# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1852 09 28_S24 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) frieden geben und ruhig warten, was da kom⸗ nen werde. — Weit gefehlt! — Die Sorge für ö kas, was nun kommen wird, preßt unter Ande⸗ tem Pſt. Grabau ſchon jetzt im neueſten In⸗ formatorium (Nro. 4.) die Worte aus: „Se⸗ het, liebe Chriſten: der Haß gegen uns treibt dieſen Profeſſor. — Und wir bitten euch und flehen euch nun an, wer un⸗ ter euch noch Gottesfurcht hat — der ſtrafe dieſen gehäſſigen Mann, der nun, wie in wüthender Verzweiflung, zu ei⸗ ner Schandwaffe greifen will.“ Ahnlich ſchreibt paſtor von Rohr ebendaſelbſt: „Nun drohet er („Herr Walther“) gar aus Rache, daß pſt. Grabau nicht mit ihm ohne vorherige Ver— ſübnung mit unſerer Spnode Unterredung über Lebrſtreitigkeiten halten will, und weil ihm wobl die rechten Waffen mangeln gegen die ihm nachgewieſene“ (11) „Donatiſtiſche Irrlehre, — ſeinen ganzen Beiwagen voll gegen uns geſam⸗ ntlter Lügen und ſcandalöſer Geſchichten los— zulaſſen und auf uns abzuſchießen. Iſt das nicht ſo, als wenn ein ernſter Mann einem bö⸗ ſen Buben ſeine Unart verweiſet, und dieſer zum Renn ſtein eilet und ihn mit Koth zu wer⸗ ſen drohr?“ — Wir können uns nun freilich denken, daß den armen Herrn nicht eben wohl zu Muthe iſt bei der Ausſicht, daß einmal der Vorbang aufgezogen und, was man unter dem Titel: Kirche, Ehrwürdſiges Miniſterium, hei— liges Amt, Kirchenordnung ꝛc. ꝛc, bisher ge— nieben, den Augen auch anderer Leute bloßge⸗ ſiellt werden ſoll. Aber, liebe Herren, wohl ſind wir von Herzen geneigt, alles Geſchehene der Vergeſſenheit zu überliefern, aber das ſollt ihr wiſſen: dadurch, daß ihr erſt uns trotzig auf⸗ fordert, wir ſollten doch berausgehen mit unſe— ren Beweiſen, und uns deßwegen, daß wir's noch nicht gethan hatten, ehrloſe Verleumder nennt, und daß ihbr nun (da wir, von euch dazu gedrungen, Aufklärun⸗ gen zu geben uns verbindlich machen) gegen uns Feuer und Flammen ſpeit und die ganze Cbriſtenheit gegen uns in die Schranken ruft — radurch werdet ibr euren Zweck, uns abzu— ſchrecken, nicht erreichen. Mögt ihr euch auch noch ſo ungeberdig ſtellen, die Sachen mü ſ⸗ ſen nun an's Tageslicht! Thut es euch jetzt wehe, die Sache ſo weit getrieben zu haben, ſo kkagt euch ſelbſt darob an. Die freien Blätter aus St. Louis und die freien Männer daſelbſt. Auch dieſer Blätter, welche bekanntlich einen ebenſo gottloſen, als verrückten Atheismus zu verbreiten ſuchen und die ein neuerer Dichter ſehr paſſend das Verthierungsorgan nennt, iſt im „Lutheraner“ von Zeit zu Zeit Erwäbnung ge⸗ tban worden. Wir halten es daher für unſere Schuldigkeit, unſern Leſern von dem Schickſal Kunde zu geben, welches dieſe Blätter bisher gehabt baben und welches derſelben aller Wabr⸗ ſcheinlichkeit nach demnächſt wartei. Der Herausgeber ſelbſt macht bekannt. er habe ſchon, als die „Blätter“ die erſte Hälfte ihres er⸗ ſen Jahrgangs zurückgelegt hatten, zuſetzen * —23— müſſen; bierauf habe er ſich an den hieſigen Verein der ſ. g. „freien Männer“ um „mora— liſche“ Unterſtützung gewendet; derſelbe habe auch dieſe Unterſtützung feierlich beſchloſſen, aber (wahrſcheinlich aus Mangel an dieſem Artikel) es bei dem Beſchloſſenhaben bewenden laſſen; ſo habe denn der „Anzeiger des Weſtens“ endlich allein der armen „Blätter“ ſich angenommen, aber in kurzer Zeit, ſammt dem Herausgeber, die Summe von tauſend Dollars daran eingebüßt; ſei nun das andere Publikum eben ſo wenig be⸗ gierig, aufgeklärt zu werden, als die hieſigen „freien Männer“, ſo werde der Atheismus im We⸗ ſten bald keine „Blätter“ mehr, jedoch hoffentlich ſeine bekannten Früchte hervorbringen, das Blatt werde nehmlich in dieſem Falle eingehen. Wie wir hören, mögen die „freien Männer“ das Blatt ſelbſt umſonſt nicht mehr leſen, denn den einfa⸗ chen Grundſatz des Herausgebers: „Laſſet uns eſſen, trinken und fröhlich ſein, denn vielleicht morgen ſind wir todt, und nach dem Tode iſt ja alles aus, —haben dieſe Herren ſchon aus der erſten Nummer begriffen und ſie hoffen aus die— ſem Prineip auch ohne Lehrerhülfe das ganze Syſtem praktiſch und theoretiſch entwickeln zu können. Dazu kommt, daß die Herrn „freien Männer“ ſelbſt unter einander uneins geworden ſind und ſich gegenſeitig böſe Complimente ma⸗ chen und zwar ſo, daß es ſcheint, als hätten beide Parteien recht. (Einge ſandt) Schulhauseinweihnng. Schon ſeit längerer Zeit war es inniger Wunſch der Ev. Luth. Gem. in St. Louis, ihren Schulbezirk weiter auszudehnen, und al⸗ ſo den Kindern, welche weit von ihren Schullo— kalen entfernt wohnen, die Milch des ſüßen Evangeliums zu bringen. Dieſer Wunſch wurde aber noch durch ein ſich herausſtellendes Bedürfniß geſteigert, in⸗ dem im ſüdlichen Theile der Stadt ſich mehr; Gemeinde-Glieser niederließen und deren Kin⸗ der einen weiten Weg in die Schulen hatten, und da in der Nähe der Dreieinigkeitskirche große Gebäude aufgeführt wurden, welche der Mädchenſchule einen Theil des nöthigen Lichtes hinwegnahmen. Seit faſt zwei Jahren wurde nun wiederholt berathen, wie der längſt gehegte Wunſch auf eine zweckmäßige Weiſe in Ausführung zu brin⸗ gen ſei; aber Schwierigkeiten häuften ſich auf Schwierigkeiten. Doch endlich erhörte der Herr die vielen Seufzer, welche in dieſer Angelegen— heit zu ihm aufgeſendet wurden, in erfreulicher Weiſe. Ein für unſern Zweck vorzüglich geeig— neter Bauplatz, mit einem Hauſe, welches jetzt als Lehrerwohnung dient, wurde gefunden, und der Herr machte die Herzen willig die bedeuten— den Laſten im Vertrauen auf ihn aufzunehmen und in ſeinem Namen das Werk zu beginnen. Im Laufe des Sommers entſtand daher ein von; Mauerſteinen aufgeführtes Gebäude von 45 Fuß Länge und Breite, welches durch eine Mit— telwand in zwei Räume getheilt iſt, deren je— der durch fünf große Fenſter Licht erhält und die durch eine große Flügelthüre in Verbindung ſtehen. Das ganze Gebäude iſt ſo eingerichtet, daß es als Fundament zu einer Kirche dienen kann, wenn es nothwendig würde, unſere Dreieinig⸗ keitskirche aufzugeben, an welcher bereits der Zahn der Zeit zu nagen anfängt. Der 30. Auguſt war nun für unſere liebe Gemeinde ein Tag allgemeiner inniger Freude, denn der Herr hatte ſo weit geholfen, daß genanntes Gebäude feſtlich eingeweiht werden konnte. Zu dieſem Zweck verſammelten ſich Nachm. 2. Uhr ſämmtliche (5) Lehrer mit ihren Schͤü⸗ lern in der Dreieinigkeitskirche, und zogen von hier aus mit denſelben, unter Vortragung der den Schulen gehörigen Flaggen und blumen⸗ ten Hauſe, um welches eine große Menge Ge⸗ meindeglieder und viele Fremde ſich verſammelt hatten. Nachdem ſämmtliche Schüler auf dem Hof⸗ raum angelangt waren, öffnete der für dieſe Schule beſtimmte Lehrer Koch, mit einigen die Sache betreffenden Worten, die Thüren. Die geräumigen Zimmer vermochten außer den Kin⸗ dern nur einen Theil der Anweſenden zu faſſen, und Fenſter und Thüren waren daher zahlreich beſetzt. Herr Pſt. Wyneken eröffnete nun die Fei⸗ erlichkeit mit einigen Worten und das herrliche Lied „Allein Gott in der Höh' ſei Ehr“ er— ſchallte zum erſtenmal an dieſer Stätte. Hie— rauf flehte Herr Pſt. Wyneken in einem herzlichen Gebete um Segen zum HErrn und ſprach ſodann in einer längeren Rede über „die Wichtigkeit der Schulen;“ gab mehrere geſchicht⸗ liche die Schulen betreffende Nachweiſungen; machte auf den unvergleichlich großen Nutzen der Schulen überhaupt für Staat und Kirche und auf den Vorzug chriſtlicher Schulen inſon⸗ ſonderheit aufmerkſam, und ermunterte zum Lob und Dank gegen den Herrn für die große Güte und Gnade, die er uns in dieſer Hinſicht bisher erwieſen. Nach Schluß der Feſtrede wurde von den Schülorn ein für die Feierlichkeit gefertigtes Lob- und Danklied zweiſtimmig geſungen, wo⸗ rauf der Lehrer Koſch eine kurze Anſprache „über die Veranlaſſung zum Bau dieſes Ge— bäudes Lan die Kinder hielt und einige Worte der Ermahnung an diejenigen Schülerinnen, welche von ihm zu einem andern Lehrer, ſo wie an die⸗ jenigen Schüler, welche von dem andern zu ihm übergingen, und ſchließlich an ſämmtliche Schü— ler richtete. Hierauf wurde nochmals von den Schülern in einem Geſange um göttlichen Segen gefleht, worauf die Schüler der Immanuels-Schule einen Choral mit geeignetem Tert erſchallen ließen. Zum Schluß ertönte der Vers „Lob, Ehr und Preis ſei Gott,“ und mit Vaterunſer u. Segenswunſch wurde die Leierlichkeit geendet. Sämmtliche Schüler und ein großer Theil umwundener Stäbe, nach dem feſtlich geſchmück⸗