# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1852 11 10_S45 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) geweſen, den rechten Ausdruck dafür zu fin⸗ den. Dieſen Typus (Muſterform) der geſun— den Worte hält ſie hoch empor und kann kühn⸗ lich fordern, daß die Lehrtypen aller andren Kir⸗ chen ſich nach dem ihrigen richten und umge— ſtalten. So weit ſie nicht ſich ſelber vergeſſen und verloren hat, iſt dieſe geſunde Lehre das Band ihres Gemeinweſens, das Vorbild ihrer Praris, die Vorausſetzung ihrer Wiſſenſchaft. Unſer Kirchenlied, unſre Kirchenordnungen, un— ſre aſcetiſche (Erbauungs) Literatur, unſre alte Theologie mit der Fülle ihres geiſtlichen Le— bens ſelbſt in harter und rauher ſcholaſtiſcher Form“) — das ſind ihre Früchte. Lieſt man auch Trauben von den Dornen und Feigen von den Diſteln? Iſts denn alſo ſtarrer Eigenſinn, wenn die lutheriſche Kirche an ihrem Bekenntniß feſthält, wenn ſie es für ihr theuerſtes Kleinod achtet und jedes gleichgültige Verhalten gegen daſſelbe als Verkennung und Verwahrloſung ihres Be— rufes, als Undankbarkeit gegen Gottes Gabe an⸗ ſieht? Iſts gemeiner Haß, übertriebene Hart— herzigkeit, wenn ſie denen, welche kein freudiges Ja zu ihrem Bekenntniſſe zu ſagen vermögen oder ihm keine praktiſche Folge geben wollen und die Unterſchiede beider proteſtantiſchen Kir— chen für unweſentlich halten, die Hand der Ge— meinſchaft verweigert? Wehe ihr, wenn ſie in fleiſchlichem Trotz den Streit lieber hätte als den Frieden, wenn ſie diejenigen haßte, welche mit ihr zu den Füßen Eines Herrn anbeten! Nein! wenn ſie auf ihrem Bekenntniſſe beſteht, ſo thut ſie es aus Liebe zu denen, welche noch nicht dieſes Glaubens und Bekenntniſſes ſind, damit ſie es werden. Aus Liebe zu ihren mit⸗ erlöſeten chriſtlichen Brüdern wehrt ſie, an ih— rem Bekenntniſſe haltend, dem Selbſtbetruge u. der Lauheit, der Religionsmengerei und dem Indifferentismus. Aus Liebe verlangt ſie, daß die ſich zu ihr geſellen wollen durch die Thüre dieſes Bekenntniſſes eingehen, und nicht dieſe um ihr Gemeinweſen und ihre Heiligthümer ge— zogene Mauer überſteigen. Ihre Liebe hat überdies an dieſer Mauer keine Grenze. Sie erkennt das Werk der Gnade auch außerhalb ihrer ſelbſt überall an wo es ſich zeigt, freut ſich ſeiner und' ſegnet es. — (Fortſetzung folgt.) ) In ſcholaſtiſcher Form heißt, in der Gelehrtenſprache, welcht unter gewiſſen alten Gelehrten bräuchlich war. N. D. (Eingeſandt für den Lutheraner.) Anzeige und Bitte der Evang.⸗Luther. St. Johannis⸗ Gemeinde in Philadelphia, Pa. Unſere lieben Glaubensgenoſſen werden mit herzlicher Freude hoͤren, daß wir heute als am 27. Septbr. hiex in Philadelphia den Grund⸗ ſtein zu W und Schulhaus gelegt haben. Wir bitten unſere lieben Brüder um fleißiges Gebet für uns und um freundliche Gaben zur Unterſtützung dieſes Werkes, zu wel⸗ chem uns Gott trieb durch das raſche Wachs— thum unſerer Schule, deren Kinderzahl die See⸗ — 44— lenzahl unſerer Gemeinde weit überſteigt. Wol— len unſere lieben Brüder bedenken, daß, wäh⸗ rend unſere Gemeinde ſehr klein iſt, der Ankauf des Platzes in dieſer großen Stadt allein ſchon eine bedeutende Summe erforvert hat; daß wir als ſogenannte Altlutheraner nicht viel Unter— ſtützung von den Einwohnern Philadelphia's erwarten dürfen; daß unſere kleine Gemeinde, welche nun ſchon Jahre lang in großer Trübſal gekämpft hat, der Glaubensſtärkung durch ihre Genoſſen am Reiche Chriſti ſehr bedarf; endlich, daß es doch auch eine rechte Gnade Gottes iſt, wenn Er Seine Chriſten zu Ausführung Sei— ner Werke gebraucht. Helfet uns, dem Worte unſeres Gottes in Kirche und Schule ein Haus zu bauen; Gott wird es reichlich ſegnen anx Euch und Euren Kindern. Um Gebet und Liebesgaben bittet im Auf— trag der Gemeinde A. Hoyer, Pfarrer. No: 45. Redwood str. Sonthwark, Philadelphia. Nachſchrift. — Obgleich ich im Allge— meinen nicht ſehr geneigt bin, die Bitte um eine Collecte für den Aufbau einer Kirche, nament— lich im Buſch und den kleineren Städten, zu unterſtützen, da ich aus Erfahrung weiß, daß auch die ärmſte Gemeinde, wenn es ihr nur ein rechter Eruſt iſt und ſie gelernt hat für das höchſte, theuerſte Gut, nämlich das liebe Evan— gelium, nicht nur aus ihrem Ueberfluß ein ſehr Geringes hinzugeben, ſondern auch dem lieben Geizteufel zuwider und dem Herrn zu Ehren ſich anzugreifen und rechtſchaffen zu opfern, im— mer im Stande iſt ein Kirchlein, wie ſie es be⸗ darf, zu errichten, ſo kann ich doch nicht umhin diesmal die Bitte unſers theuern Bruders Hover und ſeines lieben Gemeindleins allen Gemein⸗— den unſers Synodalverbandes an's Herz zu le— gen. Es muß uns ja von Herzen freuen und zu Lob und Dank gegen den Herrn treiben, daß grade in Philadelphia, wo die Väter unſerer hie⸗ ſigen lutheriſchen Kirche, Schweden und Deut— ſche, mit ſo ſaurer Arbeit, unter vielen Seufzern und Thränen, einen lieblichen und prächtig blü— henden Garten angebauet haben, ſich nun wie— der ein kleines Häuflein bekenntnißtreuer Luthe— raner geſammelt und nun ſchon ſeit vielen Jah— ren mit beiſpielloſer Feſtigkeit, unter den ſchwie— rigſten Verhältniſſen, gegen alle Stürme des Böſewichts, die ſie oft von Außen und Innen zu vernichten drohten und auch wohl den Mu-— thigſten hätten entmuthigen können, das Panier des rechtgläubigen Bekenntniſſes aufrecht erhal— ten hat. Der liebe Hoyer hat nun auch ſchon ſeit Jahren mit einer Aufopferung, die ihres Gleichen ſucht, hier gearbeitet und unier den trübſeligſten Erfahrungen und unter viel Man⸗ gel und Noth bei der lieben Gemeinde Stand gehalten. Der Bau eines Kirchleins iſt nun nothwendig geworden; denn in dem dumpfen Keller, in welchem bis jetzt Kirche und Schule gehalten iſt, wo die Bruſt des lieben Hoyer, wie er mir ſchreibt, völlig zu Grunde geht, und für den noch dazu ſchwere Rente muß aufgebracht werden, kann die Gemeinde nicht länger blei— den Muth der lieben Gemeindeglieder ehren und urtheilen und ſich zu beſtimmen, daß ſich eben hierin der himmliſche Urſprung deſſelben aufs in ihr eine das Herz und Weſen umwandelnde ſie nur treu und andächtig gebraucht. ben, da der Raum für die Schülerzahl nicht hinreicht; die Schuldenlaſt für den Neubau aber muß die kleine Zahl der Gemeindeglieder er— drücken. So laßt uns denn, geliebte Brüder, 1 unterſtützen, ſo viel es einem Jeden ſeine Mittel und ſeine Liebe für das Reich Gottes geſtatten. Fr. Wyneken. (Für den Lutheraner eingeſandt.) Die Bekehrung des Vietorinus. Das göttliche Wort erſcheint uns ſo lange 3 ſchwach, gering und verächtlich, als es fern von uns ſteht; allein ſobald es in das Innere des Herzens gedrungen iſt, erweiſt es eine ſo wun⸗ derbare Gewalt über alle Gedanken und Nei⸗ gungen des Menſchen, über ſeine ganze Art zu deutlichſte zu Tage legt. Herrn zerbricht, wie David ſagt, die Cedern (YPſ. 29.); Mancher, der in ſeiner ſtolzen Kraft ſo hoch wie eine Ceder ſteht, und 4 gegen den Himmel dräut, muß einmal in einer Stunde, wo die höhre Gewalt ihn unwiderſtej⸗ lich faßt, ſeinen ganzen Ruhm und all ſeint Gerechtigkeit wie einen Rohrſtecken zuſammen⸗ brechen ſehn. Mancher ſchwache und zaghafte Menſch dagegen hat ſich ſchon, wenn es darauf ankam, aus der Bibel einen Muth geholt, den N ihm Niemand zugetraut hätte. Deun es liegt Die Stimme des göttliche Kraft, welche jeder empfinden kann, der Und wo dieſe wirkſam geworden iſt, da können auch die ſtärkſten ſelbſtſüchtigen Triebe überwunden wer⸗ den, und eine heilige aufopfernde Liebe gibt den Willen zu dem Schwerſten Kraft. Darun, J iſt Jemand in Chriſto, ſo iſt er einr neue Creatur. Das Alte iſt vergan⸗ gen, ſiehe, es iſt alles neu worden (2. Cor. 5, 17.). — Ein redendes und auf⸗ munterndes Beiſpiel davon iſt der als chriſtli— licher Schriftſteller und Dichter bekannte Vic— torinus, über deſſen Bekehrung zum Chri⸗ ſtenthum einiges mitgetheilt werden ſoll. Dieſer 34 Mann lebte in der 2. Hälfte des 4. Jahrh. nach Chriſto. Er lehm E in Rom die Redekunſt mit einem außerordent⸗ lichen Beifall, hatte ſich in allen Syſtemen der Weltweisheit ſorgfältig umgeſehen und ſelbt verſchiedene philoſophiſche Schriften verfaßt, be⸗ ſaß außerdem eine ſeltene allgemeine Bildung, und war dadurch unter ſeinen Zeitgenoſſen ſo berühmt geworden, daß ihm noch bei ſeinn Lebzeiten in Rom eine Bildſäule geſetzt wad. Dabei war er dem Heidenthum ergeben, und ein eifriger Vertheidiger der alteu Götterlehre gegn die neue Predigt von dem einigen Gott und ſeinem Sohne, dem Welterlöſer Jeſu Chriſu. Jedoch Victorinus liebte nicht, wie viele ſeines Gleichen, das leere Abſprechen aus allgemeinen Grundſätzen, ohne eine zuſammenhängende und gründliche Erkenntniß des Chriſtenthums. Ser⸗ dern, wiewohl er ſchon ein langes Keben in den