# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1852 11 28_S50 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) (Offenb. Joh. LCav. 14, v. 6. 7.) „Sattes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.““ 7—————— — — Herausgegeben von der Deutſchen Ev. Luther. Synode von Miſſouri, Ohio und andern Staaten. Redigirt von C. F. W. Walther. —— — —— — ———— Jahrg. 9. St. Louis, Mo., den 28. November 1852. No. 7. x Bedingungen: ed Der Lutberauer erſcheint alle zwei Wochen einmal für den jäbrlichen Sutſcriptisnspreis von Einem Dollar für die answärtigen Unterſchreiber, welche renſelben vorauszube⸗ len und das Poſtgeld zu iragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne No. für 5 Cents verkauft. aber. Nur die Briefe, welche Mittbeilungen für das Blatt enthalten, ſind an den Redakteur, alle anderen welche Geſchäftliches, Beſtelungen, Abbeſtellungen, Gelder 10. enthalten, unter der Adre ſſe Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., auher zu ſenden. Warum ſoll und kann uns der Glau⸗ be, daß die wabre Kirche eigentlich unſichtbar und über die ganze Welt zerſtreut iſt, nicht verleiten, die rechtgläubige ſichtbare Kirche zu verlaſſen? Eine Predigt, gehalten zu Sr. Louis, Mo., am 22. Sonntag nach dem Feſte der deiligen Dreieinigkeit 1852.*) Im Namen JIéEſu! Gnade, Barmherzigkeit, Friede von Gott dem Vater, und von dem HErrn JEſu Chri- ſto, dem Sohne des Vaters, in der Wahrheit und in der Liebe, ſei mit euch allen. Amen. Geliebte Brüder und Schweſtern in Chriſto JIEſu! „Ich glaube Eine heilige allgemeine chriſt— liche Kirche, die Gemeine der Heiligen,“ ſo heißt ts in dem älteſten, in dem apoſtoliſchen Sym— bolum. So haben daher alle Chriſten zu allen Zeiten und in allen Ländern, Große und Kleine, Gelehrte und Einfältige, geglaubt und bekannt. Hieraus erfehen wir: Die Kirche JIEſu Chriſti, außer welcher kein Heil und keine Seligkeit iſt, Liſt erſtlich ein unſichtbares, und ſodann tin über die ganze Welt ſicher⸗ treckendes Reich. *) Wir würven der Aufforderung unſerer Gemeinde, witder eine Predigt durch ren „Lutheraner“ für writere Rreiſe mitzutheilen, nicht nachgegeben haben, behandelte die hier mitgetheilte Prerigt nicht einen Gegenſtand, über wel⸗ chen wir unſeren Leſern in Frige uns gemachter Be ſchuldi⸗ Hhungen allerdings näbert Auseinanderſeßungen ſchuldig ſind. U D. R. Sie iſt erſtlich unſichtbar, denn ſit iſt, laut des apoſtoliſchen Sombolums, ein Gegen— ſtand des Glaubens; der Glaube aber iſt nach Gottes Wort „eine gewiſſe Zuverſicht deß, das man hoffet, und nicht zweifelt an dem, das man nicht ſiehet.“ Ebr. 11, 1. Die wahre Kir⸗ che iſt eigentlich nichts anderes, als die Gemein— ſchaft aller von Herzen Gläubigen und Gehei— ligten in Chriſto JEſu, ihrem HErrn. Dieſe ſind nun zwar alle freilich nicht unſichtbare Gei⸗ ſter, ſondern ſichtbare Menſchen: wer kann aber den von dem heiligen Geiſte in ihren Seelen ge— wirkten Glauben ſehen? Und wer kann es da⸗ her auch nur Einem Menſchen anſehen, daß er ein Gläubiger ſei, und es daher auch nur von Einem Menſchen ſagen, daß er in ihm die Kir— che, oder auch nur ein Glied der Kirche ſehe? Die wahre Kirche, außer welcher kein Heil und keine Seligkeit iſt, iſt ferner freilich überall, wo die Gnadenmittel ſichtbar gehandhabt werden, wo nehmlich Gottes Wort rein und lauter ge— predigt und die heiligen Sacramente nach Chri— ſti Einſetzung verwaltet werden. Wo die wahre Kirche ſei, dies kann daher freilich jedermann leicht erkennen. Da aber die wahren Chriſten, welche allein zur wahren Kirche gehören, überall mit falſchen Chriſten vermiſcht ſind, wie der Wei⸗ zen mit dem Unkraut, wer kann nun die wahren Chriſten aus den falſchen herausfinden, und alſo die Kirche ſehen? Niemand; man ſieht wohl die Menſchen, unter denen die Kirche ſich befin⸗ det, diejenigen aber, welche darunter die Kirche allein ausmachen, ſieht und kennt nur der, von dem es heißt: „Der veſte Grund Gottes beſte⸗ het, und hat dieſes Siegel: Der HErr kennet die Seinen.“ Daher nennt denn Chriſtus auch ſeine Kirche ein Him melreich auf Erden, das nicht mit äußerlichen Geberden komme; und der heilige Apoſtel Paulus nennt ſie den Leib IEſu Chriſti, die Braut des HErrn, ein geiſtliches Haus, ja, das Jeruſalem, das droben iſt, und die Gemeinde der Erſtgeborenen, die im Himmel angeſchrieben ſind. Doch die Kirche, außer welcher kein Heil und keine Seligkeit iſt, iſt nicht nur ein unſichtbares, ſondern auch ein über die ganze Welt ſich erſtreckendes Reich. Rachdem nehmlich Chriſtus die heiligen Apoſtel ausge— ſendet hat in alle Welt, und dieſe das Evange— lium unter allen Völkern geprediget haben, ſo gibt es nun auch unter allen Zonen des Him⸗ mels Seelen, welche an Chriſtum wahrhaftig glauben und die daher zu ſeiner Kirche gehören. Chriſti Kirche iſt daber auch überall, wohin nur des Evangeliums ſeliger Schall gedrungen iſt, nach jener unwiderruflichen und ewig gewiſſen Verheißung: „Das Wort, ſo aus meinem Munde gehet, ſoll nicht wieder zu mir leer kommen; ſondern thun, das mir gefällt, und ſoll ihm gelingen, dazu ich es ſende.“ Jeſ. 55, 10. 11. Von keinem Volk, von keiner Stadt, von keinem Lande, ja, von keinem Erdtheil kann daher geſagt werden: „Siehe, hier iſt Chriſtus, oder da“ (Matth. 24, 23.), das heißt, nur