# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1853 03 29_S103 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) die Gemüther der armen Indianer erhalten. — Und wollte man das Beiſpiel der Brüderge⸗ meine nicht als normal anerkennen, ſo wird man doch gewiß das der Schrift dafür halten, und ſie lehrt uns ja auch, daß Petrus und Jo⸗ hannes zur Stärkung der jungen Gläubigen aus den Samaritern dorthin geſandt wurden; und daß Petrus ſpäter allerwärts umherzog die von Anderen bekehrten Häuflein zu beſuchen u. zu ſtärken. Actor. 8, 14. seg. Actor. 9, 32. 3. Endlich bitte ich Sie bei Ihren Beſuchen der Miſſions-Stationen ſich auch der Schule anzunehmen; d. h. ſowohl die Kinder zu exa⸗ miniren, als auch die Eltern zu ermuntern, die Kinder fleißig und regelmäßig zur Schule zu ſenden. Im Verein der Miſſionare werden Sie dann am beſten herausfinden, wie die Schule zu heben ſei und wie ſowohl den Eltern als den Kindern rechte Luſt dazu gemacht werden kön— ne. — Es iſt ein Jüngling von etwa 17 Jah— ren hier, der zwar nicht mehr zur Schule geht, weil er ſowohl für ſeine Mutter, eine Wittwe, als für ſich ſelbſt jagen muß, aber der jeden Abend herkommt ſich im Leſen des von uns be— ſorgten Büchleins zu üben. Er hat in kurzer Zeit ſo merkliche Fortſchritte gemacht, daß er ſo⸗ wohl in Hinſicht auf ſeine Fähigkeit als auch auf ſeinen Eifer und Gefallen an Gottes Wort, in uns die Hoffnung erregt, daß er zu einem tüchtigen Nationalgehilfen heraugebildet werden könnte, würde er gehörig angefaßt, u. ein kirch— liches Bewußtſein in ihm erweckt. Und dieſes kann abermals nur dadurch recht kräftig geſche— hen, daß ihm der Zuſammenhang hieſiger Miſ— ſion mit Kirche und Synode thatſächlich, d. i. durch Thaten und nicht durch Worte allein, nachgewieſen wird. Denn Indianer, zu⸗ mal ſo neu aus dem Heidenthum herausgeriſſne, wollen anders angefaßt ſein und behandelt wer⸗ den, als Deutſche, die in der Kirche geboren u. erzogen ſind. Verachten Sie, verehrte Brüder! dieſe Bitten nicht; es dürften ja wohl die letzten von mir ſein. — Und ich kann ſagen, ſie ſind wohler— wogen, oft durchdacht, und auf Erfahrung ge— gründet. Schließlich aber erlauben Sie mir noch zwei Vorſchläge ſowohl Ihnen als durch Sie unſe⸗ rer theuren Synode vorzulegen. J. Das Perſonal der Miſſions⸗-Commiſſion, wenigſtens Präſes und Secretalr, möchten in Michigan wohnen. Ich bin überzeugt, die Commiſſion wird nie ihrer Aufgabe genügen, nie der Miſſion das werden, was ſie ihr ſein könnte und ſollte, wenn ihre Glieder Hunderte von Meilen zerſtreut wohnen, und ſich im gan⸗ zen Jahre kaum einmal zu ſehen bekommen. Die Aufgabe der Miſſions-Commiſſion er⸗ fordert es, daß ihre Glieder ſich öfters auch mündlich berathen und das Wohl der Miſſion erwägen könnten. Dann auch nur können ſie die Station regelmäßig viſitiren, und zu Zeiten beſondrer Noth auch außer der Zeit auf Bitte deß Miſſionars perſönlich auf der Station er⸗ San was ja oft dringend nothwendig wer⸗ ren kann. Während bei einer ſolchen Entfer⸗ — 102̃— nung es freilich vorkommen muß, daß ein oder das andre Glied der Miſſions-Commiſſion nie etwas von der Miſſion der Synode hört, oder ſieht, oder erfährt; und daß die ganze Thätig⸗ keit, als Glied der Miſſions-Commiſſion, da⸗ rin beſteht, einmal des Jahres ſeinen Namen zu unterſchreiben. — II. Die Sache der Miſſion möchte nicht bis auf die letzte Sitzung der Spnode verſchoben werden, weil dann ſo wenig Zeit iſt, daß faſt nichts weiter als die Rechnungen vorgelegt wer⸗ den könuen. Es iſt doch gewiß ſehr nöthig, daß die ganze Synode die Sache der Miſſion auf dem Herzen tragen und mit berathen helfen möchte. Dazu wird es aber nicht eher kommen, als bis die ganze Spnode genauere Kenntniß von der Miſſion nimmt, wozu denn freilich eine oder zwei Sitzungen u. nicht nur ſo viel Stun— den erforderlich ſind. In den erſten Tagen der Sitzung wäre dazu auch Zeit genug vorhanden, während ſich in den letzten Tagen die Geſchäfte natürlich häufen. Die Brüdergemeine hat Sy⸗ noden ertra der Miſſion wegen gehalten. Erſt bei genauerer Kenntniß der Miſſion kann die Synode ſie auch fürbittend auf dem Herzen tra⸗ gen. Denn wie ſollte ſich jemand für etwas zur Fürbitte gedrungen fühlen, von dem er we— nig oder gar nichts weiß? Ebenſo wird erſt dann, ſowohl von den Paſtoren als von den anweſenden Abgeordneten der Gemeinden, für die Beſchaffung der nöthigen Mittel geſorgt wer— den. Denn wie ſollen die Paſtoren Muth zum Fordern, und die Gemeinden Freudigkeit zum Geben behalten, und wie ſoll dieſer Muth und dieſe Freudigkeit gemehrt werden, wenn ſie ſo wenig hören wie der liebe Gott auch ihr Scherf— lein geſegnet hat? Wenn auf den Synodalſitz⸗ ungen die Miſſion ſo flüchtig u. ſo kalt behan⸗ delt wird? — So hätte ich denn, theure u. verehrte Brü— der! Ihnen die Bitten u. Wünſche vorgelegt, die mein Herz längſt geborgen hat. Ich zweifle nicht, Sie werden ihnen Ohr und Herz willig öffnen, und ſich dieſes armen, von aller Welt verlaſſenen, betrogenen u. untertretenen Häuf— leins hier mittchriſtlicher Liebe u. Sorgfalt an⸗ nehmen, und alſo Gehilfen ihrer Freude wer— den, ſowohl hier auf Erden, als einſt drüben in der ſeligen Ewigkeit. Und ſo bleibe ich, theure Brüder, in dem SErrn, Ihnen verbunden, und zeichne in herz⸗ licher Liebe und Hochachtung und mit dem Gruße des Friedens Baierlein. mm Einladung zur Subſeription auf folgendes neues Buch: Die Märtyrer der evangeliſch⸗-lutheriſchen Kirche. Es iſt wohl jedem evangeliſch-lutheriſchen Chriſten bekannt, wie viel ſchwere Kämpfe und Leiden, wie viel Thränen und Blut es gekoſtet hat, bis das Werk der Reformation ſiegreich ausgeführt wurde und bis unſere Väter die lang erſehnte Religionsfreiheit erhielten. Denn als Gott nun durch ſeinen Knecht Dr. Martin Luther das liebe Evangelium wieder rein u. lau⸗ ter verkündigen ließ, da erhoben ſich der Papft, Kaiſer und die ganze Welt mit aller ihrer Macht, um die Wahrheit zu vertilgen. Was thaten aber da unſere gläubigen Vorfahren? Sie wi⸗ chen und wankten nicht; ſie blieben dem HErrn JEſu getreu bis in den Tod, ſie bekannten freu⸗ dig ſein Wort vor aller Welt und beſiegelten die evangeliſch-lutheriſche Lehre mit ihrem Blute. So ſind Tauſende und aber Tauſende für das Evangelium geſtorben; und zwar haben nicht bloß Männer und Jünglinge, ſondern auch Frauen und Jungfrauen, ja ſelbſt Kinder im zarteſten Alter die ſchöne Märtyrerkrone erlangt. Mit Recht hat deßhalb die evangeliſch- lu⸗ theriſche Kirche das Gedächtniß ihrer Märtprer von jeher in hohen Ehren gehalten. Luther ſelbſt ging darin mit einem guten Beiſpiele vo⸗ ran, indem er das Märtyrerthum der treuen Be⸗ kenner ſorgfältig beſchrieb und durch den Druck bekannt machte. Ihm folgten darin Dr. Bu— genhagen, Dr. Rabus und Andere. Doch jene älteren Märtyrerbücher ſind im Laufe der Zeit dem größeren Theile nach unter— gegangen. Wie? ſollen wir nun dulden, daß auch das Gedächtniß unſerer theuren Märtprer damit untergehe? Nimmermehr. Wir würden uns damit nur ſelbſt eines großen Segens be— rauben. Denn die hl. Märtyrer geben uns ein herrliches Vorbild, das uns zu allen chriſtlichen Tu genden kräftig anſpornt. Sie waren barm⸗ herzig und mildthätig gegen alle Menſchen, ſie vergaben ihren Feinden, ſie beteten für ibre Mörder, ſie beharrten im Glauben und in der Liebe feſt und ſtandhaft bis an's Ende. Ihre Geſchichte iſt aber zugleich auch ſehr lehrreich. Sie beweiſt uns nämlich auf's klarſte, daß der Papſt, welcher das Evangelium ſo grimmig baß— te und verfolgte, der in der hl. Schrift geweiſ⸗ ſagte Antichriſt ſei, und daß die römiſch-katho— liſche Kirche, welche das Blut der theuren Be⸗ kenner in Strömen vergoß, das antichriſtiſche Babel und die große rothe Hure ſei, die da trunken iſt von dem Blut der Heiligen und von dem Blut der Zeugen Jeſu. Offb. 17, 6. Und endlich iſt nach dem Worte Gottes wohl nichts, was ſo den Glauben ſtärkt, ſo den heiligen Zeu⸗ genmuth erweckt, als eben das Leſen dieſer hl. Märthyrergeſchichten. Jene Märtyrer waren ſchwache Menſchen wie wir und doch! — welche Wunder haben ſie in der Kraft Gottes vollbracht! Um JIeéſu willen gaben ſie freudig das Liebſte dahin, was ſie auf Erden beſaßen; ſie duldeten lieber die unerbör⸗ teſten Qualen, als daß ſie auch nur einen Buch⸗ ſtaben des göttlichen Wortes verleugneten; als ritterliche Streiter folgten ſie dem HErrn JEſu treulich nach durch Gefängniß, Schmach und Pein, durch Feuer, Waſſer und Schwert; ſie dankten dem HErrn IEſu, daß er ſie würdige, um ſeinetwillen zu ſterben und prieſen ihn bis zum letzten Athemzuge. So heldenmüthig ſtrit⸗ ten ſie für die reine Lehre des göttlichen Wortes und für die Freiheit von päpſtlicher Irrlehre