# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1844 09 01_S2 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 2 und rechtschaffen treibest. Denn dieser Punkt ist das Hauptstück und der Eckstein, der allein die Kirche Gottes gebieret, stärket, erbauet, erhält und schützet; und ohne den kann die Kirche Gottes keine Stunde bestehen; wie Du selber, lieber Brenz, wohl weißt und deß mit mir eins bist, und derhalben um dieser Ursache willen solchen Artikel also gewaltiglich treibst. Denn es kann auch keiner in der Kirche etwas rechtschaffen lehren oder einigem Widersacher wohl widerstehen, der dieß Stück, oder wie es St. Paulus 2 Tim. 4, 3. nennt, „„die gesunde reine Lehre““ nicht recht gefaßt hat, oder wie Paulus selbst spricht, „„über der Lehre nicht festhält.““ Endlich sagt Luther in seinem unvergleichlichen Commentar der Rede Christi im 14. bis 16. Cap. des Ev. Johannis: „Das Erkenntniß Gottes und Christi ist nicht ein fauler, loser Gedanke oder Traum, wie die Vernunft mag von Gott und Christo denken und hören sagen, und nach solchen ihren eignen Gedanken Gott abmalt und gegen ihn handelt; sondern es ist der rechte lebendige Glaube, so das Wort des Evangelii fasset und nach demselben ihn kennet, und weiß des Vaters Willen und Herz, daß er seinen Sohn, Christum, gesandt hat, durch sein Blut und Tod der Welt von Sünden, Gottes Zorn und dem ewigen Tod zu helfen; und daß Christus solches alles ausgerichtet, Vergebung der Sünden und ein ewiges Leben erworben hat und wahrhaftig schenket allen, die an ihn glauben, also, daß Christi und des Vaters Erkenntniß zusammengebunden und ein einig Erkenntniß ist; wie droben oft gesagt ist, daß der Vater allein in Christo erkannt wird und nicht will, noch kann außer diesem Mittler erlangt und getroffen, noch angebetet und angerufen werden. Darum liegt es gar an diesem Artikel von Christo und hanget alles daran; wer diesen hat, der hat alles, und müssen die Christen darob im höchsten Kampfe stehn und stetigs streiten, daß sie dabei bleiben mögen; darum auch Christus und die Apostel nicht ohne Ursache allenthalben hierauf dringen. Denn die andern Artikel, wiewohl sie auch in der Schrift gegründet sind (als, daß Maria, eine reine Jungfrau, Christum geboren habe), doch treibet sie solche nicht so hart, daß St. Paulus (da er über diesem Artikel streitet,) auch nicht achtet, die Mutter zu nennen, noch die Ehre der Jungfrau anzeucht, sondern schlechts dahin saget Gal. 4, 4. natum ex muliere: von einem Weibe geboren. Aber in dem ist er gar und ganz, daß wir nicht durch Werk und Gesetz, sondern allein durch diesen Mittler, Christum, Gnade und Seligkeit bei Gott erlangen. Denn das ist auch allein der Artikel, der da allezeit muß Verfolgung leiden vom Teufel und der Welt. Wie denn davon verkündiget ist bald im Anfang, in der ersten göttlichen Predigt, so zu dem Menschen nach dem Fall geschehen ist: 1 Mos. 3, 15.: „„Ich will Feindschaft legen zwischen deinem Saamen und der Schlange, und derselbige wird dir den Kopf zertreten, du aber wirst ihn in die Ferse stechen ꝛc.““ Das ist eben die Feindschaft, davon Christus hier (Joh. 16, 3.) sagt, daß seine Christen um seines Erkenntnisses willen und daß die von ihm predigen, müssen beide, in Bann gethan und getödtet werden. Andere Artikel haben auch Anfechtung gehabt, aber keiner soviel Blutvergießen und Marter gemacht, als dieser. Denn es auch so bald angefangen hat in den zweien Brüdern, Cain und Abel, daß der eine darum hat müssen sterben von des andern Händen, und wird nicht aufhören, so lange die Welt steht. Wo dieser aufgeht, da ist der Teufel toll und thöricht, und brennet die Welt in eitel Feuer und lichterlohe vor Zorn und Toben. Und man siehet in allen Historien, daß alle Ketzerei und Irrthum entstanden sind, wo dieser Artikel gefallen ist, da die Leute sicher worden, als könnten sie ihn sehr wohl; und also von diesem auf andere Dinge gefallen und angefangen zu disputiren von der Person Christi, ob er wahrhaftiger Gott oder lauter Mensch wäre, und mit solchem Speculiren und Fragen alles Unglück eingeführet, da einer die Gottheit Christi, der andere die Menschheit, item etliche die Person des heil. Geistes, etliche die Jungfrauschaft Mariä verleugnet: aber alle zumal, so viel ihr gewesen sind, auch in diesem Hauptstück geirrt und verführt haben. Denn in diesem hanget und stehet es alles, und zeucht die andern alle mit sich, und ist alles um diesen zu thun, daß, wer in den andern irret, hat gewißlich auch diesen nicht recht, und ob er gleich die andern hält, und diesen nicht hat, ist es doch alles vergeblich. Wiederum hat auch dieser Artikel die Gnade, wo man mit Fleiß und Ernst dabei bleibet, daß er nicht läßt in Ketzerei fallen, noch wider Christum und seine Christenheit laufen. Denn er bringet gewißlich den heiligen Geist mit sich, welcher dadurch das Herz erleuchtet und hält in rechtem gewissen Verstand, daß er kann reinen und dürren Unterschied geben und richten von allen andern Artikeln des Glaubens, und dieselben gewaltiglich erhalten und vertheidigen. Wie man auch wohl siehet in den alten Vätern; wo sie bei solchen Artikeln blieben, und ihre Lehre darauf gegründet und daraus geführet, sind sie in allen Stücken fein rein blieben; wo sie aber davon gegangen und außer diesem disputirt, sind sie auch irre gangen und weislich gestrauchelt; wie auch den ältesten, Tertulliano und Cypriano, unterweilen geschehen ist. Und was mangelt noch, nicht allein den Papisten, sondern unsern Rottengeistern allen, so wider die Taufe und andere Artikel schwärmen, denn daß sie schon von diesem gefallen, sich nicht damit bekümmert und dafür andere Dinge aufgeworfen und damit den Verstand verloren, daß sie hievon nichts rechts lehren und keinen Artikel gewiß erhalten können? wie man in ihren Büchern wohl sehen kann; darnach weiter von einem Irrthum in den andern fallen, bis sie zuletzt sich und andere Leute ins Verderben führen. Denn wo dieß Erkenntniß Christi hinweg ist, da hat die Sonne ihren Schein verloren, und ist eitel Finsterniß, daß man nichts mehr verstehet, und kann sich keines Irrthums, noch falscher Lehre des Teufels erwehren. Und ob man wohl die Worte vom Glauben und Christo behält (wie sie im Pabstthum blieben sind), so ist doch kein Grund einiges Artikels im Herzen, und was mehr da bleibt, das ist eitel Schaum und ungewisse persuasiones oder Dünkel, oder ein gemalter, gefärbter Glaube. Wie sie selbst ihren Glauben nennen fidem acquisitam et informem, d. i. ein loser, fauler, lediger Gedanke, der nichts thut noch taugt, weder hält noch kämpft, wenn es zum Treffen geht, daß er halten und sich beweisen soll. Und zwar daß ihr Rühmen vom Glauben und Christo ganz falsch und erlogen ist, beweisen sie selbst mit der That, daß sie diesen Artikel vom Erkenntniß Christi und rechtem Glauben nicht leiden wollen, sondern dawider toben mit Bannen und Morden. Wiederum, wo diese Sonne scheint und leuchtet im Herzen, da ist ein rechter gewisser Verstand von allen Sachen, daß man kann fest stehen und halten ob allen Artikeln, als daß Christus wahrhaftiger Mensch ist, geboren von der Jungfrau Maria, und auch wahrhaftiger allmächtiger Gott, vom Vater in Ewigkeit geboren, Herr über Engel und alle Creaturen. Item also glaubet und lehret er recht von dem heiligen Geiste, von der Taufe, Sacrament, guten Werken, Auferstehung der Todten; gehet also einfältiglich im Glauben, disputirt und klügelt nicht über Gottes Wort, richtet kein Gezänk noch Zweifel an. Und wo jemand kommt, der solcher Artikel einen oder mehr anficht, so kann sich ein Christ wehren und dieselben zurück schlagen; denn er hat den rechten Meister, den heiligen Geist, welcher allein diesen Artikel vom Himmel offenbaret, und allen denen gegeben wird, so dieß Wort oder Predigt von Christo hören und annehmen. Darum wird sich ein solcher nicht lassen verführen in Ketzerei und Irrthum; und ob er schon etwa fehlet oder strauchelt, doch so er nur hievon nicht fället, kommt er bald wieder auf die Bahn. Denn dieß Licht die Wolken und Finsterniß verzehret und vertreibet, und ihn wieder weiset und aufrichtet. Verleuret er aber dies Licht, so ist ihm nicht zu helfen. Denn wo diese Erkenntniß weg ist, so nimmt sie es alles mit ihr, und magst darnach alle Artikel führen und bekennen (wie denn die Papisten thun), aber es ist kein Ernst, noch rechter Verstand, sondern wie man im Finstern tappet und ein Blinder von der Farbe höret reden, die er nie gesehen hat. Das thun die, so unter ihnen die besten und frömmesten sind.““ Von dem Namen „Lutheraner“. A. Ist es nicht unrecht, sich so zu nennen? Wir haben uns nicht gescheut, unserm Blatte die Aufschrift: „Der Lutheraner“ zu geben; wir halten es daher für unsere Pflicht,