# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1852 11 28_S56 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ö ſeiner Lehre. Lehre haben gelten laſſen wollen, Paſtor Grabau eine Lobrede zu halten. Da der letztere dieſe Liebe dem erſteren bereits auch im „Informatorium“ erwieſen, ſo mag wohl der Schreiber gedacht haben: „Eine Liebe iſt der anderen werth.“ Uebrigens gönnen wir Herrn Pſt. Graban von Herzen Lob, wo ihm ſolches gebührt. Wir haben es nicht ſowohl mit ſeiner Perſon zu thun (obgleich er ſelbſt ſich ſammit ſeinen Genoſſen ſo viel mit unſerer Perſon zu ſchaffen macht), als vielmehr mit Auch wollen wir Pſt. Winkler gern zugeſtehen, daß es ihm mit Pſt. Grabau ähnlich ergangen ſein mag, wie uns einſt mit Paſtor Stephan, den wir auch ganz anders fanden, als das Gerücht ihn ſchilderte, und der auch zu ſeiner Zeit als ein wahrer Knecht Gottes zu Nettung vieler hundert, vielleicht vie⸗ ler tauſend Seelen mit bewunderungswürdiger Treue gewirkt hat, deer aber doch in falſche Lehr e fiel!“) 4. Der vierte Aufſatz iſt von Herrn von Rohr, deſſen Bekanntſchaft unſere Leſer bereits in dem Handel vom ungerechten Bann gemacht haben. Der Aufſatz heißt: „Warnung vor Jeſuiten.“ Natürlich meint der liebe Herr mit ven Jenſuiten unſere Wenigkeit. Weil wir nehmlich vor einigen Jahren ſelbſt die Stellen aus Luther's früheren Schriften vom ungerech⸗ ten Bann, auf die ſich die Buffalver ſteifen, damals allerdings ohne die nöthige Unterſchei⸗ dung, im „Lutheraner“ mitgetheilt, dieſelbe aber jetzt nicht mehr als Luther's ſtets beibehaltene ſo ſollen und müſſen wir nun ein Jeſuit ſein. Herr von Rohr hat nicht bedacht, daß man auch von ſei⸗ nen Feinden lernen kann und ſoll. Luther nennt bekanntlich die Chriſtenfeinde die Schleif⸗ ſteine der Chriſten, und Arnd ſoll in ſeiner Sa⸗ criſtei jedesmal, wenn in den Kirchengeſängen eine Stelle vorkam, in welcher der Feinde ge⸗ dacht wurde, ſein Käppchen abgenommen und dem lieben Gott für das viele Gute gedankt haben, was Gottes Fügung erwieſen hatten. Wir geſtehen, daß auch wir, wenn wir der Buffaloer geden⸗ ken, Urſache genng finden, unſer Käppchen ab⸗ zuziehen. Dadurch zum Beiſpiel, wie die Buf⸗ faloer die frühere Lehre Luther's vom ungerech⸗ ten Bann ausgebeutet haben, ſind wir heilſam aufgeweckt worden, in der Lehre Luther's über dieſen Punkt jetzt beſſer die frühere und ſpätere Zeit zu unterſcheiden, als wir's vor einigen Jahren gethan haben. Uebrigens nimmt uns doch Wunder, wie Herr von Rohr, als ein alter Kriegsmann, die Sache ſo naiv behan⸗ deln kann. Wir haben ihm ſo klar ſeinen Irr- thum und ſeinen Frevel gerade in Betreff der Lehre Luther's und der lutheriſchen Kirche vom ungerechten Bann nachgewieſen, daß kein Zwei⸗ fel darüber mehr Raum hat, und er ſtellt ſich, *) Es verſteht ſich von ſelbſt, daß wir Pſt. Grabau nit Pſt. Stephan in Betreff deſſen ſpäter offenbar gewor⸗ denen unmoraliſchen Lebens keinesweges vergleichen wollen, obgleich un s der fanatiſcht Grabau in ſeinem unchriſtlichen Lifer ohne ſolche Einſchränkung Stephan an die Seite ge⸗ ſetht hat. ihm die Feinde wider Willen durch ̃—5 als wäre er eben wieder vom Himmel gefallen und wüßte daher gar nicht, daß gegen ihn wäh⸗ rend ſeiner Abweſenheit gerade in Betreff dieſes Punktes geſchrieben worden ſei! Zwar hat er das Datum : „16. September 1852,“ unter ſeinen letzten Aufſatz geſetzt; wir wollen jedoch nicht hoffen, daß das wieder eine Hinterthür ſein ſoll! 5. Der fünfte Aufſatz iſt eine Einſendung des Kirch-Vorſtandes der Gemeine zu Mar⸗ tinsville, darin derſelbe, wie die Herrn Buf⸗ faloer pflegen, alles, was Herr Paſtor Krauſe der Martinsviller Gemeinde im „Lutheraner“ erwiedert hatte, ohne Beweiſe für lauter Lügen erklärt. Die Schreiber beklagen ſich zugleich, daß ſie dieſe ſeinſollende Widerlegung des Krau⸗ ſiſchen Aufſatzes auch an die Redaktion des „Lutheraner“ zur Aufnahme in dieſes Blatt eingeſendet, aber nicht einmal eine Amwort da⸗ rauf erhalten haben. Die Sache verhält ſich allerdings alſo. Allein wir fragen jeden, der auch nur nach den Regeln der Vernunft und gemeinen Gerechtigkeit urtheilen kann: Iſt es nicht rein unſinnig, von einem Redakteure zu verlangen, daß er eine Entgegnung aufnehme, die nichts enthält, als Schimpfreden und unbe— wieſene bloße Ableugnung des Thatbeſtandes von Seiten der angegriffenen Parthei? Konn— ten wir das Anſinnen der Einſender, eine ſol⸗ che Entgegnung aufzunehmen, für etwas an⸗ reres anſehen, als für Spott und Hohn, dem wir nichts beſſeres als Schweigen entgegen— ſetzen könnten? Die Schreiber rufen freilich aus: „Da ſieht man, wie man der Gemeine ihr Recht zugeſteht“ — allein, wer die han— delnde „Gemeine“ bei den Herrn Buffaloern iſt, das wiſſen wir leider l, nur zu gut, als daß wir uns durch ſolche Seitenhiebe getroffen füh— len und ein heiliges Gemeinderecht verletzt zu haben überführt werden ſollten. So geht es, erſt tritt man die Gemeinderechte mit Füßen, wenn aber die verführte Gemeinde die Schande ihrer falſchen Hirten zudecken und die von ihnen gedrehten Bolzen verſchießen ſoll, dann wird auf einmal von Gemeinderechten geredet. 6. Zuletzt gibt das „Informatorium“ noch etwas zur Ergötzung ſeiner Leſer, was wir ganz mittheilen wollen. Es heißt nehmlich in dem letzten Aufſatz: „Amerika iſt ein Land der ſon— derbarſten Begebenheiten. Ein ſtephaniſtiſcher Paſtor hört angeblich auf, es zu ſein; wird dann Profeſſor am Concordia-College in St. Louis in Miſſouri, und jetzt iſt er Willens Fuhrmann eines Beiwagens zu werden, der neben dem „„Lutheraner““ fährt. Sie transit gloria mundi (ſo vergeht der Welt Ruhm). Die Synode von Miſſouri ꝛc. ſcheint demnach ſich in einen Verein von Fuhrleuten verwan— deln zu wollen, eine Wandlung, die den Ovi⸗ diſchen wenig nachgeben und am beſten zeigen möchte, wie ſie das göttliche Predigtamt achtet. Cor. 1, 15.“ — Ueber dieſen Aufſatz bedarf es nicht vieler Worte. Derſelbe zeigt auf's neue, daß die Herrn Buffaloer uns für's Leben gern irgendwie bewegen möchten, mit den verſproche⸗ nen Geſchichten von ihrem Treiben und Weſen zu Hauſe zu bleiben, daß ſie es aber ziemlich ungeſchickt anfangen, ihren Zweck zu erreichen. Mit ſolchen albernen kindiſchen Poſſen verra⸗ then ſie nur, was ſie für Waffen gebrauchen müſſen, um dem Eindruck, den ſie von der Of⸗ fenbarung der Wahrheit fürchten, ſchon im voraus zu begegnen. Wir erinnern übrigens nochmals daran, daß die Herrn Buffaloer nicht geruht haben, mit immer neuen, immer unge⸗ ſtümeren Herausforderungen uns zu beſtürmen, bis ſie uns das Verſprechen, ihre ungerechten Banne und hierarchiſchen Praren aufzudecken erpreßt haben, und daß ſie nun, da wir mit Widerwillen, durch ſie dazu genöthigt, daran gehen, uns unaufhörlich ſchon pränumerando, ehe die Darſtellung erſchienen iſt, Lügner, Ver⸗ leumder u. dgl. nennen. Gott ſehe darein! — Nachdem nun die letzte Nummer des „In⸗ formatorium“ faſt lediglich ſich mit uns, wie berichtet, beſchäftigt hat, ſo gibt ſelbige zu aller— letzt noch folgende Anzeige: „Wir haben ange— fangen das Informatorium monatlich zweimal erſcheinen zu laſſen, in der Hoffnung, daß ſich die Subſceribentenzahl bedeutend vermehren und alle fleißig im Voraus bezahlen würden; dies iſt aber nicht in dem Maaße, wie es zur Ausfüh⸗ rung der Sache zu wünſchen war, geſchehen. Wir ſind daher, wiewohl ganz ungern, genö⸗ thigt, es wieder ein mal monatlich heraus⸗ zugeben“ u. ſ. w. Wir theilen dies nur mit, ohne gegen unſern Herrn Gegner von dieſer Thatſache Gebrauch zu machen, aber wir kön— nen nicht umhin, dem Gewiſſen derſelben hier— bei wenigſtens die Frage vorzulegen: Was würden ſie wohl thun, wenn es dem „Luthe⸗ raner“ ſo erginge, wie gegenwärtig dem „In⸗ formatorium?“ Würden ſie nicht, aus vorlie⸗ genden Analogicen zu ſchließen, ausrufen: „Se⸗ het ihr hier nicht, wie Gottes Gericht den „Lu⸗ theraner“ bereits ereilt?“ Kirchliche Nachricht. Am 24. October wurde mein lieber Bruder, Wilhelm Auguſt Fick, in der Imma⸗ nuels-Kirche zu St. Louis von dem Präſes unſerer Synode, Herrn Paſtor Wynecken, unter Aſſiſtenz des Herrn Profeſſor's P. Walther und der meinigen vor der verſammelten Gemeinde feierlich ordinirt, nachdem er den Mittwochen vorher ein Colloquium beſtanden hatte. Mein Bruder hat in Deutſchland die Gymnaſien zu Verden und Hildesheim beſucht und darauf in Göttingen Theologie ſtudirt. Bon der Liebe zu unſeren verlaſſenen luthe⸗ riſchen Glaubensgenoſſen in dieſem Welttheile gedrungen, verließ er dieſen Frühling unter den Segenswünſchen unſerer theuren Eltern das Vaterland, um hier der Kirche des Herrn zu dienen. Und der Herr rief ihn auch bald in ſeinen Weinberg. Nachdem er hier, in Perry County und an einigen anderen Orten die Brüder beſucht hatte, erhielt er einen Ruf aus weiter Ferne. Es hatte ſich nämlich im fernſten Weſten, in Holt⸗-Connty, 65 Meilen weſtlich von St. Joſeph in Miſſouri, eine kleine luthe⸗ riſche Gemeinde gebildet, welche noch dieſen