# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1852 10 27_S40 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ihrer Miſſion gewieſen iſt, und dazu die Nach— richt, daß in Ihrem Seminar jetzt wieder ein Zögling für die Miſſion unter den Indianern ausgebildet wird, der vielleicht in Kurzem un— ſerm Mießler zur Seite treten könnte, hat uns unſre Bedenken überwinden helfen. Könnte Baierlein noch in dieſem Jahre nach Oſtindien geſendet werden, ſo wäre uns dies allerdings äußerſt erwünſcht, doch überlaſſen wir die Zeit ſeiner Entlaſſung gänzlich Ihrem Ermeſſen. Mit treuem Brudergruße das Collegium der Ev. Luth. Miſſion in Leipzig. Im Namen deſſelben Diae. Schneider. Leipzig, 17. Jul. 1852. Aufſchlüſſe für Herrn Paſtor Grabau. Herr Pſt. Grabau legt uns in ſeinem Kir— cheninformatorium Ihrg. 2. No. 6. vier Fra— gen vor, über welche er Aufſchlüſſe begehrt. 1. Fragt er: „Wie ſoll man es reimen, wenn der Lutheraner Jahrg. 4., Seite 10-11., den Spener und Bengel auf den Ketzerbaum ſet— zet . . und da gegen in Nr. 21. des 8. Jahrg. S. 163. werden Spener's Schriften lutheri— ſche Kernſchriften genannt.“ Antwort: Herr Paſtor Grabau ſei ſo gütig, und ſehe beide Stellen noch einmal an, ſo wird er finden, daß wir weder Spener zu einem Ket— zer gemacht, noch daß wir die Schriften deſſel— ben „lutheriſche Kernſchriften“ genanut hab en. Wir bitten ihn aber, genau zu leſen und die deutſche Grammatik dabei zu Hülfe zu nehmen. 2. Fragt er: Wie ſoll man's reimen, wenn der Lutheraner Jahrg. 5., Spalte 3., S. 14., ten alten Flacius einen Irrlehrer nennt .., wenn man dagegen im Lutheraner Jahrg. 8., S. 64. von eben demſelben Folgendes lieſt: Matthias Flacius, dieſer ſtandhafte Kämpfer in einer Zeit, wo ſelbſt Helden dahin ſanken“ u. ſ. w. Antwort: Wenn Herr Pſt. Grabau in der Geſchichte der Kirche ſo unbewandert iſt, daß er nichts davon weiß, daß der theure Flacius wirk— lich zu einer Zeit, wo ſelbſt Helden dahin ſanken, ein ſtandhafter Kämpfer geweſen (z. B. in den interimiſtiſchen Streitigkeiten) und wegen dieſer ſeiner Treue ſchändlich verläſtert worden iſt; wenn Hr. Paſt. Grabau Flacius' ſowohl pole⸗ miſche, als exegetiſche uͤnd hiſtoriſche Schriften und die darin aufgeſpeicherten Schätze nicht kennt; wenn Hr. Paſt. Grabau die vortheilhaften Urtheile unſerer Theologen über Flacius und ſelbſt über ſeine an gebliche Autorſchaft der ſoge⸗ nannten Flacianiſchen Irrthümer unbekannt ſind (wie das, eines gewiß nicht laren, Löſcher's in den Unſchuld. Nachr. VI, 247. ff.); wenn Hrn. Paſt. Grabau nicht bewußt iſt, daß Flacius auf ſeinen Irrthum erſt im Jahre 1560 kam, während die von uns angeführte Stelle 1550 geſchrieben iſt (Vergl. das angezogene Werk IV, 710, wo Löſcher von Flacius ſagt: „Der bis⸗ —30— her“ Ibis 1560] “in den zerrütteten Interims⸗ zeiten ſich um die Wahrheit wohlver— dient gemacht hatte. ) —wenn dies Hr. Paſt. Grabau alles nicht weiß, ſo ſind wir un— ſchuldig daran, daß er ſich an unſerem Zeugniß für Flacius' treuen Kampf zu ſeiner Zeit geſto— ßen hat. 3. Fragt er: „Wie ſoll man es reimen, wenn man im Lutheraner Jahrgang 4., Seite 35., Spalte 1.,lieſt, daß man privatam absolutio nem erhalten und nicht fallen laſſen ſoll, ꝛc., .. wenn man dagegen lieſt in allen Synodalver— handlungen der Miſſourier Synode, daß die Pri— vatbeichte und Privatabſolution ganz und gar demokratiſch in die freie Willkühr der einzelnen Ortsgemeinde, ja ſelbſt in die Freiheit der einzel— nen Glieder geſtellt wird, ꝛc.““ Autwort: Das läßt ſich vortrefflich reimen, wenn Hr. Pſt. Grabau erſtlich das Wort „Weill— kühr“ und den Paſſus von den „einzel— nen Gliedern,“ was uns der geehrte Herr nur andichtet, wegthut, und wenn er bedenkt, daß in unſeren Kirchen kein Zwang herrſcht, ſondern ein ſolcher von uns vielmehr verworfen und ver— dammt wird, und daß wir einen ſolchen Zwang allein den Hicrarchen überlaſſen. Ueber dieſen Punkt zu anderer Zeit mehr. 4. Fragt er: „Wie ſoll man es reimen, wenn der Lutheraner Jahrg. 4., S. 42., Spalte 3. .. und im Jahrg. 8., S. 7., Sp., 1., noch entſchie— deuer geſagt wird: daß alle diejenigen, welche Hoffnung des Heils ... haben ...; wie ſoll man es reimen, wenn man im Lutheraner Jahrg. 8., S. 21—23 einen Aufſatz gewahr wird ..., in welchem der Verſuch gemacht wird, zu bewei⸗— ſen, die wahre Kirche ſei blos eine unſicht— bare ꝛc.?“ Herr Pſt. Grabau ſagt, in jenem Aufſatze heiße es ſo unbedingt hin: „die wahre Kirche ſei lich heißt: „Von einer ſichtbaren wah— ren Kirche zu reden, hat allerdings an ſich nichts Verfängliches, wenn es mit dem Vorbe— halt geſchieht, daß nach Art. 8. der Augsb. Confeſſion „„die Kirche eigentlich nichts anders ſei, als die Verſammlung aller Gläu⸗ bigen.““ Der Leſer ſieht hieraus, der Aus⸗ druck: wahre ſichtbare Kirche, wird von uns nur dann verworfen, wenn damit eine ſicht— bare Partikularkirche, wie der Pabſt und die romaniſirenden Luther aner thun, zu der Kirche ſtempeln will, außer welcher kein Heil ſei; von dieſer „eigemlich ſo genannten wahren Kirche“ ſagen wir allerd ings, daß ſie „blos unſichtbar“ ſei, laut des apoſtoliſchen Sombolums: „Ich gläube (nicht, ich ſehe) Eine heilige chriſt— liche Kirche.“ Kann es nun Herr Pſt. Grabau nicht reimen, wie wir bei dieſer Lehre dennoch denen die Seligkeit abſprechen können, welche harren, ſo ſteht es in der That traurig um ſeine Erkenntniß. Bei uns hier weiß erſtlich ein Kind von 7 Jahren, daß die eigentlich ſoge⸗ wiſſentlich und vorſätzlich außer der rechtgläubigen chriſtlichen Kirche leben, keine Antwort: Erſtlich iſt's eine Entſtellung, daß blos eine unſichtbare,“ da es darin ausdrück⸗ wiſſentlich und muthwillig in einer Sekte ver⸗ nannte wahre Kirche der Kinder Gottes, un⸗ ſichtbar für Menſchen, über den ganzen Erdbo⸗ den zerſtreut iſt; und ſodann zweitens, daß aber derjenige, welcher ſich wiſſentlich und muthwil⸗ lig von den rechtgläubigen Chriſten abſondert und wiſſentlich und muthwillig es mit den Schwärmern und ihren Sekten hält, muth⸗ wihlig ſündigt; und endlich drittens, daß aber alle muthwilligen Sünder, ſo ſie nicht Buße thun, das Heil und die Seligkeit nicht . . kerlangen können. — Auch darüber ein ander— mal mehr. Bis dahin möchten wir Herrn Pſt. Grabau freundlichſt gerathen haben, die vielen herrlichen Zeugniſſe unſerer alten treuen Leh- rer von der Kirche, welche in dem von unſerer Synode herausgegebenen ihm zugeſendeten Bu⸗ che: „Die Stimme unſerer Kir⸗ ch e“ ꝛc. aufgeführt ſind, zu ſtudiren, ſo wird er hoffentlich ſpäter Manches, was ihm jetzt un⸗ unvereinbar ſcheint, recht wohl reimen lernen. Hierbei folge er aber der Regel: Qui bene dis- tinguit, bene docet (Wer gut unterſchei⸗ det, hehrt gut) — denn ſonſt will uns be⸗ dünken, wenn ſich Herr Pſt. Grabau nicht blos ſo ſtellt, als verſtehe er uns nicht, ſo fehlt es ihm an Beachtung jener Negel. Grabauiana. In der neueſten Nummer des Kircheninfor⸗ matoriums vom 15. Oktbr. theilt Pſt. Gra⸗ bau, um ſſich wegen ſeiner furchiſamen und ſchmachvollen Verweigernng, mit uns ſich zu unterreden, einigermaßen vor den Leuten zu rechtfertigen, ein Votum von dem alten Neu⸗ meiſter mit, welches folgenden Titel trägt: „Wie ein evangeliſcher Chriſt ſich zu verhalten habe, wenn zwiſchen ihm und einem andern, der ei⸗ nes fremden Glaubens iſt, ein Religions-Ge⸗ ſpräch vorfällt.“ Das Votum iſt gar nicht übel. Es macht die Annahme der Unterredung für die zur Ge⸗ wiſſenspflicht, welche die nöthige Erkenntniß und Gabe dazu haben. Nur „eine Cautel (Vorſicht),“ ſagt es, „iſt wohl zu merken. Man laſſe ſich nicht leicht noch obne Urſache in Reli⸗ gions⸗Geſpräche ein, zumal in fremden Landen, da falſche Lehre die Ober⸗ han dhat. Man lehne es möglichſt von ſich ab, mit der Entſchuldigung, daß man hierzu nicht berufen ſei. Denn es geſchieht nicht ſel⸗ ten, daß Leute nicht aus Begierde zur Wahrheit, ſondern aus einem blinden Eifer, ſonderlich die Papiſten, zu disputiren anfangen. Wenn ih⸗ nen nun das Maul geſtopfet wird, und ſie nicht fortkommen koͤnnen, pflegen ſie einem mancherlei Gefahr anzurichten. Sie ſind tückiſch und rachgierig, wie die Phariſäer. Wenn dieſe in dem Verſuchen und Disputiren mit Jeſu den Kürzern zogen, trachteten ſie ihm nach dem Leben. Sie haben ſo wenig Gewiſſen, als jene aus der Schule der Libertiser und an⸗ dere, welche Stephan nicht widerſtehen konn⸗ ten, und aus Erbitterung falſche Zeugen wider ihn zurichteten, daß er vor Gericht ver⸗ klagt, und gar geſteiniget wurde. *