# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1852 08 16_S209 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Worten des „Lutheraner's“ eine ſo tückiſche, ge⸗ häſſige Abſicht untergeſchoben wird. Was die Art des Streits betrifft, ſo wird ſich zwar der „Lutheraner,“ als der auch Sünde hat, wie alle Menſchenkinder, nicht gar rechtfertig hin⸗ kſellen, aber wo hat ſich der „Lutheraner“ ſo gegen das achte Gebot vergangen, wie das „Informatorium?“ Vielmehr hat man dem „Lutheraner“ im Verlauf des Streits immer die ſchonende Rückſicht der Liebe abgefühlt, den irrenden Bruder zu gewinnen und ſich zu ver— ſöhnen. Selbſt wenn jemand nicht im Stande wäre einzuſehen, auf welcher Seite das Recht in den differirenden Lehren liege, ſo wird doch die Art und Weiſe, wie unſer Gegenpart den Streit geführt, ſchwerlich jemanden mit Zutrau— en zu ſeiner Lehre erfüllen. Denn das wird leinem entgehn, daß die heil. Apoſtel, ſelbſt, wenn ſie wirklich falſche Apoſtel zu bekämpfen hatten, eine andere Weiſe beobachteten, als unſere Geg— ner. Sie, die Apoſtel, deckten den Irrthum auf, zeigten deſſen Schädlichkeit, warnten mit großem Ernſt davor, verkündigten den Verſührern Got⸗ tes Gericht; aber man bemerkt nichts von ſchmäh⸗ ſüchtigen Angriffen auf die Perſonen, nichts von fleiſchlicher Erbitterung, ſondern ſelbſt aus ihren Beſtrafungen leuchtet ein lautrer Eifer für Got— ies Ehre und Wahrheit hervor. Groß iſt das Argerniß, womit unſer luthe⸗ riſches Zion durch dieſen Streit bedeckt worden iſt groß der Kummer, der dadurch vielen red⸗ lichen Seelen, groß der Jubel, der dadurch den Feinden unſrer Kirche bereitet worden iſt. Be— fremden kann's uns indeß nicht, denn es muß ja Aergerniß kommen, aber wehe dem Menſchen, durch welchen Aergerniß kommt. Es müſſen ja auch in der wahren Kirche RNotten ſein, aber wehe denen, die in Gottes Gericht und Urtheil als ſolche offenbar werden. Paſtor Grabau hat ſich nicht geſcheut unſre ganze Sy⸗ node für eine Rotte zu erklären; wir haben uns bis jetzt noch nicht unterſtanden ein ſolches Ur⸗ theil über Paſt. Grabau und die Seinen aus⸗— zuſprechen. Der Tag iſt aber vielleicht nicht mehr fern, wo wir es nicht auszuſprechen brau⸗ chen, ſondern wo es vor den Augen der ganzen lutheriſchen Kirche Deutſchlands wie Amerikas offenbar iſt, wer die Rotte iſtz es ſei denn, daß durch Gottes überſchwengliche Barmherzigkeit der letzte ſchreckliche Ausgang abgewendet wer— de und Hr. Paſt. Grabau ſich bewegen laſſe einen Weg einzuſchlagen, der mehr Hoffnung zum Frieden giebt. Und das werden ja alle fromme Herzen ſehnlich von Gott wünſchen und bitten. Wie ſehr würde ſich Gottes Zion nach der Angſt und Schmerzen wieder freun, wie fröhlich Gott loben und preiſen, wenn durch die Erbarmung IEſu Chriſti und durch Seines Geiſtes Gnade wieder im Glauben geſammelt und verbunden würde, was Satan zertrennt und zerriſſen hat. Ach möchte des böſen Her— nens Widerſtand und des Teufels Bosheit nicht hindern, was der gnädige Wille Gottes und un⸗ ſres Heilandes Jeſu Chriſti wohl geben möchte. C. F. Gruber. G. A. Schieferdecker. — 207.— Adolph Clarenbach und Peter Fleiſteden. Dieſe beiden Männer ſind zuſammengeſtellt, weil ſie an einem Tage, am 28. Sept. 1529 in Cöln den Feuertod erlitten. Adolph Clarenbach wurde auf dem Buſcher⸗ hofe in der Gemeinde Lüttinghauſen*) im Ber⸗ giſchen gegen das Ende des 15. Jahrhunderts von armen Eltern geboren, und zeigte ſchon als Knabe viel Lernbegierde, weshalb er auf die ho⸗ hen Schulen zu Münſter und Cöln geſchickt wurde. Hier kam er bald dahin, die heilige Schrift in den Grundſprachen leſen zu können, mit der er ſich dann auf das Eifrigſte beſchäf⸗ te; auch hatte er den Ruhm eines eingezogenen, keuſchen, gottesfürchtigen Wandels. Er widme⸗ te ſich dem Schulfach und wurde im Jahre 1523 zuerſt Conrector in Münſter, wo er nicht nur in der ihm anvertrauten Jugend, ſondern auch in vielen Bürgern der Stadt Liebe zu dem lautern Evangelio weckte. Seit 1525 that er daſſelbe als Conrector in Weſel, und als er von dort auf Betreiben des cölniſchen Officials Trip ver⸗ wieſen war, bei fortgeſetzter Verfolgung in Os- nabrück, in Meldorp im Diethmarſiſchen, in ſei⸗ nem Geburtsorte, in Lennep, Elberfeld und Um⸗ gegend mit ſichtbarem Erfolge. Einer ſeiner Freunde, der Paſtor Klopreis zu Büderich wur— de damals wegen evangeliſcher Ketzerei nach Cöln vorgeladen; Clarenbach begleitete ihn freiwil— lig, in der Hoffnung, ihm nützlich ſein zu können, ward aber bei ſeiner Ankunft in Cöln am 3. April 1528 alsbald verhaftet und in den Fran⸗ kenthurm geſetzt. Damit begann nun die Reihe von Mißhandlungen und Verſuchungen zum Widerruf, deren Ende der Flammentod war. In den wiederholten Verhören bezeugte Cla⸗ renbach freudig ſeinen Glauben an den lebendi⸗ gen Chriſtus, den alleinigen Heiland und Erlö⸗ ſer des in Sünden verlorenen Menſchenge— ſchlechts, und au die Wahrhaſtigkeit der heiligen Schrift. Er wies die Ketzerrichter, zum Theil ſeine ehemaligen Kölner Lehrer, die ihm durch verfängliche Fragen über das Anſehen des Pap— ſtes, der Kirche und ihrer Satzungen Schlingen legten, darauf hin, daß der heilige Geiſt ihn in— nerlich von der Wahrheit der im apoſtoliſchen Glaubensbekenntniß niedergelegten Lehre über— zeugt habe, und daß er nur dann widerrufen könne, wenn man ihn aus der heiligen Schrift eines Irrthums überführe. Gegen das Ende ſeiner Gefangenſchaft wurde Peter Fleiſteden aus dem Dorf Fleiſteden im Jülich'ſchen der Mitgenoſſe ſeines Kerkers. Pe⸗ ter hatte während der Meſſe im Domchor ſei⸗ nen Hut aufbehalten und äußerlich ſeinen Ab⸗ ſcheu gegen dieſelbe auf das Stärkſte zu erken⸗ nen gegeben, in der ſpäter erklärten Abſicht, daß das Volk ihn über die Gründe ſeines Be⸗ nehmens fragen ſollte, und er dann daſſelbe über die Nichtigkeit der Meßbräuche belehren wolle. Das Volk aber ſchwieg und auch die Geiſtlichkeit verhielt ſich ruhig. Kaum hatte er aber den Dom verlaſſen, ſo ward er als⸗ *) Unter der Jurisdiction der Stadt Lennep. bald verhaftet und zu Clarenbach ins Gefäng⸗ niß geführt. Fleiſteden's herausforderndes We⸗ ſen brach ſich ſchnell an dem ſanften Ernſte Cla⸗ renbach's; beide Freunde ſtärkten ſich gegenſeitig zur Glaubenstreue und ſahen fröhlich dem Scheiterhaufen entgegen. Als der 28. September 1529 anbrach, wur⸗ den die Märtyrer unter großem Zulauf des Volks durch die ganze Stadt bis zur weitent⸗ legenen Richtſtätte geleitet. Auch jetzt noch wurden ſie von bekehrungsſüchtigen Mönchen beläſtigt; aber dieſes hinderte ſie nicht, auf dem ganzen Wege Gott mit lauter Stimme zu lo⸗ ben und das Volk zu lehren. So ſprach un⸗ ter andern Adolph: „Lob, Ehre und Dank ſei Dir, Vater, daß Du uns dieſen Tag haſt er⸗ ſcheinen laſſen, nach dem uns ſo ſehr ver— langt.“ „Ich bin in Chriſto getroͤſtet, ich ſter— be des Chriſten Tod und es geſchieht der Wil⸗ le des Herrn. Ihm erging es ſo, wie ſollie es uns nicht ſo gehen? Er ging voran und wir müſſen nachfolgen, wenn wir ſeine Brüder werden ſollen.“ „O Cöln, Cöln, fuhr er nach einer Weile fort, wie verfolgeſt du das Wort Gottes! Es iſt eine Wolke in der Luft, die wird noch einmal herabfließen.“*“) Nachdem er unter Anderm den Glauben gebetet, ſprach Adolph zum Volt: „Alſo müſſen wir dem neuen Adam, Chriſto, im Leiden nachfolgen, ſoll er anders zu uns kommen. Je mehr Druck und Verfolgung, deſto größeres Wachsthum des neuen Menſchen und Tod des alten, des Flei⸗ ſches, der Sünde, des Teufels und der Welt. Dieſe verſpottet uns jetzt und läßt uns troſtlos, aber wir ſetzen gegen ſie den einigen Chriſtum, unſern Tröſter, Vertreter und einzigen Mittler, der uns wohl vertreten wird vor ſeinem himmli⸗ ſchen Vater. Aergert euch nicht an unſerem To⸗ de; denn Chriſtus mußte auch leiden und durchs Leiden in ſein Reich eingehen. Durch dieſen Chriſtum ermahne ich euch, lieben Brüder, daß ihr ohne Aufruhr, liebreich, brüderlich und chriſt⸗ lich unter einander leben wollet und aller Obrig— keit gehorchen. Unſer Herr wird alles zum Be⸗ ſten kehren und euch ſeine Gnade und ſein gött⸗ liches Wort geben.“ Dann fuhr Peter fort, weil Adolph über Mü⸗ digkeit klagte: „Wir waren Sünder, da wir aus Mutterleibe kamen, und hätten nach Gottes Ge— rechtigkeit den Tod ſogleich verdient. So er— mahne ich euch heute im Namen Gottes, haltet euch allein an ſein Wort, allein an Chriſtum, der da iſt der Weg, die Wahrheit und das Leben und kehret euch weg von dem Papſt in Nom und von ſeiner Kirche, die euch von der Gnade Got⸗ tes und von Chriſti Genugthuung abführt, und euch dafür Siegel, Bullen, Ablaß, Wallfahrten und gottloſe Menſchen- und Teufelslehren gibt, damit ſie ihre Beutel und Küchen füllen.“ Auf dem Hochgericht angekommen, betete Cla⸗ renbach: „O Herr, erhebe meinen Geiſt, daß ich meinen Feinden verzeihen möge von Grund mei⸗ nes Herzens,“ und ſprach ſodann zu den Bür⸗ ) In Cöln ſammelte ſich im erſten Jahrhundert nach der Reformation eine anſehnliche evangeliſcht Gemeinde, die aber im 17. Jahrhundert ansgetrieben wurde.