# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1852 10 27_S37 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) In einigen Ausgaben von Luther's Haus⸗ poſtille ſiehen nämlich nach den Worten „je län⸗ ger, je ärger“ noch folgende: „und iſt doch nicht der Lehre, ſondern der Leute Schuld.“ Dann folgen die angeführten Wor⸗ te: „Jetzt ſind die Leute mit ſieben Teuffeln ꝛc.“ Die groß gedruckten Worte geben den Schlüſſel zu den nachfolgenden Worten, die bekanntlich nur eine Anwendung der Worte Chriſti Luk. 11, 24—26. enthalten zum Beweis dafür, daß die Leute, welche von der rechten Lehre abfallen, ſchlimmer werden, als ſie zuvor waren, wie man dieß an Judas dem Verräther und an dem Auf⸗ kommen und Zunehmen des Papſtthums, ja auch an ſo vielen unbeſtändigen Lutheranern ſeit 300 Jahren ſieht, und iſt doch nicht der Lehre, ſondern der Leute Schuld.n) Da dachte nun wahrſcheinlich der katholiſche Schreiber ſo: Fügſt du dieſen orer jenen Zuſatz bei, ſo vernichteſt du ja ſelbſt deine ganze Beweisführung, daß das böſe Le— ben unter den Lutheranern von ihrer Lehre her— rühren ſolle, ja du giebſt damit ſtillſchweigend zu, daß ihre Lehre nicht ketzeriſch und teufliſch, ſondern heilſam und gut ſei. Das kannſt und darfſt du aber nimmermehr zugeben, darum willſt du lieber den ganzen Satz weglaſſen. Wiederum willſt du aber das ganz genau hin⸗ ſchreiben, daß die Lutheraner früher nur mit ei— nem, ſpäter aber mit ſieben Tenfeln beſeſſen waren, denn darüber werden ſie ſich tüchtig är— gern, die Katholiken aber ſich in's Fäuſtchen lachen. Aber nur gemach, lieber Mann! denn ſicheſt du nicht ein, wie du damit dir und deiner Partei ſelbſt das allerſchärfſte Urtheil ſprichſt? Unter dem Wörtlein „früher“ verſteht ja Luther nichts anders als die Zeit unter dem Papſt⸗ thum; damals, will er ſagen, waren die Leute nur mit einem Teufel beſeſſen, der ſie ähnlich wie jenen armen Beſeſſenen geiſtlich blind, tanb und ſtumm gemacht hatte. Das Papſithum damals und jetzt iſt aber immer noch ein und daſſelbe, folglich hat es noch jetzt wie damals wenigſtens einen Teufel, wo aber auch nur tin Teufel regiert, da iſt doch das ganze höl⸗ liſche Reich, da kann nicht zugleich das Him— melreich oder die Kirche Gottes ſein, da muß die Kirche des Teufels ſein. So viel von dieſer Stelle ſelbſt; und nun noch ein Wort über den Zuſammenhang, in welchem ſie mit dem Vorhergehenden und Nach⸗ folgenden ſteht, wodurch ſowohl die Lauterkeit ver lutheriſchen Lehre als auch die Verleum⸗ dungsſucht ihrer katholiſchen Gegner in ein de⸗ ſto helleres Licht tritt. Vorher nämlich hatte Luther von Chriſti Amt geredet, daß er uns täglich Sünde und Tod ausziehe und dagegen ſeine Heiligkeit und Le⸗d ben auziehe, und fährt dann fort: „Dieſe Pre⸗ vigt ſollte man billig mit großen Freuden hören und mit herzlicher Dankſagung annehmen und *) wie auch 2 Petr. 2, 20. geſchrirben ſteht. In an⸗ dern Ausgaben ſteht nach den Worten „je länger, je är⸗ ger“: „Das iſt der leidige Teufel ſelbſt.“ Womit das Verderben nicht der Lehre, ſondern dem Teufel und ſeiner Verführung zugeſchrieben wird. — 36— darnach auch fromm ſein. So kehret ſich's lei⸗ der um und wird die Welt aus dieſer Lehre nur je länger, je ärger ꝛc.“ Nach jenen Wor⸗ ten aber, daß die Leute ärger würden, denn zu⸗ vor unter dem Pabſtthum, giebt Luther ſelbſt die Urſache davon an, indem er ſagt: „Was machts? anders nichis, denn daß man dieſe Predigt nicht mit Freuden annimmt, ſondern jedermann ſchlägt es in Wind, nimmt ſich mehr um Geld und Gut an, denn um den ſeligen Schatz, welchen unſer HErr Chriſtus zu uns bringet.“ Bei den anderen beiden Stellen, die hier zur Sprache kommen ſollen, findet ſich auch nicht die geringſte Angabe, wo ſie zu finden ſind, und ich glaube faſt, der ungenannte Herr T. hat es ſelbſt nicht gewußt, oder er hat gedacht, du willſt's lieber nicht dazu ſchreiben, ſonſt möchte einer oder der andre drüber kommen, die Stelle nach⸗ und dich auf's Maul ſchlagen. Wir Lu— theraner ſind aber nun einmal nicht ſolche leicht— gläubige Leute, daß wir uns durch die Verſiche— rung: „das hat Luther geſagt“ — übertölpeln, oder uns durch ein Paar Strichelchen vorn und hinten, auf deutſch: Anführungszeichen, anfüh— ren ließen. Daher wollen wir auch noch jene beiden Stellen etwas ſchärfer in's Auge faſſen. Die eine derſelben leitet der Verfaſſer ſogleich am Schluß der vorerwähnten mit folgenden Worten ein: Zu einer ſolchen furchtbaren geſell⸗ ſchaftlichen Umgeſtaltung mußten allerdings die unvernünftigen religiöſen Lehren der unberufe— nen Reformatoren führen, welches wiederum Niemand beſſer als Luther, ſich ſelbſt nicht aus— geſchloſſen, darſtellt: „So machten wir Secten und Rotten, wo wir alſo unter den Pöbel, in das tolle, unverſtändige Volk on allen Unter⸗ ſchied ſpeien und geiffern: Gottes Wort, Got⸗ tes Wort! Es. haben viel großer trefflicher Leute darinnen gefeilet, und ſtoßen ſich jetzund viel großer Prediger daran, wiſſen den Moſen nicht zu predigen, können ſich nicht mal darein ſchicken, ſind unſinnig, toben, raſen und wü⸗ then, plaudern in's Volk: Gottes Wort, Got⸗ tes Wort, Gottes Wort!“ Hier ſind zwei Stellen, die an verſchiedenen Orten ſtehen, nach eignem Gutdünken mit ein⸗ ander verbunden und aus ihrem Zuſammen⸗ hange geriſſen worden. Beide ſtehen in dem Unterricht Luther's, wie man ſich in Moſen ſchicken ſoll; die erſte §. 32., die andere §. 38. Kurz vor jener redet Luther davon, wie alle Macht daran liege, daß man wiſſe, zu wem Gott dieß oder jenes Wort geſagt habe, damit man nicht mit den aufrühreriſchen Bauern zufahre und denke: ihr müßt den Fürſten todtſchlagen, denn Gott hat es dem Joſua geboten — und dann fährt er fort: „Und wo wir's anders wer⸗ den verſtehen (nämlich Gottes Wort als zu uns geſagt, wenn es uns doch nicht gilt), ſo machen wir Secten und Rotten ꝛc.“ Hier ſieht doch ieder, der leſen kann, daß Luther ausdrücklich ein „Wenn,“ alſo eine Bedingung ſetzt, als wollte er ſagen: Wenn wir das Wort Gottes ſo freventlich deuteten, wie es die rebelliſchen nen andern richteſt, verdammeſt du dich ſelbſ, te.“ (Luther in den Schmalkald. Art. 3, 8) Bauern gethan haben, ſo würden wir, wie ſie thun, Secten und Rotien machen; nun hat al Luther das erſte nicht gethan, denn er hat 11 der Bauern Vornehmen hier und anderwäm geſtraft, folglich kann auch das zweite nicht ſtatt haben, daß er ſich ſelbſt mit eingeſchloſſe bekannt hätte: wir machten Seclen und ten. Das erhellt noch deutlicher aus den WeE“ ten, die zunächſt auf den bezeichneten Satz fol⸗ gen; denn dieſe lauten ſo: „Ja, lieber Geſell nichtalſo, es heißt, ob es dir geſagt ſei oer nicht.“ Damit verwirft ja Luther offenbar die Bauern und Secten Verdrehung der hl. Schrift.! Die andere 9. 38. beſindliche Stelle lauten von vorne herein ſo: Davon iſt nun genug ge⸗ redt und iſt wohl zu merken, denn es liegt rie Macht daran“ (nämlich wie man ſich in Moſen! ſchicken ſoll); nun folgen erſt die oben ange⸗ führten Worte: „und ſtoßen ſich jetztund vitl großer Prediger daran ꝛc.“ Luther redet aber 1 auch hier von Niemanden anders, als eben von denen, welche Gottes Wort verdrehen, namen⸗ lich Moſen, und fügt eben deßhalb noch den Satz bei, den aber Herr T. abermals weggi⸗ laſſen hat: „verfübren die armen Leute und! ſtoßen ſie in die Grube.“ 1 Endlich wird in dem-mebrerwähnten Aufſaz noch eine dritte Stelle aus Luther's Schriften angeführt, oder, genauer zu reden, aus einer Lebensbeſchreibung Luther's mitgetheikt, die tin abgefallener Lutheraner, Caspar Uhlenberg, (er ſtarb 1617) verfaßt hat, der aber ein berühm⸗ ter und wahrheitsliebender Mann genannt wird. Er ſagt unter Anderem: Lurber wußte wohl! Schwenkfeld's Einfluß zu würdigen, ließ ſeingn! bittern Hohn über ihn aus und deutete in kräf⸗ x tigen Zügen die Folgen hiervon an. „Ich habe Sorge,“ ſagt Luther, „derſelben Enthuſiaſten werden mehr kommen, in grauen Röcken einher. gehen, die Köpfe hengen, ſauer ſehen, erſofen in ihren Gedanken und verdüſtert, bleiben deif auf ihrem Wahn ſtehn, weichen niemands und das mündliche Wort verachten.“ Dieſe Worte ſtehen allerdings in Luther's Tiſchreden oay. XIXVII, s. 85, allein ſie enthalten nicht nur! eine Schilderung des Schwenkfeld'ſchen In— thums, ſondern auch des ganzen Papſtthuns, ſo daß man dem Herrn T. St. Pauli Worte Röm. 2, 1. zurufen muß: Worinnen du ei⸗ ſintemal du eben daſſelbige ihuſt, das du nich⸗ teſt, „Denn das Papſtthum auch ein eitel En⸗ thuſiasmus iſt, darin der Papſt rühmet: allt Rechte ſind im Schrein ſeines Herzens, und was er mit ſeiner Kirchen uriheilet und heißt, das ſoll Geiſt und recht ſein, wenn's gleich über und wider die Schriſt oder das mündliche Wort iſt. Das iſt alles der alte Teufel und altt Schlange, der Adam und Heva auch zu En⸗ thuſiaſten machte, vom äußerlichen Won Got⸗ tes auf Geiſterei und Eigendünkel führte, und thut's doch auch durch andere äußerliche Wer⸗ Noch Eins? Wenn Sie gelegentlich an den Redacteur der katholiſchen Kirchenzeitung ſchrei⸗ ben, ſo ſetzen Sie doch einen Preis darauf, wer Ihnen nachweiſen kann, wo der auch von un⸗