# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1845 11 29_S25 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Der Lutheraner. „Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von C. F. W. Walther. Jahrgang 2. St. Louis, Mo., den 29. November 1845. No. 7. Bedingungen: Der Lutheraner erscheint alle zwei Wochen einmal für den Subscriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterschreiber, welche davon die Hälfte vorauszubezahlen und das Postgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. Falsche Lehre der Methodisten von der Rechtfertigung, nachgewiesen aus ihrer Kirchenordnung. (Schluß.) Der zweite Hauptpunct, aus welchem ihnen dasselbe nachgewiesen werden kann, ist dieser: Sie machen Menschensatzungen zu Gottes Geboten und verbinden die Gewissen damit. Ich rede hier nicht von guten menschlichen Ordnungen, die nicht in der Meinung gemacht werden, als wären sie nöthig zur Seligkeit, sondern die allein das Absehen haben, gute christliche Zucht, Ordnung, Friede und Einigkeit zu erhalten; denn diese soll man allerdings um des Gewissens willen halten, nicht als wäre die Seligkeit daran gebunden, sondern weil durch Uebertretung derselben die christliche Liebe und Einigkeit zertrennet wird. Von solchen rede ich hier nicht, sondern allein von den Satzungen, die als ein nöthiger Gottesdienst aufgerichtet werden, und womit man die Gewissen auf solche Weise verbindet, daß sie diese Satzungen nicht bloß um der Liebe des Nächsten willen, sondern um der Seelen Seligkeit willen halten sollen. Und davon finden wir in der Kirchenordnung der Methodisten verschiedene Beispiele. S. 44 wird den Predigern eingeschärft: „verändere nichts an unsern Regeln, sondern halte sie — nicht aus Furcht, sondern des Gewissens halber;“ und S. 45.: „Handle in allen Dingen nicht nach deinem eigenen Willen, sondern als ein Sohn im Evangelium. Als ein solcher bist du verpflichtet, deine Zeit auf die von uns vorgeschriebene Weise anzuwenden“ u. s. w. Diese Vorschriften wegen Anwendung der Zeit sind aber offenbar nur Menschengebote; denn es gehört dazu nach S. 59. die pünctliche Beobachtung der am Abend und Morgen zum geheimen Gebet bestimmten Stunden, das Lesen der Bibel zu einer bestimmten Zeit, (wird man hier nicht unwillkürlich an das katholische Brevier erinnert?) die Genießung des heil. Abendmahles, so oft man Gelegenheit dazu hat, das wöchentliche Fasten, die Einschränkung der Unterhaltung mit Andern auf nicht länger als Eine Stunde u. dgl. Und alle diese Vorschriften soll der Prediger Gewissens halber als Gottes Gebote halten, denn er ist, wie sie sich ausdrücken, „dazu verpflichtet, als ein Sohn im Evangelium.“ *) In der Apologie der Augsburgischen Confession wird als Beweis der falschen Heiligkeit der ketzerischen Enkratiten angeführt: „Sie trunken keinen Wein.“ Art. 11. Von der Priesterehe. Daher wird auf S. 46. dem Prediger die scharfe Frage vorgelegt: „Willst du die Regeln für Prediger Gewissenshalber halten?“ Obgleich selbst gegen die Zweckmäßigkeit dieser Regeln, bloß als menschliche Ordnungen betrachtet, manches zu erinnern wäre, so lasse ich doch dieses dahingestellt sein. Manche auch unzweckmäßige Regeln und Vorschriften lassen sich um der Liebe willen tragen und dulden; aber daß man sie zum Ansehen göttlicher Gebote erhebt und die Gewissen damit verstrickt, das ist auf keine Weise zu dulden; denn es thut der christlichen Freiheit Eintrag, streitet wider die Rechtfertigung allein durch den Glauben und ist eine Versuchung Gottes. Apgsch. 15, 10. Doch nicht bloß den Predigern, sondern auch dem Volke insgemein werden solche Gewissensbande angelegt. S. 96. werden unter den Sünden, die den „zukünftigen Zorn“ auf uns laden, auch folgende aufgezählt: das Trinken geistiger Getränke,*) wo es nicht ein Nothfall erfordert; Bücher lesen, die nicht die Erkenntniß und Liebe Gottes zum Zwecke haben;“ vergl. damit S. 106. Und um diesen Geboten desto mehr Nachdruck zu geben, werden sie sogar S. 106. hergeleitet aus dem Glauben, der die Welt überwindet. Wenn der Weltüberwindende Glaube nichts Höheres zu leisten vermag, dann ist er wahrlich dürftig genug! Ueber diese und andere Gewissenmacherei der Methodisten schlage der Leser nach Col. 2, 16 — 23. Wer diese Stelle recht beherzigt, kann sich unmöglich durch den hochgeistlichen Schein des Methodismus bethören lassen. S. 109 findet sich ein Beispiel, daß sie Gottes Gebote um ihrer menschlichen Gebote willen aufheben. Sie lassen dort einem Mädchen zu, ohne die Einwilligung der Eltern zu heirathen, wenn sie es für ihre Pflicht hält, zu heirathen. Wer sieht nicht, daß damit nur dem Gutdünkel und Eigenwillen ein Schutzbrief gegeben wird? Denn wie manche wird ihren Gutdünkel für Pflicht halten, und damit wider die Eltern trotzen. Die andere Ausnahme, unter welcher einem Mädchen verstattet wird, ohne Einwilligung der Eltern zu heirathen, ist eben so schwankend, nämlich: wenn es ihr die Eltern durchaus nicht gestatten wollen, einen Christen zu heirathen. Es können aber die Eltern ganz andere Begriffe von einem Christen haben, als das Mädchen, und der Eltern Begriffe können bei weitem richtiger sein, als die des Mädchens. Warum macht man doch solche Satzungen, die den Geboten Gottes so nachtheilig werden können? Mit allen dergleichen Satzungen und Geboten gerathen unsere Gegner in das Urtheil, das der HErr JEsus Christus gefällt hat: „Vergeblich dienen sie mir, dieweil sie lehren solche Lehren, die nichts als Menschengebote sind.“ Und wie ist's auch möglich, daß man da von Gottes Geboten recht lehren könne, wo man den rechten Grund des Glaubens verloren hat? Der Satan ist nicht bloß der Lehre vom Glauben feind, sondern auch der Lehre von guten Werken. Dies erkennt man daran, sagt Luther in der Auslegung über Gal. 5. 14., „daß der Teufel alle Werkheiligen, so für die besten und frömmsten in der Welt gehalten werden, so bethört und bezaubert, und durch sie alle, so ohne Erkenntniß und Glauben Christi sind, daß sie kein Werk thun von Gott geboten, sondern allein treiben und dringen auf etwas Sonderliches, das sie selbst aus eigner Andacht und guter Meinung erdichtet haben, das doch im Grunde der Wahrheit nichts anders ist, denn ein kindisch Taschenspiel. Weil es aber gleißet, wird die glaublose Vernunft dadurch betrogen, hält viel und hoch davon und meinet, es sei der rechte Gottesdienst.“ Solche selbsterwählte Heiligkeit führt zu einer unleidlichen Hoffart; nichts gefällt ihnen, als ihr eigner Dünkel, und diesen eignen Dünkel nennen sie kühn und frech Wort Gottes, wenn man sie aber mit dem rechten Wort überführt, so verdammen sie es als Ketzerei. Es gemahnt mich dabei dessen, was Dr. Luther sagt in der besondern Erklärung des Spruchs Gal. 1, 4—5: Je weiser und frömmer du bist, ohne Erkenntniß und Glauben Christi, je heftiger verfolgst du die rechte Lehre, lästerst und verdammest sie für Ketzerei und Teufels-Lügen: nimmst dagegen Irrthum und Lügen an für Gottes Wort und verrichtest sie für Wahrheit, hassest und wirst von Herzen feind allen denen, so Gottes Wort rein lehren, hören und bekennen, ja verdammest sie als Verführer und Ketzer und meinest, du thust recht und wohl