# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1852 08 16_S206 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Brauche iſt, wozu es Gott geordnet hat. Jener Gebrauch beſteht aber ſowohl im Leſen, als im Hören des Wortes, denn es iſt ein und dasſelbe Wort Gottes, mag es nun geleſen, oder gepre⸗ digt und gehört werden: daher jene heilſamen Wirkungen, welche die Schrift der Predigt des Wortes der Schrift zuſchreibt, auch der Leſung und Bedenkung desſelben zugeſchrieben werden müſſen; gleichwie jemand nicht nur ſeinen Freund hört und von deſſen Worten bewegt wird, ſon⸗ dern auch wenn er einen Brief von ihm lieſt.“ (doc. de min. eccl. § 253). Der Streitpunct zwiſchen den Lutheranern und den Reformirten in Betreff der Lehre vom heiligen Predigtamt beſtand zweitens nicht eiwa darin, daß die Lutheraner die Verwirkli⸗ gung, Gültigkeit und Kraft der heiligen Sacra⸗ mente von der Rechtmäßigkeit des Berufes, der Ordination oder irgend einer Qualität des Pre⸗ digers abhängig gemacht, und die Reformirten dies geleugnet hätten. Es findet das gerade Gegentheil ſtatt. So ſchreibt z. B. Calvin in ſeinen Inſtitutionen: „Die Verwaltung ſo⸗ wohl dieſes (des Sacraments der Taufe), wie des Nachtmahls iſt ein Theil des Kirchenamtes, denn Chriſtus hat weder den Weibern, noch den Menſchen ohne Unterſchied befohlen, zu tau⸗ fen; ſondern die er zu Apoſteln beſtellt hatte, denen hat er dieſen Befehl ertheilt.“ (Buch 4, Cap. 15. 5 20.) Derſelbe Calvin ſchreibt daher gegen Weſtphal: „Es ſei beſſer, daß man die Taufe gänzlich unterlaſſe, als daß dieſelbe von einem Weibe verwaltet werde;“ und in ſeinem 278 Briefe nennt er die Taufe durch Frauen eine gräuliche Verunehrung des Predigtamites.“ Ja, Chamier, geweſener ref. Profeſſor zu Mon⸗ tauban ſchreibt in ſeiner Schrift von der Taufe: „Wir ſagen, daß das Recht, die Taufe zu er⸗ theilen, nur bei denen ſei, welche ein öffentliches Amt in der Kirche führen, und daß eine Taufe, welche ein Menſch ertheilt hat, der nur einepri⸗ vatperſon war, keine Kraft habe, das iſt, daß ſie kein Sacrament, ſondern ein verwegenes Spiel ſei, das in der Kirche durchaus nicht ge⸗ duldet werden dürfe.“) (Buch 5. Cap. 14. No. 8.) Ganz anders lehren die Lutheraner, wie wir oben bereits geſehen haben. Hier möge nur noch folgendes Zeugniß Platz finden: „Got⸗ tes Wort,“ ſo ſchreibt die theologiſche Fakultät zu Helmſtädt, „und die hochwürdigen Sacra⸗ miente ſammit der Abſolution haben ihren. valo- rem (Gültigkeit), Kraft und Wirkung nicht von den Menſchen, ſondern von Gott, ſeiner heiligen Ordnung und Einſetzung. Denn weder der da pflüget, oder der da begeußt, iſt etwas, ſondern Gott, der das Gedeihen giebt, wie zu leſen iſt 1 Cor. 3, 7., und Röm. 3, 2. ſpricht Paulus, raß der Menſchen Unglaube Gottes Glauben nicht aufhebe. Dannenhero unſer lieber Heiland Matth. 23. ermahnt, daß ſie den Schriftgelehr— ten und Phariſäern, ſofern ſie auf Moſis Stuhl ) Es iſt allerdings außer Zweiſel, daß die Reformirlen ſo lebren, nicht aus beſonderem Reſpekt vor dem heiligen Pre⸗ digtamte, ſondern weil ſie die Tauft gering achten u. es ihnen vaher ärgerlich iſt, daß man liebtr ein Weib taufen laſſen, als tin Kind ohne Tauſe ſerben laſſen will. D. R. —204 — ſitzen und die Moſaiſche Lehre treiben, folgen ſollen. Alles, ſpricht er, was ſie euch ſagen, das ihr halten ſollt, das haltet und thut. Aber nach ihren Werken ſollt ihr nicht thun. Und wenn die Kraft des Wortes Gottes und der hoch⸗ würdigen Sacramente an der Vocation und Le⸗— ben eines Lehrers und Predigers hinge, würde folgen, daß das Wort Gottes von einem zum Amte nicht ordinirten Menſchen, doch rein und lauter geprediget, ganz unkräftig ſei; item, das heilige Sacrament der Taufe, im Falle der Noth von Privat⸗, doch chriſtlichen, gläubigen Perſo— nen adminiſtrirt,“) gar ungültig wäre. Wel⸗ ches doch mit Grund der Wahrheit nicht kann geſagt werden, es wäre denn, daß die Donati⸗ ſterei . wahr wäre.“ (Siehe: Dedekenni the- saur. II., f.407. Vergleiche J. Gerhards Loci 1. de bapt. à§ 22. Quenſtedts Theologia I. de sacram. sect. 1. thes. 7.) Der eigentliche Streitpunct in dem Streit der Lutheraner und Reformirten über die Kraft des heiligen Predigtamtes beſtand endlich drit— tens darin. Die Lutheraner lehrten, das Wort Gottes, das geſchriebene wie gepredigte, geleſene wie gehörte, hat in ſeinem Weſen, d. i. in Betreff ſeines Sinnes, göttliche Kraft, nicht nur anzuzeigen, zu verkündigen, vorzuſtellen, zu erzählen, was der Wille Gottes, welcher der Weg zum ewigen Leben, was der Glaube, die Wiedergeburt, die Heiligung ꝛc. ſei, ſondern auch alle geiſtliche Wirkungen ſelbſt hervorzubringen; das Wort Gottes hat nicht eine bloße moraliſche Überzeugungskraft, ſondern iſt kraft göttlicher Ordnung mit göttlichem Geiſte und göttlicher Kraft beſeelt, ſo daß es wirklich und wahrhaftig den heiligen Geiſt mit ſich bringt, das Herz des Menſchen durchdringt, innerlich ändert, und dar⸗ in Bekehrung, Wiedergeburt ꝛc. wirkt. Dieſe Kraft kommt bei dem Gebrauche des Wortes nicht erſt zu demſelben, ſondern haftet daran unzertrennlich, demſelhen vermöge göttlicher Mit— theilung inwohnend. her das Inſtrument zur Bekehrung des Men— ſchen ꝛc., nicht blos als ein Hammer, ein Stab und andere todte Inſtrumente, die in ſich keine Kraft haben, ſondern erſt wirkſam werven durch die Hand deſſen, der ſie führt, ſondern auch als ein Feuer, als ein Saame, als eine Speiſe, als eine Leuchte und andere Werkzeuge, die ihreKraft in ſich ſelbſt tragen. Was aber dem Worte zu⸗ kommt, das kommt auch den heiligen Saera— menten zu, welche das ſichtbare Wort und, wie Gerhard ſich ausdrückt, gleichſam ein kurzer Aus— zug des ganzen Evangeliums ſind. Und was endlich, um uns hier wieder von Gerhard ge— brauchter Worte zu bedienen, „was in der Schrift dem Amte des Wortes und der Sacramente zu⸗ geſchrieben wird, dies wird auch den Dienern, den Verkündigern des Wortes und den Verwal⸗ tern der Sacramente zugeſchrieben, nicht in Rück— ſicht ihrer Perſon, ſondern in Rückſicht ihres Am- tes, ſofern ſie nehmlich das Wort predigen und die Sacramente verwalten. So iſt das Evan⸗ 2 Wir bemerken hier, daß Herr Paſtor Grabau glücklicher⸗ weiſe die Inconſequenz begeht, die Nothtaufe durch nicht zum Amte Berufene für gältig zu halten. D. R. Das Wort Gottes iſt da⸗ gelium eine Kraft Gottes zur Seligkeit, Röm. 14 16., und Timotheus, das Evangelium predi⸗ gend, macht ſich und die, welche ihn hören, ſelig. 1 Tim. 4, 16.“ Dies iſt lutheriſche Lehre. Was haben nun hingegen die Reformirten gelehrte Sie haben gelehrt und lehren noch, wie folgt. ʃ4 Das Wort, welches die Menſchen erleuchte, b⸗ eigentlich nicht das äußerliche Wort, das in der geleſen, ſondern das ewige Wort, welches in Gott iſt. Wie die Saeramente, ſo ſei auch das äußerliche hörbare Wort nur ein Zeichen der in⸗ nerlichen Gnadenwirkungen, welche Gott bei gen wolle. Das äußerliche und geſchriebene mündliche Wort habe an ſich nur eine moraliſcht durch Gründe und Vorſtellungen überzeugende chem der wirkende Geiſt hergehe, dem aber keine göttlich geiſtliche Kraft inwohne. das Wort Gottes ſanimt den Saeramenten auch an denen, welche Gott nicht erwählt habe und in denen daher Gott nicht wirken wolle, nicht die geringſte Kraft. Der an ſie ergehende Beruf ſei kein ernſtlich gemeinter und geſchehe nur, um ſie unentſchulobar zu machen. Ja, weil das Wort nur eine leere Verkündigung und Erzäh⸗ lung ſei, ſo ſei die Abſolution nicht etwa ein die Gnade Gottes und die Vergebung der Sünden bringender und mittheilender Akt, auf den ſich ein armer Sünder als auf eine Handlung Gokttes verlaſſen könne, ſondern nur eine Ver⸗ kündigung des gnädigen Willens Gottes, welche dann Wahrheit werde, wenn Gott in dieſem und komme. Bei dieſer Lehre machen ſie natürlich das Predigtamt gänzlich zu nichte, denn da ſie dem äußerlichen Worte die Kraft zu geiſtlichen Wirkungen abſprechen, ſo ſprechen ſie dieſe Kraft cramente verwalten. Reformirten und Lutheranern hier nicht darum, in welchem Verhältniß die Kraft des Wortes und der heiligen Saeramente, ſofern dieſelben von einem berufenen Pfarrer gehandhabt wer⸗ den, zu der Kraft dieſer Gnadenmittel ſtehen, ſofern dieſelben von einem nicht rechtmäßig Be⸗ den; ſondern es handelt ſich hier um das Amt. des Wortes und der Sacramente an ſich, möͤ⸗ gen dieſelben nun ihr Amt durch das Pfarramt oder durch irgend einen Menſchen thun. Damit aber kein Unkundiger meine, wir bür⸗ deten hier den Reformirten Irrlehren auf, zu denen ſich dieſelben nie ſelbſt bekannt, ſo mögen hier einige Ausſprüche über den Gegenſtand von Reſormirten ſich beſchweren, wenn handgreifliche Irrthümer als „Reformirte“ Irrthümer aufgeſührt werden. Aber mü ten Irrthümer nicht mehr, ſo ſind ſie eben keine Reformirten lich, ſich von der reformirten Kirche loszuſagen. kehre, wiedergebäre, den Glauben wirke ꝛc. ſei Bibel enthalten iſt, werde es nun gehöͤrt oder. A Gelegenheit der Predigt des Wortes hervorbrin⸗ Kraft und ſei ein todter Buchſtabe, neben wel⸗ Daher habe jenem Falle, nehmlich bei den Erwählten, hinzu noch vielmehr den Predigern ab, welchen die⸗ ſelbe eben nur inſofern zugeſchrieben wird, als ſie Gottes Wort predigen und die heiligen Sa⸗ Der Leſer ſieht, es handelt ſich zwiſchen den rufenen oder von einem Laien gehandhabt wer⸗ ) Es geſchieht nicht ſelten, daß die jetzigen ſogenannten Unrecht. Haben einige ſogenaunteReformirte die einſt gelehr⸗ ‚ im geſchichtlichem Sinne und ihre Pflicht wäre es dann eigent⸗ x