# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1845 11 29_S28 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 28 mit so offenbaren und deutlichen Schriftstellen der Kirche von Anfang an verkündigt und derselbe hernach durch die ersten kirchlichen Schriftsteller den Ohren der Gläubigen so klar und so eifrig angepriesen worden ist, so bitte ich euch, fahret nicht fort, diesen wohlgegründeten Glauben fernerhin anzugreifen und zu untergraben. Es ist genug, ja mehr als genug schon versucht und wäre dieser Glaube nicht auf einem festen Felsen fest gegründet, so wäre er schon längst zu Trümmern gegangen. Es ist nicht zu sagen, wie viel dieser so bittere Streit sowohl in der ganzen christlichen Welt, als besonders bei uns dem wohllaufenden Wort des Evangeliums entgegen gewesen ist.“ (Ed. Offenbachii 1610 per Quirin. Reuterum, Prf. Heidelberg. &c. Harm. Ev. Chemnitio-Lysero-Gerhardiana c. 171. p. 784.) Ferner schreibt Cranmer in der ersten Ausgabe seines dem König Eduard VI. (starb 1553) dedicirten Katechismus Fol. 114. p. 2: „Dies ist der Grund und Anfang der christlichen Erkenntniß und Glaubens, zu glauben, daß Gott allmächtig ist. Dies glauben viele nicht und wollen doch nichts desto weniger für Christen, ja für große Geistliche angesehen werden. In dieser Zahl sind die, welche nicht glauben, daß der Leib Christi wahrhaftig gegeben werde in dem Mahl des HErrn denen, welche das Sacrament empfahen; obgleich Christus deutlich spricht: Nehmet, esset, das ist mein Leib. Und warum glauben sie dies nicht? Wahrlich darum, weil sie nie diesen Artikel wirklich geglaubt haben, daß Gott allmächtig ist, sondern sie denken, daß Gott nicht im Stande sei, das zu wirken oder zu thun, was sie nicht mit ihrem Witz und Verstand begreifen können.“ Weiter unten sagt Cranmer: „Christus sagt vom Brod: das ist mein Leib, und von dem Kelch spricht er: das ist mein Blut. Daher sind wir schuldig zu glauben, daß wir im Sacrament wahrhaftig empfangen den Leib und das Blut Christi, denn Gott ist allmächtig (wie ihr hört im Glauben), er ist daher mächtig zu thun alle Dinge, welche er will, und wie St. Paulus schreibet, ruft er dem, das nicht ist, daß es sei. Daher wenn Christus das Brod nimmt und spricht: Nehmet, esset, das ist mein Leib, so dürfen wir daran nicht zweifeln, daß wir seinen wahren Leib essen; und wenn er den Kelch nimmt und spricht: Nehmet, trinket, das ist mein Blut, so müssen wir fest dafür halten, daß wir sein wahres Blut trinken. Und dies müssen wir glauben, wenn wir für Christen gehalten werden wollen. Und da zu dieser gefährlichen Zeit gewisse trügliche Leute an vielen Orten gefunden werden, welche aus bloßem Frevel nicht zugeben wollen, daß Christi Leib und Blut da sei, sondern es aus keiner andern Ursache verneinen, als weil sie mit menschlicher blinder Vernunft nicht begreifen können, wie dies geschehen möge, so sollt ihr, liebe Kinder, euch mit allem Fleiß vor solchen Leuten vorsehen, daß ihr euch von ihnen nicht betrügen lasset. Denn solche Leute sind gewißlich keine wahren Christen und haben den ersten Artikel des Glaubens noch nicht gelernt, welcher lehrt, daß Gott allmächtig ist.“ (Siehe: „W. Ch. Berkenmeyers, Predigers der ungeänderten Augsburg. Conf. zu New York, getreue Hirten⸗ und Wächterstimme an die Lutheraner in diesen Gegenden, einstimmig zu sein. Gedruckt zu New York bei Zenger 1728.) Aus diesem letzteren Zeugnisse ersieht der geneigte Leser, daß auch in England freilich zuerst die reine lutherische Lehre verbreitet worden ist, bis später Calvinisten dahin kamen, insonderheit ein Petrus Martyr u. a., welche durch ihre philosophischen Spitzfindigkeiten dort die Herzen von der Einfältigkeit in Christo zu unverwindlichem Schaden vieler Generationen verrückten. 2 Cor. 11, 3. 4. Aus diesem ganzen Bericht aber erfahren wir, als jene hochbegabten und ausgezeichnet gelehrten Männer auf Gottes Ruf mit Luther erwachten, so kamen sie durch das klare Wort Gottes erst auf keine andre Lehre, als welche Luther bis an seinen Tod treulich festgehalten, bekannt und vertheidigt hat. Erst als sie anfingen, sich mit Fleisch und Blut zu besprechen, auch auf ihr Herz bei Entscheidung über göttliche Geheimnisse zu hören und ihrer Vernunft ein richterliches Ansehen über die heil. Schrift einzuräumen, so kamen sie auch von der von Luther eingeschlagenen Bahn immer weiter ab, und je größer die Gaben waren, welche sie von Gott zur Erbauung seiner Kirche erhalten hatten, je mächtiger und verderblicher riß später das Gewicht ihrer Person viele Tausende zur Spaltung der Kirche mit sich fort. Sie stehen als Warnungsbeispiele für alle Zeiten da. „Darum, spricht der Apostel, wer sich läßt dünken, er stehe, mag wohl zusehen, daß er nicht falle.“ 1 Cor. 10, 12. Ferner: „Du stehest durch den Glauben; sei nicht stolz, sondern fürchte dich.“ Röm. 11, 20. Ja ein Zwingli, Oekolampad, Calvin, Melanchthon und Cranmer lehren uns, je höher Gott einen Menschen begabt und begnadigt hat, desto ernstlicher hat er auf das Wort des Propheten zu merken: „Sehet euch vor vor eurem Geiste.“ Mal. 2, 15. In einem der nächsten Blätter gedenken wir nun nachzuweisen, welche augenscheinliche Verwandtschaft Calvins mit Zwingli und welch ein wesentlicher Unterschied in der Lehre Calvins und Luthers, was das heil. Abendmahl betrifft, später offenbar geworden sei. (Fortsetzung folgt.) Doctor Luthers Auslegung des 90. Psalms. Diese überaus lehrreiche und tröstliche Schrift des theuren Mannes Gottes hatte der Unterzeichnete in Verbindung mit mehreren andern lutherischen Predigern, und durch Unterstützung einiger mildthätiger Freunde im Jahre 1834 aufs Neue abdrucken lassen und mit einem kurzen Vorwort herausgegeben. Es sollte dies der Anfang einer fortlaufenden Reihe von „Gaben für unsere Zeit“ sein, die wir, — wenn anders diese erste Gabe eine willige Aufnahme finden und die Druckkosten nur einigermaßen decken würde, — „aus dem reichen Schatz der lutherischen Kirche, und besonders aus Doctor Luthers geist- und glaubensreichen Schriften“ herauszugeben gedachten. Denn da so Viele sich die ganzen Werke Luthers nicht selbst anschaffen können, oder nicht Zeit haben, sich dasjenige herauszusuchen, was etwa besonders für sie passen möchte, so wünschten wir zunächst, unsern Glaubens⸗Genossen einen ähnlichen Dienst zu leisten, wie einst der sel. Rambach mit den, ebenfalls nach und nach herausgegebenen „kleineren Schriften Luthers“ zu seiner Zeit geleistet hat, — und wir wissen, daß diese unsre Absicht auch hie und da dankbar erkannt wurde. Allein der erfolgte Absatz jener Auslegung des 90. Psalms entsprach keineswegs unserer Erwartung, und es ist noch eine bedeutende Anzahl Exemplare davon in unsern Händen. Es haben wohl Einige gemeint, daß, wenn wir eine andere Schrift Luthers erwählt hätten, dieselbe vielleicht mehr Abgang gefunden hätte; allein, wer nur irgend die hohe Gabe lutherischer Schriftauslegung gebührend zu schätzen weiß und die Erklärung jenes Psalms mit rechter Aufmerksamkeit liest, der wird nicht nur eine treffliche Summa der ganzen heilsamen Lehre darin finden, die zu allen Zeiten Noth thut, sondern er wird auch auf gar viele Lehrartikel geführt werden, die für unsere Zeit besonders wichtig sind. Namentlich ist darin ein überaus herrlicher Schlüssel zum rechten Verständniß des alten Testaments, ein vorzüglich deutlicher Unterricht über die Lehre von der Erbsünde, von Anfechtungen des Todes, von dem überschwänglichen Troste des Evangeliums in aller Noth und Mühseligkeit dieses Lebens, von den Schätzen und Heilsgütern der wahren Kirche und von den Aemtern und Ständen der Christen gegeben und dabei zugleich gezeigt, wie ein Christ in solchem seinem Stand und Beruf zu beten, und wes er sich dabei zu trösten habe. Aber freilich gehören auch hierzu Herzen, die nach solcher gesunden und nahrhaften Speise hungrig und begierig sind; Leser, die nicht schon satt und sich selbst klug genug sind, sondern gern lernen wollen und in der Gnade und Erkenntniß JEsu Christi gern täglich wachsen möchten; die darum auch die Zeit sich nicht verdrießen lassen, welche sie darauf zu wenden haben, wenn sie auf den allerheiligsten Grund ihres Glaubens, den sie in ihrem luth. Katechismo erlernt haben und in der öffentlichen luth. Predigt hören, sich mehr und mehr erbauen und zu ihrem täglichen Bibellesen noch eine sichere Handleitung haben wollen, wie sie das liebe Wort Gottes immer fruchtbarer verstehen und im Glauben, Lieben, Leiden und Hoffen anwenden sollen. Und solchen Lesern zunächst, aber auch allen Andern, die jene Auslegung des 90. Psalms nicht schon haben, und doch gern haben möchten, bietet der Unterzeichnete dieselbe — das Exemplar zu 12½ Cents an, wofür sie es bei Herrn Gräber, dem Herumträger dieser Blätter, von jetzt an beziehen können. Wer aber diese Schrift schon besitzt, den wird es nicht gereuen, wenn er sich bei dieser Gelegenheit wenigstens nicht vergeblich erinnern läßt, dieselbe wieder einmal hervorzusuchen und namentlich in krankheitsvoller Zeit sie aufs Neue andächtig zu betrachten, wozu wir ihm Gottes Gnade und heil. Geist von Herzen wünschen. G. H. Löber, Pastor. Bezahlt: Die 2. Hälfte des 1. Jahrg. Hr. Windecker. „ 1. „ „ 2. „ „ Heidorn und „ Windecker. Gedruckt bei Weber und Olshausen.