# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1853 02 02_S76 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Straße durch die Stadt, in welcher Alles zu der Zeit noch eine feierliche Stille hitlt, zu dem Kircklein wallfahrten zu ſehen. Angekommen bei demſelben wurde unter Be⸗ gleitung heller Poſaunen der Lobgeſang: Nun danket alle Gott ꝛc. angeſtimmt. Unter dem 3. Verſe wurde die Thür geöffnet — und es folgte mir der Zug in das Kirchlocal. Daſſelbe war feſtlich geſchmückt. Draußen vor der Thür ſtan⸗ den 2 ſchlanke Cedern. Die Wände, Kanzel und Altar waren mit Laubgewinden und von! allerlei ſchönen Vlumen gewundenen Guirlan⸗ den behangen. Die Kanzel, nach deutſcher Art gebaut, und der Altar, auf dem ein Crucifix zwiſchen Blumen und Kerzen ſteht, gewähren beide einen wohlthuenden Anblick. Die Altar⸗ wand bot dem Eintretenden die Worte zu leſen dar: „Ehre ſei Gott in der Höhe.“ — Wäh— rend ſich nun Alles in den Bänken ordnete — jeboch war die Zahl der Feſtgäſte ſo groß, daß Viele draußen ſtehen bleiben und durch die ge— öffneten Fenſter und die offen ſtehende Thür zu⸗ hören mußten — legte ich nach einem ſtillen Gebete zum HErrn die Bibel und die Agende auf den Altar nieder und ordnete die von den Vorſtehern an den Stufen des Altars mir gereichten Abendmahlsgeräthe auf demſelben. Nachdem ich dann das Weihegebet geſprochen hat⸗ te, hielt ich am Altar über 1. Moſ. 28, 17. „Wie heilig iſt dieſe Stätte ꝛc.“ eine Einweihungsrede und verband mit dieſer unter beſonderer Anwen⸗ rung der Stelle auf das Amt der Schlüſſel die Beichtrede. Nach der Ertheilung der Abſolution an die öffentlich Beichtenden — die beiden er⸗ wähuten Herren Paſtoren hatten mit mir vor⸗ her in der Privatbeichte die Privatabſolution empfangen — begann der Gottesdienſt, wie hier gewöhnlich, jedoch dieſes Mal mit Auslaſſung des Kyrie — ſiehe darüber „Lutheraner, Ihrg. 8., Nro. 20.“ — Als Hauptgeſang wurde das Kirchweihlied geſungen: „Dreifaltig heilig großer Gott.“ Vor dem Glauben führte das Sänger⸗ und Muſikchor der Geme inde zu Bal⸗ timore mit erfreulicher Fertigkeit ein Muſikſtück, das Te Deum von Mozart, auf. Nach dem Glauben folgte die ſo lehrreiche, wie erbauliche Predigt des Hrn. Pſt. Keyl über das Sonn⸗ tagsevangelium und zwar ſtellte er aus demſel⸗ den dar: das Bild des Phariſäers und Zöll⸗ ners als einen Spiegel für Alle, die in das Haus des HErrn gehen: 1. ihr Hingang in den Tempel, um zu beten, 2. ihr äußerliches Leben und ihres Herzens Zuſtand, 3. das Ur⸗ theil Gottes über ſie und ihre Rückkehr. — Nach der Predigt folgte die Feier des hl. Abend⸗ mabhls. Die Conſecration wurde von mir voll⸗ zogen, indem ich nach der Präfation das Vater Unſer und die Einſetzungsworte ſang. Die Ge— meinde antwortete auf die Präfation mit dem. „Heilig;“ auf das Vater Unſer mit dem,, Schluß deſſelben;“ auf die Einſetzungsworte mit „Chri⸗ ſte, du Lamm Gottes.“ Meine beiden lieben. Amtsgenoſſen empfingen mit mir zuerſt den Leib und das theure Blum unſers HErrn; da⸗ rauf die Gemeindeglieder. Nachdem die Dank⸗ —75— meinge geſungen war, endete der Vormittags⸗ gottesdienſt mit dem Geſange Nro. 12. und mit ſtillem Gebete. Nachmittags verſammelte ſich die Gemeinde wieder in großer Anzahl. Nach einem Geſange mit gleicher Begleitung der Poſaunen, wie am Vormittag, hielt der Herr Paſtor Sommer eine inhaltreiche und erweckliche Katechismuspredigt über das dritte Hauptſtück. Es folgte nach der⸗ ſelben ein Vers; nach deſſen Beendigung wurde der Geſang No. 328 angeſtimmt. Es ſollte nämlich eine Trauung folgen und zwar die des Hrn. Paſtor Sommer mit ſeiner kurz vorher von Deutſchland geksmimenen Braut. Der Hr. Pſt. Keyl, der auf meinen Wunſch die Copulation übernommen, legte in der Traurede den Verlob⸗ ten aus Joh. 2, 1—11 dae Bild eines chriſtli⸗ chen und von Chriſto geſegn eten Ehe- u. Haus⸗ ſtandes dar, und zwar in der Weiſe: 1. Chri⸗ ſten bitten Chriſtum zu ſich und er kommt zu ih⸗ nen; 2. ſie richten ihr Thun nach ſeinem Wort und er läßt es ihnen gelingen; 3, ſie klagen ihm ih— re Noth und er hilft ihnen. Nach der vollzoge⸗ nen Trauung wurde das Tauflied No. 189 ge⸗ ſungen, worauf die heilige Taufe an einem Kindlein von ntir verrichtet wurde. Eine Dank⸗ collecte, der Segen und ein dreimaliges Amen darauf von der Gemeinde geſungen, wie dar— nach ein Schlußvers mit ſtillem Gebete ſchloß die Feier des Freudeufeſtes. So war denn unſer Kirchloral feierlich einge— weiht. Ich neune es Kirchlocal, weil daſſelbe das untere Stockwerk eines doppekten Hauſes iſt. Dieſes letztere iſt von einem Gemeindeglie⸗ de erbaut, und in demſelben von ihm aus Liebe und Daukbarkeit gegen unſere lutheriſche Kirche das untere Stockwerk zu dem bewußten Zwecke, wie auch die eine Hälfte des oberen Theiles zur Wohnung des Predigers der Gemeinde auf ein paar Jahre unter billigen Bedingungen einge⸗ räumt. Die eigeutliche Kirche ſoll auf dem, neben dem bezeichneten Hauſe gelegenen, von der Gemeinde gekauften Platze werden. Möge der liebe Gott dazu bald helfen und möge er überhaupt mit Seiner Gna⸗ de Sein Werk hier fördern an Erwachſenen, wie an den Kindern. Die letzteren werden in einer jetzt nicht geringen Anzahl —und Gott gebe, daß ſich dieſelbe wirklich nicht unbedeutend vermehrt, wie es den Anſchein dazu hat—in einem von dem Erbauer des erwähnten Hauſes hinter dem letzteren errich teten Schulzimmer während der Woche unterr ichtet. Der HErr mit Ihnen und Ihrem, Ihnen hochachtungsvoll ergebenen W. Nardmann. Waſhington, 1852. “ Indianapolis den 7. Decbr. 1852. Hochwürdiger Herr Präſes! Mit herzlicher Freude theile ich Ihnen hier⸗ durch folgende kirchliche Nachricht mit: Die deutſche evangel. lutheriſche St. Johan⸗ nes⸗Gemeinde in Warrentownſhip, Marion Co., Ja., weiche erſt im letztverwichenen Som⸗ mer als eine kirchlich geordnete Gemeinde auf tollette und der Segen, wie das Amen der Ge⸗ Giund des Belenntniſſes unſrer Kirche zuſam⸗ erbaut mengetreten iſt, hat nun auch das hl. Predigt⸗ amt unter ſich aufgerichtet, indem ſie den Paſtor E. A. Schürmann, welcher bis letzwerfloſſenen September die ehemalige deutſche evang. luth. Gemeinde in Hancock Co., Ja., bediente, zu ihrem geiſtlichen Hirten und Seelſorger ordent⸗ lich berufen hat. Derſelbe iſt ſodann, Ihrem Auftrage gemäß, am Donnerſtage nach dem 24. Sonntage n. Trinit., als am 25. November, von mir unter Aſſiſtenz des Paſtors Fr. Schu⸗ mann, nach Ordnung und Brauch unfſerer Kir⸗ che, mit Verpflichtung auf ſämmtliche Bekennt⸗ nißſchriften unſerer theuern Kirche, feierlich in ſein Amt eingewieſen worden. An demſelben Tage wurde auch die von der Gemeinde neuerbaute Kirche eingeweiht. Pa⸗ ſtor Schumann hielt die Weihpredigt, über 1. Moſ. 28, 17., darauf folgte die Einführung und endlich die Feier des hl. Abendmahls, als der Schluß und die Krone des Ganzen. Ob⸗ wohl nun das Wetter überaus unfreundlich war und man die Wege nur mit Mühe paſſiren konnte, ſo hatte ſich doch die Gemeinde ſehr zahlreich verſammelt und auch eine ziemliche Anzahl unſerer Glaubensgenoſſen aus der Um⸗ gegend hatte ſich eingefunden, um an dem Freu⸗ denfeſte der Gemeinde Theil zu nehmen. Der gnädige und barmherzige Gott, der bis hierher ſo ſichtlich geholfen, wolle an dieſer jun⸗ gen Gemeinde ſich auch fernerhin als ihr guter und treuer Hirte beweiſen und Seinem Uunter⸗ hirten, unſerm lieben Bruder Schürmann, ver⸗ leihen, daß derſelbe ſein heil. Amt in der Liebe Chriſti fleißig ausrichte und viele Frucht bringe für's ewige Leben. Amen. In aufrichtiger Liebe nnd Hochachtung Ihr Carl Fricke. Einweihung der Evangel. Lutheriſchen St. Jo⸗ hannis Kirche in Philadelphia. Am 3. Advent, dem 12. Dercember, haben wir unſere Johannis Kirche eingeweiht. Mor— gens predigte Herr Pfarrer Brohm von New Nork aus Apoſtelgeſch. 2, 37 — 47: „welches der rechte Schmuck einer chriſtlichen Kirche ſei; nemlich: 1. die lautere Lehre des Wortes Got⸗ tes; 2. der gottſelige Wandel der Gemeinde⸗ glieder.“ Nachmittags hielt ich ſelbſt die Ka⸗ techismuspredigt aus 2. Timoth. 3, 15—17 und knüpfte daran die Kinderlehre. Abends predigte Herr Pſt. Keyl von Baltimore Mai⸗ thäi 11, 2-10.: „Das Zeugniß unſeres Herrn Chriſti von ſich ſelbſt und Sein Zeugniß von Johannes dem Täufer.“ Die Gottesdienſte, zu welchen recht viele Zuhörer gekommen wa⸗ reu, werden ja wohk in Bieler Herzen dem Herrn den Weg bereitet haben. Gott ſei Dank für Alles! — Gatt hat uns nun ein freund⸗ liches Kirchlein geſchenkt, nachdeur win o man⸗ ches Jahr in verſchiedenen, zuletzt ſogar in ei⸗ nem unterirdiſchen Raume Gattesdienſt und Schule gehalten hatten; Er hat es auch recht lieb lich ausgeſchmückt, ſo daß Jedermann es mit