# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1852 07 19_S200 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) wird, und endigt auch mit Verderbniß, mit der Auflöſung dieſes Lebens ſelbſt. Der Tod aber, der eine Erlöſung von den jetzigen Uebeln ge⸗ währt und zu einem höheren Leben führt, ich weiß nicht, ob man ihn eigentlich Tod nennen ſollte, da er mehr dem Namrn als der That nach furchtbar iſt. . . Es gibt nur ein Leben, auf das (göttliche) Leben hinzu⸗ ſchauen;z es gibt nur einen Tod, die Sünde; denn ſie iſt der Seele Ver⸗ derben. Alles Uebrige aber, um deßwillen Manche ſich ſtolz erheben, iſt ein Traum⸗— geſicht, ein verführeriſches Trugbild der Seele. Wenn wir ſo denken, o meine Mutter, dann werden wir uns des Lebens wegen nicht überheben, noch um des Todes willen uns ängſti— gen. Denn was doch erdulden wir Schlimmes, wenn wir von hier zum wahren Leben hindurch dringen, wenn wir, aus allem Wandel, aus al⸗ lem Strudel, aus allem Ueberdruß, aus aller Zinsbarkeit an das Schlechte befreit, dort ſein werden bei den ewigen nicht mehr wandelbaren Dingen, als kleine Lichter das groͤße Licht um⸗ kreiſend!“ Dieſe Worte des Sohnes ſchienen für die Mutter, deren ganzes Leben eine Vorberei⸗ tung auf den Tod geweſen, eine noch nähere Mahnung an das Ende zu ſein. Wahrſchein— lich überlebte die Hochbetagte ihren Gatten nicht lange. Sie hatte einen ſchönen Tod. Ohne von Kränklichkeit oder Alter niedergebeugt zu ſein, ging ſie zum Gebet in die Kirche. Hier in dem Gotteshauſe, welches ihr Gatte großen⸗ theils erbaut und vor dem Altar, wo er ſo lange als treuer Hirte gedient, ward ihr das Ziel der Lebensbahn geſteckt. Wahrſcheinlich vom Schla— ge gerührt, hielt ſie ſich mit der einen Hand am Altare feſt, die andere erhob ſie flehend zum Himmel und ſank dann mit den Worten zuſam⸗ men: „Sei mirgnädig, mein König Chriſtus!“ Auch ſie wurde, betrauert von Al-— len, beſonders von Armen, Wittwen und Wai⸗ ſen, bei den Märtyrern zur Seite ihres Gatten beſtattet. Der allein überlebende Sohn feierte ſie durch eine Rede und durch mehrere Gedichte. In einem derſelben ſagt er: „Beweinet, Sterb⸗ liche, das ſterbliche Geſchlecht! Wenn aber je— mand wie Nonna betend ſtarb, dann weine ich nicht.“ C. Ullmann. Der Rangſtreit. Der berühmte Würtembergiſche Theolog J o- hannes Brentius hatte einen Sohn glei⸗ ches Namens, der aber, wie ſo oft geſchieht, zwar ſeines großen Vaters Namen trug, aber ihm we— der an Gelehrſamkeit, noch an Gottſeligkeit gleich war. Während jedoch der alte Brentius nie die Doctorwürde angenommen hatte, ſo ließ ſich hin— gegen der Sohn es recht gerne gefallen, noch bei Lebzeiten ſeines ehrwürdigen Vaters zu einem Doctor der Gottesgelehrtheit ereirt zu werden. Es wäre dies freilich an ſich durchaus nichts Unrechtes geweſen. Es war vielmehr eine 27 rech⸗ — 198 — te Narrheit des berüchtigten Carlſtadt, wel— cher, als er zu höherer Erkennt niß und Geiſtlich— keit gekommen zu ſein durch Satans Eingeben wähnte, ſich nicht mehr „Herr Doctor!“ ſondern nur ſchlechthin „Nachbar Andre's“ nennen laſ⸗ ſen wollte; denn auch die theologiſchen Würden, wenn ſie nach Würden ansgetheilt werden, ſind eine gute, löbliche, heilſame Ordnung der Kirche. Allein unſer junger Brentius, dem doch hauptſächlich zu Ehren ſeines Vaters jene Auszeichnung zu Theil geworden war, wußte ſich in die ihm widerfahrene Ehre ſchlecht zu finden. Einſt ging derſelbe neben ſeinem Vater daher, der Vater, wie es ſich ziemte, oben, der Sohn un⸗ ten an. Nachdem ſie nun eine Weile ſo gegan⸗ gen ſind, hebt endlich der Sohn an: „Herr Va— ter, ich bin jetzunder ein Dortor, Ihr aber ſeid kein Doetor; deßwegen iſt's ja billig, daß nicht Ihrmir, ſondern ich Euch für- und alſo auf der rechten Seite gehe.“ Der Vater antwortete: „Freilich wohl, denn weißt Du nicht, wie es der Mühlknecht mit ſeinem Eſel macht? Derſelbe, er trage gleich den Sack mit Korn in die Mühle oder aus der Mühle, geht doch dem Müller al— lenthalben vor. —Lieber Leſer, bedenke hierbei, obgleich die Ehrſucht nie ſchimpflicher iſt, als wenn ſie ſich bei Predigern und Gottesgelehrten findet, die ja nach 1 Pet. 5, 3nicht über das Volk herr— ſchen, ſondern Vorbilder der Heerde ſein ſollen, auch in der Demuth; ſo iſt es doch, einige Verſe weiter in jener Stelle, allen Chriſten ge⸗ ſagt: „Alleſammt ſeid unter einander unterthan und haltet feſt an der Demuth. Denn Gott wi— derſtehet den Hoffärtigen, aber den Demüthigen gibt er Gnade.“ 1 Pet. 5, 5. Nachgeben in der Lehre. So ſchreibt Luther im Jahre 1530: „Wollte man gleich hoch herausſtreichen, was vor Nutz und Förderung dem gemeinen Friede und Weſen, allen frommen Leuten der deutſchen Nation, dem heiligen römiſchen Reich und dem chriſtlichen Glauben daher entſtehen würde, wenn man in einigen Stücken und Artikeln etwas nachgäbe; und zugleich anführen, was vor Nie— derlagen, Schäden und Ungemach erfolgen wür⸗ de, wenn es zum Krieg und Aufruhr käme, weil ſolchergeſtalt die Religion und evangeliſche Lehre auf beiden Seiten zu Grun⸗ de gehen und die jämmerlichſte Verwirrung aller Geſetze und Ordnungen erfolgen, und der Türke und andere Könige und Fürſten das deut⸗ ſche unter ſich uneinige und zerrüttete Volk über⸗ wältigen würden; darum man den Frieden um geringer Streitigkeiten willen über einige Arti— kel nicht brechen und zerreißen müſſe —: ſo iſt auf ſolche Einwürfe ſchlecht zu antworten und ſagen: Es ergehe, was recht iſt, wenn auch alle Welt drüber zu Trümmern gehen ſollte. Denn ich ſa⸗ ge, daß der Friede in die unterſte Hölle zu ver⸗ weiſen ſei, ſo mit Schaden des Evangelit und des Glaubens erkauft wird und ſie hindert und verletzet. Hernach, obgleich ſolch' Vorgeben ei— nen feinen Schein hat, ſo müſſen wir doch im Grunde der Lehre, die Gott von uns haben will und wir wiſſen, daß ſie wahrhaftig ſei, und um welcher willen wir in allen Kriegen, Nöthen und Gefahrerhal— ten werden, kein haaͤrbreit weichen um zeit⸗ lichen und gemeinen Friedens willen, weil ſol⸗ cher Vorwand uns alle leicht verführen und be⸗ trügen kann. Drittens. da uns geboten und! befohlen iſt, daß wir das Wort Gottes bekennen und von ſolchem Gebot nicht ſo leicht weichen.! ſollen, ſo muß man alle Gefahr, die wegen des Bekenntniſſes des Evangelii über uns ergehen mag, ihm anheim ſtellen, der auch ohne unſern Rath und Borſchrift ſchon weiß, wie er ſeine Kirche zur Zeit der grimmigſten Toraunen ſchü⸗ tzen ſolle, wie er auch vor dieſen Zeiten bei einer Welt, die voller Tyraunen und Schwärmer ge— weſen (nehmlich zur Zeit Arii und anderer Ke— tzer), gethan hat. Derjenige nun, welcher bis— her, da keine Hoffnung des Heils hervorgeblicket, geholfen und gerathen hat, und es fernerweit thun wird, der regiere und führe uns alſo, daß wir die reine und lautere Lehre des Evangelii getroſt bekennen, welchem ſei Ehre und Preis in Ewigkeit. Amen!“ Mögen dieſe Worte des treuen Kämpfers die⸗ jenigen beruhigen, die auch an den jetzigen. Kämpfen um die reine Lehre ſich ärgern und meinen, daß das Chriſilichſte dieſes ſein würde, wenn man gegenſeitig etwas nachließe, ſtille ſchwiege und Frieden ſchlöſſe. Bekehrung durch das Leſen der Bibel. Zu Anfange des 17. Jahrhunderts lebte zu Recklingshauſen in Weſtphalen ein Jude mit Namen Gerſon. Neben der Sünde des Wu⸗ chers, die ihn gänzlich beherrſchte, lebte in ſei⸗ nem Herzen eine bittere Feindſchaft wider das Chriſtenthum, die oft in Läſterungen wider IE= ſum ſich Luft machte. Auch er ſchien unter dem: Gerichte der Verſtockung zu liegen, womit das, unſelige. Israel nach Verwerfung und granſa⸗ mer Ermordung ſeines Meſſias nun ſeit 1800 Jahren geſtraft iſt. Doch was geſchah? Einſt⸗ mals kam eine arme tchriſtliche Wittwe zu dem Wucherer, um von ihm eini ge Stüber gegen ho⸗ he Zinſen zu lehnen. Sie hatte aber nichts, was ſie dafür verpfänden konnte, als ein ſchönes Er⸗ emplar der neu⸗teſtamentlichen Schriften in lu⸗ theriſcher Ueberſetzung. Gerſon nahm endlich das Pfand an. Als er aber ſieht, daß es das Buch der Chriſten ſei, entſteht in ihm eine Be⸗ gierde, zu wiſſen, was doch wohl für närriſche! Sachen darin ſtehen möchten. Er nimmt nocht zwei andere Juden zu ſich und lieſt mit denſel⸗ ben das heilige Buch durch. Anfangs ſchütten.7 Alle arge Läſterungen über das Geleſene ans. Doch Gerſon wird, je tiefer er hineinkommt, immer unruhiger. Er empfindet Regungen in ſich, die er vormals nie empfunden hat. Er⸗ ſchlägt die Stellen der Propheten nach, in wel⸗ chen nach dem Zeugniſſe der Evangeliſten von den⸗! IEſus von dem Nazareth, als dem Meſſias des. Volkes Israel und aller Völker der Erde, ge⸗