# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1852 10 27_S35 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) erlangen kann, ſo lange Gott über ihn als ei⸗ nen Verächter und Läſterer der Wahrheit zürnt? ſein liebevoll Aber nein, daran denkt er nicht, f unirtes Seelſorger⸗Herz ſieht nur uf den lei⸗ denden Nächſten, liebt dieſen mehr als Gott, ſorgt für dieſen zuerſt, wenn Florencourt nur zum Frieden kommt; die Wahrheit, Gottes Wort, Gottes Ehre mag gekränkt, verachtet blei— ben, das hat ihm nicht viel zu bedeuten, — und lieber ſollten doch zehntauſend Florencourts auf einem Haufen in die Hölle fahren, ehe Gott geläſtert, und in ſeinem Wort zum Lügner ge— macht würde. — Auch wir haben ein Herz für eine ſo arme, durch den traurigen Zuſtand der unirten Kirche verwirrte und verirrte Seele, aber ein ſolches hengſtenbergiſches Gebet wagen wir nicht vor den HErrn zu bringen, weil wir vorher wiſſen, daß es Ihm mißfällig iſt, und daß Er es nicht erhören will; denn Er hat uns gelehrt, daß Nie— mand in's Himmelreich, zum Frieden kommen ſoll, er habe denn zu vor Buße gethan. Da⸗ her hoffen auch wir, daß der barmherzige Hei— land dieſem unglücklichen Manne nahe treten möge, aber zuerſt, um den Blitz Seines Geſetzes in deſſen verfinſterte Seele leuchten zu laſſen, daß er den Gräuel ſeiner Sünde erkenne, daß er erſchrecke, daß er verachtet hat den Sohn Got⸗ tes, den und den allein zu hören ihm von Gott dem Vater befohlen iſt, daß er erkenne, daß wer dem Sohne Gottes widerſpricht, der Teufel iſt, und wenn es ſelbſt der heiligſte Pabſt iy Rom wäre, daß er erkennt, daß er elende Menſchen⸗ ſatzungen Gottes Willen gleich, ja überſetzt hat und ſo in die große und ſchwere Sünde gefal⸗ len iſt, Gottes Ehre ſchmählich verletzt, und Got— tes Kinder gräulich geärgert zu haben. Und dann möge ihm der barmherzige Heiland ferner Kraft geben, daß er ſeine Sünde auch bekenne, ſich vor dem oͤffen tlich Blamirtwerden nicht ſchä— me, Spott und Schande nicht fürchte, und ſo das gegebene Aergerniß wieder tilge. Und end⸗ lich möge er, durch Gottes erbarmende Gnade zur Erkenntniß der Wahrheit und Lüge gelangt, um Gottes willen nicht Beides, Wahrheit und Lüge, mit einander uniren, um Gottes willen nicht den gottloſen Rath dieſes Hengſtenberg befolgen, nämlich ein elender Heuchler werden, der die Wahrheit liebt, aber die Lüge nicht haßt, der die Wahrheit bekennt, aber die Lüge nicht verwirft, der Chriſto nachfolgt, aber Belial nicht verläßt, der ſich „an das Chriſtliche, das ihm ſeine jetzige Kirche in Uebereinſtimmung mit der verlaſſenen darbietet, anſchließt,“ aber ſich von dem großen, gräulichen Reſte des noch übrigge⸗ blieben Unchriſtlichen nicht abſchließt, der hinkt auf beiden Seiten, der nicht warm und nicht kalt iſt, den der HErr ausſpukt aus ſeinem Munde. — Was mag Hengſtenberg nur von einem Luther denken, der auch gern „mit ge⸗ tröſtetem Herzen nach Jeruſalem gepilgert wä⸗ re,“ aber ſich nicht nur anſchloß an das Chriſt⸗ liche in der kakholiſchen Kirche, ſondern uner— bittlich, als ein unbeſtechlicher, edler Kämpfer Goties alles Unchriſtliche in derſelben öffentlich aufdeckte, abwies und niederkämpfte, und ſich —34 — A.—„ und die Seinen von der katholiſchen Kirche los⸗und höret ſie, das ſchadet Nichts, wenn ihr nurs riß und aus der „babyloniſchen Gefangenſchaft“ die Vorſicht anwendet und nicht eben die ganzen Muß Luther nicht für Hengſtenberg durchſäuerte Maſſe überſchluckt, ſondern vorher; ein ungenügſamer, ungeduldiger Schismatikererſt ein wenig erperimentirt, den Sauerteig aus ſein? Welches Urtheil aber Luther über einen der durchſäuerten Maſſe ausſcheidet, und dieſes befreite. Hengſtenberg hat, einen Lehrer. der zu den Irr— thümern ſtille ſchweigt, und will gleichwohl ein rechter Lehrer ſein, das können wir aus Lu ther's eigenen Worten hören: (Geſpräch mit Dr. Georg Major. XIV, 1477.) „Wer ſeine ab! Lehre, Glauben und Bekenntniß für wahr, recht und gewiß hält, der kann mit Anderen, ſo fal— ſche Lehre führen, oder derſelben zugethan ſind, nicht in einem Stalle ſtehen, noch immerdar— gute Worte dem Teufel und ſeinen Schuppen, Ein Lehrer, der zu den Irrthümern ſtil⸗ geben. le ſchweigt, und will gleichwohl ein rechter Lehrer ſein, der iſt ärger, denn ein öffentlicher Schwärmer, und thut mit ſeiner Heuchelei grö— ßern Schaden, denn ein Ketzer, und iſt ihm nicht zu vertrauen; er iſt ein Wolf und ein Fuchs, ein Miethling und ein Bauchdiener u. ſ. w. und darf Lehre, Wort, Glauben, Sacra⸗ ment, Kirchen und Schulen verachten und übergeben; er liegt entweder mit den Fein— den heimlich unter einer Decke, oder iſt ein Zweifler und Windfaher, und will ſehen, wo es hinaus wolle, ob Chriſtus oder der Teufel obͤ- ſiegen werde, oder iſt ganz und gar bei ſich ſelbſt ungewiß, und nicht würdig, daß er ein Schüler, will geſchweigen ein Lehrer heißen ſolle, und will Niemand erzür— nen, noch Chriſto ſein Wortreden, noch dem Teufel und der Welt wehe thun.“ — Die römiſch-katholiſche Kirche iſt eine Mör— derin, eine falſche Prophetin, natürlich nicht das aus der römiſch-katholiſchen Kirche noch mög— licherweiſe zu extrahirende Chriſtliche, denn das iſt eben die römiſch-fatholiſche Kirche nicht, ſon— dern die wirkliche römiſch-kfatholiſche Kir— che, wie ſich dieſelbe in ihren Bekenniniſſen dar— legt, dieſer Tropfen Wahrheit in einem Lügen— ocean, dieſe, nicht durch wenig, ſondern durch viel Sauerteig ganz durchſäuerte Maſſe, — dieſe römiſch⸗katholiſche Kirche iſt eine Mörde— rin, eine falſche Prophetin. Der Sohn Gottes ſagt nun: „ſehet euch vor vor den falſchen Pro⸗ pheten!“ und der Apoſtel: „weichet von den⸗ ſelbigen!“ „gehet aus von ihnen, und ſondert euch ab!,“ und unſere Bekenntnißſchriften, Schmalk. Art. Anhang: „Alle Chriſten ſollen ſich auf das fleißigſte hüͤten, daß ſie ſolche gott— loſe Lehre, Gottesläſterung und unbillige Wü⸗ therei ſich nicht theilhaftig machen, ſondern ſollen vom Pabſt und ſeinen Glie⸗ dern oder Anhang, als von des An⸗ tichriſt's Reich, weichen und es verflu⸗ chen, wie Chriſtus befohlen hat: hütet euch vor den falſchen Propheten. Und Paulus gebeut, daß man falſche Prediger meiden und als einen Gräuel verfluchen ſoll.“ Aber dieſer unirte Dr. der Theologie verſteht es beſſer, greift, wie Lu⸗ ther ſich ausdrückt, dem HErrn Chriſtus in's Maul, ſagt: mit nichten ſehet euch vor vor den falſchen Propheten, ſondern bleibet bei ihnen ſche, das ihm feine jetzige Kirche in Ueberein⸗ liebelos und unbarmherzig! Es bleibt dabei, Nächſten-Liebe gar nichts. — So geht es mit ben noch ſo Glänzendes und Weitumfaſſendes Präparat zu euch nehmet. Gott ſagt: „weichet. gehet aus, ſondert euch ab!“ Aber Hengftr⸗ berg, der große Hengſtenberg in Berlin: wei⸗I chet nicht, gehet nicht aus, ſondert euch nih O der gottesfürchtigen, frommen, unirten““ Theologen und Scheidekünſtler unſerer Zeit! —— Alſo Florencourt ſoll ſich „an das Chriſtli⸗ ſtimmung mit der verlaſſenen darbietet, anſchlie⸗ ßen.“ Ein ſchöner praktiſcher Rath das!⸗ Wie, um Alles in der Welt, denkt ſich das der deutſche Profeſſor, wie ſoll der arme, arme Flo⸗ rencourt das anfangen? Wenn er z. B., um. nur die nächſtliegenden Fälle zu berühren, in dit Kirche geht, ſoll er ſich da mit dem herrlichen Weihwaſſer beſprengen oder nicht? Welcheo! wäre da das übereinſtimmende Chriſtliche, an das er ſich anzuſchließen hätte? Und wenn nun die Meſſe angeht, dieſer ſchändliche Götzendienſt, was ſoll der Mann da machen? Augen und Ohren mit den Händen dbwechſelnd verſtopfen und wieder öffnen, je nachdem Wahrheit oder Lüge, Götzendienſt oder Gottesdienſt kommt, oder ſoll er Alles wie ein gentleman ruhig an ſich vorübergehen laſſen und derweil ein ſtilles pater noster beten, oder ſoll er lieber, um die⸗ ſen Uebelſtänden auszuweichen, gar nicht in den Gottesdienſt gehen, ein Heiliger auf eigene Fauſt werden? Aber er könnte doch, zufällig! über die Straße gehend, einem vorüberziehen⸗ den Frohnleichnamspopanz begegnen, der Un? glückliche! wie ſoll er ſich nun verhalten? Auf⸗ rechtſtehen, oder niederknieen, oder am beßten Beides uniren und gebückt ſtehen? — Nein, nein, dieſer milde, gumemeinte Rath iſt ein“! herzlich ſchlechter, einem verführten, verirrten Manne ſo etwas anzuhoffen, iſt in der Thal iſt die Gones⸗Liebe nicht ächt, ſo taugt dit der Union, wie mit allen firen Ideen, die weder auf einem Befehl noch einer Verheißung Gottes ruhen, und doch die Kirche Gottes bau⸗ en wollen, ſie ſind ebenſo gegen Gott, wie ge⸗ gen den Nächſten, und dienen dem Satan! — Solche Aeußerungen eines Hengſtenberg, ei⸗ nes Hauptes und Führers der Union, führen uns zu einigen Bemerkungen über das jetzige „Stadium“ der Union überhaupt. Wie alle Zeit erſcheinungen ihre Zeit haben, ſo auch die Union, dieſe aber hat ihre Zeit gehabt; denn wenn auch die Vornehmen und Weiſen derſel⸗ hoffen und weiſſagen, es iſt doch nun einmal ganz offenbar und unleugbar, daß die einzelnen Kirchenſtröme jetzt nicht mehr, wie noch vor we⸗ nigen Jahren, in das überaus enge und been⸗ gende Bett der Union einfließen, ſondern ſich aus demſelben herausdrängen. Man hat ſich darum auch genöthigt geſehen, das Flußbett zu erweitern, und nennt es nun nicht mehr Uni⸗