# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1852 09 28_S22 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) rüheren Einigkeit ab. Denneine ungerecht gebannte Kirche ſondert ſih weder von einzelnen, noch von allen Gliedern der früheren Einig⸗ ktit, ſondern, von der früheren Einigkeit oͤhne ihre Schuld ausgeſchloſſen und wi⸗ ter ihren Willen abgeſondert, be⸗ kät ſie die brüderliche Liebe gegen ſämmtliche uuſchuldige Cbriſten der früheren Einigkeit und leibtmit denſelben durch die innerliche Einig— ſit innigſt verbunden; und ſie würde ünen auch, wenn ſie bekannt wären, alle zur äu— ſelichen Einigkeit erforderlichen Liebesdienſte nweiſen, wenn ſie nicht durch die unter denſelben derrſchenden Schismatiker“ gehindert würde, er wenn nicht auch die Unſchuldigen ſelbſt, murch die unter ihnen herrſchenden Schismatiker derführt, die Gemeinſchaft mit ihnen ſcheuten.“ Codann ſetzt auch der angeführte Grund unge— nimter Weiſe voraus, daß die ungerecht gebann— un Kirchen verpflichtet ſeien, zur Einigkeit der ungerecht bannenden und ſchisnatiſchen Kirche urückz ukehren; da es im Gegeutheil und ungekehrt die Schuldigkeit derun⸗ gerecht bannenden Kirche iſt, den ungerechten Bann aufzuheben und zuden ungerecht gebannten Kirchen rückzukehren. Denn diejenige, welche andere Kirchen ungerecht bannt, hört durch den *Unter den Schismatikern ſind hier diejenigen zu verſtehen, n in der ungerecht bannenden Gemeinde an dem unge⸗ nöten Bann und ſomit an der Spaltung Schuld ſind. zpaſt. Grabau ſagt, auf den ungerechten Bann der fal⸗ ſten Kirche ſei freilich nichts zu geben, aber der ungerechte dann der wabren Kirche muß reſpektirt werden. Das iſt tirt petitio prineipii; denn das iſt eben zu erweiſen, daz uewahrſe Kirche ungerecht banne. So ſagten einſt die Rarißen zu Luther: Wer die wahre Kirche nicht hört, der i ein Heide und Zöllner; alſo biſt Du ein Heide und Züll⸗ Aur. Aber Luther antwortete: Das Erſte gebe ich zu; cter erm beweiſt, daß ihr die wahre Kirche ſeid; dann muß i euch freilich hören, oder ich bin ein Hride und Züllner. Lie wahre Kirche läßt aber nur das wahre Wort gottes von ſich hören. Haltet ihr mir das nicht. vor, ühöre ich auch aus eurem Munde die Stimute der wahren hirhe uicht; und wenn ich euch daher nicht höre, ſo bin ih auch damit nicht. der Kirche ungehorſam. So verhält. iiſich auch mit. dem Baun. Es iſt wahr, der Bann der vabren Kirche iſt immer zu reſpectiren. Aber eine Ge⸗ utinde, die ihren Bann als den Bann der wahren Kirche rectert haben will, die banne recht nach Gottes Wort, ind eweiſe es damit, daß es der Baun der wehren Kir⸗ he ſei; banut ſie ungerecht, ſo iſt das nicht „der Bann ur Kirche Chriſti, der Braut Chriſti, der lieben holden Mut- ur der Gläubigen,“ ſondern einer Tprannin, deren unge⸗ Rtter Banu ſo wenig als der Kirche Bann zu achten iſt, z wenig auf falſche. vehren, als auf tie Stimme der uche, zu hören iſt. Paſt. Grabau hat freiſich daran ge⸗ bact, daß ja auch da, wo es viele gute.Cͤriſten gibt, durch git oſe Prediger. und Vorſieher und andere unrediiche Hel⸗ ſroͤbelfer ein ungerechter Bann vollzogen werden könne Iund ſchon manchmal vollzogen worden ſei. Was könrten Wer, meint er, dieſe Unſchuldigen dafür? Warum ſollten Wie Unſchuldigen durch jene Tyrannei Einzelner unter ih⸗ kn die Würde der wahren Kirche verlieren? Die Autwort. kirrauf gibt oben Muſäus. Dir Kinder Gottes (die frei⸗ li niemanden ungerecht in den Bann thun) ſind und blei⸗ In allerdings Glieder der wabren Kirche, aber die Kir⸗ hen orer Gemeinden,, in welchen die Tyrannen regieren ſund rie Schlüſſel zu ungerechtem Baͤnn mißbrauchen, ſind als Aache nicht wabre Kirchen, ſonvern ſchismatiſche, obwohl in innſeiben unſchuldige Nindtr. Gottes, alſo die wahre, Kirche Aurborgen liegen kann. Kurz, nicht die wahre, ſondern die fſche Kirche iſt es ſters, welche dir Schuld des ungerechten. Lannes tragt. D. R. — f — 21— Bruderhaß, welchen ſie durch den ungerechten Bann offenbart, und durch das Gebrechen des Schisma's auf, eine wahre Kirche und ein Glied des myſtiſchen Leibes Chriſti zu ſein; diejenigen aber, welche ungerecht gebannt werden, bleiben wahre Kirchen und Glieder des myſtiſchen Lei— bes Chriſti, was, wie wir geſehen haben, ſelbſt die („papiſtiſchen“) Herrn Gebrüder nicht leug— nen können. Der ſchismatiſchen Kirche liegt aber ohne Zweifel ob, daß ſie vom Bruderhaß abſtehe, durch den ſie eine wahre Kirche zu ſein aufgehört hat, und daß ſie den ungerechten Bann, welcher die Wirkung des Bruderhaſſes iſt, aufhebe und zu der Einigkeit der Kirchen, welche ſie ungerecht gebannt hatte, zurückkehre und da— her durch eine ernſtliche Buße ſich mit Gott und deu beleidigten Kirchen wieder verſöhne und nach Wiederverſöhnung mit denſelben, die Würde ei— ner wahren Kirche wieder erlange.“ (D. J. Mu- saci tract. de ecel. Jen. 1671. P. II. p. 316 —320.) Es mag nun wohl ſein, daß nach Leſung des Vorſtehenden manches redliche Herz denkt.: Sieht es ſo mit dem ungerechten Bann, dann iſt es wahrlich eine gefährliche Sache um denſelben. Wir antworten: Allerdiugs iſt es uns in Got⸗ tes Wort nicht umſonſt geoffenbart, daß der unge⸗ rechte Bann ein Kennzeichen der falſchen Kirche ſei. Der Bann, dieſes hohe Werk, durch wel— ches, wie Luther gar recht ſagt, „eine Abſonde— rung von der Chriſteuheit mit einem öffentlichen Urtheil zum ewigen Tode“ geſchieht, will mit Furcht und Zittern vollzogen ſein, daunit man. ſich nicht an Gottes Heiligen und damit an Gott ſelbſt frevelhaft vergreife. Wo die Sünde eines Menſchen und ſeine halsſtarrige Unbußfertigkeit in Sünden offenbar iſt,“* da ſoll ſich freilich eine Gemeinde nicht fürchten, den Bann zu vollziehen; ja, dann ſoll ſie ſich fürchten, den Baun, den Gott geboten, zu unterlaſſen. Man leſe nur 1 Cor. 5. (das ganze Capitel.) Sind aber die Sünden und die halsſtarrige Unbußfertigkeit ei⸗ nes Gemeindegliedes unter Beobachtung der. Matth. 18. vorgeſchriebenen Ermahnungsſtufen noch nicht offenbar geworden, dann fürchte ſich eine Gemeinde der ſchweren Sünde, an dem Sün⸗ der den Bann vollziehen zu helfen, und etwa da— rin einem tyranniſchen oder rechthaberiſchen Pre⸗ diger nachzugeben. Denn ein ſolcher Bann iſt nicht nach Chriſti Ordnung, wie Hr. Paſt. von Rohr zu behaupten ſich nicht entblödet. Von einem ſolchen Bann ſchreibt vielmehr unſer Luther: „Wo du aber dieſe Maa⸗ ße und Weiſe nicht hältſt, ſo wirſt du ungewiß, und dein Herz kann nicht ſagen: Ich weiß, daich nicht fehle. Sondern es wird dich beißen und alſo ſagen: Du haſt ohne Gottes Wort gebunden und gelöſet, Gott. hat dich' ſo nicht geheißen, ſondern iſt dein eigener Muth-⸗ wille;, darum haſt du keine Schlüſſel. gehabt, ſondern es hat dir. von Schlüſſeln geträumet. Daraus wird denn weiter dein Gewiſſen dich ur— *Die Unbußfertigkeitteines Menſchen kann aber ſchon au Einer offenbaren Sünde, welcher der öffenttich überwieſene Sünder nicht erkennen, bekennen und laſſen will, ofſeubar. woerden. ütheilen und ſagen: Du haſt Gottes Namen ge— läſtert, die Schlüſſel geſchändet und dazu deinem Nächſten Gewalt und Unrecht gethan, ſein Ge— wiſſen mit Lügen erſchreckt, auf Irrthum und falſchen Verſtand der Schküſſel geführet“ und geiſtlich getödtet. Wo willt du denn bleiben? ... Du höreſt hie“ (Matth. 18.) „daß es müſſen ge⸗ wiſſe öffentliche Sünde ſein, gewiſſer be— kannter Perſonen, da ein Bruder den andern ſündigen ſieht; dazu ſolche Sünde, die zuvor brüderlich geſtraft und zuletzt öffentlich vor der Gemeine überzeugt ſind.“ — Wer mag es nun hiernach noch wagen, zu ſagen: Ob wir auch immerhin ungerecht gebannt haben, ſo ſind wir doch die wahre Kirche, und darum müßt ihr unſern auch ungerechten Bann reſper— tiren?! Es iſt alſo freilich wahr, was Paſt. Grabau behauptet, daß der ungerechte Bann keine falſche Lehre iſn; wie könnte eine Handlung eine Lehre ſein? Aber ungerechter Vann fließt entweder aus falſcher Lehre, oder er erzeugt doch „Irthumt und falſchen Verſtand der Schlüſſel.!.“ D. R. (Eingeſandt.) Vor allem muß ich die lieben Leſer des „Lu⸗ theraner,“ beſonders die Gelehrten unter ihnen beiten, mich zu entſchuldigen, weil meine Einſen— dung der Form nach vielleicht nicht ſo corrert iſt, wie ſie ſein ſollte; denn ich bin nur ein Hand-— werker, der alle Tage im Schweiß ſeines Ange— ſichts ſein Brod verdienen muß, und kein „wiſ⸗ ſenſchaftlich gebildeter“ Maun. Aber ganz ab⸗ geſehen davon, daß ich kein „ſolcher“ bin, ſehe ich doch vermittelſt des Wortes Gottes und der Au⸗ gen meines, obgleich ſchwachen Glaubens, daß' das Getreibe der ſogenannten geheimen Wohl— thätigkeits-Geſellſchaften kein Gott wohlgefälli— ges, ſondern ein unchriſtliches und ein der Kirche: des Herrn eutgegenwirkendes iſt. Doch zur! Sache. Da die deutſche evangeliſch-lutheriſche St. Johannis (jetzt St. Pauli) Gemeinde in Day⸗ ton, Montgomerpy County, Ohio, durch die Liſt. des Satans, vermittelſt eines rohen Haufens (mit Ausnahme Weniger) von Gottes⸗ und Chriſtusleugnern und Gliedern jener ſogenann⸗ wurde (wiewohl ſie, Gott ſei Danklaeſo nach au⸗ ßen von allem entblößt, doch durch Rettung ih⸗ res theuren Bekenntniſſes deſto reicher nach in— daß ſich eine neue Gemeinde mit' neuer Verfaſ⸗ ſung bildete. Der erſte Artikel dieſer Verfaſſung lautet alſo: „Der Nauie der Gemeinde ſoll ſein: die deutſche evangeliſch-lutheriſche St. Pauli Ge— meinde in Dagton, Montgomery County, Ohio, welche ſämmtliche kanoniſchen Bücher alten und— neuen. Teſtaments als Gottes geoffenbartes Wort. und als Grund ihres Glaubens aner⸗ kennt, ſo wie ſie ſich zu ſämmtlichen ſymboliſchen, Schriften der evangeliſch lutheriſchen Kirche be— kennt, nach welchen ſie die. Lehre geführt und ge— prüft. und alle etwa vorfallenden Lehrſtreitigkei⸗ ten entſchieden wiſſen will.“ Zieht. ſie ſich nun ſchon durch den erſten Artikel den Haß der Welt, inſonderheit der. geheimen Geſellſchaften zu, ſo ten geheimen Wohlthätigkeits-Geſellſchaften um— ihre Kirche und das, was dazu gehört, gebracht, nen daſtand), erforderte es die Nothwendigkeit,