# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1845 12 22_S36 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 36 ler, die sich gern lehren und weisen lassen — Denn es ist auch eine solche Lehre, die da will unsere Weisheit zur Närrin machen und der Vernunft die Augen ausstechen, wo sie anders soll gegläubet und verstanden werden; denn sie kommt auch nicht aus Menschen-Weisheit, wie andere Lehre und Künste auf Erden, so aus der Vernunft geschlossen und die man wieder darein fassen kann.“ Ueber Joh. 6, 43. 44. „In äußerlichen und weltlichen Sachen, da lasse man der Vernunft ihr Urtheil. Denn da kannst du wohl ausrechnen und gedenken, daß die Kuh größer sei, denn das Kalb; ꝛc. — Nun, darinnen beweis deine Klugheit, da sei Meister und ein fein Geselle, und brauche deiner Kunst. Aber allhier, wenn es dahin kommet, wie man solle selig werden im himmlischen Wesen und in Sachen des Glaubens, da thue die Vernunft zu, halt stille, miß nicht nach der Vernunft; sondern höre und sprich: hier kann ich nimmer, es reimet sich allhier nicht. — Der Pabst spricht allhier: ich will Messe halten, Vigilien lesen, Rosenkränze beten, gute Werke thun und ein Cartheuser werden und Almosen stiften, dadurch will ich gen Himmel kommen und selig werden. Ja, wie eine Kuh in ein Mäuseloch fähret.“ — Aus der Schrift gegen Erasmus: „Derhalben ist es nicht des blöden und geringen Verstandes Schuld, daß wir Gottes Wort nicht verstehen, ja, es ist niemand geschickter, Gottes Wort zu begreifen, denn die an der Vernunft verzagen und es mit Furcht und Alberkeit suchen; denn um der Blöden und Albern ist Christus kommen, und hat den Albern und Armen sein Evangelium gesandt; sondern es ist die Schalkheit des Teufels, der in unserm schwachen Fleisch wirket, das verblendet ist und also Gott widerstrebet. — Derhalben soll man allenthalben bleiben bei den einfältigen, dürren Worten der Schrift, und ihrer natürlichen Art und Bedeutung, welche der Buchstabe oder die Grammatik, und natürliche Weise zu reden mitbringet, wie Gott die Sprache untern Menschen geschaffen hat. Denn wenn ein Jeder sollte Macht haben, aus den reinen, einfältigen Worten zu treten, und Folge und verdrehete Worte zu machen, wo er wollte; was wäre denn die Schrift anders, denn ein Rohr, das der Wind schlägt und webet?“ Hat also Luther die menschliche Vernunft in göttlichen Dingen, d. h. in Glaubenssachen, so wenig neben als über — sondern unter die h. Schrift gestellt, am allerwenigsten aber sie jemals zu einem zweiten Pfeiler des Protestantismus machen wollen; so ist offenbar, daß Hr. Weyl zur Unterstützung seiner „klaren Vernunftgründe“ dieses seines „zweiten Pfeilers“ sich fälschlich und der augenscheinlichen Wahrheit ganz entgegen, auf Luther berufen hat. Herr Weyl behauptet daher ganz mit Unrecht, daß „solche, die sich Bibel-Christen nennen,“ welche vorgäben, das Wort Gottes buchstäblich zu glauben und zu erklären, und die Vernunft ganz und gar auf die Seite setzten — daß solche „Buchstäbler“, welche sich „rühmten“, in den Fußtapfen des großen Reformators zu gehen, ihn nur in einem Falle (ohnstreitig in der Lehre vom heil. Abendmahl) zum „Spießgesellen“ hätten. Im Gegentheil hat Hr. Weyl in seinen „klaren Vernunftgründen“ in Sachen des Protestantismus, Luthern weder in dem einen, noch in andern Fällen, sondern zum wenigsten diejenigen Rationalisten, welche die Vernunft zwar nicht über — doch (was in seinen Consequenzen nicht besser ist) neben die heil. Schrift stellen, zu „seinen Gesellen“. Seine Stimme ist also keine lutherische Hirten-, sondern eine rationalistische Wolfsstimme. Gewiß würde Luther jetzt, ähnlich wie zu seiner Zeit, ausrufen: Selig ist der Mann, der nicht wandelt im Rath der „klaren Vernunftgründler,“ noch tritt auf den Weg der Zwinglianer, noch sitzet, da die Rationalisten sitzen. Was übrigens Hr. Weyl aus dem Schreiben Luthers an den Churfürst Friedrich zu Sachsen (vor seiner Reise nach Worms ausgefertigt) von „klarer Bezeichnung der Grundideen des Protestantismus“ vorbringt, ist zu erbärmlich und verworren, um darüber noch ein Wort zu verlieren. Möge doch Hr. Weyl seine Leser nicht ferner mit solchen Täuschereien, wie hier gerügt sind, hintergehen. Möge er, zu seinem Heile, bedenken, was Sprüche Sal. 19, 9. und Gal. 5, 10. geschrieben steht. F. W. Barthel, ein Laie. Was dünkt euch von Christo? „Warum nennst du mich gut? Niemand ist gut, denn der einige Gott,“ so erwiederte der HErr einst jenem Reichen, der ihn angeredet hatte „guter Meister“, ohne dies, wie Christus leicht wissen konnte, mit Bezug auf seine göttliche Würde gethan zu haben. Unsere Rationalisten echauffiren sich wie mit manch andern Redensarten, so besonders auch mit dergleichen, daß sie Christum — nicht nur gut, sondern den besten, edelsten, trefflichsten, vollkommensten, aller Tugend erhabenstes Exempel ꝛc. nennen, da sie ihn doch gleichwohl in seiner göttlichen Würde noch viel weniger anerkennen als jener; wird nun der HErr nicht wohl auch sie fragen: „was nennt ihr mich gut?“ und was wollen sie ihm auf diese Frage antworten? — — Wohlan, ihr Rationalisten, erklärt euch! was wollt ihr? Wollt ihr Christum gut heißen, nun so erkennt auch seine Gottheit an; wollt ihr dieses nicht, nun so lasset auch all euer Rühmen und Preisen seiner Vortrefflichkeit, ihr könnet leicht aus jener seiner Erwiederung abnehmen, daß ihr ihm einen schlechten Gefallen damit thut, zumal ihr obendrein eurem „trefflichsten und besten,“ so lang ihr in der Leugnung seiner Gottheit beharrt, bei allem Ruhm, womit ihr ihn so verschwenderisch überschüttet, nicht den Ruhm seines ehrlichen Namens lasset, ja ihn zum Meineidigen machet; denn da ihn der Hohepriester, sein Richter, an Eidesstatt fragte: „ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, daß du uns sagst, ob du seiest Christus, der Sohn Gottes;“ da bezeuget er ja: „du sagst's — ich bin's;“ und wer es nun doch noch etwa wollte in Zweifel gestellt sein lassen, ob Christus damit gerade seine Gottheit bezeuge, der kann, wie die Juden den Ausdruck „Gottes Sohn“ nehmen, und wie ihn also auch der Hohepriester und mit ihm JEsus selbst, dort genommen haben wird, desgl., warum sie darin eine so verdammliche Gotteslästerung fanden, aus Joh. 10, 33. sehen. Wählet also, ihr Freunde der Vernunft, zwischen diesen beiden von der Vernunft selbst dictirten Schlüssen: Niemand ist gut, als der einige Gott; / Christus ist gut; / Also — ist Christus der einige Gott; / oder / Niemand ist gut als der einige Gott; / Christus ist nicht der einige Gott; / Also — ist Christus nicht gut. H. L. C. „Sein Unglück wird auf seinen Kopf kommen, und sein Frevel auf seinen Scheitel fallen.“ Ps. 7, 17. Alexius Croßner war zur Zeit Herzog Georgs der einzige evangelische Hofprediger in Dresden. Nachdem derselbe drei Jahre hier das Evangelium lauter gelehrt und damit Hohe und Niedrige, Priester und Laien erzürnt hatte, war endlich sein Lohn, daß er angefeindet und seines Dienstes entlassen wurde. Als er nun (1527) von Dresden mit seinen Mobilien abgezogen war, begegnete ihm unterwegs der berüchtigte papistische Bibelübersetzer Emser, des Herzogs Rath und Secretär, zu Pferd, der ihm zurief: „Nun, diesen Tag sehe ich mit Freuden an, daß doch endlich einmal des Ketzers Predigen ein Ende gemacht worden. Fahr hin in's Teufels Namen, ich bleib hier.“ Croßner antwortete: „In Gottes Namen wär auch ein Wort. Ich bin vor Dir in Meißen gewesen, und werde darin bleiben, wenn du nicht mehr bist.“ Dies traf auch schnell ein. Noch an demselben Abende ging Emser zu einem reichen Bürger zu Gaste, war mit andern Gästen lustig und zechte wohl; setzte sich nach der Mahlzeit auf einen Sessel und gab hier, nachdem er schändliche Reden ausgestoßen, unter greulichen Geberden plötzlich seinen Geist auf. Rechte Gesinnung gegen in den Bann gethane Gemeindeglieder. Die Christen beweinen diejenigen als Todte und Verstorbene, die sie von sich haben absondern müssen; denn so ungestalt und angesteckt auch immer ein Glied an unserm Leibe sein mag, so thun wir uns doch allemal Gewalt an, wenn wir genöthigt sind, es abzuschneiden. Origenes. Aus Sachsen. Soeben erfahren wir aus einem Privatbriefe, daß Dr. Rudelbach, bisher Consistorialrath und Superintendent zu Glachau in Sachsen, einem Ruf nach Dänemark (seinem Vaterlande) folgen wird. Dieser Weggang läßt auf eine für die lutherische Kirche in Sachsen nicht eben günstige Gestaltung der Dinge schließen! Bezahlt: 1. u. 2. Jahrg. Hr. Flittner. 1. u. 2. Jahrg. P. Richmann. Gedruckt bei Weber und Olshausen.