# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1853 02 01_S79 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Nachrichten aus Deutſchland. Einem uns zugegangenen Privatbriefe aus dem alten Vaterlande entnehmen wir Folgendes. Der bisher in Nürnberg unter Leitung Hrn. Katechet Bauer's beſtandenen Anſtalt zu Vorbereitung junger Männer zur Anfnahme in unſere hieſigen lutheriſchen Predigerſeminare ſteht eine weſenttiche Umgeſtaltung bevor. Es heißt hiervon in dem Schreiben: „Von allen Seiten kommen Anmeldungen von Zöglingen; Bauer hat Auswahl — und hat gegenwärtig ſehr tüchtige und begabte Leute. die Anſtalt Erweiterung und Vervollkomnung, mehr Lehrkräfte und einen größeren Horizont, als der einer Vorbereitungsanſtalt iſt, finden. Wir wollen, will's Gett, im Frübjahr die An⸗ ſtalt nach Dettelsau verſetzen, wo ſie vielleicht in den Räumen des Schloſſes eine würdige Un— terkunft findet, — eine ſelbſtändige Anſtalt zur Ausbildung von Dienern Gottes unter entwer⸗ denden Ehriſten und Heiden draus machen, — und ein praetiſch-theologiſches Predigerſeminar damit verbinden. Die Pfarrri Dettelsau mit ihren drei Kirchen und compendiöſen Verhält— niſſen eignet ſich ganz, Folie eines practiſchen Seminars zu werden. wird durch eine philologiſche Kraft erſetzt wer— den; Symbelik wird Pfr. Müller in Im⸗ meldorf übernehmen. Vielleicht treten uns ei⸗ nige jüngere Theologen zur Seite. Vor allem iſt Gottes Segen nöthig. Gefällt Sache, ſo wird ſie gehen; wo nicht, ſo ſei ſein. heil. Rame gelobt wie im andern Falle.“ „An Höfling's Stelle (in Erlangen), welcher Dr. juris und Oberconſiſtorial-Rath geworden, kommt, wie wenigſtens verſichert wird, Theodoſius Harnack aus Dorpat, eine äußerſt liebenswürdige Perſönlichkeit. An Harleß' Stelle (in Dresden) ſoll Thoma⸗ bandelt worden; auch der edle Nagel in Breslau wird genannt. Noch iſt's nicht klar. Nach Schluß der Sonode in Breslau ſtarb zu Breslau der gute Pfarrer von Eöln Nüger.— (Der lutheriſche Paſtor) Eichhorn in Baden iſt ſehr verfolgt; er iſt erſt neulich auf dem Schub von Durkach nach Kembach bei Wert⸗ heim (am Mayn) gebracht und da confinirt. worden. Auch in Naſſau werden die zwei jüngeren Pfarrer ſehr verfolgt, Frohnmül— her, jetzt nach Cöln berufen, hat erſt neulich die naſſauer Gefängniſſe und Inquiſitioneu verſucht.“ he Herold“ theikt aus dem Sonntagsblatt noch Folgendes mit: Am 22. Septbr. d. J. hat die lutheri⸗ ſche Kirche in Preußen ihre General⸗ ſonde zu Breslau abgehalten. Sie beſtand bei ibrer Eröffnung aus 76 Mitgliedern; da⸗ von gehörten 9 dem Oberkirchencollegium au, 31 waren Paſtoren, 33 weltliche Deputirte. Unter den Paſtoren befanden ſich auch Pfarrer Der „lutheriſche Brunn aus Naſſau und pfarrer Eich⸗ Entweder mußte er bei dem Zudrang ſeine Arbeit abbre⸗ chen und eine Pfarrei annehmen; oder es mußte Candidat Schubert Ihm die. Pfarreien daraus machte. Landeskirchen wurden ſeit 1848 in der luthe— riſchen Kirche in Preußen angeſtellt die Paſto— von durch den Tod, 3 durch Austritt entzogen wur— —78— horn aus Baden. Sechs Paſtoren waren nicht erſchienen, darunter Paſtor Haver von Nade vor'm Wald und Paſtor Haſert; von dem ſpäter. Als Gäſte nahmen Theil die Meklenburger Frhrr. v. Maltzan, Frhrr. v. Wartenberg und Benzlinz die Bayern Stadtgerichtsaſſeſſor Hommel aus Erlangen und Pfarrer Fiſch er von Artelshofen; Paſtor Meinel aus Hamburg; Candidat Volk— Imann aus Sachſeu, und ſpäter noch Profeſſor Dr. Kahmis aus Leipzig .. . . Im Jahre 1848 war die letzte Generalſynode gehalten worden. Da umfaßte die lutheriſche Kirche in Preußen 32 Parochien oder Pfarreien; ſeitdem iſt ſie auf 48 Pfarreien angewachſen. Von die— ſen gehören 44 zu den beſtehenden 7 Diöceſeu, nämlich, zur Diöceſe Bres hau 7, zur Diö— ceſe Liegnitz 7, zur Diöceſe Miliſch 5, zu Thorn gleichfalls 5, zu Trieglaff 6, ebenſo zu Wollin 6, und zu Berlin 7 Pa⸗ rochien. Die übrigen fünf zu keiner Diöceſe gehörigen Parochieen ſind: Erfurt, Rade vor'n Wald, Cöln, und die Parochien der Paſtoren Brunn und Cichhöorn in Naſſau und Baden. Doch ſind von den neu er— ſtandenen Parochien nur 4 wirklich neu ange— wachſen, nämlich Reinswalde, Rade und die Naſſauer und Badener, die andern zwölf ſind dadurch entſtanden, daß man ſie von andern. frühern Parochien abtrennte und ſelbſtſtändige Aus lutheriſchen ren Crome, Weiker, Rüger, Lohmann, v. Kienbuſch und Düll, und die Hilfs⸗ prediger Räthjen, Kornmann, Ebere, Frohnmüller, Semm u. Hacker. Aus der unirten Landeskirche Preußens aber haben ſich an ſie angeſchloſſen die Paſtoren Bür ger, Piſtorius, Karbe, und Haver, und aus andern unirten Kirchen Deutſchlands die Pa— — „ „, ſtoren Brunn und Eichhorn, der Predi⸗ ſius kommen; wenigſtens iſt mit ihm unter⸗ ger Meiſchel und die Candidateu Hoſäus, Schick und Frommel. Das macht im Ganzen einen Zuwachs von 22 Hirten. Da— gegen hat ſie in dieſer Zeit auch einen Verluſt 7 Seelſorgern erlitten, von denen ihr 4 den. Was die Agendſache anbelangt, — — ſo ward beſchloſſen, daß man die neue Agende, deren Erſcheinung die mit Fertigung derſelben beauftragte Commiſſion in baldige Ausſicht ſtell⸗ te, wenn ſie die Prüfung beſtanden, den Ge⸗ meinden zur Annahme em pfohlen, nicht bee⸗ fohlen werden ſollte, und daß man es ebenſo mit der im Druck begriffenen zweiten Ausgabe von Löhe's Agende halten wolle. Auch ein neues Geſanng buch iſt im Werk und ſoll gleichfalls, wenn es fertig vorliegt, vom Ober- kirchencollegium geprüft, unn wenn es probe⸗ haltig erfunden, den Gemeinden empfohlen werden. Das iſt gewiß auch das allein Rich⸗ tige; denn wenn das Werk den Meiſter lobt, empfiehlt ſich's auch von ſelbſt und .... dringt durch. Wo aber auch nicht, ſo iſt's laut Art. VII. der Augsb. Confeſſion „genng zu wahrer Einigkeit dertchriſtlichen Kirche, daß da eintrch⸗ tiglich nach reinem Verſtand das Evangelium gepredigt und die Sacramente dem göttlichen Worte gemäß gereicht werden; und iſt nicht noth zu wahrer Einigkeit der chriſtlichen Kirche, daß al— lenthalben gleichförmige Ceremonien, von Men⸗ ſchen eingeſetzt, gehalten werden.“ Unter dem Schirme ſolcher wahrhaft evangeliſcher Freiſin— nigkcit gedeiht auch neben der wahren Einigktil wahrhaft chriſtliches Leben immer beſſer und ſchöner und jene wird auch immer mehr in den äußern Verhältniſſen zur Erſcheinung kon⸗ men ... . . Endlich haben die häufigen Klagen über den Zuſtand der Lauigkeit, die faſt aus al⸗ len Gemeinden erſchallten, eine tigene Commiſ⸗ ſion zur Hebung des innern Lebens in den Gemeinden hervorgerufenz auf deren Antrag dann ein „Anſchreiben an die Ge⸗ meinden“ von der Synode beſch loſſen wunt, um ſie durch Gottes Gnade zur Erneuerung im Leben, das aus Gott iſ, zu erwecken. Dieſt geiſtliche Seuche, die in unſern Tagen übtrall im Finſtern ſcheicht und das Herz und Mark der Gemeinden anfrißt, zeigt ſich alſo auch dort wit bei uns und ſieht faſt aus wie ein Gericht Got⸗ tes über unſere Zeit, um deſſen gnädige Abwen⸗ dung, wer noch einen Odemzug in der Setlt hat, ſeufzen und flehen ſollte. Bald nach Beendigung der Synode erlitt ſelbe einen herben Verluſt. Paſtor Rür von Cöln erkrankte noch in Breslau am Nerptn⸗ fieber und erlag demſelben nach wenigen Tagen. Es iſt in ihm ein begabter Diener der Kircht, ein treuer Knecht Gottes, ein tapferer Streiter Chriſti in der Hälfte ſeiner Tage nach Gottes wunderbarem Rath hinweggenommen, und nicht nur die Gemeinde in Cöln hat Urſache, über ſeinen Hingang zu trauern. So ſchmery lich aber dieſer Verlnſt iſt, ſo traf die Synodt und mit ihr die ganze Kirche doch noch ein haͤr— terer und empfindlicherer Schlag durch den Ab— fall des Paſtors Haſert aus Bunzlau zur römiſchen Kirche. Schen etliche Tage vor demn Schluß der Synode ſtellte ſich dieſer ihr vor und erklärte, auf die Theilnahme an der Syn⸗ de verzichten zu wollen, ja, er ſtellte ſich eigeut⸗ lich zu einer Unterredung, indem er geſonnen ſei, zur römiſch-katholiſchen Kirche überzutreten “ Daß er ſchon ſeit längerer Zeit von der rön“ ſchen Kirche innerlich angefochten werde, war eilichen ihm näher ſtehenden Perſonen berciis bekannt, auch von ſeinen Vorgeſetzten war deß— wegen ſchon ziemliche Zeit vorher mit ihm da— rüber ernſtlich und ausführlich geſprochen wor⸗ den. Nach dieſen Geſprächen ſchien er beruhiſ— ter, und als man ihn ſpäter wieder über ſeinen inuern Zuſtand beftagte, erklärte er, ſein Amt laſſe ihm keine Zeit, der Sache nachzugehen; ſo hoffte man denn, die Macht der Aufechtung ſci gebrochen und er werde ſie allmählich ganz über⸗ winden. Auch aus ſeinen Gemeinden hörnt man keinerlei Klage über ihn. So ſehr man daher einestheils auf einen ſolchen Schritt be— Peſtor Kaſert vorbereitet war, ſo ſehr war . man dennoch anderntheils überraſcht, abs er vor der verſammelten. Sonode jene Erklärung ab⸗