# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1852 09 29_S10 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Herausgegeben von der Deutſchen Ev. Luther. Synode von Miſſouri, Ohio und andern Staaten. Nedigirt von C. F. W. Walther. „Gottes Wort und Luthers Lehr“ vergehet nun und nimmermehr.“ ——— S&.. — (Offenb. Joh. Ca v. 14, v. 6. 7.) Jahrg. 9. St. Louis, Mo., den IX. September 1852. No. 2. Bedingungen Der Lutheraner erſchelet alle nei Wochen eiumal für den jäbrlichen Srbſcrivtiensvreis von Einem Doilar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche deuſelben vorausenbe⸗ n St. Louis wird jede einzelne No. für 5 Cents verkauft. Tahlen und das Peſtgeld zu tragen haben. — E aber. Rur die Briefe. welche Mittbeilungen für das Blatt enthalten, ſind an den Redakteur, alle anderen welche Geſchäftliches, Beſtellungen, Abbeſtellungen. Gelder 18. enthalten, unter der Mr. F. W. Barthel, care of C. F. W. Walther, St. Louis, Mo., anher zu ſenden. Adreſe — — Die Fortſetzung des Vorworts zum 9. Jahrgang des „Lutheraner“ folgt in dächſter Nummer. Vergeblicher Siegesjubel des Grabaniſchen Informatorium. Faſt ſcheint es, als gehe Paſtor Graban damit um, uns die von ihm und den Sei— nen ſo ſtürmiſch geforderte Beweisführung, daß er und ſeine Herren Collegen falſch gebannt haben, zu erſparen*x). Denn welcher Leſer des „Informatorium“ darauf achtet, wie Pa— ſtor Grabau uns beurtheilt und, auf Grund rieſer ſeiner Gedanken von uns, uns ver—⸗ I. urtheilt, ja verflucht und in den Bann thut, der hat fürwahr Beweiſe mehr als genug in den Händen, daß erſterer mit Bann, Fluch, Gericht und Verdammniß ſpiele, wie Kinder mit Schneeballen. Man ſieht deutlich, ſolche Fertigkeit läßt ſich nur durch langjährige Ue— bung erlangen. Es mag ſein, daß Paſt. Gra⸗ bau dennoch dadurch mauche für ſich gewinnt und uns eutfremdet, denn es iſt nur zu ſehr Sache der Erfahrung, daß viele Leſer, wenn ſie Merkwürdig iſt auch, daß Pſi. Grabau und die Sei⸗ nen erſt rieſe Beweisführung ſo ſlürmiſch wiederholt gefor⸗ dert haben und nun, da ſie ibhnen verſprochen wird, ver⸗ ſpotten. Pſt. Grabau ſchreibt nel mlich von dem verſpro⸗ chenen Beiwagen: „Wer ſolchen Beiwagen als Eſel zieht, der hat das Aergerniß davon ganz allein zu tragen.“ Er will uns nun davon abſchrecken, die ärgerlichen Geſchichten zu erzählen, zu veren Erzählung er uns erſi ſelbſt gedrungen und gezwungen und großſpreckeriſch berausgefowert hat. —ñ den Kampf zwiſchen zwei Partheien beobachten, nicht ſowohl die Gründe ſorgfältig vergleichen und abwägen, welche auf der einen und auf der anderen Seite vorgebracht werden, ſondern da— rauf ſehen, auf welcher Seite man ſich am un— geberdigſten ſtellt und am kühnſten abſpricht. Auf der letzteren Seite, meiut man denn, müſſe ja wohl das Recht ſein; denn wie könne ein Menſch ſo kühn abſprechen, herunterſetzen und verdammen, wenn er nicht im Rechte wäre? und wie könne der ſein gutes Recht vertheidi— gen, der ſo ruhig bleibe und ohne Scheltworte nur einige Gründe für ſeine Sache vorbringe? Allein nicht nur Gott urtheilt anders, auch ge⸗ rade diejenigen, deren Urtheil einen Werth hat. Und das iſt, maſch der Ueberzeugung von un- ſerem guten Rechte, unſer Troſt. — Die Leſer wiſſen, Hr. Pſt. Grabau hatte be⸗ hauptet, daß auch ungerechter Bann kein Recht zur Trennung gebe nach Luther's Lehre. Hie— rauf bewieſen wir, daß Luther zwar in frühe⸗ ren Schriſten, zu einer Zeit, wo er noch in ei⸗ nei falſchen römiſchen Begriffe von der Kirche gefangen war, Aehnliches allerdings behauptet, daß er aber in ſpäteren Schriften ganz anders gelehrt habe. Was antworten nun hierauf un⸗ ſere Herren Gegner? Sie holen erſtlich die neue Beweisführung, daß Luther, wie ſie, vom ungerechten Bann gelehrt habe, wieder mit merkwürdiger Ausdauer aus Luther's frühe⸗ ren Schriften! Der Schreiber — es iſt dies⸗ mal Paſtor von Rohr — ſcheint zu hoffen, daß ſeine Leſer wieder vergeſſen haben, daß eben dieſe früheren Schriften das zu Beweiſende ſo wenig beſtätigen, ſo wenig die Jeſuiten das Recht ha— ben, aus Luther's früheren Schriften zu bewei⸗ ſen, daß Luther ſich dem Pabſt und der römi⸗ ſchen Kirche ſelbſt unterworfen habe. Unſer Gegner gibt ſich zwar hernach den Schein, als wolle er ſeine Sache auch aus ſpäteren Schrif— ten Luther's, vom Jahre 1536 und 1538, ja ſogar aus der Augsb. Confeſſion beweiſen, al⸗ lein er begeht hierbei nur den kleinen (2) Feh— ler, daß er die Worte, auf die es hier ankommt, ſelbſt gütigſt hineinſetzt. Wenn nehmlich Lu— ther nach unſers Herrn Gegners Anführung ganz richtig in ſeiner Auslegung des 16. Cap. Joh. vom Jahre 1538 ſchreibt: „So mich die verbannen, ſo nichts denn den bloßen Namen führen, was frage ich darnach? Wo es aber die thäten, ſo wahrhaftig die Kirche Chriſti wä— ren, da müßt ich traun ihr zu Fuße fallen, und Gnade bitten, und mich erbieten zu allem Ge⸗ horſam“ — ſo ſetzt unſer Herr Gegner folgende Worte in Klannnern hinzu: „Verſtehe, auch wenn ich ungerecht von ihr meiner liebſten Mutter gebannt wäre.““) — Und wenn Lu⸗ ther ferner nach unſers Herrn Gegners An— führung in ſeiner Auslegung des Propheten Joel v. J. 1536 wieder ganz richtig ſchreibt: „Darum hüte dich, daß du ſolchen Bann, ſo von der Kirche ordentlicher und recht mäßi— ger Weiſe geſchehen und ergangen iſt, bei Leibe nicht verachteſt“ — ſo iſt unſer Herr Gegner