# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1845 11 29_S27 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 27 lange enthalten habe. (S. Thomæ Mortoni de pace ecclesiastica sententia. Wie hoch gerade diejenigen Franzosen, mit denen Calvin in Verbindung stand, Luthers Urtheil stellten, bestätigt übrigens auch Calvin selbst in einem Briefe, den er im Januar 1545 an Luther geschrieben; darin spricht derselbe, daß viele Franzosen zwar die Wahrheit erkannt hätten, aber nicht recht mit der Sprache heraus gehen wollten, und fährt nun fort: „Uebrigens, weil sie (jene Franzosen) nicht recht wissen, was sie thun sollen, so tragen sie Verlangen, Dein (Luthers) Urtheil zu hören, welches, wie sie es denn mit Recht verehren, ihnen auch zu einer großen Bestärkung dienen wird. Sie haben mich daher gebeten, daß ich einen sichern Boten eigens an Dich abschicken möchte, damit dieser Deine Antwort über diese Sache uns überbrächte. Ich aber, überzeugt, daß es ihnen von großem Nutzen sein wird, durch Dein Ansehn unterstützt zu werden, daß sie nicht immer so hin und her wanken, wollte ihnen das Gebetene nicht abschlagen.“ (Siehe: Sammlung von alten und neuen theologischen Sachen ꝛe. Jg. 1722. S. 627.) Noch unzweifelhafter aber wird es, daß Calvin zuerst lutherisch gesinnt gewesen sei, da er im Jahre 1538 zu Straßburg, (wo er, aus Genf vertrieben, eine Predigerstelle bei einer französischen Gemeinde annahm,) wie er selbst bekennt, die Augsburgische Confession willig und gern unterschrieb und nach derselben zu lehren sich feierlichst verpflichtete, während er später, wie wir noch hören werden, dieses Bekenntniß auf alle Weise verdächtig zu machen suchte. Hierher gehört ferner dieses. Im Jahre 1536 wurde zwischen Luther und seinen Gleichgesinnten einerseits, und Bucer aus Straßburg und andern vormals mehr Zwinglisch-gesinnten andrerseits eine Unterredung in Wittenberg gehalten, nach welcher alle ohne Ausnahme folgende Formel unterschrieben: „Daß mit dem Brod wahrhaftiglich und wesentlich zugegen sei, gereicht und empfangen werde der wahre Leib Christi; solche Einsetzung gelte, obgleich der, so es darreicht oder empfähet, nicht würdig ist; der wahre Leib Christi werde auch von den Unwürdigen empfangen.“ Auf diese sogenannte Wittenbergische Concordienformel wurde nun nach der Straßburgischen Kirchenordnung das ganze Straßburgische Ministerium und somit auch Calvin verpflichtet. Es fiel dies damals so sehr auf, daß in dieser Zeit die Zwinglianer zu Zürich ihren in Straßburg studirenden Söhnen wegen der hier nun veränderten Lehre verboten, daselbst mit zu communiciren. Mußte nicht hiernach Calvin, wenn nicht ein Lutheraner, ein Heuchler gewesen sein, da er jene Formel auch als sein Glaubensbekenntniß annahm? Hierzu kommt nun endlich noch, daß Calvin bei mehreren wichtigen Religionsgesprächen, wie zu Worms 1540, und zu Regensburg 1541 auf Seite der Evangelischen (dies war damals der Name der Lutheraner) mit zugegen war und mit diesen sich hier zu der schriftlich abgegebenen Erklärung bekannte: „daß sie an dem gemeinen Consens der katholischen Kirche festhielten, daß in dem Mahl des HErrn nach der Segnung des Brodes und Weines Christi Leib und Blut wahrhaftig und wesentlich da sei und genommen werde, und daß sie diejenigen verwürfen, welche leugnen, daß Christi Leib da sei und wahrhaftig genommen werde.“ (Melanchthonis Opp. T. IV. p. 736.) Erwägen wir nun, daß bei solchem Betragen Calvin in jener Zeit von den Schweizern für einen Gegner Zwingli's und von den Lutheranern für einen Glaubensverwandten gehalten worden ist, so bleibt uns nichts übrig, als entweder zu glauben, daß damals Calvin noch im Herzen der lutherischen Kirche zugethan, oder daß er ein höchst zweizüngiger Mann gewesen sei. Da aber die Liebe immer das Beste glauben soll, wo ihr dazu nur irgend Raum gelassen ist, so glauben wir billig das Erste. Wir können diesen Abschnitt nicht schließen, ohne auf die wohl zu beachtende Erscheinung hinzuweisen, daß fast alle für die Reformation besonders einflußreiche Männer, die später in der Lehre vom heil. Abendmahl von Luther abgingen, mit ihm erst in der Blüthezeit ihres Glaubenslebens übereinstimmten. Wir erinnern hier nur noch an Oekolampad, Melanchthon und Cranmer. Oekolampad, Professor und Prediger zu Basel, der später einer der eifrigsten Verfechter der Irrlehre Zwingli's geworden ist, schrieb vorher im Jahre 1521: „Ich nenne das Sacrament nicht nur eine Figur wie das Osterlamm. Diese Gotteslästerung sei ferne, daß wir dem Schatten so viel zuschreiben sollten, als dem Lichte und der Wahrheit, und jenen Figuren, als diesem hochheiligen Geheimnisse; denn das Brod bezeichnet hier nicht nur, sondern ist der Leib des HErrn selbst. Wir glauben hierin Christo, der höchsten Wahrheit, die nicht trügen kann und gesagt hat: Nehmet und esset, denn das ist mein Leib. Wir bekennen daher einfältig, daß der Leib und das Blut Christi da und darin enthalten sei; das Wie? aber suchen wir nicht zu erforschen, da es weder nöthig, noch nützlich ist. Wie derjenige, der zur Rechten des Vaters über den Himmeln thront, auf den Altären wahrhaftig gegenwärtig sei, darüber sollen wir uns kein Bedenken machen, noch vergeblich ängstlich fragen, weil dies zu erforschen uns unmöglich ist.“ (Serm. de sacr. euchar. Aiiij.) Melanchthon, der sich leider durch seine natürliche Friedensliebe später zu einer die Erhaltung der reinen Wahrheit sehr gefährdenden Nachgiebigkeit gegen die Reformirten verleiten ließ, schrieb vorher: „Gott sei mein Zeuge, daß ich keiner andern Ursache halben so fleißig zum Frieden (mit den Römisch-katholischen) gerathen habe, denn allein darum, daß ich gesehen, wo nicht Frieden gemacht würde, so würden sich die Unsern mit den Zwinglianern conjungiren, welches, daß es nicht geschehen möchte, haben wir mit höchster Treue und Fleiß bisher verhütet. Denn wenn sie sollten mit einander zugleich Eins werden, so würde daraus entspringen gar große Zerrüttung und Confusion der Lehre und ganzen Religion.“ — An einer andern Stelle schreibt Melanchthon also: „Ich finde keine Ursache, warum wir von dieser Meinung, nehmlich daß Christus im heil. Abendmahl mit seinem Leib und Blut gegenwärtig sei, abweichen sollten. Es kann sein, daß eine solche Meinung einem müßigen Gemüthe angenehmer sei, die der menschlichen Vernunft gemäßer ist, insonderheit wenn sie mit spitzig erfundenen Gründen geziert und ausgeschmückt ist, aber wie wird es in der Anfechtung bestehen, wenn das Gewissen disputiren wird, was er für Ursach gehabt, von der gewöhnlichen Meinung der Kirchen abzuweichen? Dann werden diese Worte: Das ist mein Leib, lauter Donnerkeile sein. Was wird dann ein erschrecktes Gemüth entgegen setzen? mit welcher Schrift und mit welchem Wort Gottes wird es sich schützen und sich überreden, daß Christi Worte verblümter Weise anzunehmen sind?“ ꝛc. Thomas Cranmer endlich,*) dieses wichtige Werkzeug zur Reformation der Kirche in England, der sich später zu der Calvinischen Irrlehre verleiten ließ, schrieb vorher an den Bürgermeister Joachim Vadianus zu St. Gallen in der Schweiz: „Wenn ich nicht gewissere Gründe für jene eure Meinung von der Abwesenheit des Leibes Christi zu sehen bekomme, als ich bis jetzt habe sehen können, so mag ich sie weder vertreten, noch ihr beifallen. Und schon daraus bin ich durchaus überzeugt, daß es keine gute Sache sei, da ihr so sinnreichen, so beredten und in allen Künsten und Wissenschaften erfahrnen Männer sie nicht mit triftigen Gründen stützen und erhalten zu können scheint. Ich habe sonst alles gesehen, was sowohl von Oekolampad, als von Zwingli geschrieben und herausgegeben worden ist, und habe dabei soviel gelernt, daß man aller Menschen Schriften mit Auswahl lesen müsse. — Ihr mögt noch so große Gewandtheit des Geistes anwenden, so werdet ihr mich doch nie davon überzeugen, noch, wie ich meine, irgend einen unparteiischen Leser, daß jene alten Schriftsteller in diesem Handel eure Meinung gehabt haben. Da daher dieser katholische (allgemeine, christliche) Glaube an die wahre Gegenwart des Leibes Christi, den wir haben, *) Cranmer war 1489 geboren und wirkte von 1532 an als Erzbischof von Canterbury für die Reformation der Kirche in England. Er entwarf mit dem Bischof Ridley ein aus 42 Artikeln bestehendes Glaubensbekenntniß, welches später die Grundlage zu den bekannten 39 Artikeln wurde, die die Episcopalkirche (wie die lutherische die Augsb. Confession) als ihr Hauptsymbol angenommen hat. Cranmer starb endlich in den Verfolgungen durch die Königin Maria von England um seines Glaubens willen 1556 auf dem Scheiterhaufen. Er hatte sich zwar vorher aus Todesfurcht zum Widerruf und zur Abschwörung seines Glaubens bewegen lassen, zeigte aber, als er dennoch nicht losgegeben wurde, große Reue, und ließ sich unter vielen Thränen seine rechte Hand, mit der er den Widerruf unterzeichnet hatte, zuerst abbrennen. Die streng römisch-katholisch gesinnte Maria wüthete damals furchtbar; nach Guerike mußten 277 Personen, darunter 5 Bischöfe und 21 Prediger, auch viele Weiber und selbst Kinder vom zartesten Alter um ihres Bekenntnisses willen in den Flammen sterben. Ein Weib gebar in den Flammen; das Kind, durch Mitleid hervorgezogen, mußte auf höheren Befehl wieder in das Feuer geworfen werden.