# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1853 03 29_S101 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) nicht wahr iſt, indem alle rechte Lutheraner die— jenigen, welche in der Lehre vom Sacrament des Altars von ihnen abweichen, nicht als Lu— theraner anerkennen. Und wie kann er ſich ſelbſt noch einen Lutheraner nennen! Alle Welt weiß, daß Luther Zwingli's Hand wegen des letztern abweichender Meinung in der betreffen⸗ den Lehre nicht annehmen wollte, und daß alle Bekenner des Chriſtenthums, die ſich nach Lu— ther genannt, durch ihr Bekenntniß in ihren Symbolen dieſen Schritt gebilligt haben. Herr Harkey aber reicht Zwinglianern die Bruder— hand, oder iſt ſelber einer — er ſpricht ſich in ſeiner Rede nicht darüber aus — hält's alſo mit den Zwinglianern und nicht mit den Lu⸗ theranern. Freilich ſieht ſich Herr Harkey nicht in der unangenehmen Nothwendigkeit dies zuzugeben; denn ſein Standpunkt beliebten Dunkels erlaubt ihm, zu einem angenehmern Reſultat zu kom— men. Seinen in der angezeigten Rede ſonſt ge— machten Aeußerungen nach iſt nemlich die lu— theriſche Kirche eine Gemeinſchaft von Menſchen, die ſich zum Chriſtenthum bekennen, und die weder Römiſche Katholiken oder Rationaliſten, noch calviniſtiſche Prädeſtinationer oder armi— nianiſche Leugner aller wahren Religion ſind, die ferner ſich Lutheraner nennen, in der Regel, weil ſie von lutheriſchen Eltern abſtammen, und die unter ſich eins geworden ſind, ſich Freiheit in ihren religiöſen Ueberzeugungen zu verſtat— en. Ja auf S. 22. ff. wird gar, was Män⸗ ner wie Geſenius und Ewald, Bretſchneider und de Wette und Andere geſchrieben haben, die zum Theil mehr oder weniger grobe Ratio— naliſten waren und der lutheriſchen Kirche auch nicht einmal dem Namen nach, ſondern der unir⸗ ten Kirche angehörten, auf Rechnung der lu— theriſchen Kirche geſetzt. Auf Grund einer ſol— chen Definition von der lutheriſchen Kirche, de— ren freilich, wir glauben, jeder einſichtsvolle u. wohlunterrichtete Laie, ſelbſt in andern Confeſ— ſionen als der lutheriſchen, ſich ſchämen würde, kann Hr. Harkey allerdings mit Zwingli Hand in Hand gehen und doch ein Lutheraner ſein. Mit ſeiner Anſicht von dem Weſen der lu— theriſchen Kirche ſtimmt die Aeußerung S. 17., daß dieſelbe keins ihrer Glieder darum in Kir— chenzucht nehmen dürfe, daß es Anſichten hege, die von ihrer ausgeſprochenen Meinung abwei— chen, vorausgeſetzt daß ſolche Anſichten nicht das antaſten, was die Kirche als die Grund⸗ lehren und Lebensfragen des Chriſtenthums an— ſieht. Hier fragt der einfältige Leſer, wo und wann hat denn die Kirche Meinungen ausgeſprochen? Von Bekenntniſſen und Be— kenntnißſchriſten der Kirche wiſſen wir wohl, aber nicht von Meinungen u. Meinungsſchrif⸗ ten der Kirche; und die Bekenntniſſe enthalten eben das, was ein jeder glaubt, oder glauben muß, der lutheriſcher Confeſſion ſein und zur lutheriſchen Kirche gehören will. Und was ſieht denn die lutheriſche Kirche als Grundlehren u. Lebensfragen des Chriſtenchums an? Wir ha⸗ ben immer gemeint, gewiß das, was ſie in ihre Bekennmißſchriften aufgenommen hat; denn ——100—— weshalb ſollte ſie ſich ſonſt vor der ganzen Welt dazu bekennen. Hr. Harkey muß freilich meinen, die lutheriſche Kirche theologiſire in ih⸗ ren Bekenntnißſchriften wie eine gelehrte Pri— vatperſon, und überdies finden ſich in den Be— kenntnißſchriften — denn wo ſollte dies ſich ſonſt finden — die Lehren der lutheriſchen Kir⸗ che angegeben, die man nicht anzunehmen brau— che, und dabei doch ein Glied der lutheriſchen Kirche ſein könne. Um aber ſolches nicht zu meinen, iſt's nicht einmal nöthig, die Bekennt— nißſchriften der lutheriſchen Kirche geleſen zu ha— ben, ſondern nur anzunehmen, daß ſie nicht völlig unvernünftig ſind. Hr. Harkey jedoch hängt hier der lutheriſchen Kirche einen Wider— ſpruch mit ſich ſelbſt an. Nach ihm ſoll die Kir— che nemlich ſagen: daran, daß einer dieſe und jene Lehre annimmt, ſoll man erkennen, daß er ein Lutherauer iſt, und ihn von Nicht-Luthe— ranern unterſcheiden; wer aber dieſe und jene Lehre nicht annimmt, iſt auch ein Lutheraner. Dies würde nun freilich Hr. Harkey wohl nicht thun, wenn er nicht ſelber dergleichen denken zu können ſich einbildete. Zum Belege hierfür erwäge man die Worte S. 17. „Ich ſage je— dem, der den Herrn Jeſum wahrhaft liebt, gieb mir deine Hand — Ich bin dein Bruder. Ich verlange nicht, daß du meiner Meinung ſeiſt, beſonders in unweſentl. Dingen. — Ich kann der deinigen nicht ſein; dennoch ſind wir Brü— der“ Hiernach giebt Hr. Harkey zu, daß Leutt auch über weſentliche Punkte (denn er ſagt „be— ſonders unweſentliche“) der chriſtlichen Religion uneinig ſein und bleiben und gleichwohl den Herrn Jeſum wahrhaft lieben, auch, daß man über weſentliche Puncte uneinig, und doch einer des andern Bruder (d. h. hier doch: in allen wenigſtens den weſentlichen Puncten einig) ſein könne. Um ſich in beliebter Dunkelheit zu erhalten, beruft ſich Hr. Harkey dann darauf, daß die lutheriſche Kirche ſelbſt darauf dränge, daß Ge— wiſſensfreiheit und die freie Uebung des eige— nen Urtheils in Religionsſachen natürliche und unveräußerliche Menſchenrechte ſind, die keine, weder weltliche noch geiſtliche, Obrigkeit aus— nehmen kann, als ob, weil die lutheriſche Kirche natürlicher Weiſe keinen Glauben an ihre Leh— ren erzwingen kann, noch will, ſie auch weder ſagen köͤnnte noch dürfte: Wer zu uns gehören wiüll, muß ſo glauben, wie wir lehren; ſonſt aber entweder nicht zu uns kommen, oder von uns ansgehen, als religiöſer Gemeinſchaft. So werden Perſonen, die ihrem Verſtande nach, wo nicht von ungewöhnlicher, doch von mittlerer Statur ſein könnten, zu Zwergen. Dies iſt die natürliche Strafe dafür, daß ſie in der Welt groß ſein und etwas gelten wollen, auch Fleiſch ihren Arm ſein laſſen. Hr. Harkey will auch bei andern Denominationen etwas gelten, und bei ihnen in ſeinen Unternehmun- gen Unterſtützung finden. Das iſt einmal be⸗ ſchloſſen, deshalb darf der arme Verſtand nichts dawider reden, ſondern muß ſich dem Willen zu Füßen werfen. Doch wie ſteht's erſt mit dem Gewiſſen? „HErr, HErr“ geſagt, auch Teufel ausgetrieben haben, wird an jenem Tage nicht genug ſeinz ſendern daß man Chriſtum und nicht ſich, auch ſich nicht mit gemeint habe, und durch gute u. böſe Gerüchte mit Ihm hindurchgegangen ſei. Demnach, wie die Sache jetzt ſteht, können wir Gott nicht danken für die Errichtung jenes neuen Lehrſtuhls der Theologie, ſondern Ihn nur bitten, Er wolle alle Betheiligten vor ewi— gem Schaden bewahren. Bethanien, 3. Januar 1353.— An die Verehrliche Miſſions⸗Com⸗ miſſion der evangeliſch⸗lutheriſchen Synode von Miſſouri. Geehrte und in dem HErrn geliebte Brüder, Wie ich aus Nro. 5. des „Lutheraner's“ er— ſehen habe, iſt Ihnen mein letztes Schreiben v. 15. Septbr. v. J. richtig zugegangen. — Hier nun erlaube ich mir Ihnen noch einen kurzen Bericht über hieſige Miſſion vorzulegen. Wir ſind in der That viel zu gering aller Barmher— zigkeit und Treue, die der gnädige Gott auch im verfloſſenen Jahre ſo reichlich uns erwieſen hat; und Ihm allein gebührt aller Dank für Lie Förderung des Werkes unſrer Hände, ſeines heil. Werkes, wozu Er ſich unſrer armen Hände in Gnaden bedient hat, auch im verfloſſenen Jahre. Wenn ich Ihnen noch vor einem Jahre ſchrei⸗ ben mußte, daß „die alten Heiden mit weniger Ausnahme noch in ihrer hergebrachten Weiſe fortgehen,“ ſo kann ich nun Ihnen ſagen, daß die Macht des Heidenthums völlig gebrochen iſt, daß eigentlich nur noch eine Familie nach her— gebrachter Weiſe lebt; alle Andern ſtehen auf dem Wege Chriſten zu werden, ode find es be— reits geworden. Wollte GOtt ich könnte ſagen, daß die Macht des Methodismus ebenſo, wie die des Heidenthums gebrochen ſei! Aber das Toben dieſer unſer Erbfeinde iſt noch das alte, und es iſt ein wunderbarer Rath GOttes, nach welchem er dieſen ſeinen Feinden — denn das ſind offenbar diejenigen Methodiſten, mit denen wir es hier zu thun haben; über andere, wit über die unter ihnen verborgenen Kinder Got⸗ tes, urtheilen wir nicht; — daß er dieſen ſei⸗ nen Feinden ſo große Macht giebt, der Ausbrei⸗ tung ſeines Reiches entgegenzuwirken, und de⸗ nen beſtändige Verſucher u. Verführer zu ſein, die auf dem Wege des Heils ſich befinden. Denn daß es hier überhaupt noch Heiden giebt, iſt ganz dieſer Schleicher Schuld; und daß es mit den jungen Chriſten ſo langſam geht auf dem Wege der Heiligung, daß ſie noch nicht zu ei⸗ nem männlichen Weſen in Chriſto herangereift ſind, iſt abermals großentheils ihre Schuld. Denn was könnte man doch von einem auch in noch ſo guten Boden gelegten edlen Samenkorn für Früchte erwarten, wenn es auch nicht einen Tag in Ruhe gelaſſen, ſondern von wilden Säu⸗ en beſtändig umhergewühlt würde, und die eben ſich anſetzenden Keime abgefreſſen? Das thun aber wirklich die Methodiſten hier, indem ſie