# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1845 12 22_S35 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 35 Derselbe Pabst sprach diesem seinen Glauben gemäß auf seinem Todtenbette zu dem Cardinal Bembus: „O wie viele Schätze hat uns doch jene Fabel von Christo eingebracht!“ (Eingesandt.) Beleuchtung des Artikels: Wort Gottes und klare Vernunftgründe zwei Grundpfeiler des Protestantismus. In der Lutherischen Hirtenstimme No. 14 d. J.*) *) Wir haben über den hier beleuchteten Artikel bisher geschwiegen, in Betracht, daß uns Hr. Weyl. da die darin zu Tage gelegten Irrthümer so handgreiflich sind, damit selbst der Mühe überhoben hat, den Augen der hiesigen Lutheraner den lutherischen Schafspelz, in welchen sich Hr. Weyl mit der Ueberschrift seiner Hirtenstimme eingehüllt hat, ein wenig lüften zu müssen. Wir nehmen jedoch das gegenwärtige Zeugniß eines wohlunterrichteten Laien mit Freuden auf, da es in jedem Falle gut ist, wenn die Leser des „Lutheraner“ hieraus ersehen, wie völlig diejenigen von dem lutherischen Glauben abgefallen seien, die die Lehre der sogenannten „luther. Generalsynode,“ deren Organ die „Hirtenstimme“ ist, billigen. — Selbst von dem methodistischen „Apologeten“ mußte sich vor kurzem die „Lutherische Hirtenstimme“ vorwerfen lassen, daß sie weder kalt noch warm sei; nun wünschen wir zwar der letzteren die methodistische Fieberhitze keineswegs, aber das wünschen wir, daß sie entweder das Wort, „lutherische“, aus ihrem lügenhaften Aushängeschild ausstreiche, oder — was Gott geben wolle! — der Wahrheit die Ehre gebe und zu werden trachte, was sie jetzt nur hat scheinen wollen. D. H. Der Herausgeber dieser sogenannten „Lutherischen Hirtenstimme“, Hr. Pastor Weyl in Baltimore, stellt in obigem Artikel das Wort Gottes und „klare Vernunftgründe“ als zwei Grundpfeiler des Protestantismus auf und behauptet, daß Luther selbst auf diese „beiden Urquellen“ des evangelischen Protestantismus gleich kräftig hingewiesen habe. Und wo und bei welcher Veranlassung soll Luther dies gethan haben? — Man höre! Auf dem Reichstage zu Worms i. J. 1521, in der weltbekannten Schlußantwort und in der Antwort, welche er am folgenden Tage dem Churfürsten zu Brandenburg gegeben hat. Was berichtet aber Luther selbst über sein Verhalten auf diesem Reichstage?! In seinem Schreiben an Kaiser Carl V., welches er nach seinem Abschied von Worms von Friedberg aus zurückgesandt, sagt er: „Ich bin noch ganz willig und bereit, mich — vor unverdächtigen, gelehrten, freien und unparteiischen Richtern, weltlichen oder geistlichen, zu stellen und vorzukommen, auf daß durch Eurer Kaiserlichen Majestät Stände des Reichs, Concilia, Doctores, oder wer da könne oder wolle lehren, und meine Büchlein und Lehren allen gerne untergeben, ihr Examen, Erkenntniß und Urtheil dulden und annehmen; gar nichts ausgenommen denn alle in das öffentliche klare und freie Wort Gottes, welches billig über alles sein und aller Menschen Richter bleiben soll.“ In seiner ausführlicheren „Beschreibung der Handlung auf dem Reichstage zu Worms“ kommen u. a. folgende Stellen vor: 1) „Darum bitte ich durch die Barmherzigkeit Gottes, Eure Kaiserliche Majestät, Chur- und Fürstl. Gnaden oder wer es thun kann — wollen Zeugniß geben, mich mit prophetischen und apostolischen Schriften überweisen, daß ich geirrt habe.“ — 2) „Weil denn Ew. K. M., Chur- und F. Gnaden eine schlechte, einfältige richtige Antwort begehren, so will ich die geben, so weder Hörner oder Zähne haben soll, nehmlich also: Es sei denn, daß ich mit Zeugnissen der heil. Schrift oder mit öffentlichen klaren und hellen Gründen und Ursachen überwunden und überweiset werde, (denn ich gläube weder dem Pabst, noch den Concilien alleine nicht, weil es am Tag und offenbar ist, daß sie oft geirrt haben und ihnen selbst widerwärtig gewest sein,) und ich also mit den Sprüchen, die von mir angezogen und eingeführt sind, überzeuget, und mein Gewissen in Gottes Wort gefangen sei, so kann und will ich nichts widerrufen; weil weder sicher noch gerathen ist, etwas wider das Gewissen zu thun. Hier stehe ich ꝛc.“ — 3) „Da bat Dr. Martin, K. M. wollte nicht gestatten, daß er gedrungen würde, wider sein Gewissen, so durch die heil. Schrift überwunden und gefangen wäre, etwas zu widerrufen ohne öffentliches Argument und Beweisung derjenigen, so dawider reden. Die Antwort, so er gegeben, wäre nicht unrichtig noch Sophistisch ꝛc.; es wäre denn, daß die Widersacher sein Gewissen, so von den Irrthümern (wie sie die heißen) gefangen, mit genungsamen Gründen der heil. Schrift explicirten und losmachten.“ — Und ferner S. 2314. 4) „Er wollte — willig und gerne — seine Bücher examiniren und erwägen lassen: allein daß solches durch Gottes Wort und heilige Schrift geschehe. Aber Gottes Wort wäre so klar und öffentlich für ihn, daß er nicht weichen könnte, er würde denn durch dasselbige bessers berichtet und gelehret. — Da er solches redete, fragte ihn der Churfürst zu Brandenburg: Ob er hätte gesagt, er wollte nicht weichen, er wäre denn mit der heil. Schrift überwunden? Antwortet Dr. Martinus: Ja, oder mit klaren und öffentlichen Ursachen und Gründen.“ — 5) „Endlich suchten sie, er (Luther) wollte doch aufs wenigste seine Sache auf Erkenntniß eines künftigen Concilii stellen. Welches Dr. Luther zufrieden war; aber mit der Condition und dem Bescheid, daß sie die Artikel, so aus seinen Büchern gezogen, dem Concilio selbst untergäben, doch also, daß darüber aus der heil. Schrift gesprochen und geurtheilet, und das Widerspiel mit derselben Zeugnissen dargethan und beweiset würde.“ 6) Die letzte Erklärung: „Er hätte nichts anderes begehret, denn daß eine Reformation aus der heil. Schrift, darum er so fleißig gebeten, vorgenommen und gemacht würde: sonst wollte er — ihm gar nichts vorbehalten, denn alleine das einige Wort Gottes, dasselbe frei zu bekennen und zu bezeugen.“ — Was war es also, worauf Luther zu Worms in seiner Verantwortung sich stützte? — Lediglich der eine und einzige Grundpfeiler, die heil. Schrift, auf deren Grund allein er die päbstlichen Irrthümer in seinen Schriften angegriffen hatte, und durch welche er allein widerlegt sein wollte, bevor er widerrufen könne. Denn was Luther mit den öffentlichen, klaren und hellen Gründen und Ursachen (die Hr. Weyl so gar gern zu bloßen „angenscheinlichen Vernunftgründen“ d. h. zu solchen Gründen, welche die menschliche Vernunft aus sich selbst, ohne göttliche Offenbarung hergibt, und diese hinwieder zu einem zweiten Pfeiler seines Protestantismus stempeln möchte) habe sagen wollen, ist unverkennbar nichts als dieses: Könne man ihm auch nicht gerade andere Stellen der heil. Schrift entgegen halten, die ihn widerlegten, so würde er sich auch dann gefangen geben (nicht etwa wenn man ihm bloße Vernunftgründe brächte, sondern wenn man deutliche Gründe vorbrächte, daß diejenigen Stellen heiliger Schrift, welche er für seine Behauptungen angeführet, gegen ihn zeugten und er sie unrichtig angewendet habe, so daß er also doch in jedem Falle nicht von der Vernunft, sondern mit Schriftstellen, entweder mit neuangeführten, oder mit seinen eigenen, die ihm besser ausgelegt würden, in seinem Gewissen gefangen wäre. Dies geht aus dem Zusammenhange obiger Stellen und insbesondere aus den Worten in der zweiten Stelle: „und ich also mit den Sprüchen, die von mir angezogen und eingeführt sind, überzeuget,“ — welche Hr. Weyl in seinem Aufsatze „klüglich“ ganz weggelassen hat — deutlich genug hervor. Denn durch das Wörtchen also zeigt Luther deutlich an, daß das Widerlegtwerden (durch helle Gründe und Ursachen), von welchem er geredet hatte, darin bestehe, daß ihm bewiesen werde, die von ihm angezogenen Schriftstellen seien nicht für, sondern wider ihn. Zum Ueberfluß geben wir dem Leser noch folgende Stellen aus Luthers Schriften zu bedenken. Ueber Ps. 119, 105. „Vernunft ist auch ein Licht, und ein schönes Licht. Aber den Weg und Fuß, der da soll aus den Sünden und aus dem Tode gehen, zur Gerechtigkeit und zum Leben, kann es nicht weisen noch treffen, sondern bleibt in Finsterniß. Gleichwie unsre Unschlit- und Wachslichter nicht erleuchten den Himmel, auch die Erde nicht, sondern die engen Winkel in Häusern, die Sonne aber beleuchtet Himmel, Erde und alles: Also ist Gottes Wort auch die rechte Sonne, die uns den ewigen Tag gibt zu leben und fröhlich zu sein. — Wer auch ein ander Licht sucht, denn Gottes Wort,“ (wie Hr. Weyl), „der findet gewiß eitel Irrwische, bei welchen viel gefährlicher gehen ist, weder in der Finsterniß selbst.“ — In der Osterpredigt über Lucas 24. „Darum ist die Schrift ein solches Buch, dazu gehört nicht allein lesen und predigen, sondern auch der rechte Ausleger, nehmlich die Offenbarung des heil. Geistes; wie wir auch in Erfahrung unserer Zeit sehen, so man aufs klärste aus der heil. Schrift den Artikel der reinen Lehre erweiset, und der Widersacher Irrthum, da es doch nichts bei ihnen hilft. — Aber zu solcher Offenbarung gehören auch rechte Schü-