzt, welche man Kirchengewalt nennt. ——— nicht käönnen entſchieden, von der Kirche ſollen geurtteig werden Matth. 18.: da verſteht er ja nicht allein die Apo⸗ ſtel und Diener des Worts, viel weniger die bloße Obrigkeit, ſondern eine ganze Gemeinde und die, ſo eint ganze Gemeinde repräſentiren. Wie man auch bei den Un⸗ ſern die Conſiſtorien nicht aus Weitlichen, oder Geiſtlichen allein pfleget zu beſtellen, ſondern brides mit Geiſtlichen und Weltlichen, um von denſelben das Kirchengericht vtrwalten zu laſſen.“ (Wittenbergiſche Con ſilien I1, 136.) „Er (Chriſtus) ausdrücklich ſagt, wer die Gemeine nicht wolle hören, den ſolle man als einen verbannten Heiden u. Zöllner hallen, welches nicht allein zu verſtehen iſt, daß die Kirche Macht habe, unbußfertige Sünder in den Bann zu er⸗ klären, ſondern daß die Gemeine in allen Kircher⸗ ſachen, Cenſuren, Kirchenſtrafen, die Spaltungen in der Lehre zu urtheilen, den Pfarrdienſt zu beſtellen, unter an⸗ dern, dit höchſte Gewalt hat.“ (Heßhuſius von Bi⸗ ruf ꝛc. S. 51.) 21. So ſchreibt der vortreffliche Hutter in ſeiner Con- cordia concors gegen den Reformirten Hoſpinian, der dit lutheriſchen Symbole, in welchen die reformirten Irrlehren verdammt werden, unter Anderem darum nicht anerkennen wollte, weil dieſelben nicht von der ganzen Kirche auf einem Generalcoͤncilium verabfaßt lerrt „Kein göttliches Geſeß, gewiß kein menſch iches verbietet, daß die Rechtgläubigen auch außer einer Synode oder ohne Zuſammenberufung ei⸗ ner Synode in irgend eine reine und lautere Lehrformel übereinkommen und dieſelbe als ein Symbolum ihres Glau⸗ bens, ihrer Lehre und ihres Bekenntniſſes mit Zeugniſſen geſammelter Unterſchriften veröffentlichen und gegen die Ver⸗ drehungen u. abweichenden Meinungen irgend welcher Ker⸗ zer behanpten könnten.“ (S. 459.) Heßhuſius: „Ein gennges Häuflein von 10 oder 20 Perſonen, das Chriſimn recht erkennt, hat ebenſo eine großt Gewalt im Reich Chriſti, als eine Kirche von viel tanſend Perſonen.“ (S. Bidenbach's Conſilien S. 226.) 22. „Wir bekennen, daß im Pabſtthum die rechte heilige Schrift ſei, rechte Taufe, recht Sa⸗ krament des Altars, rechte Schlüſſel zur Verge⸗ bung der Sünde, recht Predigtamt.“ (Lu⸗ theraum Brief von der Wiedertaufe. XVII 2646.) „Die Prieſter in der heutigen griechi⸗ ſchen Kirche ſind alleſammt durch ordentliche Mittel berufen und alſo rechtmäßige Prieſter.“ (Wittenberg. Conſilien. I, 118.) 23. „Die Potestas ecclesiastica“ (tie Kirchengewall) „kommit der Kirche radicaliter zu“ (d. h. ſie wurzelt in der Kirche und wächſt aus ihr hervor), „und wird von den Lehrern nach dem Auftrag der Kirche aus geübt.“ (Löſcher. S. Unſchuld Nachr. 17.33. S. 978.) „Der Schlüſſel ſind zwei, einer, weicher löſt, der andere, welcher bindet, welche Chriſtus nicht allein ſeinen Apoſteln übertra⸗ gen hat Joh. 20, 23., ſondern anch der ganzen Kirche Matth. 18, 18., welche jenes ihr Recht durch die Dit⸗ ner des Wortes ausübt. — Chriſius der HErr des Hauſes, welches die Kirche iſt, hat vie Schlüſſel ſeiner Braut gege⸗ ben, die dieſelben ihren Dienern überträgt, welche Haushal⸗ So ſchreibt ſernn ter genannt werden. .Man muß unter dem Recht der Kir⸗⸗ che und deſſen Ausübung unterſcheiden. zerbrochenen Herzen Vergebung der Sünden zu verründigen, iſt Aller, daher im Nothfall oder bei Mangel an ord.. entlichen Kirchendienern Jeder den angefochtenen Nächſia mit Vergebung ſeiner Sünden tröſſen kann, öffenilich aber iſt es nicht erlaubt, denn die Ausübung jems Rechtes, welche öffentlich geſchieht, in allein bei den. ordentlichen Kirchendieneru.“ (Bal duin in Cas. consc. p. 1104. 11.) (Für den „Lutheraner.“) Scriptural Character of the Lutheran Doctrine of the Lord's Supper. By the Rev. II. J. Schmidt, D. D., New Vork 1852. Published by Henry Ludwig. Obiges iſt der Titel einer Abhandlung, die erſt im Evan. Revicw erſchienen, und nachher beſonders abgedruckt iſt. Die Veranlaſſung da⸗ zu waren ein paar in derſelben Zeitſchrift er— ſchienene Artikel von Dr. Schmucker, Profeſſor der Theologie in Gettysburg, Pa., der die Leh⸗ re der luth. Kirche vom hl. Abendmahl und die damit innig zuſammenhängende von der com- 7* A N II. —— municatio idiomatum auf eine eben ſo unwür⸗ dige als unverſtändige Art angriff, und ſich als einen Rationaliſten zu erkennen gab. Genaͤnnnt Schrift widerlegt den Verfaſſer dieſer Artikel klar und bündig, und ſtellt ihn, wie er's verdient in einer für ihn beſchämenden Weiſe in ſeiner Blöße dar. Dabei will Dr. Schmidt, wie bil⸗ lig, einzig und allein auf die Schrift und die ſymbol Bücher der luth. Kirche fußen, obwohl er es auch nicht verſchmäht, Dr. Schmucker auf allen anderen Gebieten zu begegnen, von denen dieſer die Lehre angreift. Gelegentlich erwähnt er auch, daß, während Dr. Schmucker ſich jetzt auf die Cigenſchaften und Heſebe der Materie 2** 27 1 4 AH1. beruft, um danach ſeinen Glauben einzurichten und den unſern anzufeinden, derſelbe in ſeinen beſſern Jahren (1826) geſchrirben hat: Nur Mangel an Einſicht und Klarheit des Verſtan⸗ des können einen ehrlichen Gegner verleiten, der Lehre (der luth. Kirche vom heil. Abendmahl) einen Widerſpruch zur Laſt zu legen, wenn ſie leugnet, daß der verherrlichte Leib Chriſti dit Eigeuſchaften habe und den Geſetzen unterwor⸗ fen ſei, welche wir Eigenſchaften u. Geſetze der Materie nennen.“ Während nun die angezeigte Schrift im all⸗ gemeinen unſern vollen Beifall gefunden hat, köͤnnen wir doch dem geehrten Berfaſſer in eini⸗ Das Recht den. 3I —— .—