# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1853 03 15_S93 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) * „ —* 2 4. aber, daß ſie nicht wiederkehren und auf die Erde zurückkommen können. Jedoch iſt auch das aus folgenden Stellen der heiligen Schrift klar: 2. Sam. 12, 23. ſpricht David von ſeinem verſtorbenen Sohne: „Kann ich ihn auch wiederholen? Ich werde — wohl zu ihm fahren, er kommt aber nicht wieder zu mir.“ In dieſen Worten läge ein ſchlechter Troſt, wenn ſie nichts weiter ſagen ſollten, als: „ich werde neben meinem Sohne begra⸗ ben werden.“ Da würde David ſehr eitele Worte führen. Alle Troſtkraft liegt in der Hoff— nung, daß David mit ſeinem Sohne der Seele nach wieder vereinigt werden wird. — Muß man nun „zu ihm fahren“ von der Seele Da⸗ vid's mindeſtens ebenſowohl verſtehen, als von der Vereinigung der Leichname im königl. Be— gräbniß; ſo muß auch das Wort: „er kommt nicht wieder zu mir“ um ſo mehr von der Seele verſtanden werden, als ja der Leich⸗ nam des Kindes noch bei David war. Iſt aber das, ſo beweiſt die Stelle, daß die Seelen der Verſtorbenen nicht auf die Erde zurück⸗ kommen. Dazu nimmt man die Stelle Hiob 7, 9. 10. „Eine Wolke vergeht und fährt da⸗ hin. Alſo wer in die Hölle hinun⸗ terfährt, kommtenicht wieder herauf und kommtenicht wieder in ſein Haus und ſein Ort kennt ihn nicht mehr.“ Von einem leiblichen Hinunterfahren in die Hölle redet Hlob nicht; die Seelen fah⸗ ren allein und ohne Leib hinab. Der Leib könnte wohl wieder in ſein Haus kommen, ja in ſeinem Hauſe bleiben; nur von der Seele behält die Stelle ihre volle Wahrheit — und beweiſt kräftig, daß die Seelen nicht wiederkommen. Dieſe zwei Stellen, 2. Sam. 12, 23. und Hiob 7, 9. 10. bezeugen deutlich und klar, daß die Seelen der Abgeſchiedenen nicht zurückkeh⸗ ren, ſie ſeien nun gut oder böſe. Außer guten und böſen kennt aber die heilige Schrift keine. Vom erſten bis zum letzten Blatt der Bibel iſt kein Gotteswort zu finden, daß es eine dritte Menſchenklaſſe hier oder dort gebe. Ueberall iſt nur von zweien, von Guten und Böſen die Rede. Wenn deßhalb böſe und gute Seelen im Tode an ihren ewigen Ort gehen, weder bö⸗ ſe noch gute zurückkehren; ſo kehren gar keine zurück — und die Erſcheinungen, welche ſich zeigen, können nicht von abgeſchiedenen Seelen berrühren. (Schluß folgt.) X m Was wir gerne haben, da muß uns keine Fäbrlichkeit hindern; wo man aber Gott gehor⸗ ſam ſein ſoll, da hindert uns eine Fliege jenſeit dem Rhein. (Luther XIX, 1712.0 Philoſophie. Göttliche Dinge aus der Philoſophie erken⸗ nin wollen, iſt, das glühende Eiſen nicht mit ver Zange. ſondern mit Fingern angreifen. (Chryſoſtomus.) —92— (Für den „Lutheraner.) Neue Leipziger Bibel nebſt den Apocryphen. Nevidirt von Dr. Hopf. Dieſe Bibel hilft einem Mangel in der lu— theriſchen Kirche ab, der zwar von den Meiſten wenig oder gar nicht beachtet wird, der aber immer gefährlicher zu werden droht. Es wei— chen nämlich die verſchiedenen Ausgaben der in Deutſchland, England und Amerika gedruckten Bibeln an unzähligen Stiellen ſo weit von ein⸗ ander ab, daß, wenn kein Einhalt geſchieht, man in zehn Jahren nicht mehr wiſſen wird, welches eigentlich die ächte unverfälſchte Ueberſetzung Dr. Luther's iſt. ö Als die letzte Originalausgabe nimmt man bekanntlich die vom J. 1545 an, die er zum großen Theile noch ſelbſt durchgeſehen hat. Al— lein ſchon die im folgenden Jahre nach Luther's Tode erſchienene Ausgabe wich von der erſteren an vielen Stellen ab (allein im Briefe an die Römer an 35 Stellen). Deßhalb und wegen noch mehrerer in anderen Ausgaben hinzuge— kommener Veränderung ſowie wegen der ſeit d. J. 1568 aufgekommenen Versabtheilung wur⸗ de die Wittenberger Ausgabe v. J. 1581 ver⸗ anſtaltet, welche nun neben der v. J. 1545 als Muſter gelten ſollte. Dennoch aber finden ſich in den Bibeln aus dieſem und dem folgenden Jahrhundert noch viele und bedeutende Ver— ſchiedenheiten bis zum Erſcheinen der ſogenann— ten Halliſchen Bibel, welche vom Freiherrn v. Canſtein v. J. 1711 an und zwar größten⸗ theils nach dem Texte der Stader Bibel beſorgt und im Waiſenhauſe zu Halle gedruckt wurde. Beiſpiellos war die Verbreitung dieſer Aus⸗ gabe; denn im Laufe eines Jahrhunderts wur⸗ den 2,171,986 ganze Bibeln und über 1 Mil⸗ lion Neue Teſtamente verkauft. Hierzu kam, daß ſich auch die meiſten der ſeit d. J. 1804 entſtandenen Bibelgeſellſchaften dieſe Halliſche Ausgabe zum Muſter nahmen und auf ſolche Weiſe die verſchiedenen Bibelabdrücke auch in weiteren Kreiſen eine gewiſſe Gleichmäßigkeit ge— wannen. Obgleich nun dieſe Ausgabe noch manche Vorzüge vor den meiſten andern Ausgaben aus ſpäterer Zeit hat, ſo enthält doch auch ſie noch manche willkührliche Veränderungen des ur— ſprünglichen Tertes von Luther's Ueberſetzung, welche nebſt einer Menge unverzeihlicher Druck— fehler, namentlich ſeit dem Anfange dieſes Jahr— hunderts, in die verſchiedenen Bibelausgaben übergingen. ö Als Beleg dafür mögen folgende Stellen die⸗ nen: In der Dresdner Bibel ſteht: 1. Moſ. 19, 9. beſſer ſtatt bas; Pſ. 74, 5. blicken ſt. blinken; Pſ. 102, 15. ſahen ſt. ſähen; Jeſ. 10, 9. ich ſt. iſt; Luc. 24, 28. weiter ſt. förder. In dem Frankfurter N. Teſt. (v. Brönner): 1. Cor. 15, 40. Herrſchaft ſt. Herrlichkeit; 2. Petr. 3, 15. Pilatus ſt. Paulus. In einer alten Hall. Ausgabe: Col. 1, 15. oper Traubenpreſſe; Joh. 7, 21. ein eige⸗ der Erſtgeborne voen ſt. vor allen Creaturen (ſo viel kommt oft auf einen einzigen Buchſt ben an; denn in dem Wörtchen von liegt dir 2 Arianiſche Ketzerei verborgen, daß Chriſtus nur eine Creatur ſei.) In einer alten Basler Bibel: Joſua 7, 21. eine goldne Zeige ſt. Zunge (eine Spangt in Geſtalt einer Zunge). In einem Neu-Yorker Neuen Teſtamenke ſteht bei Matth 5, 21. bei den Worten: „Wer mit ſeinem Bruder zürnet“ die falſche Gloſſe „o.hne Urſach,“ welche die meiſten amerika⸗ niſchen Bibelausgaben haben; Maith. 21, 33. der Hausvater grub einen Keller ſt. Kelter nes Werk ſt. einiges. Eine ſo große Verſchie denheit des Tertes in den mancherlei Bibelansgaben mußte nicht nur eine große Verwirrung bei dem Gebrauche de⸗— ſelben in der Kirche, namentlich aber in der Schule hervorbringen, ſondern auch einen ver⸗ derblichen Einfluß auf die Lehre der Bibel ſelbſt äußern; denn wenn St. Paul. 1. Cor. 1, 11. ermahnt, daß wir in göttlichen Dingen allzumal einerlei Rede führen ſollen, ſo iſt dieß um ſo weniger möglich, je mehr das jetzige Unweſen ſo verſchiedener Bibelterte überhand nimmt. Da— runw ſollten ſich alle rechtſchaffenen Lutherantr; freuen, durch die neue Leipziger Bibel in den Stand geſetzt zu werden, zu einer großern le— bereinſtimmung in dem Texte der lutheriſchen Bibelüberſetzung zu gelangen und ſo dieſes un⸗ übertroffene Meiſterwerk, dieſes koſlbare Erbſtüc der lutheriſchen Kirche erhalten und erneut zu ſeben. Der oberſte Grundſatz, nach welchem Doctor Hopf dieſe neue Ausgabe beſorgt hat, iſt dieſer: „Alle ſinnentſtellenden u. unnöthigen Aen⸗ „derungen, welche ſich an die Stelle der „urſprünglichen Lesarten eingeſchlichen ha— „ben, zu beſeitigen und den lutherſchen „Tert, ſoweit es mit den gerechten Forde⸗ „rungen der Gegenwart vereinbar iſt, wie⸗ „derherzuſtellen. Demnach hat der Herausgeber die rechte Mitſe gehalten zwiſchen der buchſtäblichen Wiederher— ſtellung des urſprünglichen Textes gemäß der Bibel v. J. 1545 und zwiſchen willkührlichen Neuerungen der ſpäteren Ausgaben. Denn ein buchſtäblicher Abdruck jener Originalausgabe würde für den Gebrauch in Kirche und Schule ganz unpaſſend ſein, indem man die alten jett ungewöhnlichen Formen oft kaum leſen, ge⸗ ſchweige denn verſtehen könnte. Da würden z. B. in dem Gleichniß vom barmherzigen Sama⸗ riter (Luc. 10, 23-37) ſolche Worte vorkom⸗ men; VND (und), Neheſter, zoch, furr⸗ ber (vorüber), Ole, Groſſchen u. dgl. Andererſeits hat der Herausgeber alle will⸗ kührlichen Neuerungen vermieden, dagegen allt wirklichen Verbeſſerungen des urſprünglichen Textes, welche ſich in den Halliſchen und ande⸗ ren Ausgaben vorfinden, beibehalten. Bei glei⸗ chem Werthe mehrerer Lesarten wurde dem Oti⸗