# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1852 07 27_S189 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) ſolt: „Liebet Eure Feinde, ſegnet, die Euch fuchen, thut wohl denen, die Euch haſſen, bittet fur die, ſo Euch beleidigen und verfolgen, auf daß Ihr Kinder ſeid Eures Vaters im Hinimel.“ Es iſt vergeblich, daß Ihr mit Eurem Munde wohl ſs frech ſeid, dieſes Verhalten eine ſchimpf⸗ liche und knechtiſche Selbſterniedrigung zu nen⸗ nen, aber Euer innerſtes Gewiſſen zeugt den⸗ noch wider Euren Mund und Ihr könnet nicht darüber hinweg, dieſe ſittliche Schönbeit des wahren Chriſtenthums dennoch im Geheimen auzuerkennen und eine übermenſchliche göttliche Kraft darin zu erblickeu. — So ſeid Ihr alſo ſchon durch die Bekehrung der Heiden während 1800 Jahren, wenngleich) wider Euren Willen, in Eurer Vernunft und Gewiſſen gedrungen und gezwungen, als von einer göttlichen Wirkung auf die göttliche Kraft der heiligen Schrift zurückzuſchließen; und mag ſich hin und her im Laufe der Geſchichte, wie z. B. in dem Miſſions-Eifer Karl's des Großen, in dem Fanatismus der ſpaniſchen Prieſter in Merico und Peru viel Menſchliches und Fleiſch⸗ liches mit hineingemengt haben, ſo wird doch dadurch die göttliche Thatſache niemals aufge⸗ hoben, die ja auch von einer unpartheiiſchen Weltgeſchichte allewege bezeuget wird, daß das Cvangelium von Chriſto eine Kraft Gottes ei, ſelig zu machen Alle, die daran glauben und Sklaven des Teufels zu freien Kindern und Erben Gottes wunderbar umzuwandeln. — Aber auch im äußeren Umfange der Chriſten⸗ heit, innerhalb der chriſtlichen Kirche ſind die großen Thaten des göttliden Wortes und ſon⸗ derlich des gnadenreichen Evangeliums nicht al⸗ ſo im Winkel geſchehen, daß Ihr gar nichts da⸗ von wiſſen ſolltet. Oder ſolltet Ihr wirklich gar nichts davon ge⸗ ſehen oder durch glaubwürdige Leute gehört ha⸗ ben, wie gar manche ſittlich verſunkenen und verkommenen Menſchen, grobe Uebertreter gött— licher und menſchlicher Gebote, Flucher, Läſte⸗ rer, Meineidige, Mörder, Räuber, Diebe, Be⸗ trüger, Hurer, Ehebrecher, Freſſer, Säufer, Lügner, Verleumder, an welchen alle menſchli⸗ chen Beſſerungsverſuche ſich als durchaus ohn⸗ mächtig erwieſen und welche die menſchliche Ge⸗ ſellſchaft als die Grundſuppe und den Abſchaum alles Verderbens bereits von ſich ausgeſtoßen und moraliſch geächtet und vernichtet hatte, ja die zum Theil ſchon von dem rächenden Arm der burgerlichen Gerechtigkeit ergriffen waren — wie gar manche dieſer ſittlich verfaulten und menſchlich unheilbaren Elenden durch die ſanfte und doch ſo mächtige Gewalt des Evangeliums von Chriſto, nachdem ſie zuvor durch das Geſetz Gottes ihr Sündenelend reumuthig erkannt und bekannt hatten, innerlich gründlich geheilt und gleichſam aus grauſamen Tigern, reißenden Wölfen, tuckiſchen Hyänen, unreinen Säuen, geilen Böcken, giftigen Schlangen, geizigen Hamſtern und liſtigen Füchſen zu Lämmern und Tauben wunderbarlich umgewandelt wur⸗ den? Und wiederum, könnt Ihr etwa den glaub⸗ würdigen Zeugniſſen der Geſchichte zumTrotz, das Umgekehrte leugnen, wie gar manche edle und hochbegabte Fürſten, ſiegreiche Feldherren, Peiſe Staatsmänner, berühmte Gelehrte u. gefeierte —187— leuchtenden Sterne ihres Jahrhunderts, die Be⸗ glücker der Menſchheit, die Zierde der Welt all ihre Kronen, Ruhm, Macht, Ehre, Weisheit und Kunſt zu den Füßen deſſen niedergelegt haben, uberwunden durch die Herrlichkeit ſeines Wortes, den Ihr einen gekreuzigten Juden lä⸗ ſtert? Aber anuch dieſe geſchichtliche Thatſache wird Euch ſchwerlich ſo gar verborgen ſein, wie dieſer und jener edle nach weſentlicher, Herz und Kopf zugleich befriedigender Wahrheit und Gottes-⸗ Erkeuntniß ringende Geiſt, nachdem er umſonſt in den tiefſinnigſten Denkern aller Zeiten und Völker nach ihr geſucht und geforſcht, ſie endlich in der heiligen Schrift fand, in welcher in der That, wenngleich nicht in der Form des wiſſen— ſchaftlichen Denkens, enthalten und offenbaret ſind, dem aufrichtigen Wahrheitsſinn alle Schätze der Weisheit und der Erkenntniß über Gott und Menſch, Natuc und Geſchichte und, ſoweit dem Meuſchen hienieden das Erkennen beſtimmt iſt, alle Räthſel und Widerſprüche des menſchlichen Herzens und Lebens befriedigend gelöſt ſind, die ohne das geoffenbarte Gotteswort dunkel und unaufgelöſt daliegen. Und ſollte der höchſte Trinmph des göttlichen Wortes und ſeiner mächtigen Wirkung, auch auf dem Gebiete des Denkens und Wiſſens, Euch ſo gänzlich fremd und unbekannt ſein, wie der in ihm waltende und daſſelbe durchdringende Geiſt der göttlichen Wahrheit je und je mit unwider⸗ ſtehlicher Gewalt auch Solche ergriffen u. über— zengt hat, die eigentlich daran gingen, die heil. Schrift zu widerlegen und ihr goͤttliches Anſehen darniederzuwerfen? Aber freilich waren dieſe von Gottes Wort veſiegten Feinde nicht Ge— ſellen Eures Schlages, die Ihr Euch mit vor⸗ ſätzlicher Bosheit des Herzens und Willens, mit Haß und Empörung wider Gott, mit ſtetiger Erſtickung der naturlichen Stimme des Gewiſ— ſens, mit felshartem Angeſichte und frecher Hu⸗ renſtirn gegen den Allmächtigen ſetzet und, ob⸗ wohl ohumächtige Würmer des Staubes, die Er mit einem Fußtritt zertreten könute, dennoch wähnet, Ihn von ſeinem Throne zu ſtürzen und ſein Wort der Wahrheit zu entkräften. Nein! in jenen aufrichtigen Seelen ſaß der Zweifel nicht im böſen Herzen und Willen, ſondern nur im unerleuchteten Verſtande, und darnm ließ ſich der Gnädige und Allweiſe zu ihrer Saſwäche und Thorheit herab und löſte ihnen durch Er⸗ Widerſpruch der Schrift nach dem andern, ſo daß ſie innerlich immer mehr von der Einheit und Zuſammenſtimmung der heil. Schrift uber— zeugt und ihrer als goͤttlicher Wahrheit gewiß wurden. Ihr aber, ſo lange Ihr in Eurer Bos⸗ heit des Herzens und Willens wider Gott ver⸗ harret, ſollt nach ſeinem gerechten Gericht die Wahrheit nicht erkennen, ſondern in ſeinem Wort, darin Er ſich ebenſo Euch verbirgt, als jenen offenbart, nichts als Fiuſterniß, Irrthum, Thorheit, Unſinn und Aberwitz finden; denn wie mau Gott ſuchet, ſo findet man ihn, und mit den Verkehrten iſt er verkehrt. Jene herrlichen Thatſachen aber von den ge⸗ waltigen Wirkungen des göttlichen Wortes auf den Gebieten des Lebens undWiſſens innet Ihr, da ſie im Ganzen und Einzelnen das Zeugniß der Geſchichte für ſich haben, unmöglich leugnen, Künſtler, tiefe Denker u. geiſtvolle Dichter, die! ohne Euern böſen Willen wider die Ueberfuh— leuchtung des heiligen Geiſtes einen ſcheinbaren men, die ſich weniger vor der Sache, als vor dem rung Eures Verſtandes und Gewiſſens klar an den Tag zu geben. — Was wollet Ihr aber ſchließlich dem antwor⸗ ten, der, nachdem er früher eine geraume Zeit einer Eurer verehrteſten Helden und Abgötter war, jetzt, von der gewaltigen Hand Gottes er⸗ griffen und heilſam gedemuthigt, eine gar an⸗ dere Speache redet und zugleich darin Zeugniß und Urtheil über und wider Euch erhebt? Ich meine nämlich deu begabten deutſchen Dichter H. Heine in Paris, der durch Jahrzehnte mit Euch des HErrn geſpottet und ſein Wort verachtet, dagegen den Menſchen und ſeine Weisheit und Fleiſchesluſt verherrlicht und ver⸗ göttert hat. O wie erkennet er jetzt in den Schmerzen der Krankheit und unter dem Siechthum des Lei! es die Ohnmacht und Nichtigkeit ſeiner früheren Phantaſien und Träume, die Thorheit ſeiner Weisheit, das Bodenloſe und Troſtloſe ſeiner Philoſophie, die Verkehrtheit ſeines Herzens und Willens! Wie iſt ſein Gewiſſen aus ſeiner Betäubung erwacht, aus der Unterdruckung hervorgebrochen, aus dem Verſtummten ein laut redender Zeuge geworden! Jetzt ſchämt er ſich nicht zu bekennen, „daß er zu Gott zurückgekehrt ſei, wie der verlorne Sohn, nack dem er lange Zeit bei den Hegelia— nern die Schweine gehutet;“ jetzt erklärt er of— fen, daß er den „Gott der Pantheiſten (Welt⸗ vergötterer u. Leugner des perſoͤnlichen Gottes) nicht gebrauchen könne, da er ein armes träu⸗ meriſches Weſen und mit der Welt verwebt und verwachſen, ja gleichſam in ihr eingekerkert ſei, willenlos und ohnmächtig; denn um einen Wil⸗ len zu haben, muſſe man eine Perſon ſein, und zudem, wenn man einen Gott begehre, der zu helfen vermag, ſo muſſe man auch ſeine Perſön⸗ lichkeit, ſeine Außerweltlichkeit und ſeine heili⸗ gen Attribute (Eigenſchaften): die Allgüte, die Weisheit, die Allgerechtigkeit ꝛc. annetmen. Deshalb habe er denn auch ſolche Gedichte, die nur halbweg „Anzuglichkeiten“ gegen den lieben Gott enthielten, mit ängſtlichem Eifer den Flam— men uberliefert; denn es ſei beſſer, daß die Verſe brennen, als der Ver⸗ ſifer (der Versmacher).“ Sodann bemerkt er, „daß der Gott der Pantheiſten im Grunde gar kein Gott ſei und daß uberhaupt di ePan⸗ theiſten eigentlich nur verſchämte Atheiſten ſei⸗ Schatten, den ſie an die Wand wirft, naͤmlich vor dem Namen fuͤrchten. Und da nun einmal nur zu wählen ſei zwiſchen dem abſoluten Bibel— gott und dem Atheismus, ſo bekenne er, daß er zu dem alten Aberglauben (wie nämlich die Feinde den wahren Glauben nennen) zu einem perſönlichen Gotte zuruckgekehrt ſei; und obgleich die bohe Geiſtlichkeit des Atheismus — nämlich Ihr und Eures Gelichters — ihr Anathema uben ihn ausgeſprechen habe und die fanatiſchen Pfaf— fen des Unglaubens ihn gern auf die Folter ge— ſpannt, damit er ſeine Ketzerei bekenne „ſo wolle er dies vor der Tortur thun und eben bekennen daß er wie der verlorne Sohn zurückgekehrt ſei Auch wolle er dieſes keinesweges vertuſchen, wi es mancher aufgeklärte wohlmeinende Freun verſucht habe.“ Sehet da! dieſer Heine, einer Eurer frühg ren Lieblinge und Hauptleute, der nach Gotte