# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1852 11 28_S54 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) rrre nern hartnäckig verharren; ſondern auch 2. darum nicht, weil ſie auch die Pflicht haben: ſich zu denen zu halten, welche treulich bei Gottes Wort blei⸗ ben umd den wahren Glauben rein und lauter bekennen. Ihr werdet mir ja alle zugeſteben, wer zur wahren unſichtbaren Kirche gehören will, der nuß ein rechtſchaffener Chriſt ſein. Ihr werdet mir aber auch das zugeſteben, wer ein wahrer Cbriſt ſein will, der muß mit ganzem Ernſt be— müht ſein, nicht nur zu unterlaſſen, was Gott verboten, ſondern auch zu thun, was er gebo— ten hat, und nicht nur das zu meiden, was für ihn und Andere ſchädlich und verderblich, ſon— dern auch darnach zu trachten, was ihm und Anderen nützlich und heilſam iſt! So gewiß aber dies iſt, ſo gewiß hat auch der, welcher zur wahren unſichtbaren Kirche gehören will, die heilige Pflicht, ſich, wo er kann, zur recht⸗ gläubigen ſichtbaren Kirche zu halten. Und zwar erſtlich: weil dies eben Gottes kla— rer und deutlicher Befehl iſt. Nach Gottes Wort ſoll nehmlich der Menſch nicht nur den rechten Glauben im Herzen tragen, ſondern den— ſelben auch mit dem Munde und mit der That bekennen. „Wer mich bekennet vor den Menſchen, den will Ich bekennen vor mrinem himmliſchen Vater. Wer mich aber verleugnet vor den Menſchen, den will Ich verleugnen vor meinem himmliſchen Vater.“ So ſpricht Chri⸗ ſius, und St. Paulus ſetzt hinzu: „So man von Herzen glaubt, ſo wird man gerecht; und ſo man mit dem Munde bekennet, ſo wird man ſelig.“ Wer ſich aber der rechten Jünger Chriſti ſchämt, der ſchämt ſich auch Chriſti ſelbſt. Daher ruft Paulus ſeinem Timotheus zu: „Schäme dich nicht des Zeugniſſes unſers HErrn, noch meiner, der ich ſein Gebun⸗ dener bin.“ 2. Tim. 1, 8. Wer daher zur wahren unſichtbaren Kirche gehören will, der bekenne ſich auch zu denen, welche den Glauben vieſer unſichtbaren Kirche bezeugen. Hierzu kommt nun noch dieſes: Sobald einſt die ein— zelne Familie Adam's in mehrere Familien ſich geſpaltet hatte, ſo heißt es auch ſchon, nehmlich zu Ende des 4. Cap. im 1. Buch Moſis: „Zu derſelbigen Zeit fing man an zu predigen von des HErrn Namen.“ Um dieſe Zeit ſetzte nehmlich Gott neben dem Hausvateramt das Amt der öffentlichen Predigt ſeines Wortes ein. Und von dieſer Zeit an hat Gott dieſes Amt nicht nur durch alle Jahrtauſende der Weltzeit hindurch mächtig erhalten, ſondern auch von Zeit zu Zeit immer auf's Neue als ſeine heilige Stiftung bezeichnet, beſiegelt und beſtätigt, und allen denjenigen ſeinen Zorn und ſeine Ungnade verkündigt, welche die von ihm berufenen, ge— ſendeten und eingeſetzten Verkündiger ſeines hei⸗ ligen und reinen Wortes nicht annehmen und boͤren würden. Klar und deutlich hat daher Gott durch Einſetzung und Erhaltung des hei⸗ ligen Predigtamtes bezeugt, daß es nach ſeinem heiligen Willen nicht nur ein unſichtbares Reich ſeiner Kinder auf Erden, ſondern daß es auf Erden auch eine ſichtbare Kirche geben ſolle, —53— ſichtbare geordnete Gemeinden, in deren Mitte ſein Wort öffentlich rein und lauter verkündigt und die Siegel dieſes Wortes, die heiligen Sa⸗ cramente, nach ſeiner Einſetzung treu und un— verfälſcht verwaltet werden. Nach Gottes Wil— denen verkündigt werden, welche es noch nicht gehört haben, in der ganzen Welt: auch über⸗ all, wo Kinder Gottes zuſammenwohnen, ſoll die Stimme des göttlichen Evangeliums aus drückliches und bis an den jüngſten Tag gül⸗ tiges Gebot iſt? Doch dieſe Pflicht hat der, welcher der un— ſichtbaren Kirche angehören will, endlich auch noch darum, weil dieſe Gemeinſchaft mit der len ſoll alſo das Wort Gottes nicht nur allen ſichtbaren rechtgläubigen Kirche von ſo großem Segen für ihn ſelbſt, wie für Andere, und zwar für das unſichtbare Reich Gottes über— haupt iſt. Wohl mag es manchem ſcheinen, als ob derjenige die wenigſten Hinderniſſe ſei⸗ dem Munde eines in Gottes Ordnung berufe⸗nes Chriſtenthums habe, wer ſich von Allen in „ — — 5. — 2 2744 „ N nen Predigers erſchallen, und um dieſe recht- die Einſamkeit zurückziehe, nicht nur allen Ver⸗ gläubige Predigt des Wortes ſollen ſich nun die wickelungen mit den Kindern der Welt, ſondern Kinder Gottes, wie ein Streiterheer Gottes um ſſelbſt mit den Chriſten aus dem Wege gehe und ſein Feldzeichen und Panier, verſammeln und ſchaaren. Von dem Augenblick an, da Gott das öffentliche Predigtamt eingeſetzt hat, ſteht es daher nun keinem Menſchen, der da ſelig wer— den will, frei, allein zu bleiben, ſich von der ſeinem Gott allein es ſcheint nur ſo. „Wer ſich abſondert,“ ſagt Salomo, „der ſucht, was ihn gelüſtet“ und ſetzt — — — — 2* ſich wider alles, was gut iſt.“ (Sprüchw. 18, 1.) Wer ſich abſondert und allein ſteh t, der iſt Schaar der anderen Bekenner der Wahrheit ab- damit nicht nur ſchon auf einem Irrwes wider zuſondern und ſeinen Gottesdienſt allein für ſich zu halten; ſondern ein jeder iſt bei Gottes Ungnade verbunden, ſich dahin zu halten, wo das Wort des ewigen Gottes öffentlich im ord⸗feiner chriſtlichen Grmeinde hält, entlichen Predigtamte erſchallt und im Schwange geht. den wollte, der war ſchuldig, wenn er konnte, ſich auch äußerlich zu dem Volke Gottes und Wer daher ſchon vor Chriſto ſelig wer⸗ — Gottes Woit, ſondern kommt auch nur zu leicht auf allerlei andere eigene und gefährliche Irr— wege, ehe er es meint. Wer ſich hingegen zu in welcher Got⸗ es Wort rein und lauter gepredigt wird, der erfährt auch täglich die Wahrheit jener Verhei⸗ ßung: „Wo zwei oder drei in meinem Namen verſammelt ſind, da bin ich mitten unter ih— im Verborgenen diene. Aber. ſeinem öffentlichen Gottesdienſte zu halten oder nen.*) Wer mag aber die Größe des Segens ſich doch zu ihm als zu Gottes Kirche mit Herz ausſprechen, die daraus fließt, daß Chriſtus und Mund zu bekennen. Daher bezeugt David ſelbſt in den Gemeinden in Gnaden gegenwär⸗ im 26. Pſalm von ſich: „Ich haſſe die Ver— ſammlung der Boshaftigen und halte mich, HErr. zu deinem Altar, da man höret die Stim⸗ me des Dankens und da man prediget alle deine Wunder.“* Daher ſpricht auch Chriſtus im Neuen Teſtanſent, indem er die nach ſeinem Willen entſtehenden neuteſtamentlichen ſichtba— ren Gemeinden voraus ſah: „Höret er die Ge— meinde nicht, ſo haltet ihn als einen Heiden und Zöllner.“ Und als die Apoſtel am erſten chriſtlichen Pfingſtfeſt bei drei tauſend Seelen bekchrt hatten, ſo heißt es nun von dieſen nicht nur: „Sie blieben aber beſtändig in der Apoſtel Lehre,“ ſondern auch: „Und in der Ge⸗ meinſchafft und im Brodbrechen, und im Gebet.“ Und ſie waren täglich und ſtets bei einander einmüthig im Tempel.“ Und als ſpäter dieſer Eifer etwas erlöſchen wollte, ſo ermahnten die Apoſtel, wie wir unter Anderem im Briefe an die Ebräer im. 10. Cap. leſen: „Laſſet uns nicht verlaſ⸗ ſen unſere Verſammlung, wie etliche pflegen; und im 1. Cap. des 1. Briefes an die Corinther: „Ich ermahne euch aber, lieben Brüder, durch den Namen unſers HErrn JIEſu Chriſti, daß ihr allzumal einerlei Rede führet, und laſſet nicht Spaltungen unker euch ſein, ſondern haltet feſt an ein⸗ ander, in Einem Sinn und in einerlei Mei⸗ nung.“ Wer kann es nun hiernach leugnen, daß es aller derjenigen, welche zur wahren unſichtbaren Kirche gehören wollen, heilige Pflicht iſt, ſich auch zu der rechtgläubigen ſichtbaren Kirche zu halten, da dies Gottes zu allen Zeiten aus⸗ tig iſt, in welchen ſein heiliges Wort rein und lauter verkündigt wird und im Schwange geht? Da wächſt man an Erkenntniß ſeiner ſelbſt und IEſu Chriſti, ohne es zu merken; da wird man geworden iſt; da wird man wieder aufgerichtet, ſo oft man geſtrauchelt hat oder gefallen iſt; in Irrthum gerathen iſt; da wird man getröſtet, ſo oft man bekümmert und des Troſtes bedürf⸗ me, der in dem Meere der Seligkeit mündet und von dem man mit gehoben und getragen und wird. Handlungen nicht allein auf ſich, er muß auch auf ſeinen Nächſten und auf die Wohlfahrt des Ganzen ſehen. Was würde aber, ſagt ſelbſt aus der Welt und was aus der Kirche Gottes werden, wenn jeder Chriſt für ſich dahin ginge und wenn es keine chriſtlichen Gemeinden gäbe, in denen Gottes Wort öffentlich gepredigt und die heiligen Sacramente nach Chriſti Einſetzung verwaltet werden? Würde da nicht, menſchlich zu reden, auch die unſichtbare Kirche endlich che geſtiftet und erhalten, wo wäre die unſicht⸗ bare? Wer wäre dann hinausgegangen, um — —— *) Ein ſo großer Troſt nehmlich dieſe Verheißung für auch noch ſo kleine Verſammlungen wahrer Chriſten iſt, ſo können ſich doch Die jenigen dieſer. Verheißung keine dwegs tröſten, weiche, das öffentliche von Gott eingeſetzte recht⸗ gläubige Predigtamt verachtend, Winkelverſammluugen bal⸗ ten. Dieſe ſind nicht in JEſu, ſondern in ihrem eigenen Namen verſammelt. ‚ * —* untergehen? Hätte Gott nicht die ſichtbare Kir⸗ wieder erweckt und ermuntert, ſo oft man träge da wird man wieder zurechtgewieſen, ſo oft man tig iſt. Da iſt man wie mitten in einem Stro⸗ oft wie mit einer ſeligen Gewalt mit fortgezogen Aber noch mehr! Ein Chriſt darf bei ſeinen