# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1852 08 16_S208 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) haben ſie alle einerlei Verrichtung? Ein jedes hat ſeine Gabe und dient mit ſeiner Gabe dem ganzen Leibe, aber darum ſind die Gaben nicht gleich. Wem gebührt mit Recht in weltlichen, wie in geiſtlichen Händeln ein größerer Antheil an der öffentlichen Führung des Worts, dem, der bei aller ſonſtigen Einfalt und Redlichkeit des Herzens dennoch in ſeiner Auffaſſung der Berhältniſſe kurzſichtig und beſchränkt iſt, oder dem Gott geübte Sinne zur Unterſcheidung des wahren und falſchen, und einen beredten Mund gegeben hat, die Lehre klar und überzeugend auseinanderzuſetzen? Was ſollte aus einer Synode werden, wenn die Ordnung umgekehrt wäre, wenn der Unverſtand herrſchen, und die Weisheit ſich unterwerfen ſollte? Wollte wohl Paſt. Grabau in ſeiner Synode eine ſolche Ord⸗ nung oder vielmehr Unordnung aufrichten; iſt es nicht offenbar er ſelbſt, der in ſeiner Sunode das gewichtigſte Wort führt, und könnten wir darum nicht denſelben Vorwurf der Buffalo-Synode machen, den er unſrer Synode macht? Ja ge⸗ wiß mit viel größerem Recht. Und wenn Paſt. Grabau den glücklichſten Verſuch machte zu be— weiſen, daß ſeine Herren Collegen und die mit ihm verbundenen Gemeinden ganz unabhängig von ihm ſeine Meinung in der vorliegenden Streitſache theilen u. ſeine hierarchiſchen Grund— ſätze verfechten, ſo wird er doch einen Menſchen— kenner und guten Beobachter der Dinge nimmer überreden, daß jene nicht ſollten von ihm merk⸗ lich beeinflußt ſein. Die Unterzeichneten glauben dem Herrn Paſt. Grabau im Namen ihrer Brüder von der Miſ⸗ ſouri Synode unbedenklich das Zugeſtänduiß machen zu dürfen, daß allerdings unter uns die Gaben unſerer hervorragenden Glieder anerkannt und geehrt werden, und daß uns denſelben ge⸗ genüber eine gewiſſe Beſcheidenheit nicht übel, ſondern vielmehr wohl anſteht. Aber dagegen verwahren wir uns, daß wir ſollten von dem Glanz der Gabe die Augen blenden laſſen und unſer Gewiſſen unter das Anſehn der Menſchen gefangen geben. Das Wort: „Einer iſteuer Meiſter“ ſteht mit unauslöſchlichen Buchſtaben in unſer Herz geſchrieben. Gott behüte uns, daß wir je andre Meiſter aufwerfen ſollten. Nur dann hätte Paſt. Grabau gerechten Grund zu ſeiner Beſchuldigung; wenn von den Glie⸗ dern unſrer Synode, welche in dem ganzen Streit mit ihm die handelnden Perſonen ſind, irgend et⸗ was geſchehen wäre, welches durchaus nicht nach Gottes Wort zu rechtfertigen iſt; und die Synode hätte es doch ungeprüft angenommen u. gebilligt. Dann möchte er mit Recht auf die Unſebſtſtän⸗ digkeit der Synode folgern. Allein Herr Paſt. Grabau erinnere ſich, daß auf der Synode von 1850 und '51 alle dieſe Sachen vor das Forum derſelben gekommen ſind und jeder unſrer Glie⸗ der Gelegenheit gehabt hat den Stand der Dinge kennen zu lernen und ſich ein Urtheil davon nach Gottes Wort zu bilden. Es war jedem ver⸗ gönnt zu reden, der etwa Bedenken trug; jene beiden Glieder unſerer Synode, von denen Paſt. Grabau ſchreibt, ſie hätten die Synode zur Buße ermahnt, wären aber von Herrn Prof. — 206— Walther überredet und beſchwichtigt worden, ſind eben ein Beweis, daß die Synode nichts auf Treu und Glauben ihrer Stimmführer (wir bit⸗ ten, von dem übeln Sinn, den dieſes Wort ſonſt hat, abzuſehn), angenommen hat. Sie wurden gehört, alle ihre Bedenken erwogen, wie der Synodalbericht von 1851 ausweiſt, und die Zurücknahme jener beiden Spnodal-Glieder war eine freiwillige aus Überzeugung. Hätten wir von ihnen anders denken wollen, ſo würden wir dieſen unſern lieben Brüdern gewiß nur weh ge⸗ than haben. Alle die Thatſachen, die unſrer Synode von der kirchlichen Praxis Paſtor Grabaus, beſon⸗ ders von der Handhabung des Bannes vorge⸗ legt und durch Zeugen beſtätigt wurden, waren keineswegs geeignet, denſelben als einen recht— ſchaffenen Seelenhirten im Gewiſſen eines je— den Chriſten offenbar zu machen, und dasſelbe zu beſtimmen, das bisherige Verfahren der Sy⸗ node, ſolchen der Härte und Herrſchſucht ihrer Prediger zun Opfer gefallenen und der geiſtli— chen Segnungen beraubten Seelen durch treue Hirten dieſelben wiederum darzureichen, als un⸗ befugt und ungerecht zu verwerfen. Fürs andere waren die Behauptungen Herrn Paſt. Grabau's über die falſchen Lehren der von ihm ſogenann— ten Miſſourier wirklich zu monſtrös, um in uns die Überzeugung zu wirken, Grabau ſei ein rei— ner Lehrer der lutheriſchen Kirche, und jene Chri— ſten hätten ſich ſchwer verſündigt, die ſich von ihm und ſeiner Synode getrennt hatten. Wenn Paſtor Grabau fort und fort unſerer Synode vorwirft, wir hätten falſche Lehre vom Predigt— amt, vom Bann und Amt der Schlüſſel, vom geiſtlichen Prieſterthum, vom rechten Beruf, von der Ordination und von der Kirche, und wir ſind uns doch bewußt, in allen dieſen Stücken es treu und lauter mit der Schrift und den Be⸗ kenntniſſen unſrer Kirche zu halten; wie können wir denn anders denken, als daß allerdings Paſt. Grabau eine abweichende, durch hierarchiſche Grundſätze gefärbte Lehre führen muß, wie es ja auch in ſeinem Hirtenbrief und den darauf bezüglichen Schriften klar am Tag liegt. Und doch verlangt er von unſerer Synode, daß wir wider unſer Gewiſſen den Leuten, die ſich an ſeiner Lehre ſtoßen, ſagen ſollen: Ihr ſündigt, wenn ihr euch von einem ſo reinen lutheriſchen Lehrer, wie Paſtor Grabau iſt, trennt. Nein, wahrlich, Herr Paſtor Grabau müßte erſt ganz anders in unſerm Gewiſſen offenbar werden, ehe er von uns verlangen kann, daß wir wegen des nach ſeiner Meinung an ihm be— gangenen Unrechts Buße thun ſollen. Und würde er's, ſo ſollte es bei uns nicht erſt der Aufforderung zur Buße bedürfen, ſondern wir wollten ſie thun, ehe ſie gefordert würde. Das möge aber doch Paſtor Grabau ja nicht denken, daß er dadurch in unſerm Gewiſſen als ein treuer⸗ Knecht des Herrn offenbar wird, wenn er fort und fort ſein Informatorium mit ſeiner Selbſt⸗ rechtfertigung und bittern Angriffen auf uns an⸗ füllt; ſondern das ſteigert unſer Mißtrauen. Ein rechtſchaffner Lehrer wird nicht dadurch in dem Gewiſſen Andrer offenbar, daß er für ſich eifert, ſondern durch ſeine Lehre und durch ſein Verhalten. Hätte nun die Lehre verbunden mit ! der That Herrn Paſtor Grabau als einen treuen lutheriſchen Lehrer in den Augen und Gewiſſen aller rechtſchaffenen Lutheraner beurkundet, es wäre wahrlich nicht dahin gekommen, daß man ausgeſchiedene oder gebannte Glieder ſeiner Ge⸗ meinde wider ihn hat in Schutz nehmen müſſen. Meint Herr Paſtor Grabau, daß er ſich uns dadurch empfiehlt oder in unſerer Synode Syn⸗ pathien für ſich erweckt, wenn er nunmehr ganz ſchonungslos ſelbſt den Character unſrer von uns“ ſehr geliebten und hochgehaltenen Mitbrüder an⸗ greift, ſo irrt er ſich; er erſtickt dadurch in uns das letzte Fünklein Vertrauens, und macht, wenn nicht Gott Wunder thut, jede Vereinbarung un⸗ möglich, die vielleicht nicht ſo unmöglich geweſen wäre, wenn ſich Herr Paſt. Grabau leidenſchafts⸗ loſer gezeigt hätte. Wüßte Paſtor Grabau, wie es als ein Mordſchwerdt in unſere Seele ſchnei⸗ det, und wie es vielleicht Tauſende von redlichen Kindern Gottes mit tiefſter Betrübniß, wenm nicht ſogar mit gerechtem Zorn und Unwillen er⸗ füllt, wenn er, wie er in No. 17 ſeines Infor⸗ matoriums gethan hat, eins der verehrteſten und; verdienſtvollſten Glieder unſerer Synode einen ſtephaniſtiſchen Fuchs, einen ſtephaniſtiſchen Schlangenkopf“) und dergleichen nennt; er würde ſich bedacht haben, ſo etwas niederzu⸗ ſchreiben. In ſolchen Ausdrücken kann man nichts als ein mit bittrer Galle erfülltes Gemüth leſen. Der leidenſchaftliche, verketzerungsſüchtige Eifer der ehemaligen ſogenannten Orthodoren in ih⸗ rem Streit wider die Pietiſten iſt, ſo wenig auch! deren Richtung von geſundem kirchlichen Stand⸗ punkt aus zu rechtfertigen iſt, bis auf den heu⸗ tigen Tag ein Schandfleck in der Geſchichte der lutheriſchen Kirche; will denn Hr. P. Grabau einen ähnlichen Schandfleck auf ſich und die lutheriſche Kirche Amerikas laden? Könnenz Brüder im eignen Hauſe ihre Familienzwiſte, daß ich ſo ſage, nicht auf eine andere Weiſe ab⸗ thun, als daß ſie ſich einander zerfleiſchen und zerreißen; oder beſteht der Eifer für Gottes Ehre darin, daß man ſich einander den ehrlichen Na⸗ men nimmt, dem Teufel ein Hohnlachen berei⸗ tet, viele unſchuldige Gemüther irre macht, da⸗ durch den Lauf des Evangelii hindert und dit Wahrheit in Ungerechtigkeit aufhält? Ein Wunder wäre es nicht, wenn die erbitterten An⸗ griffe Grabau's, für welche das Informato⸗ rium ausſchließlich geſchaffen zu ſein ſcheint, auch auf unſrer Seite die Leidenſchaftlichkeit ge⸗ reizt hätten (welches eben der Satan gern woll⸗ te); und doch muß jeder Unbefangene, ja Hr. P. Grabau ſelbſt, geſtehen, daß ihm nicht mii dergleichen fleiſchlichen Waffen begegnet worden iſt, wie er ſie geführt hat. Der unpartheiiſcht“ Leſer beider Blätter muß ſich oft wundern, wie öfters ganz wohlgemeinten, unverfänglichen *) Welch' eine Erbitterung und Verfinſterung muß nicht ö in einem Herzen ſein, wo man Brüdern ihre Verirrungen, die längſt erkannt, öffentlich bekannt und von Gott und Menſchen verziehen ſind, immer wieder mit gehäſſigen Schimpfworten vorwirft. Vergebene Sünden vorrücken iſt des Satans Werk. Anm. d. Ein.