# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1853 02 15_S83 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Lehren P ſtor Grabau's. —8 — Lehren der römiſchen Kirche. noch behalten haben und daber in ihnen noch Kinder Gottes oder wahre Gläubige Chriſti ge— boren werden können und geboren werden. Es ſind daher leere Deklamationen, wenn das In⸗ formatorium nicht Worte der Entrüſtung genug finden kann, an uns den gräulichen Irrthum zu ſtrafen, daß der Pabſt und ſeine Teufelsſyna— goge, alle Rotten und Sekten ꝛc. zur ollgemei⸗ nentchriſtlichen Kirche gehören ſollen. Dies zu glauben und zu lehren, fällt uns ſo wenig ein, wie Pſt. Grabau, und letzterer bürdet dies uns mit demſelben Rechte anf, mit welchem es die Jeſuiten einſt ſelbſt dem großen Theologen Mu⸗ ſäus aufgebürdet haben. Pſt. Grabau kann aber hier die Wahrheit nicht ſehen, weil ihm ſeine falſche Lehre von einer ſichtbaren ca— tholiſchen (allgemeinen) Kirche im Wege ſteht, ſonſt würde ihm das einzige Einſchränkungs— wörtlein „inſofern, inſoweit“ das Räthſel ſchnell löſen. 11. „Wie die Schmalkaldiſchen Artikel: Von der Gewalt und Oberkeit des Pabſtes dieſen Spruch Matth. 18, 17. „Sag's der Kür⸗ chen,“ alſo auslegen. „„Chriſtus gibt das höchſte und letzte Gericht der Kirchen, da er ſpricht, ſag's der Kirche. Daraus folgt nun, daß in ſolchen Sprüchen nicht allein Petrus, ſondern der ganze Haufe der Apoſtel gemeint wird.“ Aſſo ſoll das höchſte und letzte Gericht nicht der Haufen einer Ortsgemeine, ſondern der Haufe der Apoſtel, und jetzt die im heili⸗ gen Predigtamt ſtehende haben, in dem Amt, das die Bekenntniß führet.“ (Inform. II, 5. 6.) Es iſt nun freilich wahr, wie in der dritten gegenüber ſtehenden Columne zu erſehen iſt, dah das Wort Kirche für Presbyterium genommen werden kann; allein dieſes Wort be⸗ deutet dann nicht eine Verſammlung von bloßen Predigern, ſondern einen die Kirche voll⸗ ſtändig und wirklich vertretenden Körper, der nehmlich ſaus Predigern und Laien (3. B. ſogenannten Laienälteſten) beſteht. Es iſt da⸗ ber ein offenbarer Betrug, wenn Grabau, um das Befehlen des Amtes durch die Aelte⸗ ſten, wovon der Apoſtel redet, allein den Pre⸗ digern zuzuſprechen, im 2. Synodalbrief (S. 109.) Chemnitzens Worte alſo anführt: „Dies geſchah durch Ordination der Aelteſten o der Verſammlung der Prediger.“ Chemnitz ſagt an der von Grabau citirten Stelle das ge⸗ rade Gegentheil, nehmlich: „Dies geſchah durch die Auflegung der Hände des Presbyteriums oder durch die Verſammlung der Aelteſten, wel⸗ che nicht allein jene waren, die am Wort arbeiteten, ſondern auch an⸗ dere ausgewählte und ehrbare Män⸗ ner, ein Ausſchuß, denen im Namen der Hanzen Kirche die Geſchäfte, welche die Kirche betreffen, übertragen waren.“ Jeſuit I. c.) „Wenn die wahre catholiſche Kirche die wahre Kirche ſein und bleiben kann und zugleich Irrthümer im Glauben gegen die Grundartikel (Lergleichen Abgötterei und andere Gräuel ſind) öffentlich lehren, dann kann die Kirche in Betreff der Lehre zugleich Chriſti Braut und eine Hure des Teufels ſein; zugleich eine Jungfrau und eine Ehebrecherin ſein; zugleich Chriſto und Belial dienen; zugleich das Licht mit der Finſterniß verbinden; zugleich heilig und gottlos ſein; zugleich wahr und falſch ſein; zugleich apoſtoliſch und teufliſch ſein.“ (So der Schweizer Jeſuit Laurentius Fo⸗ rer in ſeiner Umbella fatuo lumini accensa p. 34.) Muſäus, der dieſe Stelle citirt, zeigt, wie jener Jeſuit die lutheriſche Lehre, daß auch eine irrgläubige Kirche in einem gewiſſen Sinne eine wahre (d. h. eine wirkliche, nicht eine Nicht-Kirche) ſei, hier verdreht; denn al— lerdings iſt, ſchreibt Muſäus, „eine Kirche, in welcher die Nichtheiligen, die öffentliche Lehre Verfälſchenden das Uebergewicht haben, eine heiligt, wahre n. nach dem Theil, welcher aus wahrhaft Gläubigen und Heiligen beſteht; ſie iſt auch eine gottloſe, falſche, teuf— liſche ꝛc. nach dem anderen Theil, der aus den Nichtheiligen, die öffentliche Lehre Verfälſchen— den beſteht, der vor dem anderen das Ueberge— wicht hat. Und darin liegt kein Widerſpruch. In der anderen Bedeutung, in welcher wahre Kirche daſſelbe iſt, was reine oder durch keine Verderbniſſe verfälſchte Kirche, kann niemand, der noch bei geſundem Verſtande iſt, in Frage ſtellen, ob eine Kirche wahr d. i. von Verderb⸗ niſſen rein ſein und bleiben und zugleich Irr— thümer gegen die Grundartikel des Glaubens lehren könne.“ (Tr. de eccl. I, 222. 223.) 11. „Zuweilen werden auch mit dem Namen der Kirche deren Vorgeſetzte und Paſtoren bezeichnet. Hört er dich nicht, ſpricht Chriſtus, ſo ſage es der Kirche; an welcher Stelle die Vorgeſetzten der Kirche (die Paſtoren) angezeigt werden.“ (Cateéchismus Romanus ex decreto concil. Trid. I, 10. Frage 9.) „Jener Kir— che wird geſagt: Was ihr auf Erden binden werdet ꝛc. Matth. 18, 18.. von der im Vor⸗ hergehenden geſagt iſt: Sage es der Kirche. Matth. 18, 17. Aber durch dieſes: Sage es der Kirche, wird ein Kirchenprälat oder ein Concil von Kirchenprälaten verſtanden.“ (So der Cardinal Bellarmin nach dem Citat Joh. Gerhard's loc. de min. §. 87.) Lehren der lutheriſchen Kirche. verfälſchten Theil des Wortes, daher auch durch ein ketzri⸗ ſches und verderbtes Predigtamt Gott Söhne und Töchtet geboren werden, wo das Werthvolle von dem Wertbloſen, das Gold von den Schlacken, das Göttliche von dem Menſch⸗ ichen genau zu unterſcheiden iſt. Die Bekehrung der Men⸗ chen durch das Wort und die Wiedergeburt durch die Tauft in der Gemeinſchaft der Ketzer iſt nicht dem Sauerteig der ketzeriſchen Meiuungen zuzuſchreiben, ſondern dem Werte ſelbſt, was den Zubörern aus den bibliſchen Büchern vorge⸗ leſen wird, und der Taufe, welche wirkſam iſt, wenn ſie auch durch Ketzer verwaltet wird, ſo ſie nur die Form der Ein⸗ ſetzung beobachten und von den weſentlichen Stücken dieſes Sacraments recht halten. Nun aber ſo weit ſich der Hauft der rechtmäßig Getauften erſtreckt, ſo weit erſtreckt ſich auch die catholiſche Kirche der Berufenen, wie durch unumſtößlicht Gründe dargethan werden kann: alſo ſind die Ketzer in ei⸗ ner gewiſſen Rückſicht noch in der Kirche.“ (Gerhand loc. de eccl. §. 59.) 11. „Wober kann Bellarmin beweiſen, daß unter den Namen Kirche in jenen Worten Chriſti: Sage es der Kir⸗ che, Matth. 18, 17. — ein bloßer Kirchenprälat odtr en Concil von Kirchenprälaten verſtanden werde? Ein bloßtt Kirchenprälat iſt die Kirche nicht .. noch iſt ein Concil von Kirchenprälaten oder Biſchöfen die Kirche, Peil zur Kircht auch die Zuhörer gehören .. Aber, ſprichſt du, es wird dit repräſentirte Kirche verſtanden, indem man ſie nicht nimmi für alle Mann für Mann, da jenes Wort: Sag's der An⸗ che — nicht von der ganzen Kirche Mann für Mann genom⸗ men werden kann. Antwort: die bloßen Biſchöfe oder Lehrenden können die Kirche nichtere⸗ präſentiren, da zu dem Begriff Kirche auch die Zuhüm gehören, aber das Presboterium kann die Kirche repräſen⸗ tiren, wozu nicht allein jene gehören, welche am Wort ar. beiten, ſondern auch die Aelteſten, die Vorſteher, welche vor⸗ geſetzt iſt, die kirchlichen Angelegenheiten im Namen der gan⸗ zen Kirche zu beſorgen. Wir geben daher zu, daß unter dem Namen der Kirche Lehrer verſtanden werden, wilct. Bellarmin Prälaten nenut, aber wir leugnen, daß dit Zu⸗ hörer ganz ausgeſchloſſen ſind, denn dertn Stelle vertretm die Aelteſten, nehmlich die vornehmeren Glieder der übrigm Kirche, welche zugleich mit dem Predigtamt das Preoͤbylt⸗ rium ausmachen oder, wie wir es in unſeren Kirchen zu nen⸗ nen pflegen, das Conſiſterium.“ (Gerhard loc. de miu. 5. 87.)