# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1853 03 29_S104 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) und Tyrannei, und daß auch wir dieſe herrli⸗ chen Güter beſiyen, haben wir nächſt Gott je- nen heiligen Märtyrern zu verdanken. Der Unterzeichnete glaubt daher, ſeinen Brü— dern einen Dienſt zu erweiſen, indem er ſich auf den Rath ſeiner Freunde entſchloſſen hat, mit Gottes Hülfe die Märtyrer der evangeliſch-lu— theriſchen Kirche, ihre Lebensumſtände, Bekennt— niſſe und Leiden nach guten Qnellen zu be— ſchreiben und herauszugeben. Der Plan des Buches iſt folgender. Es erſcheint in einzelnen Heften von 50 Seiten in gutem Druck, auf ſtarkem weißen Papier mit farbigem Umſchlage. Das letzte Heft wird eine kurze Geſchichte der Ausbreitung der Reformation in den verſchiede⸗ nen Ländern Enropa's, ſowie die Vorrede ent— halten. Wenn das Werk die erforderliche Theil— nahme findet, wird etwa alle zwei Monate ein Heft erſcheinen. Den Druck und die Ausſtat— tung des Buches beſorgt Herr Niedner in St. Louis. Alle evangeliſch-lutheriſchen Prediger in den Vereinigten Staaten, ſowie alle Freunde dieſes Unternehmens ſind ermächtigt, Subſeribenten darauf zu ſammlen. Sobald ſich 1000 Sub⸗ ſcribenten finden, daß die Unkoſten gedeckt wer— den können, beginnt der Druck des erſten Hef— tes. Der Preis für ein einzelnes Heft iſt 15 Cents. Wer aber gleich anfangs auf die 5 erſten Hefte ſubſeribirt, erhält das Heft zu 10 Cents. Subſcribentenſammler bekommen das je eilfte Exemplar frei. Wenn das erſte Heft gedruckt iſt, wird es ſofort an die reſpectiven Subſcribenten geſchickt, welche dann das Geld dafür einſenden. Briefe werden erbeten unter der Addreſſe: Rev. II. Fik, Premen, near St. Louis, Mo. Hermann Fick. Franeisens Alardus, deroldenburgiſche Reformator. Franciscus Alardus war der Sohn reicher und angeſehener Eltern in dem jetzigen Belgien. Die übrigen Söhne hatten ein bürgerliches Ge— ſchäft ergriffen, Franciscus aber, der jüngſte, ſollte nach dem Willen ſeiner Eltern in's Kloſter gehen. Dies that er auch, und zeichnete ſich durch ſeine Frömmigkeit und Kenntniſſe ſo aus, daß er immer die Faſtenpredigen, wozu nur die Tüchtigſten genommen wurden, halten mußte. Dies war in der berühmten großen Handelsſtadt Antwerpen. Da traf es ſich einmal, daß ein Kaufmann aus Hamburg auch in der Kirche war. Ohgleich er zu der damals eben erſt aufgekommenen lu⸗ theriſchen Lehre übergetreten war, ſo wurde er doch durch die Predigten des jungen Mönchs herzlich erbaut, und es that ihm leid, daß eine ſo fromme Seele in den Irrthümern des Papſt⸗ thums ſollte ſtecken bleiben. Er ſuchte daher Gelegenheit, ihn einmal zu ſprechen. Obgleich dies ſehr ſchwer hielt, ſo gelang es ihm doch ei⸗ nes Tages, wo er den jungen Mönch mit ſich in ſeine Herberge nahm, ſeinen Koffer aufſchloß —103— und ihm Luthers Schriften zeigte. Sie unter— redeten ſich noch lange über die neue Lehre und der Kaufmann bat ihn, doch öfter wiederzukom⸗ men. Franciscus that es gern, und las hier in den Büchern, die er nicht mit in das Kloſter nehmen durfte, bis der Kaufmann abreiſete. Als er nach einem Jahre wieder nach Antwer⸗ pen kam, war das erſte, daß er ſeinen jungen Freund aufſuchte; und wie groß war ſeine Freu— de, als er ſahe, daß der Saame ſo gut aufgegan⸗ gen war. Er ſtellte ihm vor, nun auch den letz⸗ ten Schritt noch zu thun und ſich öffentlich für die neue Lehre zu erklären, und ſagte, er wolle für ſein Unterkommen dann auch weiter ſorgen. Franziscus willigte ein und fand ſich, wie ſie ab— geſprochen hatten, des Abends in der Herberge des Kaufmanns ein, wechſelte daſelbſt ſeine Klei⸗ dung und ging mit ihm auf das Schiff, das in derſelben Nacht noch abfuhr. — In dem Klo— ſter wartete man aber eine Stunde nach der an— dern auf Franziscus und konnte es nicht begrei— ſen, warum er, der ſonſt immer der Pünktlichſte war, noch nicht wieder da ſei. Der Abt aber, der ihn gut zu leiden hatte, ſagte, man ſolle ſich nur ſchlafen legen, und ihm das Thor auflaſſen. Als er am andern Morgen aber auch noch nicht da war, gerieth das ganze Kloſter in Aufruhr. Einige meinten, es ſei ihm etwas angekommen, Andere meinten, er wäre mit dem Schiffe eines Hamburger Kaufmanns, mit dem man ihn ge⸗ ſehen haben wollte, abgefahren. — Es wurde gleich ein Schiff ausgerüſtet, das ihn wieder ein— holen ſollte; aber er hatte ſchon einen zu großen Vorſprung bekommen, darum mußte das Schiff unverrichteter Sache wieder nach Antwerpen zu⸗ rückkehren. Der Kaufmann aber kam mit ſei— nem jungen Freunde glücklich in Hamburg an, nahm ihn mit in ſein Haus, unterrichtete ihn und ließ ihn dann nach der hohen Schule zu Jena reiſen, wo damals die reine Lehre am be— ſten gelehrt wurde. Als er nun 2 Jahre hier geweſen und im Glauben recht gefördert war, blieb das Geld aus, welches der Kaufmann ihm zu ſeinem Unterhalte bisher alle halbe Jahr ge— ſchickt hatte. Er kam in die größte Noth, ſchrieb einen Brief nach dem andern, bekam aber weder Geld noch Antwort. Entlich hörte er, daß der Kaufmann an der Peſt geſtorben ſei. Da er nun gar keine Möglichkeit ſah, ſich ohne Freunde und Verwandte im fremden Lande vor dem Ver⸗ hungern zu retten, ſo beſchloß er wieder zu ſei— nen Eltern zu gehen. Nach vielen Mühſeligkei⸗ ten kam er bei ihnen an. Aber welch ein Em⸗ pfang ward ihm zu Theil!? — „Was,“ ſchrie ſeine Schweſter, als er ſich zu erkennen gab, „der Ketzer!“ — Ja ſelbſt ſeine eigene Mutter wollte nichts von ihm wiſſen und zeigte ihm bei der Inquiſition, ſo nennt man das Glaubensgericht, an. Er wurde alſo ſefort von Soldaten gebun⸗ den und auf einen hohen Thurm in der Feſtung gefangen geſetzt. Das Gerücht, daß man den entlaufenen Mönch wieder habe, verbreitete ſich nun wie ein Lauffeuer durch die Stadt. Ganze Volksmaſ⸗ ſen belagerten den Thurm und hätten ihn gern mit ihren Händen zerriſſen. Die Diener der In⸗ quiſition verſuchten nun alles, um ihn von ſei⸗ nem Glauben abzubringen, aber es half ihnen nichts. „Ich weiß an wen ich Glaube,“ ſagte er, „und auf den will ich ſterben.“ Als ſie ſa⸗ hen, daß alle Mittel vergeblich waren, ſo be— ſchloſſen ſie, um einen Tumult in der Stadt zu vermeiden, ihn durch Gift um's Leben zu brin⸗ gen. So mußte er denn einen Becher voll Gift austrinken, was er auch mit feſtem Muthe that. Darauf legte er ſich nieder, um ſeinen Tod zu erwarten. Der Gefangenwärter ſchloß die Thür wieder zu und ging mit dem Henker, der ihm das Gift gebracht hatte, fort; Alardus aber, als er eine Zeit lang ſo gelegen hatte, bekam ei⸗ nen ſo heftigen Durſt, daß er es nicht mehr aus⸗ halten konnte. Er ſtand alſo auf, ſah durch ein rundes Loch, welches ſtatt Fenſter in der Mauer war, und ſah gerade auf den Stadtgraben, der unter dem Thurme floß. Er ſann hin und her, wie er von dem Waſſer etwas bekommen wollte. Endlich nahm er einen Bindfaden, den er zufäl⸗ lig bei ſich hatte, befeſtigte ihn an ſeiner runden Pelzkappe, ließ ihn in's Waſſer hinab und zog ſie glücklich voll Waſſer herauf. Hier trank er alles Waſſer mit einemmal aus, wurde aber da⸗ von ſo übel, daß er ſich ſtark übergeben mußte. Darnach wurde er recht ſchwach nnd blieb die ganze Nacht ſo liegen. — Am andern Mor⸗ gen erſtaunte der Gefangenwärter nicht wenig, Alardus noch am Leben zu finden. Da glaubte der Henker und alle mit ihm, das ginge nicht mit rechten Dingen zu, Alardus ſei ein Zau⸗ berer und ſtehe mit dem Teufel im Bunde. Die Wuth des Volles ſtieg jetzt noch höͤher; es wurde beſchloſſen, daß er lebendig verbrannt werden ſollte, und ſeine eigene Mutter erbot ſich, das Holz dazu anfahren zu laſſen. Dies geſchah noch an demſelben Tage, und jedesmal, wenn der Fuhrmann an dem Thurme vorbei kam, mußte er mit lauter Stimme rufen: „Franzis⸗ cus Alardus, das iſt das erſte Fuder, was dei⸗ ne Mutter ſchickt!“ und ſo fort bis zum ſieben⸗ ten und letzten. Den andern Morgen ſollte die Hinrichtung ſtattfinden. Da in der Nacht warf er ſich nieder und betete: Herr Jeſu, wenn du mich retten willſt, ſo zeig mir einen Weg an. Als er dieſes und viels andere gebetet hatte, ſiel gerade das Mondlicht durch das runde Loch in der Mauer. Er ſtand auf und ging hin zu dem Loche, aber es war zu enge, und als er hinaus ſah ſchauderte ihn vor der Tiefe. Indeß was ſollte er machen? Er ſann hin und her, zog ſich ganz aus, zerſchnitt ſeine Kleider und knüpfte die langen Stücke an einander, ſo daß eine Art Seil daraus wurde. Dieſes befeſtigte er an einem eiſernen Ringe, zwängte ſich mit aller Gewalt durch das Loch und ließ ſich an dem Seile herunter. Aber kaum war er bis zur Hälfte gekommen, als ein Knoten nachließ und er in die Tiefe ſtürzte. — Hler wäre er nun ſicher zerſchmettert, wenn er nicht glücklicher Weiſe in einen Kloak gefallen wäre. Kaum hatte er ſich von ſeinem Schrecken erholt, ſo machte er ſich heraus, um, koſte es auch was es wolle, ſein Leben zu reiten; denn er meintt ⸗ Gott wolle ihn noch zu etwas gebrauchen. —