# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1853 03 29_S102 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) auch nicht einen Tag ruhen, wie die Heiden ſelbſt es bezeugen, ſondern beſtändig unſre Per— ſonen nicht nur, ſondern auch unſer Amt, und das Wort des lebendigen Gottes, das wir pre— digen, auf das Gräulichſte läſtern. Müſſen doch die armen Indianer in beſtändiger Furcht ſchwe— ben, und ihr natürliches Mißtrauen gegen alle Weißen (die gegen uns kämpfenden Methodi— ſien ſind meiſt von den Weißen aufgehetzte In— dianer) in beſtändiger Thätigkeit erhalten wer— den, wenn wir ihnen unausgeſetzt als die elen— deſten Lügner und Betrüger dargeſtellt werden, die die Indianer nicht nur um ihr Land betrü— gen, ſondern ſie auch nächſtens nach Deutſch— land in den Krieg ſchicken würden ꝛc. ꝛc. Und müſſen ſie ſich doch ſtets beſorgen ſich dem Ein— fluſſe des Wortes GOttes ganz hinzugeben wenn eben dieſes heilige GOttes-Wort ihnen als falſch und lügenhaft dargeſtellt wird. viel Verführeriſches liegt auch ſchon allein da— rin, daß dieſen von Natur ganz materiell geſinn— ten Leuten immerwährend alle Reiche der Welt u. ihre Herrlichk it, alle Ehre u. Liebe von den Weißen, alle Gunſt u. Hilfe von der Obrigkeit“*), alle materiellen Vertheile überhaupt gepredigt werden, während wir ihnen nur Kreuz, Schmach und Verfolgung auf Erden, und, wozu ſie ſich ſo ſchwer erheben können, wie ja die Menſchen überhaupt, die Herrlichkeit und ewige Seligkeit im Himmel vorhalten können. Welche Gewalt endlich liegt für dieſe ſchüchternen Gemüther auch darin, daß der große Haufe der Indianer in andern Horden bereits zu den Methodiſten gehört, unter welchen unſre Indianer zum Theil ihre Verwandte haben, von denen ſie fleißig be— ſucht werden, während wir hier daſtehen wie ohne allen Anhang; indem unſer ſelige Zuſam— menhang mit unſrer theuren lutheriſchen Kirche, wie mit der ehrwürd. Synode, uns wohl trö⸗ ſten, aber auf die Indianer keinen Einfluß ha— ben kann, weil ſie nichts davon gewahr werden, nichts davon ſehen.“ Und ſehen will der Indianer vor andern gern auch dergleichen, wenn es ihn beeinfluſſen ſoll.— Unter dieſen Umſtänden iſt es gewiß nicht zu verwundern, daß uns die aller irdiſchen Vor— theile ſo mächtigen Methodiſten auf 3 Camp-— meetings 3 Kirchglieder entriſſen haben. (Ein lied von dieſen 3 hat jedech wiederholt er— klärt, daß es ihm unausſprechlich leid thue, ſich von uns getrennt zu haben, und nur wirkliche Furcht hält es für jetzt noch ab, offen zu uns zurückzutreten.)) Bewundern muß man viel— mehr die Kraft u. Gnade Gottes, die uns den— noch erhalten, und auch, für die Umſtände ſehr reichlich gemehret hat. Es ſind nämlich auch im vergangenen Jahre wirder 15 Seelen aus den Heiden unſerm lu⸗ theriſchen Häuflein u. der Kirche GOttes über— haupt durch die heil. Taufe hinzugefügt wor— den. Darunter ſind: eine Großmutter u. Witt⸗ we, ein Paar Eheleute, ebenfalls Großeltern ein Paar junge Eheleute und eine Ehefrau, de— — —— Wie *) Der Agent der Indianiſchen Angelegenheiten zu De⸗ troit, unter welches Departement unſre Indianer gehören in ein Methodiſtenprediger, —101— ren Mann auf dem Wege iſt zu folgen. Die übrigen Neun ſind Kinder verſchiedenen Alters. Außer dieſen wurden getauft 2 Kindlein luthe— riſcher Indianer, und 4 Kinder der hier woh— nenden engliſchen Familie, deren Eltern keiner Kirche angehören. Dazu wurde ein Knabe, von den Methodiſten getauft, feierlich in unſre Kir— che aufgenommen. So daß der ganze Zuwachs in dieſem Jahre aus 22 Seelen beſteht. Das ganze lutheriſche Häuflein hier, aus den In— dianern geſammelt, zählt nun 58 Seelen. Gewiß ein reiches hoffnungsdolles Waizenfeld auf ſo dornigem Boden! Dem HErrn unſerm GOtte allein, aber Inm auch immerdar Preis und Ehre! Helfen Sie uns nun GOtt bitten verehrte Brüder, daß Er aus Gnade geben wol— le, wo möglich alle dieſe Seelen als volle Gar— ben in ſeine himmliſche Scheuer einzuſammeln, wie wir dies von 6 bereits Heimgegangenen zuverſichtlich hofſen. Damit dies aber um ſo beſſer geſchehen möge, damit das geſammelte Häuflein zur rechten Freu— digkeit und Selbſtſtändigkeit in dem HErrn ge— langen und auch die noch ſchüchtern Außer— halbſtehenden Zuverſicht gewinnen möchten, dem zu ſammelnde Häuflein hier, damit es kräftig geleitet, und im Wachsthum zum Mannesalter in Chriſto in aller Weiſe gefördert werden möch— te, und darum thue ich es auch mit Freimuth und Zuverſicht. 2. Im Betreff des aus den Heiden geſam⸗ melten lutheriſchen Häufleins hier, bitte ich mit den Worten der Inſtruction: „Die Miſſions - Stationen zu beaufſichtigen, und, ſei's perſön⸗ lich oder durch Stellvertreter, möglichſt zu viſi— tiren,‚“ u. ſetze hinzu, wenigſtens einmal alle Jahre. Ich kann Ihnen dieſe Bitte nicht dringend genug an das Herz legen, ver⸗ ehrte Brüder! Und was mich dazu treibt, iſt einerſeits der große Einfluß der Macht des Me⸗ thodismus auf die ſo ſchüchternen u. leicht ver— führbaren Indianer-Seelen; andrerſeits aber auch die ſcheinbare, den Indianern nothwendig ſo vorkommende Losgeriſſenheit, Zuſammen⸗ hangsloſigkeit und Verlaſſenheit Ihrer Miſſio— nare und der Kirche, die ſie hier zu erbauen ſich bemühen. Ich denke ich habe nicht nöthig mit mehreren Worten in Sie zu dringen. Die Lie⸗ be Chriſti, die Sie ja dringt, dieſe jungen, zar— ten, noch ſchwachen Heidenchriſten mit beſondrer HErrn freudig zu folgen: erlaube ich mir Ih— Liebe zu umfaſſen, iſt allein, iſt aber auch voll⸗ nen einige Bitten ans Herz zu legen, die Sie kommeu vermögend Sie zu dieſem freilich be— Ihren Miſſionaren gewähren wollen. Da dieſe, ſchwerlichen, aber um Chriſti willen doch leich⸗ nicht über den Inhalt der „Inſtruction für die ten und ſüßen Amtsberufe cals Miſſions-Com⸗ Miſſions-Commiſſion ꝛc.“ wir dieſelbe im 1. Synodalbericht vom Jahre 1847 Seite 14. u. 15. verfaßt iſt, hinausgehen, ſo hoffe ich die Gewährung derſelben um ſo mehr. 1. Was Ihre Miſſionare betrifft, ſo bitte ich Sie ergebenſt: beſchränken Sie Ihre Thätigkeit nicht darauf, die Berichte Ihrer Miſſionare ent— gegenzunehmen u. die Mittel nach Kräften dar⸗ zureichen; ſondern treten Sie mit ihnen in ei⸗ nen ſchriftl. brüderlichen Verkehr, damit ſie im lebendigen, kräftigen Bewußtſein der Glied⸗ ſchaft wie der Einheit mit Kirche u. Synode de— ſto freudiger alle dem großen Haufen und der Macht des Methodismus entgegentreten könnten. Stehen Sie ihnen, wir die Inſtruction es aus— druckt „mit Rath u. That väterlich zur Seite!“ Sie ſelbſt wiſſen recht wohl, daß hieſige Station noch nie eine Zeile don Ihnen, der Miſſions- Comm., erhalten hat, wodurch ihre Arbeiter be— rathen, ermu itert und ſonſt durch das Bewußt— ſein der Einheit mit Ihnen geſtärkt word en Jahre, daß dieſe Station der Synode angehört; dazu erfordert es die Inſtruktion, haben es die im J. 1850 abtretenden Beamten ihren Nach— miſſion) willig und geſchickt zu machen. Doch, damit dieſe Bitte nicht als etwas Neu— es und wohl gar Ungebührliches erſcheine, wo— durch die Miſſionare nur die Laſt des Berufes auf andre Schultern werfen wollten, und auch dem Verdacht vorzubeugen, als ſuchten Ihre Miſſionare die Hilfe äußerlicher Mittel zu din⸗ gen, die alletn die Predigt vom Kreuz ausrich⸗ ten ſollte; erlauben Sie mir an die Praxis der Brüdergemeinen zu erin nern, von der wir, was Miſſion betrifft, wohl noch Manches lernen, könnten. Dieſe hat nämlich in ihrer geſegneten und an wunderbaren Erfahrungen ſo reichen Miſſionsthätigkeit unter den Indianern, in der Mitte des vorigen Jahrhunderts, ihre Miſſio— nare nie alltin bei dem Werke der Heidenbekeh— rung gelaſſen, ſondern ſie ſowohl durch den Gra⸗ fen v. Zinzendorf. als auch durch die Biſchöfe Spangenberg, Cammerhof, Joh. v. Watteville u. A. ſehr oft beſuchen, in ihrer Arbeit unter⸗ ſtützen und ermuntern laſſen. Und dieſe Bi⸗ wären. Und doch ſind es nun ſchon bald 4 ſchöfe haben nicht nur die von den Miſſionaren ö folgern noch beſonders empfohlen, und iſt von meiner Seite wiederholt, Anfangs in jedem nen geſchloſſen, und ſo den Miſſionaren den getauften Indianer zu chriſtlichen Gemeinden geſammelt und geordnet, ſondern auch die Hei⸗ den durch viele beſchwerliche Reiſen beſucht, ih- nen gepredigt, Verträge der Freundſchaft mit ih⸗ Schreiben, darum gebeten worden. — Ich thue Eingang zu ihnen, wie den Einfluß auf ſie, auf dieſe Bitte nicht für mich, wie Sie wiſſen; denn es bat dem lieben Gott gefallen mich zu einem andern Volk zu rufen. Ich thue ſie aber für meinen Nachfolger, der Ihrer liebreichen, brü— derlich und väterlichen Anfaſſung, Berathung und Ermunterung beſonders bedürftig ſein wird; ich thue es für Sie ſelbſt, damit Sie immer grö⸗ alle Weiſe erleichtert. Auf dieſe Weiſe konnten denn freilich die Verläumdungen gegen die Miſ⸗ ſionare (denn auch ſie hatten ihr reichliches Theil zu tragen, und zum Theil dieſelben wie wir, in⸗ dem ihnen auch anfgebürdet wurde, daß ſie die Indianer nach Deutſchland ſchicken und als Sclaven verkaufen würden. — Siehe: „Ge— ßere Freude an dieſer Station haben möchten; ſchichte der Miſſion der evangeliſchen Brüder“ lich thue es endlich für das geſammelte und noch von Loskiel S. 222.) keine ſolche Macht über