# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1852 09 29_S15 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) mer „der ſchlechteſte Apoſtel oder Miſſionar ſein müſſe, weil ſein Apoſtelamt der Indianer einge⸗ gangen iſt,“ mindeſtens zu früh gemacht. Ob einer ein guter oder ſchlechter Arbeiter im Wein— berge des HErrn geweſen iſt, wird hier immer⸗ hin nur ſehr unvollkommen offenbar. Der jüngſte Tag aber wird neben vielem Andern auch das in's hellſte Licht ſetzen. Dann, wann viele von denen, die hier nur immer mit Thrä— nen ſäen mußten, ohne die Freude der Ernte zu genießen, dennoch mit Freuden ihre Garben brin⸗ gen werden, dann wird ſich's auch zeigen, in wie vielen Indianerſeelen der durch Hrn. Prof. Crämer ausgeſäete unvergängliche Saame den— noch Wurzel gefaßt hat, obgleich es unſern Au⸗ gen hier entging; dann auch wird's offenbar werden, wie viele Seelen noch im bittern Todes⸗— ſtündlein alles andre fahren ließen und an den ſich hielten, auf welchen ſie, als auf den Heiland der Sünder, durch Hrn. Prof. Erämer hinge⸗ wieſen wurden. — Bis dahin ſchweige denn auch ein ſolches Urtheil. Daß „die andern miſſouriſchen Heidenpredi⸗ ger ſelbſt geſtehen, daß ſie wenig ausrichten,“ iſt ſehr wahr. Sie geſtehen am lie bſten, daß ſie ſelbſt gar nichts ausrichten, daß alles, was Gu— tes geſchehen iſt, Gottes Gnade gewirkt hat. Zum Preiſe dieſer Gnade Gottes aber muß es geſagt werden, daß bereits mehrere Seelen, durch den Dienſt der Miſſionare der ſtreitenden Kirche einverleibt, jetzt im Himmel triumphiren, was um ſo gewiſſer geſagt werden kann, als es meiſt unmündige Kindlein ſind, bald nach der hl. Taufe heimgegangen. Zum Preiſe dieſer Gnade Gottes muß auch bekannt werden, daß die fünfzig durch den Dienſt der „miſſouriſchen Heidenprediger“ getauften Indianer-Chriſten zu Bethanien, wie die vierzig Indianer-Ehri— ſten zu Shiboyang zu der Hoffnung berechti⸗ gen, daß wenigſteus mehrere von ihnen bis in den Tod treu bleiben, und alſo das Ende ihres Glaubens erlangen werden. Grund genug zur Freude und zum Lobe Gottes für einen jeden Chriſten, der dieſe geringen Tage nicht verachten will. Nun, Hr. Pſt. Grabau will dieſe geringen Tage nicht verachten; er will mit uns Gott danken, auch für das Wenige, was geſchehen iſt, wenn er nur gewiß wüßte, was er gern glauben möchte, daß unſre Heidenprediger, dort, wo ſie ſind, rechten Beruf haben. Dieſes will ich denn ſchließlich noch kurz nachweiſen, und zwar in einer auch Hrn. Pſt. Grabau genügenden Weiſe, und in der Hoffuung, daß er dann auch das verheißene Lob Gottes nicht länger zurück— halten werde, weil es ja ein ſo köſtlich Ding iſt den HErrn zu loben immerdar. Die Ver— pflichtung dieſen Nachweis zu liefern hat mich eigentlich bewogen, überhaupt dieſe flüchtigen Zeilen zu ſchreiben. ö Was nun erſtens Bethanien betrifft, ſo iſt der dort wohnende Miſſionar von dem (nun verſtorbenem) Häuptlinge der Horde, alſo von der rechtmäßigen Obrigkeit, beſtimmt und drin⸗ gend aufgefordert worden, ſich in ſeinem India⸗ nerdorfe niederzulaſſen, um ihn und ſein Volk — 11— zu unterrichten, Der Miſſionar fand es indeſ⸗ ſen gerathen, nicht eher darauf einzugehen, bis die ganze Horde denſelben Wunſch ausgeſprochen haben würde. Einige Zeit darauf kam der Häuptling 70 Meilen weit und brachte ihm die Kunde, daß ſeine Leute ſich aus der temporären Zerſtreuung in die Wälder wieder zuſammenge⸗ funden hätten, und daß dies der Zeitpunkt ſei, ſie alle zu ſehen und zu ſprechen. So reiſ'te der Miſſionar hin, verkündigte in allgemeiner Ver— ſammlung von Männern und Weibern, jung und alt, den Rathſchluß Gottes zur Seligkeit Aller Menſchen, auch der Indianer, und ver— ſicherte ſie von ſeiner Willigkeit dieſen Gnaden- Rath Goties ihnen ferner darzulegen und ſo den Weg zum Leben ihnen zu zeigen, ohne allen Zwang, bis daß ſie ſelbſt kommen und um Auf⸗ nahme in die Kirche Gottes bitten würden; auch verſprach er ihnen für die Jugend eine Schule zu errichten, wenn ſie dagegen verſprechen woll⸗ ten, die Kinder zur Schule zu ſchicken, und ſich ſelbſt auch ſonntäglich zur Anhörung des Wor— tes Gottes zu verſammeln, damit nicht nur bei Gelegenheit Einzelne, ſondern zu gewiſſen Zei— ten Alle es hören könnten. Der Gegenſtand wurde in Berathung genommen, der Häuptling hielt einige merkwürdige Reden (Siehe über die ganze Sache das Leipziger evang.-luth. Miſ⸗ ſionsblatt, Ihrg. 1849.), worauf ein jeder der Männer ſeinen Wunſch ausſprach, daß der Miſ— ſionar kommen möchte, die geſtellten Bedingun⸗ gen wurden zugeſagt ꝛ. Aus dieſem ſummariſchen Nachweiſe wird Hr. Pſt. Grabau wohl ohne Mühe erkennen, daß der Miſſionar in ganz rechtem Berufe zu Bethanien iſt. Was bie Station Shibopang betrifft, ſo hat das dortige Chriſtenhäuflein, das ſeinen berufe— nen Seelſorger Herrn Miſſionar Maier durch den Tod in der Saginaw Bay verloren hatte, dringend genug gebeten, daß der gegenwärtig dort lehrende Miſſionar in ihre Mitte ziehen möchte. Und auch die benachbarten Heiden zu Sibiwäing bitten wiederholt um öftere Verkün⸗ digung des Wortes in ihrer Mitte. — Und ſo haben denn ſelbſt nach den Grundſätzen des Hrn. Pſt. Grabau die „miſſouriſchen Heiden— prediger allda, wo ſie ſitzen, rechten Beruf.“ Möchte er nur auch den Dank dem lieben Gott nicht länger vorenthalten, der Ihm ſo reichlich von einem jeden Chriſten gebührt für das, was er in dieſen letzten Tagen an den armen Heiden noch thut. Und möchte er, nachdem ihm ja verſichert worden, daß auch wir das Getreibe der Secten unter den Heiden nicht billigen, aufhö— ren gegen ein Werk zu kämpfen, das ſo klar von dem HErrn geboten iſt, und durch welches ja auch er ſelbſt, wie wir alle in unſern Vätern der heidniſchen Finſterniß entriſſen wurden. B. Sierakowskj. Die Einſendung Herrn Bundenthals konnte in dieſer Nummer keinen Raum finden; in der nächſten wird ſie erſcheinen. Johaunn Heermann, der Sänger Gottes. Ihr ſehet unter den Liedern unſeres Geſang⸗ buches die Namen der Verfaſſer. Habt ihr nicht oftmals bei dieſen Namen gedacht: o welch gottſelige Jünger des Herrn müſſen das gewe⸗ ſen ſein? habt ihr nicht unterweilen auch ge⸗ wünſcht, etwas zu wiſſen vom Leben und Ster⸗ ben dieſer Sänger Gottes? — Laßt mich euch kürzlich Leben und Tod eines vorzüglichen Got⸗ tesmannes erzählen, von dem in unſerem Ge⸗ ſangbuch an 26 köſtliche Lieder ſtehen, darun⸗ ter: „O Gott, du frommer Gott!“ „Zion klagt mit Angſt und Schmerzen.“ „So wahr ich le⸗ be, ſpricht dein Gott!“ Johann Heermann wurde am 11. Oktober 1585 zu Staudten im Fürſtenthum Wohlau in Niederſchleſien geboren, wo ſein Vater, ein from⸗ mer u. ehrbarer, übrigens unbemittelter Mann, 1 das Kürſchnerhandwerk trieb. Als Johann in ſeiner Kindheit einmal heftig erkrankte, flehte ſeine Mutter inbrünſtig zu Gott um ſeine E=⸗ haltung: „ſchenke ihn ihr Gott zum zweiten 2 Male, ſo wolle ſie ihn zum Studieren halten, 1 auch wenn ſie ſich das Geld dazu erbetteln ſollte.“ Ihr geſchah, wie ſie im Glauben ge⸗ beten hatte, und nun that ſie auch, was ſie ge⸗ lobt hatte, obgleich ſieben theure Jahre, die nach einander folgten, es ihr recht ſchwer machten, ihren Sohn zum Studieren zu erziehen. Ehe es bei ihm noch zum Studieren kam, beſuchte er vier Lehranſtalten; namentlich kam er in das Haus des Balerius Herberger zu Frauſtadt, deſſen Lied „Valet will ich dir geben“ und viel⸗ leicht auch deſſen Herzenspoſtille ench wohlbe⸗ kannt ſein wird. Herberger liebte ihn wie ſein! eigen Kind und gab ihm ſeinen Sohn, Zacha⸗ rias, zur Aufſicht und häuslichen Unterweiſung. Hier erhielt die empfängliche Seele des Jüng⸗ lings einen tiefen Eindruck von dem ebeuſo geiſtreichen als heiligen Leben des frommen Die— ners Chriſti, der ihm ſpäter auch in ſeinen Pre⸗ digten das Vorbild war. Schon damals er⸗ kannte der Rektor Brachmann die köſtliche Ga— be Heermann's, dem HErrn neue Lieder zu ſin⸗ gen. Hernach auf der Schule zu Brieg, wo der Cantor Schielfuß ihn unterwies, ward er drei und zwanz'g Jahr alt, unter großer Feitr⸗ lichkeit öffentlich als Dichter mit dem Lorbter⸗ kranz gekrönt. Er blieb aber von Herzen demü⸗ thig, und ſein Wandel war von früher Jugend bis in's Alter züchtig und nüchtern. Bald er⸗ hielt er nun das Amt eines Aufſehers über dri junge Edelleute, mit denen er die Univerſität Straßburg bezog. Kaum hatte er dort ein Jahr zugebracht, ſo verdunkelten ihm Krankheitszu⸗ fälle das Augenlicht, ſo daß er in die Heimath 3 zurückkehren mußte, wo er nach einer äußerſt mühevollen Reiſe ſeine Mutter gleichfalls krank antraf. Gott ſtellte aber ihn und ſeine Mutter 1 wieder her und lenkte das Herz ſeines alten Gönners, des Herrn von Rothkirch, des Va⸗ ters von zweien ſeiner Zöglinge, daß er ihm uicht nur die Wegzehrung von Straßburg her erſetzte, ſondern ihm auch die Caplanei an der