# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1852 09 01_S5 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) um nur ſein Leben zu retten, ſo ſtimmt das ſchlecht dazu, daß der Engel Weihnachten von ihm geſagt hat: „welcher iſi Chriſtus, der HErr, in der Stadt David's.“ Eben ſo wenig wird ſein JEſusname dadurch verherr⸗ licht, daß um ſeinetwillen „alle Kinder in Beth— lehem und an ihren ganzen Grenzen, die da zweijährig und darunter waren“ geſchlachtet werden. Und da er am Ende wieder ganz in der Stille nach Nazareth getragen wird, und Er, der verheißene „Zweig aus der Wurzel Iſai“ (Jeſ. 11, 1.), der ſehnlich erwartete Sohn Da⸗ vid's, nicht einmal in dem Stamme bleiben darf, dem er nach ſeiner menſchlichen Natur an— gehört, ſo ſcheint auch jede Spur von dem Wun— verglanze verſchwunden zu ſein, der das Chriſt— kindlein trotz ſeiner Niedrigkeit umſtrahlte. — Wir wiſſen aber, daß es daran gar nicht liegt, wie es uns vorkommt. Hätte Gott auf eine ſolche Weiſe ſeinen lieben Sohn in die Welt ſen— den können, wie wir Menſchen es wünſchen möchten, und wie es ſeiner Herrlichkeit würdig wäre, ſo hätte es keiner Erlöſung bedurft. Wä⸗ re die Welt danach, daß ſie den Glanz der himm⸗ liſchen Klarheit zu ertragen vermöchte, ſo läge ſie eben nicht im Argen. Gottes Macht wäre freilich groß genug, ſie zu zwingen, daß ſie ſein Reich dulden müßte, ſelbſt wenn es ihre Nichtig⸗ keit offenbarte. Das wäre aber keine willige Unterwerfung derer, die von der Welt ausgehen und ſich zu Chriſto bekennen. Wie die Welt einmal iſt, kann ſie nicht beſtehen, ohne ſich als Gottes Feindinn zu erzeigen. Erſt wenn ſie, wie Sodom und Gomorrha, untergegangen ſein wird, wird ihre Feindſchaft aufhören das Reich Chriſti zu bedrohen. Die Zeit war aber damals noch nicht gekommen, als Gott erſt ſein eignes Blut daran wenden wollte, die Welt mit fich zu verſöhnen, wie ſie denn jetzt noch nicht gekom— men iſt. Daraus ergibt ſich genugſam, daß ſich vor dem Jeſuskindlein die Mächte, die in dieſer Welt herrſchen, nicht neigen konnten, und es deshalb der Ehre ermangeln mußte, die ihm doch gebührte. Das reicht hin, uns darüber zu beruhigen, wie es doch möglich war, daß Chriſtus vor ei⸗ nem elenden Meuſchen, dem gottloſen Herodes, flüchtig ward, und auch nach ſeiner Bewahrung vor deſſen Mordanſchlägen in Nazareth, dem entlegenen Winkel von Israel, ſich verborgen hielt. Wir wollen nun unſer Evangelium näher anſehen, ſo werden wir finden, daß wir uns nicht etwa nur über den Inhalt deſſelben zu verſtändigen haben, damit er unſerem Glauben keinen Anſtoß gebe, ſondern daß er reich genng iſt an Licht und Troſt, um uns zur Verſtändi⸗ gung über vieles zu gereichen, das uns ſonſt gar lricht ärgern, betrüben und entmuthigen möchte. Es lehrt uns nämlich: Wie die Kirche, gleich dem HERRN, unbeſchadet ihrer Herrlichkeit in dieſer Welt herbergt. — — I., Sie bleibt kaum vor ihr: 1., wegen der Verfolgung, 2., wegen der großen Bedürftigkeit, 3., wegen der noch größern Furchtſamkeit. II., Sie herrſcht dennoch in ihr: 1., durch der Engel Heer, 2., durch der Frommen Gehorſam, 3., durch Gottes Strafgerichte. I. 1. Herodes will Jeſum tödten. Sein Mord⸗ anſchlag iſt ſo wohl berechnet, daß er uur durch ein Wunder verhindert werden kann. Denn menſchliche Macht darf dem Fürſten nicht weh— ren, auch dem gottloſen Herodes nicht. Könige haben ihren Richter droben. — Es iſt das nicht der einzige Verſuch, das Jeſuskindlein umzu— bringen. Der Fürſt dieſer Welt, deſſen Werk⸗ zeug Herodes nur war, den dieſer Herodes als ſein treuer Knecht nur vorſtellt, da er ja ſelbſt nichts weiter als ein ohnmächtiger Menſch iſt, ſchnaubt bis an den jüngſten Tag mit viel größerer Mokdgier gegen das Häuflein der gläu⸗ bigen Kinder Gottes, als damals gegen das Jeſuskindlein in Bethlehem. Und eben ſo we— nig wie in dieſer Verfolgung greift in den übri— gen eine höhere Hand ein, ſie abzuwenden. Die Welt hat in ihrer Bosheit freien Lauf. Wer hat ihr gewehrt, Stephanum zu ſteinigen und die Chriſtengemeine zu Jeruſalem wie eine ver— ſcheuchte Heerde Schaafe zu zerſtreuen? Wer hat ſie verhindert, den Apoſtel Jakobus mit dein Schwert zu enthaupten? Wer hat dem Blut⸗ vergießen Einhalt gethan, wovon der Erdkreis troff, als das römiſche Reich ſich gegen den HERRN und Seinen Geſalbten erhob? Wer hat dem Wüthen der Irrlehrer geſteuert, dem Zorn des Antichriſts in Rom und ſeinen Schei— terhaufen Schranken geſetzt? Wer hat dem ent— feſſelten Fleiſch empörter Völker, hochmüthiger Spötter, gottloſer Schreiber und Schreier in den letzten Tagen unterſagt, mit einem furchtbaren Schlachtgehrul Gott zu bedrohen“ Wer hat den Teufel zurückgehalten, endlich aus den ge— ſprengten Reihen der Chriſtenvölker, mitten aus den Schaaren der Getauften ein Heer zu wer— ben, das an ſchamloſer Verhöhnung alles Heili— gen, an frecher Verleugnung jeder Spur des Ebenbildes Gottes unter den wüthendſten Fein— den der Chriſtenheit in der alten Heidenwelt ſei— nes Gleichen nicht hat, das durch den Schrecken, den es in der Welt auf die mannichfaltigſte Weiſe, hier mit der Fauſt, dort mit den Waffen fleiſchlicher Weisheit vor ſich her verbreitet, das Jeſuskind aus der Welt hinauszuſcheuchen ſich vermißt? 2. Daß Jeſus fliehen muß, zeigt ſchon, wie er kaum vor den Mächten bleibt, die in dieſer Welt herrſchen. Nun geſchieht aber ſeine Be— wahrung ſo, daß er dadurch eine noch tieftre Er— niedrigung erleidet. Denn einem armen Men⸗ ſchenkinde wird ſie befohlen. „Stehe auf,“ ſpricht der Engel zu Joſeph, Maria's vertrau⸗ tem Manne, und nimm. das Kindlein und ſei⸗ ne Mutter zu Dir.“ Der allmächtige Gott, der Schöpfer Himmels und der Erde, wird in die geringen Arme eines gemeinen Mannes ge⸗ legt, damit es gepflegt und erhalten werde. Von deſſen Gehorſam gegen das Wort des En⸗ gels hangt es nun ab, ob der Sohn Gottts ge— rettet werde. Fürſten halten nicht darüber, keine Obrigkeit bedroht den Pfleger Jeſu, falls dieſer es unterlaſſen will, um deßwillen, der ſein Kind nicht iſt, Beſchwerden und Gefahren zu über⸗ nehmen. Wen muß nicht auch dieß übetzeu⸗ gen, daß Jeſus kaum vor der Wett bleibt? — Das iſt aber nur ein Abbild der Erhaltung un⸗ ſerer Kirche bis an den jüngſten Tag. Wäh⸗ rend die Mächte dieſer Welt ſie bedrohen und von der Erde zu vertilgen trachten, kann ſie doch des menſchlichen Armes und ſoll ſie deſſen nicht entbehren. Sie bedarf ſolcher Pfleger, wie Jo— ſeph einer war, um nur auf dieſer Welt zu blei⸗ ben. Der HErr empfängt für ſich und ſeine Jünger von gottſeligen Weibern Unterhalt, dit ſich ſeiner in ſeiner Armuth annahmen und da⸗ I. durch ihren Dank für die Rettung ihrer Seelen bezeugten. Die neugewonneneu Glieder der Kirche legen ihre Habe zu den Füßen der Apoſtel nieder und reichen damit dieſen den Schatz dar, aus welchem die Gemeine Gottes nehmen ſoll, was ſie bedarf, damit die Apoſtel ihr das Wort predigen können und die Armen ihre Nothdurit empfangen, die, weil ſie Chriſten geworden ſind, von der Welt verlaſſen werden. In den ver⸗ ſchiedenſten Gemeinen ſammeln die Apoſtel Al⸗ moſen, damit in der Zeit großer Bedrängniß die Stammgemeine in Jeruſalem nicht des leibli⸗ chen Hungers ſterbe, weil ſie den geiſtichen ſtillte. So iſt es fortgegangen: die das Evan⸗ gelinm predigen, müſſen ſich vom Evangelio nähren. Damit es gepredigt werden könnt, müſſen milde Gaben, als freiwillige Opfer der Liebe Chriſti, Pflanzſtätten treuer Kirchendiener gründen und erhalten. Gott reicht nur in ganz beſonders ſchweren Prüfungsſtunden durch En⸗ gels Hand das geröſtete Brot dem Elias dar. Im Allgemeinen weiſ'r er dem Leibe ſeiner Gläus bigen den Gebrauch der ordentlichen Mittel an, 1 durch den auch die Ungläubigen erhalten wer⸗ den. Und weil geraͤde diejenigen, durch deren Dienſt das Bekenntniß des Glaubeus erhalten und die Kirche fort und fort erbaut werden ſoll, wenn ſie ihre Arbeit nicht unterlaſſen wollen, ſelbſt keinen Zugang zu der einzigen Quelle der Nahrung und Nothdurft dieſes Leibes und Le⸗ bens haben; ſo iſt das Jeſuskindlein den Ar⸗ men dieſes und jenes Joſeph's befohlen, ſo daß ſein Leben von dem freiwilligen Gehorſam derer abhangt, die mit dem Worte Gottes auch den Befehl deſſelben annehmen: „Nimm das Kind⸗- lein zu dir!“ Es hat deswegen die Kirche nicht immer gleich kümmerliche Tage, wie ja der HErr Jeſus von Reichen und Armen zu Gaſte gebeten wurde. Während ihr zu Zeiten ſelbſt die eig⸗ 4 nen Kinder die Thür zu weiſen ſcheinen, oder ihr doch zu verſtehen geben, daß Jeſus von Jo⸗ ſeph's Gnade leben müſſe, ſind hin und wieder auch wohl die Fürſten der Erde ihre Säugam⸗ men, und legen Krone und Scepter, ſammt dem Purpur königlicher Herrlichkeit auf ihren Altä⸗ ren nieder. Aber ſchon dieſer Wechſel zeigt, wie kümmerlich auch in den herrlichſten Tagen, die